3.2.2019 Thermen-Marathon Bad Füssing  
Autor: Bernie Manhard Bericht mit allen Bildern
 
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Rodgau Ultra
Thermen-Marathon A
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Ein Jahr nach dem großen Jubiläum hat der 26. Johannesbad Thermen-Marathon nichts an Popularität eingebüßt. Auch heuer sind wieder fast 2.400 Läufer und Läuferinnen aus 15 Nationen angemeldet und man erreicht damit wieder ähnliche Zahlen wie im Vorjahr. Das ist bei anderen Läufen nicht immer so und zeugt von der großen Beliebtheit dieses Events. Ansonsten gäbe es eigentlich wenig Neues zu berichten, wenn da nicht …aber dazu komme ich später.

Herumgesprochen hat sich mittlerweile auch, dass man beim Thermen-Marathon praktisch zum Nulltarif an den Start geht, rechnet man die vielen Zusatzleistungen auf. Für das bescheidene Startgeld von € 29 bei Voranmeldung bekommt der Läufer beträchtliches geboten. Zur üblichen Infrastruktur mit Verpflegung, Medaille und Massage nach dem Rennen kommt noch die Pastaparty mit Salatbüffet und Getränk im Restaurant des Johannesbades. Dazu gibt’s noch Gutscheine für die Therme am Samstag und Sonntag und oben drauf hier sogar zusätzlich noch einen Bon für eine Begleitperson. Am Samstagnachmittag findet ein Sportsymposium statt. Im 10. Stock des Johannesbades erzählt Ex-Profi Schiedsrichter Babak Rafati „Vom Hinfallen und Wiederaufstehen: Alles hat zwei Seiten! Die Höhen und Tiefen des Spitzensports“. Rund 200 Zuhörer haben sich eingefunden. Wir sind etwas zu spät vor Ort und müssen uns das entgehen lassen.

Mit Charly und Greppi reise ich am Samstag an. Iris hat sich beim Langlauf versucht und muss jetzt leider mit Gehirnerschütterung passen. Wie immer nützen wir vor dem Marathon das üppige Wellnessangebot auch ausgiebig aus und unser erster Weg führt nach dem Einchecken im Hotel in die sprudelnden Becken des Johannesbades. Schnee gibt’s heuer so gut wie keinen und mit plus 4 Grad herrschen auch ganz ordentliche Lauftemperaturen.

Aber dann kommt wieder mal alles ganz anders. Um 4 Uhr in der Nacht fängt es heftig zu schneien an und verzaubert die Landschaft in einen Wintertraum unter einer 20 cm dicken Schneeschicht. Da sind auch die vielen eifrigen Helfer vor Ort nicht mehr in der Lage das alles weg zu schippen. Zu Fuß spazieren wir die 10 Minuten von unserem Hotel zum Bad, da können wir uns bereits ein Bild machen, wie der Streckenuntergrund so ausschaut. Wird nicht einfach. Ansonsten aber sieht die Winterlandschaft mit noch immer leichtem Schneefall toll aus und das hat ja auch was für sich.

In der Therme wuselt es nur vor Menschen. An der Startnummernausgabe hat sich eine lange Schlange gebildet, da sollte man schon etwas Zeit einplanen. Nachmelden kann man sich auch an einem elektronischen Terminal. An mehreren Touch-Screen-Bildschirmen kann man vorab schon seine Daten eingeben. Richtig was los ist da aber nicht, finde ich. Kurz vor dem Start des Zehners wird bekannt gegeben, dass der Start für alle Läufe um 15 Minuten nach hinten verschoben wird. Wegen des Wintereinbruchs sind noch viele Teilnehmer auf den Straßen unterwegs und um noch einigen die Chance zu geben, doch noch rechtzeitig an den Start zu kommen, die Verschiebung. Dennoch schaffen es heute viele nicht mehr pünktlich.

Auf der Empore am Haupteingang spielt die Blechbläsergruppe „Querdreiba“, mit dem Standkonzert kann man sich etwas die Zeit vertreiben. Als Schirmherrin fungiert heuer Anja Scherl, die Olympionikin von Rio gibt den Startschuss für alle Läufe. Sie gibt uns mit auf den Weg: „Passt auf Euch auf und hört auf Euren Körper.“ Die Startgerade ist völlig vereist und sorgt für verschärfte Bedingungen. Die Böllerschützen Hofmark haben sich wie immer gegenüber im Feld aufgestellt und schicken uns unüberhörbar auf die Reise.

Die „neue“ Strecke hat sich auch schon wieder seit vier Jahren etabliert, aus ehemals zwei Runden beim Marathon sind damals vier geworden. Jetzt laufen wir eine 11er und eine 10 km lange Schleife jeweils zweimal. Runde eins führt uns am Ende der total vereisten Startgeraden scharf nach rechts. Nach dem Eis kommt teilweise fast knöcheltiefer Schneematsch. Nach einem Kilometer erreichen wir den Ortsteil Würding. Wer hier noch trockene Füße hat, hat gutes Schuhwerk. Ich habe meine Trailschlappen gewählt mit Profil und aus einigermaßen wasserresistentem Material. Nützt heute trotzdem nix. Hinter mir kommt der Pumuckl, heute als Mozart und mit Schuhen unterwegs und das hat einiges zu bedeuten. Ich bin heute bereits zum 10. Mal in Bad Füssing am Start, so schwierige Bodenverhältnisse gab es in diesen Austragungen noch nie.

Nach anderthalb Kilometer erreichen wir die einzige richtige „Berg-Herausforderung“ des Kurses. Die Überführung kann „stolze 6 Höhenmeter“ aufweisen und ist damit der einzige Aufstieg auf der sonst topfebenen Strecke. Obwohl mir am Ende des Tages mein GPS 190 Höhenmeter einreden will. Spüren tut man die jedenfalls nicht. Immer geradeaus weiter geht es auf einem Radweg. Hier sind auch längere Abschnitte frei von Schneematsch.

Theo, Albert und Martin schließen auf mich auf. Die drei sind die einzigen, die bisher an allen 26 Austragungen am Start waren. Zum Jubiläumslauf im Vorjahr haben sie sich eigene Shirts mit aufgedruckter Schärpe machen lassen. Nach etwa drei Kilometern höre ich hinter mir einen lauten Schepperer. Ein Busfahrer, der keine Möglichkeit sah, die abgesperrte Laufstrecke zu überqueren hat den Rückwärtsgang eingelegt und dabei einen hinter ihm wartenden PKW übersehen. Greppi und einige Dutzend Läufer sind so Zeuge von einem deftigen Auffahrunfall geworden. Ja, heute ist richtig was los. Die erste Verpflegungsstation erreichen wir nach 4,5 km. Für mich ist der warme Tee die optimale Wahl.

Am Ortseingang von Safferstetten wartete ein etwa zweihundert Meter langes Begegnungsstück mit Wendepunkt auf uns. Hier kann man schön sehen, wer so ein Stückchen vor oder auch hinter einem liegt. Greppi liegt kurz hinter mir, natürlich gibt’s da ein gegenseitiges Foto. Schwierig wird hier wieder unser Untergrund, innerhalb der Ortschaft gibt es viele festgetrampelte und damit eisige Abschnitte. Also, aufpassen bei Schnee und Eis, lieber etwas vorsichtiger und damit langsamer.

Im Ortsteil Safferstetten fanden seinerzeit die Bohrungen und die Entdeckung der Thermalquellen statt. Anstatt des erhofften schwarzen Goldes sprudelte 56 Grad Celsius heißes Thermalwasser und davon 3.000 Liter in der Minute aus der Quelle. Mittlerweile bin ich von oben bis unten nass, ich freue mich schon, wenn ich nach dem Lauf im herrlichen Thermalwasser liege.

Was es mit dem mit religiösen Reliquien und Antiquitäten vollgezimmerten alten Holzhaus auf sich hat, konnte ich nicht recherchieren. Aber es ist ein toller Blickfang. Wir tangieren es auf jeder Runde, einmal von rechts und einmal von links. Hier liegt genau die Schnittstelle, des in Form einer Acht angelegten Kurses. Die Helfer müssen hier gut aufpassen, damit man nicht falsch läuft.

 
 
Wir verlassen den Ortsteil auf einem Radweg. Der ist richtig gut zu laufen, da komplett Schnee und Eisfrei. Eine kleine Unterführung (km 9) markiert den Beginn des jeweils identischen und zwei Kilometer langen Schlussabschnitts einer jeden Runde. Am Feuerwehrauto geht es links ab und nach einem Kilometer erreichen wir Riedenburg. Der Ortsteil liegt direkt neben dem Johannesbad, hier können wir schon von einiger Entfernung die Therme und unseren Zieldurchlauf ausmachen. Am Ende der Zielgeraden ist eine langer Verpflegungsstand aufgebaut. Mit Tee, Wasser, Iso, Obst, Riegel und Energy Gels können die Akkus wieder aufgeladen werden.

Der Akku meiner Kamera hat das auch nötig, mit Ersatz-Akku Nr. 2 und 3 bringe ich aber meinen Fotoapparat nicht mehr an. Über einen Kilometer ziehen sich meine Versuche hin, das Ding wieder zum Laufen zu bringen. Zurück in Safferstetten (km 13) klappt es dann doch wieder. Endlich kann ich wieder entspannt laufen. Hat mich aber viel Zeit und Nerven gekostet. Aber es gibt jetzt wieder Bilder von mir.

Am Ortsausgang bekommen wir eine ordentliche Packung auf die Ohren. Die Musikbox ist bis zum Anschlag aufgedreht und versorgt uns mit Stimmung. „Schatzi, schenk mir ein Foto“, singt der Micki Krause gerade. Der hat wohl auch was von meinen Fotoproblemen mitbekommen. Auf der Pichlstraße geht es jetzt zwei Kilometer leicht wellig aber immer geradeaus bis zum Golfplatz. Ahh, hier sind auch noch ein paar Höhenmeter, aber die sind problemlos zu meistern, die Landstraße ist auch frei von Eis und Schnee.

Am Golfplatz biegen wir links ab und 15 Kilometer sind absolviert. Die Besonderheit daran ist, hier steht ein Helfer und sagt uns die Zeit an. Kurz danach erreichen wir die nächste Labestelle. Ich orientiere mich wieder zum warmen Tee. Vom Nebentisch wird mir auch noch Bier angeboten. Das klingt sympathisch, ein Becher Löwen Dunkel kann nicht schaden.

In Egglfing sind wir nur noch etwa 200 Meter vom Inn entfernt. Zu sehen bekommen wir den Grenzfluß zu Österreich aber nicht. Bevor es über eine Brücke ins Nachbarland ginge, gibt es für uns eine Richtungsänderung. Ein Stückchen geht es jetzt unterhalb der Innbruckstraße entlang und weg vom Inn. Wenig später sind wir wieder an der Unterführung, wo sich alle Runden vereinen. Gemeinsam geht es für zwei Kilometer bis zum Johannesbad. Mir persönlich gefällt ja die zweite, etwas kürzere Runde deutlich besser. Sie ist etwas abwechslungsreicher.

Kurz vor Riedenburg überholt mich ein Führungsradler, so muss jetzt irgendein Schneller anbrausen. Ich drehe mich um und kann so von der Marathon-Führenden und späteren Siegerin Petra Pastovova einen Schnappschuss aus nächster Nähe machen. Sie ist natürlich schon eine Runde weiter. Ich bin aber auch in meinem gesteckten Plan und kann die zweite Runde zufrieden beenden.

Einsam starte ich in die dritte Runde. Einige Marathonis sind bereits ausgestiegen und weitere haben es vermutlich gar nicht erst rechtzeitig zum Start geschafft. So sind jetzt nur noch 34 Frauen und 234 Männer im Rennen. Nach über zwei Stunden Laufzeit haben sich die Streckenverhältnisse deutlich gebessert, es gibt zwar noch einige vereiste Stellen, der Schneematsch ist aber spürbar zurückgegangen. Zumindest findet man immer matschfreie Spuren. Zudem hat es auch aufgehört zu schneien. Die Kamera kann ich nun auch einpacken, mein Fotojob ist erledigt.

Eine kleine mentale Herausforderung steht mir noch bevor, die fast 5 km lange Gerade nach der Uberführung in Würding. In weiten Abständen kann ich vor und hinter mir immer nur noch vereinzelt einen Läufer oder Läuferin ausmachen. Augen zu und durch. Aber es läuft immer noch ganz gut und ich kann mein Tempo halten. Auch die vierte Runde kann ich problemlos bewältigen. Bis auf mein Akku-Problem hatte ich heute, trotz aller Wetterkapriolen einen ganz angenehmen Lauf.

Im Zelt neben dem Zieleinlauf bekomme ich die Medaille und anschließend eine Wärmefolie umgehängt. Die Medaille ist wieder sehr schön. Am riesigen Kuchenbüffet kann man verloren gegangene Kohlenhydrate wieder schön ausgleichen und auch der Erdinger Stand hat noch genügend Getränke im Angebot.

Ich verabschiede mich jetzt in die Therme. Es gibt nix schöneres als ein Bad im 33 Grad warmen Thermalwasser nach einem Marathon. Einfach traumhaft, da werden die Muskeln wieder geschmeidig. Das gibt’s halt nur beim Thermen-Marathon. So sind wir sicher nächstes Jahr wieder dabei.
   
Charly
Bernie
Greppi
Michael
(HM)
4:26:38
4:35:55
4:56:20
1:59:15
 
 
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