26.1.2019 Rodgau Ultramarathon  
Autor: Andreas Greppmeir    
     
 
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Höre ich Rodgau, denke ich zunächst natürlich an den Ultramarathon, der heuer schon zum zwanzigsten Mal stattfindet. Aber auch die Rodgau Monotones fallen mir dazu ein, obwohl ich ehrlich gesagt nur ein Lied von ihnen kenne. Liegt wohl daran, dass sie eher Faschings- und Gute-Laune-Musik machen. Ich bekomme eher bei Hardrock und Heavy-Metal gute Laune. Jedenfalls war ich noch nie in Rodgau und will diese Scharte heuer auswetzen.

Im Januar 2000 wurde der Rodgau Ultramarathon erstmals ausgetragen. Verantwortlich dafür ist der Rodgau-Lauftreff. Mit 68 Teilnehmern ging die Erstaustragung über die Bühne. Seitdem steigert sich die Teilnehmerzahl von Jahr zu Jahr. Heuer sind über 980 Teilnehmer gemeldet. Das muss einen Grund haben und dem will ich nachgehen.

Da ich rund 360 Kilometer Anfahrt nach Rodgau habe, fahre ich direkt am Freitagmittag nachdem frühzeitigen Feierabend los. Die Anfahrt verläuft ohne Staus reibungslos. Ich quartiere mich noch schnell im Hotel ein und mache mich anschließend auf den Weg in die Sportgaststätte von Rodgau. Dort treffe ich mich mit Tommy Damaschke und Cinzia Zeltenhammer vom LIWA-Lauftreff. Am nächsten Morgen mache ich mich zeitig auf den Weg zum Vereinsheim des örtlichen Tennisclubs. Dort findet die Startnummernausgabe statt. Es ist schon ordentlich was los, trotzdem habe ich meine Startnummer schnell in den Händen. Obwohl es draußen noch lausig kalt ist, ist ein Verweilen im Tennisheim nicht möglich, es ist zu viel los und so sortiere ich im Auto meine Sachen.

Wenig später mache ich mich auf den Weg zum Start- und Zielbereich in der „Gänsbrüh“, einem Naturerholungsgebiet. Wechselkleidung kann man dort in einer großen Grillhütte ablegen. Ich suche mir eine windgeschützte Ecke in der offenen Hütte. Schließlich treffen die Läufer nach und nach ein und natürlich kann ich auch wieder viele Freunde und Bekannte begrüßen. Nach langer Zeit treffe ich auch mal wieder Joe Kelbel und viele andere. Mit Familie Fender, Eberhard Ostertag und Angelika Abel ist das marathon4you-Team heute gut vertreten. Gut eine viertel Stunde vor dem Start möchte ich dann meine Laufuhr starten, damit sie auch genügend Zeit hat einen Satelliten zu finden. Doch außer einem kurzen Vibrieren, gibt sie nichts von sich. Das hatte ich doch schon einmal. Scheinbar hat sich die Uhr im Koffer mal wieder selbst eingeschaltet und somit war der Akku leer. Nichts Neues für mich und ich packe die Uhr gleich mal in meine Tasche. Unnötig muss ich sie ja auch nicht mitschleppen. Dann muss ich mich beim Laufen halt auf mein Gefühl verlassen. Zudem kommt man ja alle fünf Kilometer bei Start und Ziel durch, so dass ich mich da orientieren kann.

Um zehn Uhr ist es dann soweit. Es geht endlich los. Ich freue mich. Die ersten ein oder zwei Runden werde ich erst einmal zum Warmlaufen nutzen. Das ist auch dringend notwendig. Zudem kann ich mir in Ruhe die Strecke anschauen. Schon am Start merkt man, dass hier nahezu ausnahmslos erfahrene Ultras am Start sind. Trotz nahezu tausend Läufern gibt es keine „Block-Einteilung“. Jeder sortiert sich ungefähr da ein, wo er sich leistungsmäßig sieht. Bei mir ist das natürlich relativ weit hinten. Es gibt nach dem Start keine wilden Überholmanöver, so dass sich der Tross ziemlich zügig in Bewegung setzt. Leicht bergab geht es nun in Richtung Waldrand, den wir nach gut 500 Metern erreichen, danach geht`s gleich rechts weg und die Verpflegungsstation ist schon in Sicht. Gut 300 Meter sind es bis dahin. Am Waldrand entlang ist es immer noch windgeschützt. Die Verpflegungsstation lassen wir natürlich erst nochmal alle aus, was auch gut so ist, denn noch ist das Feld so eng zusammen, dass es mit Sicherheit zu längeren Staus an der VP gekommen wäre.

Nach der Verpflegung geht`s nach links weg und aufs freie Feld. Puh, der Wind pfeift hier ganz ordentlich. Trotz der zwei Grad sind es hier gefühlte minus fünf. Gleich haben wir den ersten Kilometer hinter uns und es geht nach rechts wieder auf den Wald zu. Dort geht es bis Kilometer Zwei erst mal gerade aus und schon bald vernehme ich lautstarke Musik zwischen den Bäumen. Wir nähern uns der nächsten Abzweigung. Vor einem Pavillon, von dem aus, die Läufer mit lautstarker Musik motiviert werden, geht es nun nach links weg. Eine gut zweihundert Meter lange Begegnungsstrecke liegt nun vor uns. Das mach richtig Laune. Ich kann noch ein paar Läufer abklatschen, die ich vor dem Start nicht gesehen habe. Am Ende der Begegnungsstrecke wende ich um eine Bierbank und es geht zurück in Richtung Pavillon. Diesmal laufen wir geradeaus daran vorbei und kurz darauf wieder raus aus dem Wald. Hier zieht`s wie Hechtsuppe. Es ist eisig kalt. Kilometer drei ist erreicht und ich sehe vor mir das nächste Waldstück. Zurück im Wald wird`s auch gleich wieder ein Stückchen angenehmer. Nun schlängeln wir uns etwas durch den Wald und kurz vor Kilometer Vier ist ein minimaler Anstieg zu bewältigen. Kurz danach biegen wir nach rechts ab und es geht von nun an stets leicht bergab zurück in Richtung Ziel. Die erste Runde wäre damit geschafft.

 
Ich blicke kurz auf die Uhr im Zielbereich. Ich bin nicht ganz 35 Minuten unterwegs. Das Tempo passt und ich fühle mich gut. Also auf in die zweite Runde. Das Feld hat sich nun schon etwas auseinandergezogen. Ich bleib ganz einfach bei meinem Tempo und gönne mir das erste Mal an der VP einen Becher mit warmem Tee und nehme mir noch einen Cracker mit. Die Runde verläuft problemlos und so mache ich mich nach etwas über einer Stunde auf den Weg in die dritte Runde. Auch hier verläuft alles reibungslos. Die Begegnungsstrecke macht immer noch Laune und ich entdecke immer noch bekannte Gesichter, die ich zuvor nicht gesehen hatte. Zwischendurch werden wir nun auch schon überrundet. Die Führenden sind mit einem höllischen Tempo unterwegs. Nachdem ich Runde Drei und Vier hinter mir hatte, blickte ich mal wieder hoch zur Uhr. 2:11 Stunden war ich nun unterwegs. Für zwanzig Kilometer. Das war etwas zu schnell für mich. Eigentlich hatte ich vor, mit etwas unter 2:30 durchzulaufen.

Noch eine Runde und die Hälfte war geschafft. Ich versuchte etwas Tempo herauszunehmen, konnte das aufgrund der fehlenden Uhr aber nicht wirklich kontrollieren. Die fünfte Runde ging jedenfalls noch sehr gut, allerdings hatte ich schon jetzt Zweifel, ob sich mein Anfangstempo nicht rächen würde. In der sechsten Runde wurde es dann schon etwas zäh und ich musste den ein oder anderen Läufer ziehen lassen, den ich noch zuvor überholt hatte. Bernie vom LIWA-Lauftreff war immer knapp hinter mir und auf der Pendelstrecke konnte ich immer gut meinen Abstand zu ihm kontrollieren. Er blieb nahezu unverändert. Am Ende der sechsten Runde waren die 30 Kilometer voll. Beim Marathon kommt da bei mir immer das Gefühl auf, dass es eigentlich schon so gut wie geschafft ist. Doch heute lagen noch weitere 20 Kilometer vor mir.

Also setzte ich mir erst einmal das Zwischenziel den Marathon zu laufen. Runde Sieben war zwar nun schon ziemlich mühsam und auch der Schnitt ging deutlich in den Keller, aber es waren ja nur noch drei Runden. Diese verlangten mir jedoch noch mal alles ab. Immer wieder musste ich nun Gehpausen einlegen. Ich versuchte diese im geschützten Wald zurückzulegen, da es in der freien Prärie zu kalt war. Schließlich zog auch Bernie an mir vorbei. Aber ich war einfach platt. Als ich mich auf die beiden letzten Runden machte, kontrollierte ich nochmal die Zieluhr. Es war noch genügend Zeit für die letzten beiden Runden. Denn die letzte Runde musste man vor Ablauf der sechs Stunden angetreten sein. Das ging sich auch bei meinem schleichenden Tempo locker aus. Bernie signalisierte mir auf der Pendelstrecke in Runde 9, dass er nach dem Zieldurchlauf auf mich warten würde, damit wir die letzte Runde gemeinsam unter die Füße nehmen könnten.

So war es dann auch. Auf der Strecke war es nun ziemlich einsam. Die meisten Teilnehmer waren zu diesem Zeitpunkt bereits im Ziel oder zuvor ausgestiegen. Doch Bernie und ich zogen es gemeinsam durch und freuten uns im Ziel über unseren ersten Ultra des Jahres. Der Abschied verlief dann relativ schnell. Denn die Temperaturen luden nicht gerade zum Verweilen im Zielbereich ein. So machten wir uns gemeinsam auf den Rückweg zum Auto.

Nach einer erfreulich warmen Dusche machte ich mich dann auf den Heimweg und hatte auf der gut vierstündigen Fahrt genügend Zeit über Rodgau nachzudenken. Rodgau hat schon was. Hier treffen sich alle Laufverrückten schon zu Beginn des Jahres und es ist trotz der Größe immer noch sehr familiär. Auch die zehn Runden werden zu keiner Sekunde langweilig, da man nie allein ist. Also bleibt für mich das Resümee, dass Rodgau zum einen die Monotones hat und zum anderen einen Ultra der keinesfalls monoton ist. Einen Glückwunsch an die Veranstalter zu ihrem 20-jähren Jubiläum und die tolle Erfolgsgeschichte möchte ich an dieser Stelle natürlich auch noch loswerden.
 
Greppi 6:36:14  
     
   
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