18.5.2019 ALB-Traum
Autor: Bernie Manhard
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Der Stirnbereich der Albhochfläche wird als Albtrauf bezeichnet. Er überragt das jeweilige Vorland zwischen 250 bis 400 Meter. Der Albtrauf zieht sich vom Staffelberg in Franken über Schwaben bis in die Schweiz. Im schwäbischen Part, in der Region zwischen Stuttgart und Ulm befindet sich der 113 km lange Fernwanderweg „Schwäbischer Albtraufgänger“, das ist exakt die Strecke des ALB-Traum 100.

Beim HALB-Traum über 57 km wird der Albtrauf nach 15 Kilometern verlassen. Auf zertifizierten Rundwanderwegen der „Löwenpfade“ durchqueren wir ab Deggingen das Filstal und treffen auf der gegenüberliegenden Talseite nach 35 km wieder auf den Albtrauf und somit auch auf die ALB-Traum-Strecke. Sechs Mal geht es Rauf und Runter, der Höhenunterschied hierbei liegt zwischen 400 und 760 Meter am höchsten Punkt der Strecke. Fast 2.000 Höhenmeter stehen somit für uns auf dem Programm.
Während ich im warmen Bettchen noch vom Lauf träume sind die ALB-Träumer bereits seit 4 Uhr Früh auf der Strecke unterwegs. Deutlich sympathischer ist mir dagegen, mit 9 Uhr die Startzeit beim HALB-Traum. Ich freue mich auf die landschaftlich sehr reizvolle Strecke aber auch auf das Treffen mit vielen Lauffreunden, die Starterliste ist gespickt mit alten Bekannten. Für mich ist Geislingen aus Augsburg gut und relativ schnell erreichbar, daher muss ich auch keine Übernachtung in Erwägung ziehen. Gesetzt den Fall, bietet der Veranstalter eine einfache, aber kostenfreie Übernachtung in der Turnhalle im Untergeschoss der Jahnhalle an. Wer das mag – insbesondere natürlich für Teilnehmer der langen Strecke – für den ist das sicherlich optimal. Ganz Schnarchfrei ist es aber vermutlich nicht.

Parkplätze gibt es um den Stadtpark und die Jahnhalle jede Menge, somit bin ich auch diese Sorge los und eigentlich viel zu früh vor Ort. Aber kein Problem, der Service ist großartig. Natürlich gibt es auch gratis Frühstück. Und das Ganze, inklusive Lauf, nur für eine Spende. Wer es noch nicht weiß, der ALB- und HALB-Traum sind Benefiz-Ultra-Trails, alle Startgelder werden gespendet. Im Vorjahr konnte so ein Erlös von 20.000 Euro erzielt werden bei 180 Startern. Heuer stehen 270 Läufer/innen in der Liste, mit dementsprechend mehr wird gerechnet. Bei Abholung der Startnummer bekommen wir unsere Spendenquittung. Eine tolle Sache wie ich finde. Wer hier ebenfalls einmal dabei sein will, sollte nicht lange überlegen. Wenige Tage nach Eröffnung der Anmeldung, waren für heuer alle Startplätze ausgebucht.

Um 8.10 Uhr findet das Briefing durch Andreas Bulling statt, einer der Gründer des ALB-Traum 100 e.V., neben Frank Weller und Andreas Löffler. Alle drei, bekannte Haudegen in der Ultraszene. Mittlerweile gehören acht Mitglieder dem Verein an, die sich die Unterstützung von sozialen Projekten als Ziel gesetzt haben. Als Vorbild dient ihnen die Brocken-Challenge, wo es ähnlich abläuft. Der wichtigste Hinweis für uns alle gilt der Orientierung: Immer den gelben Original Wandermarkierungen des Albtrauf bzw. der Löwenpfade folgen. An kritischen Stellen gibt es aber auch Markierungen in Form von Pfeilen auf dem Boden und einige eigene ALB-Traum-Wegweiser und auch Luftballons. Start ist neben der Jahnhalle. Bei traumhaftem Wetter wird kurz runtergezählt und der HALB-Traum ist gestartet. Im Übrigen gibt es heute nur eine Handstoppung der Zeiten und diese auch nur Minutengenau. Äußerst human ist das Zeitlimit für uns: 18:59 Stunden. Wer vorhat so lange unterwegs zu sein, dem wird aber dringend empfohlen eine Stirnlampe mitzuführen.

Der erste Kilometer führt uns durch die historische Altstadt von Geislingen. Wirklich schnell laufen darf hier noch keiner, der Abschnitt ist neutralisiert, auch die schneller wollen oder könnten, müssen hinter dem Führungsradler bleiben. Bleibt Zeit um die wunderschönen alamannischen Fachwerkhäuser zu bewundern. Rechts von uns liegt der Alte Bau. Er wurde um 1445 als achtstöckiger Kornspeicher errichtet und ist eines der größten Fachwerkhäuser Deutschlands. Heute beherbergt es das Geislinger Stadtmuseum und die städtische Galerie. Das älteste Gebäude der Stadt und des gesamten Landkreises Göppingen ist das Kornschreiberhaus, es folgt unmittelbar darauf. Es wurde 1397 über einem älteren Gewölbekeller erbaut und war ursprünglich mit Stroh gedeckt. Sehenswert ist auch das Alte Kauf- und Rathaus mit seinem auffälligen Glockenturm in der Hauptstraße die mit einem bunten Fahnenmeer geschmückt ist. Phantasievoll gestaltet von Geislinger Schülern und Schülerinnen im Kunstunterricht.
Am Ende unserer Altstadtbesichtigung müssen wir die B10 überqueren. Hier ist heute die einzige Straßenabsperrung durch die Polizei. Ansonsten gilt für den Rest der Strecke die Straßen-Verkehrsordnung.

Direkt im Anschluss beginnt unser erster Anstieg. Für die Racer gilt ab hier: Feuer frei. Bereits die ersten Kilometer lösen bei mir Freudengefühle aus, auf herrlichen Single-Trails zieht sich unser Weg hinauf bis zum Ostlandkreuz. Häufig wird es für ein Gipfelkreuz gehalten, aber es ist ein Vertriebenendenkmal. Es wurde 1950 von der Landsmannschaft der Südmährer, zum Gedenken an die Toten und Vertriebenen des 2. Weltkrieges errichtet. Es ist das höchste derartige Denkmal. Die mit Kupferblech verkleidete Stahlkonstruktion ist 22,7 Meter hoch. Die Arme des Kreuzes haben eine Spannweite von 7,5 Metern. Vom Rand der Steinbrüstung hat man eine wunderbare Aussicht über Geislingen und bis ins untere Filstal und zum Hohenstaufen.

Auf etwa 700 Meter Höhe geht es auf wechselnden Untergründen 2,5 km in leichtem Auf und Ab weiter. Hier sind auch einige Asphaltabschnitte, inklusive Straßenüberquerung dabei. Da sollte man etwas wachsam sein. Ab Kahlenstein geht’s wieder runter. Die zwei dem Albtrauf vorgelagerten Felsen liegen oberhalb Bad Überkingen. Ja, hier kommt das bekannte Mineralwasser her. Wir passieren die Felsformation hinterhalb, auf ganz schmalen eingewachsenen Pfaden. Im Gestein liegt die 150 m lange Kahlensteinhöhle, seit 1972 ist der Höhleneingang aber mit einem Gitter verschlossen. Die 25 m hohen Felsen werden auch gerne zum Klettern verwendet. Von hinten bekommen wir aber relativ wenig von den Felsen zu sehen.

So nach etwa 7 Kilometern liegt unser erster Berg hinter uns. Für 3 km geht es auf dem breiten Autalweg wellig weiter durch das Naturschutzgebiet. Im Flow übersehen Axel und ich beinahe die wunderschön bemooste Felskaskade einer Karstquelle. Da müssen wir nochmal ein paar Meter zurück für ein Foto. Im März blühen hier die Märzenbecher zu hunderttausenden.

Der Einstieg für unseren nächsten Aufstieg wird durch einen riesigen Pfeil und ein neonfarbiges ALB-Traum-Schild am Boden markiert. Treppenstufen führen uns steil hinauf zur Brunnensteighöhle und zum leider nicht gerade sehr ergiebigen wildromantischen Wasserfall. Der Pfad dahin ist dafür grandios.
Auf herrlichen Single-Trails folgen wir auf der Albhochfläche wieder den reichlichen Wanderzeichen des Albtraufgängers Richtung Ave Maria. Der Franziskusweg bietet uns zwei Möglichkeiten nach unten. Ein Posten meint, ich kann selbst wählen. Ich nehme den Treppenweg der mit Bildstöcken flankiert ist. Nach passieren der Wallfahrtskirche Ave Maria erreichen wir nach ziemlich genau 15 Kilometern die erste Verpflegungsstelle. Von Wasser über Apfelschorle und auch Bier wird alles angeboten. Dazu gibt es Obst, Gemüse und Nüsse, aber auch Würstchen, Käse und Kekse sind im Angebot.

Nach VP1 trennen sich die Wege von ALB- und HALB-Traum. Für uns geht es noch ein Stück auf dem geteerten Ave-Maria-Weg abwärts nach Deggingen. Ich laufe geradeaus durch den Ort, kann aber seit geraumer Zeit keine Streckenmarkierungen und auch keine Mitläufer mehr ausmachen. Ziemlich verunsichert wende ich mich an einen Fußgänger, der kennt aber auch nicht den Weg zu den Löwenpfaden, würde mich aber eher geradeaus weiterschicken. Ich weiß nicht so recht? Ein Rennradler gesellt sich hinzu und erzählt, er habe sich ebenfalls verfahren, aber er hat auf seinem GPS den Kurs installiert. Nach einem Check ist klar, wir müssen zurück. Der Radler begleitet mich einige hundert Meter und führt mich wieder zurück auf den richtigen Kurs. Beim Schild „Da lang! H57“ fällt mir ein Stein vom Herzen. Puuh, nochmal Schwein gehabt, das hätte schlimmer werden können. Mit bestem Dank verabschiede ich mich vom Radler. Nach einiger Zeit kann ich auch wieder einen Mitläufer vor mir ausmachen, aber das hat natürlich viel Zeit gekostet.

Nach etwa drei Kilometern auf Asphalt verlassen wir Fuß- und Radwege und biegen nach links ab. Es wird tierisch. Für 9 km müssen wir der „Wasserberg-Runde“ des Löwenpfads folgen. Man sollte sich ab und zu die Mühe machen, die Schilder mit dem markanten Löwenkopf genau zu beachten, so meine Empfehlung. Hier zählt nämlich das Kleingedruckte unter dem Löwenkopf und das ist der Name des Löwenpfades. Es gibt nämlich insgesamt 15 unterschiedliche Wanderrunden mit dem Löwenkopf, einige davon überschneiden sich. So kann es auch sein, dass mehrere Schilder an einem Pfosten angebracht sind oder sich eben eine Markierung mit einer anderen Löwenrunde überschneidet.

Der Einstieg ist bereits tierisch steil, ohne eine Windung werden wir anfangs mit bis zu 35 % Steigung gequält. Am Hexensattel bin ich wieder unkonzentriert, ich verpasse einen Abzweig und laufe geradeaus weiter durch den Wald auf den Haarberg. Bald bin ich mir aber meinem erneuten Malheur bewusst, da keine Löwenpfad-Schilder mehr zu entdecken sind. Es wurmt mich gewaltig. Etwas weiter links meine ich aber die Bergkante auszumachen und auch schon Stimmen aus der Richtung gehört zu haben. Ich beschließe nicht zurückzugehen, sondern querfeldein durch eine blühende Wiese mein Glück zu versuchen. Ich bin natürlich vorsichtig, das Naturschutzgebiet ist bekannt für seine zahlreichen und seltenen Pflanzenarten, darunter auch Orchideen. Nach hundert Metern erreiche ich tatsächlich wieder den richtigen Pfad der Wasserberg-Runde. Spaziergänger geben mir zu verstehen, dass auch schon einige Läufer mit Startnummern vorbeigekommen sind. Das ist zum zweiten Mal, gerade noch gut gegangen.

Viele Kilometer war ich ganz einsam unterwegs, jetzt kann ich wieder auf bekannte Gesichter aufschließen und sie auch überholen. Durch Wälder und Wiesen führen uns auf der Hochebene gut laufbare Wege immer leicht abwärts bis zum Dalisberg. Wir passieren eine mächtige, bereits teilweise verwitterte Wettereiche (km 25). Etwa 500 Jahre stand sie hier. Sie ist der Wappenbaum der Gemeinde Unterböhringen. 1999 wurde sie von Orkantief Lothar zerbrochen und gefällt. Es wurde aber bereits eine neue Eiche gepflanzt. Während der alte Baum zu Erde wird, soll der junge Baum zum neuen Wahrzeichen heranwachsen.

An der Bergkante hat man schöne Ausblicke nach Unterböhringen und ins Filstal. Etwas Sorge bereitet mir der Blick nach oben auf die Wolken am Himmel. Es zieht sich langsam bedrohlich zu. Der Abstieg erfolgt über schmale Pfade und Heideflächen. Vor mir kann ich Axel ausmachen, von dem ich mich eigentlich an VP1 abgesetzt habe. Lange hat’s gedauert bis ich wieder dank meiner Eskapaden aufgeholt habe. Die Hälfte unserer Bergbesteigungen ist geschafft, streckenmäßig fehlt noch etwas. 26,5 km liegen im Ort hinter uns.

 
 
 
 

Gemeinsam durchqueren wir die Ortschaft, dann gehe ich wieder vorbei. Auf dem Halbhöhenweg am linken Talhang laufen wir etwa 2 km weiter bis Höhe Hausen. Unser vierter Aufstieg führt uns auf der „Felsenrunde“ des Löwenpfades auf einem steilen Serpentinenpfad nach oben zum Hausener Felsen. Auf dem Trail gibt es nicht viel zu sehnen vom etwa 25 Meter hohen Felsen.

Bereits seit geraumer Zeit kann ich es, noch in sicherer Entfernung, donnern hören. Auf dem Plateau angekommen setzt bereits leichter Regen ein und es hat empfindlich abgekühlt. Ich hoffe das Gewitter kommt nicht näher. Eine Raststelle bietet sich an, etwas schützende Kleidung anzulegen. Für die Regenjacke ist es mir der Niederschlag aber noch zu wenig.

Ein kurzer Abschnitt führt hier wieder über Asphalt. Ein Schild weist uns darauf hin, dass wir zur zweiten Versorgungsstation etwa 200 Meter nach links abbiegen müssen um Getränke und Verpflegung aufnehmen zu können. Beim Briefing heute Morgen wurden wir ebenfalls explizit darauf hingewiesen. Auf einem Parkplatz erreichen wir VP2 bei km 33 am Kuchberg. Wir sind jetzt wieder auf dem Albtraufgänger. Wir vereinen uns zudem wieder mit den Läufern des ALB-Traum. Sie haben hier bereits 91 km hinter sich. Wichtig ist für alle, dass die Startnummer an der Station notiert wird, damit keiner verloren geht. Die Zwischenzeiten werden ebenfalls notiert.

Nach dem Begegnungsstück geht es runter vom Berg. Sehr kommod, man kann es laufen lassen. Jetzt schüttet es richtig, ich wechsle doch auf Regenjacke. Eine Schotterstraße führt uns ganz runter. Es rollt. Plötzlich fehlen mir die gelben Albtraufgänger-Tafeln. Saxn di, geht das schon wieder los. Was machen? Natürlich zurück und wieder ein paar hundert Meter hoch. In der letzten Kurve habe ich die Abbiegung verpasst. Aber da kommen zwei Mitstreiter, ich bin wieder richtig. Bei der nächsten Gabelung laufe ich wieder falsch, aber Markus pfeift mich gerade noch zurück. Ich bin jetzt wirklich sauer auf mich, weil ich so unkonzentriert bin. Markus erzählt, dass er zwei Ortschaften weiter zuhause ist und sich ganz gut auskennt. Ich setzte mich hinter ihm und Eva und passe mich ihrem Tempo an. Kann allerdings auch nicht mehr richtig flüssig laufen, mein linker Wadl zwickt seit geraumer Zeit.

In Gingen sind 40 km erreicht. Wir durchqueren den kompletten Ort. An einer Ampel gesellt sich kurz Andreas Fischer, der zweitplatzierte der langen Strecke zu uns. Mit lockeren Beinen zieht er von dannen als es Grün wird. Durch Gingen ist die Beschilderung eher spärlich, ich bin froh hinter Markus hertrotten zu können. Eigentlich geht es aber nur ganz gerade durch die Ortschaft.

Auf der anderen Talseite geht es wieder hoch. Der fünfte Berg ruft. Der Anstieg ist eher zweigeteilt. Anfangs auf einer Straße steil, danach ein längerer welliger Zwischenabschnitt. Ganz nach oben wird es wieder trailiger. Allerdings sind die Pfade jetzt mit Vorsicht zu genießen, der Regen hat sie ziemlich aufgeweicht und glitschig werden lassen. Gutes Profil an den Sohlen ist von großem Vorteil. Der Regen hat dafür wieder aufgehört, ich kann meine Regenjacke wieder einpacken, da es mir eindeutig zu warm damit ist.

Der nächste Überholer ist der Erwin Bauer, er liegt auf dem 3. Platz beim ALB-Traum. Die erste Kilometertafel die wir heute passieren ist das 100er Schild, ein paar Meter weiter steht die Marathonmarkierung. Die zählt dann für uns. Markus und Eva wollen nicht mehr ganz runter in die Knie für das Foto. Ein herrlicher Single-Trail führt uns weiter nach oben. Als vierter 100er kommt der Kalle Dravec angerauscht, vor einem umgefallenen Baum muss aber auch er auf die Knie gehen. Mit über 100 bzw. 43 km in den Beinen ist das nicht mehr ganz so easy.

Vom obersten Punkt haben wir bereits eine tolle Aussicht auf unser Ziel in Geislingen. Noch fehlen uns aber fast 12 km. Wir müssen da jetzt zwar gleich runter, aber anschließend nochmal in einem weiten Bogen um die Stadt und noch unseren 6. Berg bezwingen. Mir ist das Tempo bergab etwas zu langsam, ich setzte mich von Markus und Eva ab und hoffe, alleine auch den richtigen Weg zu finden. Vor der Sportanlage des SC Geislingen (km 48) ist die dritte VP errichtet. Ich genehmige mir eine 10-minütige Pause um mich richtig für den Schlussabschnitt zu stärken. Bierchen gibt’s auch wieder. Ja, gerne.

Nach der Pause halte ich mich hinter Jürgen und Su, die mit ihrem Hund die komplette Strecke absolviert. Wir haben uns schon im Herbst bei einem Trail getroffen und sind dort gemeinsam einige Kilometer gelaufen, so gibt’s auch wieder viel zu erzählen. Etwa 2 km geht es flach dahin, an diversen Sportanlagen vorbei, bevor wir nach rechts ins Felsental einbiegen.

Hier geht es immer leicht bergauf. Anfangs ist das wildromantische Felsental ziemlich breit, verengt sich dann aber zusehends. Zu beiden Seiten erheben sich mächtige Kalkfelsen, die dem Naturschutzgebiet seinen Namen geben. An der engsten Stelle helfen uns zwei Metalltreppen, um eine Felsbarriere zu überwinden. Auch der Hund schafft die Treppen locker. Ein landschaftlich traumhafter Abschnitt. Nach knapp zwei Kilometern sind wir oben. Auf einem Schild gratuliert man uns, das Felsental überlebt zu haben. So schlimm war es jetzt auch nicht, im Gegenteil, für mich einer der angenehmsten Aufstiege. ALB- und HALB-Traum-Teilnehmer haben an diesem Punkt, fast alle ihre Höhenmeter hinter sich. Zum Skelett wird jetzt keiner mehr. 6 Kilometer liegen noch vor uns.

Durch blühende Rapsfelder führt uns der Albtraufgänger zum und durch den Weiler ob Helfenstein und weiter im Downhill zur namensgebenden Burgruine. Zwischendrin überholt uns noch Andreas Pfefferkorn, er nimmt Platz 5 ein. Über eine Stahlbrücke geht es in die Burganlage. Burg Helfenstein wurde um 1100 errichtet. Die jetzige Aussicht war aber eine lange Zeit nicht möglich. Nach der Schleifung der Burg im 16. Jahrhundert wurden die Reste der Anlage von Wald überwuchert. Erst durch eine Grabung wurden zwischen 1932 bis 1938 die Grundmauern wieder freigelegt. Wir laufen mitten durch die komplette Anlage.

Unmittelbar danach bekommen wir die „flamme rouge“ auf einem roten Wimpel angezeigt. Der Teufelslappen signalisiert uns die letzten 1000 Meter bis zum Ziel. Eine Brücke und ein Tunnel führen uns durch die Bahnanlage. Im Stadtpark, vor der Jahnhalle befindet sich die Zielgerade. Diverse Zuschauer haben sich noch eingefunden und bejubeln die Zieleinläufe. Jeder Finisher bekommt eine handbemalte Medaille mit Albtraufgängerlogo überreicht. Ebenso eine Soforturkunde.
Die Zeitnehmer müssen noch bis in die frühen Morgenstunden ausharren, bis die letzten im Ziel sind. Für den ALB-Traum 100 gibt es ein Zeitlimit von 23:59 Stunden. Im Untergeschoss, neben den Schlafplätzen wartet eine heiße Dusche auf mich. In der Halle ist ein üppiges Büffet aufgebaut. An warmen Speisen haben wir die Wahl zwischen Maultaschensuppe (normal und vegetarisch) und vegetarischem Chilli. Schmeckt beides sehr lecker. Leider bin ich danach pappsatt, das große Kuchenangebot muss ich ausfallen lassen.

Fazit:
Auch wenn ich mich ein paar Mal verlaufen haben, die Strecke war, bzw. ist gut ausgeschildert. Die Aussetzer waren meiner Unkonzentriertheit geschuldet, die Hinweisschilder waren immer da. Eine permanent ausgeschilderte Wanderstrecke sollte man aber natürlich nicht mit einer jedes Mal neu markierten Laufstrecke vergleichen. Dafür gibt es aber auch ein wesentlich größeres Zeitlimit, wie bei vergleichbaren Veranstaltungen.

Ansonsten super organisiert. Ideale Infrastruktur in und um die Jahnhalle. Traumhafte Trails in phantastischer Landschaft. Ich könnte euch jetzt natürlich erzählen, weil’s so schön war, packe ich beim nächsten Mal die lange Strecke. Nee, am Stück ist mir das zu viel. Aber …wandern möchte ich sie schon einmal in Etappen.

Albtraufgänger …da steh‘ ich trauf. Kann nur jedem Trail- und Landschaftsliebhaber empfehlen hier teilzunehmen. Welche Strecke auch immer.

 
   
 
Bernie 9:46
 
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