17.3.2019 Marathon rund um den Winterstein
Autor: Andreas Greppmeir Bericht mit allen Bildern
 
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Eigentlich sollte der Marathon rund um den Winterstein bereits im vergangenen Jahr Premiere feiern. Lange hatten die Verantwortlichen vom ASC Marathon Friedberg von einem eigenen Marathon geträumt, doch heftige Schneefälle machten dem ganzen einen Strich durch die Rechnung. Die ASC-Vorsitzende Carmen Houben erklärte damals, dass das Risiko für die Teilnehmer einfach zu groß gewesen wäre. So ergibt sich für mich die Möglichkeit in diesem Jahr an der Premiere teilzunehmen. Bei der 43. Austragung des Laufes rund um den Winterstein sollte es dann doch endlich auch mit dem Marathon klappen.

Für mich aus (Beinahe-)Friedberger ist die Teilnahme natürlich eh Ehrensache. In unserem bayerischen Friedberg gibt es schon seit Jahren einen Halbmarathon, an dem ich schon etliche Male teilgenommen habe und immer habe ich von einem Marathon in Friedberg geträumt. Nun wird die Möglichkeit war. Auch wenn ich damit vom bayerischen Friedberg aus rund vierhundert Kilometer ins hessische Friedberg fahren muss. Die Anreise nehme ich natürlich am Vortag in Angriff und finde mein Hotel direkt neben dem Veranstaltungsgelände an der Henry-Benrath-Schule in Friedberg. Als ich nach der rund fünfstündigen Anfahrt einparke, bemerke ich schon erste interessierte Gesichter. FDB steht auf meinem Kennzeichen, das zusätzliche D weckt Neugier. Ich komme auch aus Friedberg erkläre ich und sorge nicht das letzte Mal an diesem Wochenende für Aufklärung.

Am nächsten Morgen begebe ich mich direkt nach dem Frühstück in die Henry-Benrath-Schule. Eine Nachmeldung für den Lauf und die Startnummernausgabe ist ab 7:30 Uhr möglich. Es ist noch nicht viel los und so finde ich auch Carmen problemlos, die meine Nachmeldung entgegennimmt. Wir wechseln noch kurz ein paar Worte, bevor ich mich wieder in mein Hotelzimmer verziehe und mich auf den Lauf vorbereite. Gut eine Stunde vor dem Start um 09.30 Uhr bin ich dann wieder drüben und komme auch schnell mit ein paar Teilnehmern ins Gespräch. Ich lasse mir die Strecke von einem Einheimischen erklären, da die Informationen in der Ausschreibung etwas spärlich waren. Die Anstiege seien moderat und lassen sich allesamt gut laufen, lediglich der Anstieg zum Steinkopf hoch, der ja nur uns Marathonis vorbehalten bleibt, habe es in sich. Auf Trailschuhe kann verzichtet werden. Die breiten Waldwege sind gut zu laufen und es gibt keinerlei Trailpassagen.

Da die Wettervorhersagen für den heutigen Tag einen Mix aus leichtem Regen und teils kräftigen Wind bei Temperaturen unter zehn Grad im Angebot hatten, entschied ich mich meinen Laufrucksack mit einer leichten Jacke und einer Regenjacke mitzuführen. Wie ich schon im Vorfeld bemerkte, war ich nicht der einzige, der sich für diese Variante entschied. Die leichte Jacke kramte ich jedoch schon vor dem Start hervor, da es noch sehr frisch war. So war ich jedenfalls gerüstet und die Premiere konnte starten.
Gut zehn Minuten vor dem Start mache ich mich gemeinsam mit den Marathonis und den Läufern der klassischen 30-Kilometer-Strecke auf dem Weg zum Start. So fanden sich dann auch bald gut 460 Läufer im Startbereich ein. Nicht ganz 150 Teilnehmer entfielen davon auf den Premieren-Marathon.

Etwas untypisch war, dass ich in der Teilnehmerliste keinen einzigen Namen kannte. Umso mehr freute ich mich mit Teddy Weiß wenigstens ein bekanntes Gesicht begrüßen zu können. Auch er hatte nachgemeldet. Nur wenige Augenblicke später waren wir dann aber auch schon unterwegs. Mit einer kurzen Runde durch das Schulgelände liefen wir wenige Minuten später auf einem Radweg in Richtung Ockstadt. Dabei überqueren wir eine kleine Brücke über die Bundesstraße 3 und bei einem Blick zurück erkenne ich das Wahrzeichen von Friedberg. Der Adolfsturm erhebt sich über die Stadt. Er ist Teil der Burganlage Friedberg, die mit 3,9 Hektar Fläche zu den größten Burganalgen Deutschlands zählt. Eigentlich besaß die Burganlage zwei Bergfriede. Einer der beiden Türme stürzte im Jahr 1684 ein. Der Adolfsturm stammt aus der Mitte des 14. Jahrhunderts und ist das älteste erhaltene Bauwerk der Burg. Im Jahr 1347 konnten die Friedberger Burgmannen Graf Adolf von Nassau gefangen nehmen. Mit dem Lösegeld, das man für ihn verlangte, war es möglich den neuen Bergfried zu erbauen und man nannte ihn entsprechend den Adolfsturm. Er wurde aus Quarzit aus dem Taunus und Basalt aus dem nahen Feuerbach gefertigt. Von 1893 bis 1896 wurde der Adolfsturm romantisiert. Er erhielt das heute charakteristische Aussehen mit dem spitzen Helm. Auch die vier Seitentürmchen kam dabei hinzu. Eigentlich hatte ich vor, die Burganlage nach meiner Ankunft in Friedberg zu besichtigen. Allerdings hatte die Anreise etwas länger als geplant gedauert, so muss ich mich nun mit dem Blick zurück begnügen, was ich immer noch sehr schade finde.

Also zurück auf die Strecke. Wir erreichen Ockstadt, das wir bald durchlaufen haben. Danach geht es erstmals wirklich bergan und wir befinden uns etwa bei Kilometer 4 als wir die Autobahn A5 überqueren und kurz danach in den Wald eintauchen, den wir auch erst bei Kilometer 38 wieder verlassen werden. Es hat nun leicht zu nieseln begonnen, allerdings kaum störend und die Regenjacke kann (noch) im Rucksack bleiben. Das Läuferfeld hat sich inzwischen auch schon weit auseinandergezogen. Klar, die meisten 30-Kilometer-Läufer sind schneller unterwegs und so teile ich mir die Strecke mit den Marathonis im hinteren Feld. Überholt werde ich auf den kommenden fünf Kilometern kaum. Lediglich grüne Flix-Busse ziehen immer wieder links an mir vorbei. Wir laufen leicht bergan immer an der A5 entlang.

Die Geräuschkulisse der Autobahn stört dabei wirklich kaum, dennoch bin ich froh, als wir bei Kilometer 9 tiefer in den Wald geschickt werden. Schon bald herrscht auch herrliche Stille und nur noch das Zwitschern der Waldvögel ist zu vernehmen. Herrlich. Ich genieße die Ruhe und schaue mal kurz auf meine Uhr, um ja nicht mit dem Cut-Off bei Kilometer 22 Probleme zu bekommen. Drei Stunden hat man bis dahin Zeit. Es läuft allerdings gut und ich sehe keinerlei Problem, auch wenn ich nun ab und zu die leichten Anstiege marschiere. Bei Kilometer 11 erreiche ich dann die zweite Verpflegungsstation. Ich stärke mich mit warmen Tee und werde von den Helfern auf meinen Dialekt und natürlich auch auf meine „Lederhose“ angesprochen. „Kommst du etwa aus Bayern?“, will der Helfer wissen. „Ja, klar … aus Friedberg!“ Nachdem er etwas irritiert schaut, lasse ich ihn natürlich auch nicht unwissend zurück.

 
 
 
 
Das nächste Ziel ist nun die Verpflegungsstation bei Kilometer 17. Es geht wie schon gewohnt wellig dahin. Lange Anstiege wechseln sich mit erholsamen Bergabpassagen ab. Abgelenkt werde ich nur kurz vor einem Hinweis auf einen Bestattungswald. Tatsächlich ist hier möglich sich neben einem Baum im Wald bestatten zu lassen. Was es nicht alles gibt. Ich möchte mir darüber aber zum jetzigen Zeitpunkt noch gar keine Gedanken machen und laufe weiter, bis ich die nächste VP erreicht habe. Es geht nun auch eine Zeit lang am Zaun eines Militärgeländes entlang und ich muss unweigerlich kurz an den Knastmarathon in Darmstadt denken. Schon wenig später erreiche ich Kilometer 22 und damit die Streckentrennung zwischen Marathon und 30-Kilometer-Lauf. Ich werde nach rechts weggeschickt und eine Helferin will ihren Kollegen noch ermahnen, dass ich keine zwei Runden zum Winterstein hoch machen muss. Es ist meine erste, beruhige ich sie. Sehe ich wirklich so schnell aus? Die Führenden sind auf den letzten Kilometern immer wieder mal an mir vorbeigezogen und hatten einen Affenzahn drauf. Ich musste schmunzeln.

Nun lag er also vor mir, der Aufstieg zum Steinkopf und ich musste schon nach wenigen Metern erkennen, dass ich hier laufend nicht vorwärtskommen werde und begann zu marschieren. Dabei kam ich mit Beate aus Gießen ins Gespräch. Auch sie ist eine Marathon-Sammlerin und wir hatten natürlich einiges zu erzählen und mussten dabei feststellen, dass wir schon beim ein oder anderen Marathon gemeinsam am Start standen. Oben angekommen erreichten wir nicht nur den weithin sichtbaren Fernmeldeturm, sondern auf eine weitere VP.

Einer der Mitorganisatoren begrüßte uns freudig und erklärte uns, wie stolz er sei, dass der Marathon endlich verwirklicht werden konnte. Von Anfang an ist er dabei und hat immer vom Marathon geträumt. Als ich ihm erzählte, dass ich dafür auch gerne die 400 Kilometer lange Anfahrt von Friedberg nach Friedberg auf mich genommen habe, ist er begeistert. Wir verabschieden uns und gemeinsam mit Beate stürze ich mich wieder den Berg hinunter. Eingebremst werden wir nur durch einen Wendepunkt. Wir müssen kurz nach links abbiegen, gut 20 Meter bis zu einer Absperrung laufen und danach wenden. Da die Strecke amtlich vermessen ist, war dieser kleine Umweg notwendig. Danach geht es weiter runter und wir laufen ein ganz gutes Tempo, ohne uns dabei wirklich anstrengen zu müssen.

Kurz nach Kilometer 28 biegen wir nun nach rechts ab und finden uns auf der ursprünglichen 30-Kilometer-Strecke wieder und belaufen nun bis etwa Kilometer 34 bekanntes Terrain. An den Verpflegungsstationen werden wir natürlich wiedererkannt und freudig begrüßt. Etwa bei Kilometer 37 kann ich wieder die Geräuschkulisse der A5 vernehmen. Also nicht mehr lange und wir haben den Wald hinter uns. Kurz vor Kilometer 39 überqueren wir schließlich die Autobahn wieder und sind nun endgültig auf dem Rückweg. Dankenswerterweise geht es nun fast nur noch bergab und so erreiche ich schnell Ockstadt wieder.

Kurz noch durch Ockstadt hindurch und schon fand ich mich auf dem Gehweg in Richtung Friedberg wieder. Ich hatte noch einmal einen Blick auf die schöne Friedberger Altstadt und überquerte kurz darauf die Fußgängerbrücke und setzte zum Endspurt an. Als ich die Ziellinie überquerte, bekam ich auf meine Finisher-Medaille, die ausschließlich den Marathon-Finishern vorenthalten blieb.
Ich stärkte mich noch kurz und machte mich frisch geduscht auf den Nachhauseweg. Als ich am Helferzelt der Johanniter vorbeikam, riefen mir diese noch hinterher: „Grüße mir Dein Friedberg!“ Mit dem Versprechen dies zu tun, verabschiedete ich mich nun endgültig aus dem anderen Friedberg.

Rückblickend hat sich der Weg für mich gelohnt. Der Lauf war super organisiert, die Helfer sehr engagiert und auch die Strecke hatte seinen Reiz. Ich möchte den Organisatoren hiermit zur gelungenen, wenn auch verspäteten Premiere gratulieren. Eines habt Ihr Friedberger uns Friedbergern nun voraus: Einen wirklich schönen Marathon!
 
   
 
Greppi
5:22:10
 
   
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