11.5.2019 Chiemgau Trail Run
Autor: Bernie Manhard
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Chiemgau Trail Run
 
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Auf halben Weg zwischen München und Salzburg liegt der Chiemgau in den Bayerischen Alpen. Er umfasst Gebiete der Landkreise Traunstein und Rosenheim. Der Veranstaltungsmittelpunkt des Chiemgau Trail Run liegt in Marquartstein, etwa zehn Kilometer südlich des Chiemsees. Von der Autobahnausfahrt ist es auch nicht viel weiter, somit problemlos erreichbar. Der Name Chiemgau und Chiemsee hängen mit dem Ortsnamen Chieming zusammen und dieser wird von dem althochdeutschen Personennamen „Chiemo“ aus dem 7./8. Jahrhundert abgeleitet.

Im Vorjahr feierte der Chiemgau Trail Run Premiere mit einem Marathon, dazu noch einer 20 km und 8 km langen Strecke. Die werden heuer auch wieder angeboten, aber man hat noch aufgestockt, es kommt ein 60 km Ultra hinzu, der aber nicht, wie alle anderen Distanzen in Marquartstein, sondern direkt am Ufer des Chiemsees startet. Ein Shuttle bringt die Teilnehmer an den Chiemsee. Leider macht das Wetter einen Strich durch die Rechnung, wegen umgestürzten Bäumen und zu viel Schnee auf den Gipfeln müssen die Alternativstrecken ran. Die sind vorab bereits festgelegt und auch auf der Homepage einzusehen. Sind sogar noch etwas länger als die Original-Strecken.

Soweit so gut, leider müssen auch die Alternativstrecken, aufgrund von neuen Schneemengen Anfang Mai nochmal kurzfristig geändert werden. Zuviel Schnee in den Hochlagen lassen in diesen Abschnitten keine sichere Veranstaltung zu. Somit fällt für uns das Gipfelerlebnis komplett aus. Höher als 1.200 Meter kommen wir jetzt nicht mehr hinauf, statt wie geplant auf über 1.700 m auf den Hochgern. Die zu erklimmenden Höhenmeter verändern sich dadurch nur geringfügig, sind etwas weniger, aber nicht signifikant. Die genauen GPS-Daten der Strecken liegen jetzt beim Ultra bei 59,8 km und ca. 2.500 Höhenmeter. Die Marathonstrecke bleibt bei 42,2 km und weißt ca. 2.250 hm auf. Der 20er hat nun 22,3 km und 1.200 hm. Bei den 8 Kilometern zum rein schnuppern sind immerhin auch schon 250 hm zu bewältigen.

Eine erfreuliche Änderung betrifft die Anzahl der Teilnehmer. Nachdem 2018 alle 500 Startplätze restlos ausverkauft waren, hat man sich entschlossen, das Feld deutlich aufzustocken. Damit hat man auch erreicht, dass man sich auch am Veranstaltungswochenende noch kurzfristig nachmelden kann. Insgesamt stehen fast 800 Anmelder in den Listen. Trailrunning boomt, eine Analyse der Starterlisten lässt mich schnell erkennen, dass sich verstärkt auch die jüngeren Jahrgänge für unseren wunderbaren Sport interessieren. Ich bin der einzige und auch der letzte in der nach Altersklassen sortierten Liste.

Im Zentrum von Marquartstein findet ab Freitagnachmittag ein Meet and Greet samt Streetfood-Festival für alle Läufer und Zuschauer statt, am Samstag werden zusätzlich noch die Stände der kleinen Messe belegt sein. An verschiedenen Essensständen kann man sich verpflegen und ab 19 Uhr der Live-Musik lauschen. Ein paar Meter entfernt um die Ecke können die Startunterlagen empfangen werden. Für alle Ultra-Teilnehmer findet hier auch ein verpflichtendes Briefing um 18 Uhr statt. Ich wollte eigentlich auch dabei sein, bin aber leider etwas zu spät dran, aber Rennleiter Stefan Kurz hält noch die Stellung und händigt mir meine Startnummer persönlich aus.

Start für den Marathon ist um 9 Uhr. Größere Parkplätze rund um den Veranstaltungsmittelpunkt sorgen zumindest für uns Marathonis für keinerlei Stress durch Parkplatzsuche. Bereits um 6 Uhr sind die Ultras am Chiemsee gestartet, die Schnelleren treffen bereits bei Start- und Ziel ein. Sie haben hier mit 34 km bereits etwas mehr als die Hälfte hinter sich, bevor es auf die zweite Schleife Richtung Hochgern geht. Ich kann den Ultra-Habicht abklatschen, der Dieter Ulbricht liegt gerade auf Rang 18. Als derzeit führende Frau folgt kurz danach Pamela Veith. Keine Unbekannte unter den Ultras, der Moderator hält einiges an Informationen über die Teilnehmer bereit und so auch über ihre Erfolge, so ist für Unterhaltung gut gesorgt.

Von 10 wird gemeinsam runtergezählt und pünktlich geht es los. Wir laufen auf den ersten Kilometern den Ultras entgegen. Das Wetter sieht momentan super aus, immer wieder kommt sogar die Sonne für längere Abschnitte durch. Das soll sich aber im Laufe des Nachmittags ändern. An Rathaus, Kirche und Realschule vorbei durchqueren wir Marquartstein. Nach 400 Metern sind wir am Ortsrand und verschwinden im Wald. Nun steigt der Weg an und führt uns an einer Hofkapelle aus dem 18. Jahrhundert vorbei. Herrliche Single-Trails, immer leicht aufwärts erwarten uns. Der weiche Waldboden ist ein Traum. Eine Cheerleader-Gruppe in pink feuert uns euphorisch an. Einige Hindernisse in Form von Baumstämmen oder Gräben machen die Strecke abwechslungsreich und es sind auch immer wieder Abschnitte auf Forststraßen dabei. Alles noch nicht sonderlich steil, hier kann man noch laufen. Wir queren die Lifttrasse des Hochplatte-Sessellifts. Nach 4,5 km sind die ersten 250 Höhenmeter absolviert, es geht abwärts.

Plötzlich stehe ich vor einem steinernen Denkmal. Zeppelinhöhe steht auf dem Steinsockel. Die Bergkuppe hier ist ein Vorberg der Hochplatte und wurde zu Ehren des Luftschiffpioniers Graf Zeppelin, nach dem tragischen Unfall des Luftschiffs 4, im Jahre 1908 nach ihm benannt. Zum 25-jährigen Bestehen der Namensgebung wurde 1933 dieser Gedenkstein errichtet.

Hier geht es für mich aber irgendwie nicht mehr weiter. Der Aussichtspunkt liegt scheinbar nicht mehr auf unserer Strecke, ich habe mich ganz einfach verlaufen. Macht aber nix, 50 Meter muss ich aufsteigen und ich kann wieder die Markierungen auf dem Weg ausmachen. Alles ist gut markiert, ich habe mich nur von einem breiten Weg verlocken lassen und die Pfeile übersehen. Aber, ich bin nicht unglücklich, so habe ich jetzt zufällig das Denkmal gesehen und zudem auch einen ersten schönen Blick über das Achental bis hin zum Chiemsee einfangen können.

Ein wunderbarer Trail führt uns zur ersten Verpflegungsstelle nach etwa 8 Kilometern. Ich freue mich jetzt auf ein kleines Frühstück, nachdem ich im Hotel noch nichts bekommen habe. Becher werden nicht ausgegeben, jeder sollte seinen eigenen dabeihaben. Zudem ist es sehr empfehlenswert auch noch Getränke mitzuführen, da dies die einzige VP auf der ersten Hälfte ist.

Ein kurzes Stück geht es noch abwärts, am Grießenbach beginnt unser erster längerer Anstieg hinauf zur Bergstation der Hochplattenbahn. Dabei sind über 500 hm auf den nächsten 5 km zu erklimmen. Steil geht es lange Zeit, immer in Nähe des Grießenbachs hoch. Nach einem rustikalen Trail folgt ein längerer Abschnitt auf komfortablen Schotterwegen. Den höchsten Punkt erreichen wir auf etwa 1200 m. Zur Bergstation geht es bereits wieder abwärts. Ein Schneefeld, es bleibt das einzige, bietet sich an für ein paar Fotos mit Moritz und Julia.

An der Bergstation (km 16,7) wird die Zwischenzeit gemessen, ich bin jetzt ziemlich genau zweieinhalb Stunden unterwegs. Beim nachfolgenden Downhill kann man es ordentlich laufen lassen. Bis auf einige kurze Unterbrechungen verläuft alles auf gut laufbaren Wirtschaftswegen. Das zügige Abwärtslaufen fordert aber auch einiges an Tribut, ziemlich erledigt erreiche ich nach 22,3 km den Zieldurchlauf in Marquartstein. Nur wenige Minuten vor meiner Ankunft sind die Teilnehmer des Halbmarathons gestartet, sie teilen sich größtenteils die zweite Hälfte des Kurses mit uns. Ich genehmige mir jetzt erstmal ein paar Minuten Pause um für den direkt darauffolgenden Anstieg wieder bei Kräften zu sein. Stefan schenkt mir Cola ein und ich bediene mich am reichhaltigen Büffet.

 
 
 
 

Eine über 100 Jahre alte Eisenbeton-Brücke führt uns über die Tiroler Ache in den älteren Teil von Marquartstein. Mir fallen einige schöne Häuser auf, die mit ansprechender Lüftlmalerei verziert sind. Links über uns liegt Burg Marquartstein, sie wurde im 11. Jahrhundert errichtet. In der Burgkapelle St. Vitus heiratet Richard Strauss, der bekannte Komponist hielt sich oft in Marquartstein auf. Die Familie seiner Frau hatte hier eine Sommervilla.

Unterschiedlich farbige Markierungen gilt es jetzt zu beachten. Die Ultras sollten sich an die roten Pfeile, Marathon und Halbmarathon an blaue halten. Die Wege für die 8-km-Läufer sind grün markiert. Wer sich das nicht merken kann: Die Startnummern-Farbe entspricht der Wegmarkierungsfarbe.

Der Anstieg durch den Schnappenberg ist moderat, zieht sich aber über 4 Kilometer konstant dahin. Wir befinden uns auf dem SalzAlpenSteig Weitwanderweg, der von Priem am Chiemsee über Salzburg bis nach Oberösterreich führt. Bevor es für uns Richtung Ziel geht, dürfen wir diesen Abschnitt in entgegen gesetzter Richtung noch einmal laufen. Die schnelleren Marathonis und auch der 22er-Strecke kommen mir hier schon entgegen. Die führende Frau beim Marathon, Rosanna Buchauer kann ich ebenfalls auf meinen Chip festhalten. Ein Pfad führt uns oberhalb der Schnappenkirche (km 27) vorbei. Unten am Weg kann ich Läufer ausmachen. Bis ich diesen Punkt bei km 35 erreiche, muss ich erst einmal fast bis hinunter ins Tal und wieder herauf. Somit liegen 8 km zwischen uns. 500 Meter geht es noch aufwärts bis zum höchsten Punkt auf 1200 m auf dieser Streckenseite. An der Staudacher Alm (km 29) gibt es eine Streckentrennung zu beachten. Für uns Marathonis geht es nach links abwärts.


Mittlerweile hat es sich ziemlich zugezogen und ein kalter Wind kommt auf. Ich kann auf Marie-Luise aufschließen, sie hat jetzt ihr Hündchen bei sich. Ich kann mich erinnern, dass er auf der ersten Hälfte nicht dabei war. Hunde sind auch ganz offiziell als Begleiter erlaubt. Zu Beginn des Abstiegs gibt es einige umgefallene Fichten zu übersteigen. Die dritte Versorgungsstation erreichen wir nach 35 km, fast unten im Tal. Hier liegt auch eine Zeitmessmatte und es wird eine Zwischenzeit gemessen.

Gänzlich anders verläuft der erneute Aufstieg zur Schnappenkirche. Statt auf kommoden Wegen dürfen wir jetzt richtig durch die Pampa. Mir bereitet es enormes Vergnügen durch den wunderschönen Hang im Wald aufzusteigen. Auf schmalen Pfaden geht es steil nach oben. Bis zu 33 % weißt die Steigung auf. Nur das Wetter macht bei dem Spaß nicht mehr mit. Es fängt jetzt immer stärker zu regnen an. Ich habe mich lange gewehrt bei mäßigem Regen, jetzt muss aber die Regenjacke raus. Aber so ist es dann auch ok. Halb so schlimm.

Bereits in einiger Entfernung taucht St. Wolfgang auf dem Schnappenberg, wie sie richtig heißt, vor mir auf. Die Kirche liegt auf einer Höhe von 1100 m direkt am steil abfallenden Hang. Der Legende nach wurde 1096 der Chiemgaugraf Marquart von Hohenstein an dieser Stelle überfallen und ermordet. Ab ca. 1500 soll es in der Nähe der Kirche eine hölzerne St.-Wolfgangs-Brunnenkapelle gegeben haben, zu der immer mehr Pilger kamen. Also wurde im Auftrag der Pröpste von Kloster Herrenchiemsee von 1637 bis 1640 die heutige Kapelle erbaut. Der Vorplatz lädt eigentlich ein, sich hier etwas Zeit zu nehmen und den weiten Ausblick auf das „Bayerische Meer“ wirken zu lassen. Leider ist das bei dem Wetter nicht so prickelnd, daher halte ich mich auch nicht länger auf als nötig, ein paar Fotos müssen aber schon sein.

Es geht abwärts, wieder auf dem bequemen SalzAlpenSteig. Aber die 5 Kilometer ziiieehen sich lange hinunter, da jodeln die Oberschenkel. Bei km 40 sind wir unten. Eine Schleife führt uns in östlicher Richtung nochmals weg von Marquartstein. Über offenes Wiesengelände erreichen wir die Tiroler Ache. Über eine elegante Stabbogenbrücke überqueren wir den Fluß. Die Fußgängerbrücke wurde 2012 als Gegenpol zur 100 Jahre älteren historischen Beton-Bogenbrücke erbaut. Beim Jahrhunderthochwasser 2013 musste sie schon ihre Bewährungsprobe ablegen und war für einige Tage die einzige Verbindung zwischen den Marquartsteiner Ortsteilen links- und rechtsseitig des Flusses. Auf dem Achendammweg geht es oberhalb der Tiroler Ache entlang bis zur alten Brücke. Direkt um die Ecke liegt der Zieleinlauf.

Der Sprecher begrüßt mich, er hat heute ganze Arbeit geleistet, ist total heiser und bringt fast nichts mehr heraus. Der Himmel öffnet jetzt richtig seine Schleußen, es gießt wie aus Eimern zudem es ist empfindlich kühl geworden. Unter einem schützenden Dach empfange ich noch schnell die schöne Holzmedaille, dann mache ich mich auf den schnellsten Weg ins schützende Auto. Eigentlich wollte ich noch Duschen gehen in der naheliegenden Realschule und anschließend die Food-Trucks besuchen und der Siegerehrung bewohnen. Ich verzichte darauf und ziehe mir schnell trockene Kleidung über. Nach einer Stunde warten im Dauerregen starte ich meinen Motor und mache mich auf den Heimweg.

Für den Veranstalter tut es mir wirklich leid, dass der herrliche Tag mit solchen Wetterkapriolen endet. Trotzdem, ein großes Lob an das Organisations-Team für die schöne Alternative. Trotz aller Widrigkeiten im Vorfeld haben sie uns eine tolle und anspruchsvolle Strecke geboten. Ich komme ganz sicher wieder, möchte natürlich auch einmal die Original-Strecke mit Gipfelaussicht erleben.

 
   
 
Bernie 7:13:05
 
   
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