1.7.2018 Gletschermarathon Pitztal  
Autor: Andreas Greppmeir
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Jeder kennt vermutlich das Problem. Es gibt Läufe, die man unbedingt mal laufen will, aber Jahr für Jahr kommt etwas anderes dazwischen. Bei mir war es lange Zeit mit dem Pitztal Gletscher Marathon so. Dieses Jahr hat es endlich geklappt und ich bin dabei.

Der Start, der inzwischen schon 13. Auflage erfolgt am Samstag frühmorgens um 08.00 Uhr, weshalb ich zusammen mit Charly schon am Freitagnachmittag anreise. Die Fahrt geht über den Grenzübergang Füssen-Reutte und anschließend über den Fernpass nach Imst. Doch bevor wir unsere Zimmer in Imst beziehen, fahren wir erst noch mal zehn Kilometer weiter nach Wenns. In der Tennishalle des Pitz Parks findet die Startnummernausgabe statt. Eine kleine Marathonmesse gibt es ebenfalls und eine kostenlose Pasta- bzw. Knödelparty für alle Teilnehmer. Dort treffen wir wie vereinbart auch auf Otto. Er ist von den Spinatknödeln mehr als angetan. Charly und ich sind aber auch mit unserer Portion Pasta Bolognese mehr als zufrieden. Es hätte zwar noch Nachschlag gegeben, aber wir wollten abends noch gemeinsam zum Essen gehen, daher lehnten wir das Angebot dankend ab.

Mein Wecker riss mich am nächsten Morgen um kurz vor fünf Uhr aus dem Schlaf und nach einem kurzen Frühstück machten wir uns auf den Weg zum Schwimmbad in der Nähe des Zielbereiches. Drei Shuttlebusse waren eingesetzt, um die gut zweihundert Marathonis zum Start nach Mandarfen zu fahren. Dabei konnte man schon mal einen guten Eindruck von der Strecke gewinnen, denn genau auf dieser ging es nach oben. Umso näher wir Mandarfen kamen, umso besser wurde auch meine Laune. Das Wetter war prima, die Landschaft um mich herum ein Traum. Wir erreichen schließlich sicher Mandarfen, einen Weiler in der Gemeinde St. Leonhard. Es liegt auf 1675 Metern und ist einer der wichtigsten Orte im Pitztal. Ursprünglich war Mandarfen lediglich eine Alm, die nur in den Sommermonaten bewohnt war. Heute findet man dort mehrere Hotels und Ferienwohnungen, die etwa neunhundert Gästen Platz bieten. Dort findet man auch den Pitztaler Gletscher, den Namensgeber des Marathons. Er ist einer von drei Skigebieten im Pitztal mit einer Pistenhöhe von 3440 Metern. Dementsprechend gigantisch ist auch die Kulisse, die wir hier vorfinden.

Uns bleibt noch gut Zeit für eine Tasse Kaffee, sowie um etliche Marathonfreunde zu begrüßen. Unsere Kleiderbeutel können wir bequem kurz vor dem Start noch abgeben. Sie machen sich zusammen mit dem Shuttlebus gleich wieder auf den Weg nach Imst. Kurz darauf ist es dann auch schon so weit. Trotz ein paar technischer Probleme bringt der Moderator seine AC/DC-Scheibe zum Laufen und wir werden mit Hells Bells auf den bevorstehenden Lauf heiß gemacht. Neben den 42,195 Kilometern liegen auch 1.223 negative, sowie 636 positive Höhenmeter vor uns. Der ohrenbetäubende Knall einer Böllerkanone schickt uns auf die Reise nach Imst. Doch bevor wir uns auf der L16 ins Tal stürzen dürfen, drehen wir erst noch eine rund zwei Kilometer lange Runde um Mandarfen. Dabei geht es kaum merklich, aber doch stetig bergauf. Mein Puls ist gleich auf Anschlag und ich pumpe wie ein Maikäfer und das schon auf dem ersten Kilometer. Die Höhenluft macht sich natürlich gleich bemerkbar und auch die Läufer um mich herum haben zu meiner Beruhigung damit zu kämpfen. Ein paar von ihnen stellen schon jetzt das Laufen ein und bewältigen einen Teil der Runde gehend. Ich bin eisern und ziehe durch.

Schließlich finde ich mich auf der L16 wieder und nun geht es bergab und zwar für lange fünfundzwanzig Kilometer. Mein Puls beruhigt sich schnell wieder und ich versuche möglichst schnell mein Wohlfühltempo zu finden. Die Verlockung ist groß, es gleich richtig laufen zu lassen, doch man sollte mit den Kräften haushalten, denn es liegt ja noch einiges vor uns. Mein Tempo liegt rund fünfzehn Sekunden unter dem normalen Marathontempo, das sollte gut sein. Wie viele andere um mich herum, komme ich aus dem Schauen gar nicht heraus. Die Landschaft ist ein Traum. Die Temperaturen angenehm kühl und die Sonne zaubert die Berge um mich herum in einen herrlichen Glanz. Hier und da plätschert ein Gebirgsbach oder ein Wasserfall stürzt sich den Berg hinab. Schöner könnte es gerade gar nicht sein und dank des stets leichten Gefälles läuft es sich wunderbar leicht. So erreiche ich schneller als gedacht die erste Verpflegungsstelle in Plangeroß bei Kilometer 4,9. Ein kleiner Schluck Iso muss reichen und weiter geht`s.

Ich versuche hier und da den Gesprächen der Läufer und Läuferinnen um mich herum zu folgen und glaube immer mehr den Aussagen des Moderators, der immerhin Läufer aus 21 Nationen begrüßte. Tatsächlich vernehme ich neben Englisch, Französisch und Italienisch auch einige mir nicht bekannte Sprachen. Es scheint tatsächlich ein internationales Läuferfeld zu sein. Einen jungen Läufer asiatischer Herkunft finde ich stets in meiner Nähe, er macht mir mit seiner Kamera richtiggehend Konkurrenz. An den Laufshirts erkenne ich auch ungarische, tschechische und niederländische Teilnehmer. Schließlich höre ich jedoch eine vertraute Stimme hinter mir. „Der Greppi will es heute richtig wissen …“, höre ich meinen Wiener Lauffreund Gerhard Wally witzeln. Er ist wie gewohnt gemeinsam mit Helene Macher unterwegs und leicht am Trachtenoutfit zu erkennen. Wir tauschen ein paar Worte und dann lasse ich die beiden ziehen. Auch Herbert Orlinger kann ich begrüßen.

Ich hatte vor dem Start etwas Sorge, dass die Strecke langatmig werden könnte, da man ja nur auf der L16 von Mandarfen nach Imst läuft. Es gibt nur am Ende ein paar Abzweigungen, aber ich hatte mich getäuscht, jede der zahlreichen Kurven gibt einen neuen tollen Blick auf die Landschaft preis. Nun durchqueren wir einen von mehreren Tunnels auf der Strecke. Die Anweisung stets rechts zu laufen, macht hier besonders Sinn. Die L16 ist nämlich nicht für den Verkehr gesperrt. Auch wenn auf der Straße noch nicht viel los ist, gibt es doch den ein oder anderen Verkehrsteilnehmer, der die Hinweisschilder auf die Laufveranstaltung ignoriert und nach meinem Gefühl zu schnell und zu nah an uns verbeifährt. Insbesondere in den Tunnels birgt das ein gewisses Gefahrenpotential. Kurze Zeit später erreiche ich relativ locker Neurur und somit die zweite Verpflegungsstation bei Kilometer 9.

 
Das Feld hat sich inzwischen so weit auseinandergezogen, dass ich nahezu alleine bin. Vor und hinter mir sehe ich zwar immer wieder Läufer, überhole hier und da einen oder lasse mich überholen, aber ich finde heute irgendwie keinen Gesprächspartner, so dass ich Zeit habe, mal in mich reinzuhören. Doch die ersten zehn Kilometer bergab schienen noch keine Spuren hinterlassen zu haben. Alles ist gut und es läuft.

In Piösmes bei Kilometer 13,1 gibt es die nächste Verpflegung in Form von Iso und bei Kilometer 16 am Alpenhof werden erstmals auch Bananen gereicht. Doch ich habe gut gefrühstückt und verzichte darauf. Die Oberschenkel machen sich inzwischen leicht bemerkbar, doch ich erkenne kein Problem und laufe gemütlich weiter. Ein Gebirgsbach verläuft nun lange Zeit parallel zur L16 und sein Rauschen ist nicht zu überhören. Ich genieße weiter die Landschaft und blicke auch immer wieder mal zurück. Der Verkehr nimmt nun leider etwas zu. Denn als ich die Halbmarathon-Markierung auf der Fahrbahn überlaufe, ist es schon kurz nach 10 Uhr und die ersten Ausflügler beginnen ihren Tag.

Einundzwanzig Kilometer sind nun gelaufen und ich hab nun doch den Punkt erreicht, dass ich mich über einen Anstieg freuen würde oder aber einfach nun mal über ein paar hundert Meter geradeaus. Doch ich muss noch gut vier Kilometer ausharren und weiter bergab laufen. Langsam aber sicher beschweren sich meine Oberschenkel deutlich. Kurz nach dem Halbmarathon erreiche ich Wiese und gönne mir an der Verpflegungsstelle den ersten Becher Cola. Schmeckt schon deutlich besser als das klebrige Iso. Die Bananen verschmähe ich noch immer. Dann ist es endlich so weit.

Gut einen Kilometer geht es noch bergab und ich kann in der Ferne einen Anstieg erkennen. Als ich ihn erreicht habe, mache ich es wie die Läufer vor mir und gönne mir eine Gehpause. Von nun an wird sich die Strecke deutlich ändern. Anstiege und Gefälle werden sich abwechseln, schließlich sind ja noch gut 600 positive Höhenmeter zu machen. Die Landschaft ändert sich nun auch. Der schönste Teil mit dem Hochgebirge um mich herum liegt hinter mir, dennoch ist es immer noch schön. Apropos schön, Schön heißt auch die nächste VP bei Kilometer 26,1.

Ich bin erstaunt, dass ich schon bald bei Kilometer 30 angelangt sein soll. Die Zeit verging tatsächlich wie im Flug. Dass die restlichen Kilometer nun etwas zäher verlaufen würden, war mir aber schon zu diesem Zeitpunkt klar. Die Sonne hatte ordentlich Kraft und die Temperatur ordentlich zugenommen. Am Ende würden es beinahe 30 Grad sein und das behagt mir ja bekanntlich gar nicht. So begann ich auch an den Verpflegungsstationen etwas mehr zu trinken. Als ich bei Kilometer 32,8 ankam und mir einen halbvollen Becher Cola griff, fragte mich die Helferin, ob ich denn auch ein Bier möchte. Das wäre prima, zum Mischen mit dem Cola, das ergibt einen wahren Zaubertrank. Zu meiner Enttäuschung gab sie mir jedoch zu verstehen, dass die Frage als Scherz gemeint war. Da konnte ich es mir dann einfach nicht verkneifen, sie auf das Ortschild hinzuweisen, das ich kurz zuvor passiert hatte. Ich war in Bieracker angekommen.

Im weiteren Verlauf wechselten sich weiter Anstiege und Gefälle ab. Mit einem Blick auf meine Uhr musste ich nun auch erkennen, dass die großartige Zeit, die ich noch bei Kilometer 30 ablesen konnte, schön langsam aber sicher flöten ging und ich mich wieder dem Normalbereich näherte. Bei Kilometer 36,4 erreichte ich Arzl und mir war klar, dass ich nun bald in Imst ankommen würde. Es war inzwischen richtig heiß und ich sehnte nun doch das Ende des Laufs herbei. Kurz vor Imst verließ ich dann endgültig die L16 und bog über einen Kreisverkehr nach links ab und hatte das Ortsschild von Imst vor mir. Die vorletzte VP gab es vor dem Gasthof Neuner, von wo aus ich vor Stunden zum Marathon aufgebrochen war. Die finalen zwei Kilometer lagen nun vor mir und wusste, dass es nochmal richtig kräftezehrend werden würde. Bis wenige Meter vor dem Ziel ging es nun nur noch bergauf und das durch ein weniger ansehnliches Industriegebiet.

Ich überholte noch eine junge Läuferin, die ziemlich missmutig dreinschaute. „Ich habe keinen Bock mehr“, waren ihre Worte. Die zwei Kilometer schaffen wir noch, spornte ich sie an, woraufhin sie auch nicht unbedingt glücklicher aussah. Ziemlich erledigt kam ich nun am Sportgelände von Imst an und die Zielgerade lag endlich vor mir. Nach dem Durchlauf bekam ich auch gleich meine Finisher-Medaille umgehängt und ein Sofortfoto vom Zieleinlauf in die Hand gedrückt. Auch eine nette Idee. Ich entdeckte nun Gerhard und Helene und gesellte mich zu ihnen. Wir tauschten unsere Erfahrungen über den heutigen Pitztal Gletscher Marathon aus und verabredeten uns auch gleich für nächste Woche zum Primiero Dolomiti Marathon. Nach einer erfrischenden Dusche traf ich auch auf Charly, der ebenfalls gut durchgekommen und zufrieden war. Otto war schon auf dem Heimweg. Er ist heute eine super Zeit gelaufen. Die junge Läuferin kam mir nun auch mit einem breiten Grinsen entgegen. „Na geht doch wieder!“, meinte ich und sie freute sich riesige über ihr Finish.

Mit hat der Pitztal Gletscher Marathon jedenfalls Spaß gemacht. Ein Traum wäre es, wenn die Straße von Mandarfen nach Imst gesperrt werden könnte, denn vor allem auf den letzten zehn Kilometern war der Verkehr doch sehr störend. Doch dies wird leider ein Traum bleiben, denn die L16 ist schließlich die einzige Verbindungsstraße zwischen den beiden Touristenorten.
 
 
   

Otto
Charly
Greppi

3:56:44
4:14:35
4:49:04
 
   
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