28.04.2018 Innsbruck Alpine Trailrun  
Autor: Mario Peschke
 
 
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Der Innsbruck Alpine Trailrun, der dieses Jahr zum vierten Mal stattfindet, ist eine gute Gelegenheit im Frühjahr in die Trailvorbereitung einzusteigen. Erst nach dem Bad Füssing Marathon bin ich eigentlich darauf aufmerksam geworden und habe mir den Bericht von Bernie von 2016 aufmerksam durchgelesen. Großzügige Zeitlimits, die Vielzahl der angebotenen Strecken vom K15 über den K25 zu K42, K65 und K85 lassen für jeden Teilnehmer die richtige Wahl. Die Höhenmeter sind je nach Länge ausreichend vorhanden, die technischen Details der Strecke sind aber für jeden machbar.

Da bleibt nur noch die richtige Distanz zu wählen, Innsbruck komplett umrunden mit Start und Ziel direkt in der City beim Landestheater tun nur der K85 und K65, die anderen sind Teilstrecken der beiden obigen Läufe. So war mir relativ schnell klar, was mein Favorit ist, obwohl ich schon ein paar Jahre eine solche Streckenlänge nicht mehr gelaufen bin. Mit dem Überschwang der Gefühle vom Bad Füssing Marathon traute ich mir den K65 zu, nicht wissend, dass mein Knie schon in der Vorbereitung wieder ernsthaft verletzt war. Ich konnte 5 Wochen direkt vor Innsbruck keinen Kilometer trainieren und habe zwei Wochen davor nur mal getestet, ob ich einen Halbmarathon laufen kann. Auch wenn das erfolgreich war, gab es zusätzlich zum Knieproblem massive Konditionsmängel. Ich war daher völlig verunsichert, ob das eine gute Idee ist und es blieb nur die Hoffnung, dass ich wegen Schmerzen nicht aussteigen muss und die fehlende Kondition musste mittels des bereits erwähnten großzügigen Zeitlimits (13:15 Stunden für den K65) ausgeglichen werden.

Die Abholung der Startunterlagen erfolgt auf dem Platz vor dem Landestheater und das obligatorische Briefing für die K65 und K85 erfolgt im gegenüberliegenden Messe Congress Zentrum. Die Pflichtausrüstung mit Handy, Ausweis, Krankenversicherungskarte, Bergschutzversicherung, Rettungsdecke, Trinkbecher, Verbandsmaterial sowie Trinkvorrat wird gleich mitkontrolliert, nach erfolgreichem Check gibt es ein Armbändchen. Die Schlangen vor den Schaltern waren aber überschaubar, obwohl ich erst kurz vor Anmeldeschluss kam. Vom Festival mit Bühne und diversen Angeboten bekam ich daher nur noch am Rande etwas mit.

Nach dem Briefing, bei der noch kleine Streckenänderungen bekannt gegeben wurden und die technischen Details der Strecke wie die exakte Länge von 67,5 km und 2.300 hm damit final fest standen, ging es erstmals zusammen mit Beate  zum landestypischen Essen mit Schlutzkrapfen und Knödel-Tris. Das Wetter war ideal zum draußen sitzen und mit der Marathon Küche kann ich Beate nicht locken, auch wenn es in Innsbruck mit der Schupfnudelparty nicht das Übliche Einerlei ist.

Der Start für den K65 ist um 8 Uhr, die K85 wurden schon um 5 Uhr auf die Strecke geschickt. Zeitgleich mit den K65 starten auch die K25 Trailrunner. Unser Hotel lag sehr zentral, es gab um 7 Uhr Frühstück, was locker bei einem Fußweg von 10 Minuten bis zum Start ausreichte. Es war schon sehr warm und daher war ein kurzes T-Shirt gleich empfehlenswert. Dass es ein super Wetter werden sollte und jeder darauf achten sollte, genügend zu trinken war uns schon vom Briefing bekannt. Zum Start gab es noch einen kleinen Ausrüstungscheck und dann ging es in den Läuferkanal.

Nach dem Start ging es gemütlich durch die Altstadt, das Einlaufen quasi. Danach folgten wir ein Stück weit dem Inn, bevor wir an einer futuristischen Station mit dem Namen Congress der Hungerburgbahn vorbeikommen, die als Zubringer Innsbruck mit dem Karwendelgebirge verbindet. Nach Überquerung des Inns über den Hans-Psenner-Steg wurde es trailig, es ging auf einem schmalen Pfad steil nach oben, erste Staus waren vorprogrammiert. Am Ende ging es am Alpenzoo vorbei Richtung Hungerburg.

Über Wiesen, wurzelige Trails ging es auf und ab über Stock und Stein bis zu einer schneegefüllten Senke. Die erste Verpflegungsstelle Höttinger Bild auf einer schönen Wiese zeigt mir erstmals das geniale Verpflegungsangebot, es fehlte wirklich nichts. Ich griff gleich mal großzügig zu, da mir die Zeit ziemlich egal war. Von dort verlief der weitere Weg über den Stangensteig zur nächsten Verpflegungsstelle Kranebitten. Auf dem Weg dorthin bei ca. 10 km bekam ich bei einem der zahlreichen kleinen oft sehr steilen Downhills einen heftigen Schmerz in mein Knie und kurzzeitig wusste ich nicht, ob das das Ende war. Ich lief vorsichtig weiter, der Schmerz baute sich langsam wieder ab und ich hoffte darauf, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Ab da lief ich im Downhill nur noch sehr vorsichtig mit angezogener Handbremse.

Anschließend mußte der Inn und die Autobahn bei Völs überquert werden, um auf die Südseite von Innsbruck zu kommen. Über die Verpflegungsstelle in Birgitz geht es auf wurzeligen Trails über den Akademikersteig Richtung Götzens, danach zum Zieleinlauf des K25 beim Natterer See. Das war schon von weitem zu hören, allerdings musste dazu ein kurzes Stück mit schöner Steigung bewältigt werden. Gleichzeitig findet von dort aus der Start des K42 statt, da war richtig was los. Die K42 Runner liefen sich teilweise ein, wir mussten erst neben dem Zielkanal zur Verpflegungsstelle einlaufen und dann auf gleichem Weg wieder zurück um nach einer Abzweigung weiterlaufen zu können. Ich rechnete mir aus, wieviel Zeit bis zum Start des K42 um 12:30 Uhr mir noch blieb, da mich die Meute überrennen würde.

 
 

Danach kommt der schönste Teil der neuen Streckenführung, die Sillschlucht. Es ist eine herrliche Gegend am rauschenden Flüsschen zu laufen, die Natur ist großartig, die Wege eng. Genau dort holte mich die Meute der K42 ein, mir blieb nichts anderes übrig als Platz zu machen, da diese extrem aufs Tempo drückten. Dafür konnte ich mir Päuschen genehmigen und das Naturschauspiel des Wassers , so wie auch die Brenner Autobahnbrücke betrachten. Anschließend ging es an der Sprungschanze Bergisel vorbei, die nur tlw. zu sehen war direkt nach Innsbruck hinein, via Querung unter der Autobahn hindurch bis zum Tiroler Kaiserjägermuseum.

Kräftemäßig war ich jetzt schon ziemlich am Ende und ich dachte nur noch bis zur nächsten Verpflegungsstelle. Der Geist war auch nicht mehr frisch und detailliert habe ich das daher auch nicht mehr in Erinnerung. Bevor wir die Stadt Hall wieder auf der anderen Seite des Inns und der Autobahn erreichten, gab es noch einige Auf und Abs zu bewältigen und ich bewegte mich in einem Läuferumfeld, das ein ähnliches Tempo wie ich selbst lief. Jeder hatte so seine Mühen und je nach Zustand überholte man sich immer wieder auch mal und kannte sich auch. Um in Hall die Altstadt und den bekannten Münzerturm zu bewundern, mussten allerdings noch 300 hm nach unten auf steilen Pfaden bewältigt werden. Klasse war, dass die Verpflegungsstelle sich mitten im Burghof befand, die man über ein Tor erreichte. Die Burg mit den Namen Hasegg war früher Sitz der Münze.

In Hall nach 50 km war das letzte Zeitlimit vor dem Ziel und das gab mir entsprechend Zuversicht das Ziel auch ohne Training zu erreichen. Es war gut, dass ich noch nicht wusste, was auf mich auf dem weiteren Weg noch zukam, obwohl ich das Höhenprofil auf meiner Startnummer sehen konnte.

Nach kurzer Orientierung fand ich den Weg durch die Gassen der Altstadt hinaus und es zog sich ein elend langer nicht allzu steiler Weg nach oben Richtung Norden, der weithin sichtbar war. Ich konnte es kaum glauben, ich war nicht fähig das zu laufen und sehnte den weithin sichtbaren Wegknick nach links entgegen, der Entlastung versprach. Ich konnte auch Gabriele aus Berlin mal wieder überholen, die mein Tempo im K65 lief und sich ähnlich durchbiss. Kleine Redepassagen waren manchmal durchaus drin, man kannte sich ja quasi schon. Über die nächste Verpflegungsstelle beim Romediuskirchl bei Thaur ging es auf steilen Pfaden zur Burgruine Thaur, die einen schönen Ausblick ermöglichte. Das war aber immer noch nicht der höchste Punkt und so mussten weitere 200 hm sich sehr hart erkämpft werden. Das war nur noch im Kriechgang mit kleinen Pauseinlagen möglich, ich traf auch auf einen K85 Trailrunner, der war so fertig, dass er nicht mal reden wollte. Ich wollte einfach endlich oben sein und holte das Letzte aus mir raus und ließ ihn einfach zurück. Der normale Läufer denkt wahrscheinlich geschafft, wer nach den Strapazen wieder 500 hm im Downhill zu absolvieren hat, weiß was das bedeutet. Es ist für die Oberschenkel die Hölle, alles streikt und schmerzt und mein Knie wird mich dafür hart bestrafen.

Irgendwie kommt man runter, das Wichtigste ist wie auch immer das Hirn nochmals zu aktivieren, um nicht auf den letzten km schwer zu stürzen. Als endlich der Inn wieder in Sicht kam und das Ziel mit dem Zielbogen war ich nur noch happy und gleichzeitig fertig. Das Knie schmerzte wie die Muckis in den Schenkeln, ich war zu fertig um es richtig zu spüren. Ich genoss noch ein Zielbier, holte mir zusätzlich zu der Medaille die selbst geklopfte Münze aus der Presse und genehmigte mir zusätzlich noch ein Eis. Danach ab nach Hause, Beate war der Fahrer und ich lag zusammengekauert auf dem Beifahrersitz (völlig am Ende).

Fazit: es ist eine tolle Veranstaltung, die Verpflegungsstellen haben selbst für die hinteren Läufer alles vorrätig, was Körper und Geist benötigen (vor allem super Dank für die Menge an Cola, die mich am Leben gehalten haben), die Orga ist vorbildlich und Innsbruck ist ohnehin eine Reise wert. Trotz der nicht alpinen Trails sollte man das Gelände nicht unterschätzen und entsprechend trainiert sein. Die Zeit ist bei Trails zweitrangig, es zählt nur das Finishen. Ich würde bei entsprechender Gesundheit das gerne wiederholen und bei Trails werde ich mich nur noch hinten einordnen (da kann ich mich mit Greppis Lauftaktik anfreunden, mir bleibt mangels Fitness und Gesundheit gar keine andere Wahl).

 
 
   
 

Mario

12:00:44  
   
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