15.4.2018 Schurwald Marathon  
Autor: Andreas Greppmeir
Bericht mit allen Bilder auf
 
ber18

Wintermarathon Haspelmoor A
Haspelmoor B
Thermen-Marathon A
Thermen-Marathon B
Neckarufer Marathon A
Neckarufer Marathon B
6h von Kelheim
Obermain Marathon A
Obermein Marathon B
Schurwald Marathon
Dreiburgenland Mara.
Bleilochultra
Leipzig Marathon
Innsbruck Alpine Trail
Trollinger Marathon
Bizau Ultra
MegaMarsch München
U.Trail Lamer Winkel
Strathearn Marathon
Stilfserjoch Marathon
Landkreislauf Augsburg
Gletschermarathon
Primiero Dolomiti Mara.
Gletscher Trailrun
Mountainman
Allgäu Panorama Mara.
Bavarian Challenge 100
Karwendelmarsch
Sri Chinmoy 6-Std-Lauf
Arberland Ultra Trail
Einstein Marathon Ulm
Moskau Marathon
Brauereienmarathon A
Brauereienmarathon B
München Marathon
Alb Marathon
Megamarsch Stuttgart

 

Im letzten Jahr hatte ich die Ehre an der Premiere des Schurwald Marathons im baden-württembergischen Landkreis Esslingen teilzunehmen und war begeistert. Ausgetragen wird die Veranstaltungen durch den LIWA-Lauftreff, einer Abteilung des TSV Lichtenwald. Ich hatte bei meinen vergangenen Läufen immer mal wieder die Gelegenheit das ein oder andere Mitglied des Lauftreffs kennenzulernen. Als dann Anfang des Jahres die Anfrage aus Lichtenwald kam, ob ich den bei der zweiten Auflage wieder dabei sein will, musste ich nicht lange überlegen. Klar, das kann und will ich mir nicht entgehen lassen.

Insgesamt findet das LIWA-LaufEvent inzwischen schon bereits zum siebzehnten Mal statt. Neben den obligatorischen 10-Kilometern und einem Halbmarathon, kam im letzten Jahr dann erstmals der Marathon dazu. Bei dem Schurwald Marathon handelt es sich um einen Landschaftslauf, bei dem nicht nur die 42,195 Kilometer, sondern zusätzlich noch rund 650 Höhenmeter zu bewältigen sind.

Zusammen mit Jan treffe ich am Marathonsonntag rechtzeitig in Lichtenwald ein und wir bekommen noch problemlos einen Parkplatz. Zahlreiche Feuerwehrler sind bereits im Einsatz und übernehmen die Einweisung der ankommenden Fahrzeuge. In der Mehrzweckhalle der Gemeinde Lichtenwald werden wir gleich freudig begrüßt. Ich treffe Bernie vom SIWA-Lauftreff, der bis zum Start des Marathons, an dem er auch selbst teilnehmen will, kurzerhand noch die Ausgabe der Startnummern für den Halbmarathon übernimmt. In einem kurzen Gespräch stellen wir beide fest, dass wir heute jeweils unseren 77. Marathon absolvieren werden. Ich witzle noch kurz, dass wir dann eigentlich im Ziel unsere Schnapszahlmarathons mit dem entsprechenden Getränk feiern müssten. Obwohl ich eigentlich keinen Schnaps trinke, zögert Bernie nicht lange, kramt das Handy hervor und ordert eine Flasche „Williams“. Es ging ja schon gut los.

Am Tisch gegenüber bekam ich meine Startnummer für den Marathon und anschließend gönnten Jan und ich uns noch einen Kaffee in der Halle. Wir beobachteten das Treiben der zahlreichen freiwilligen Helfer, die gut an ihren, in der Laufszene inzwischen wohl gut bekannten grünen Laufshirts und Trainingsjacken, leicht zu erkennen waren. Es wurden Kuchen und Torten beigebracht, Pokale für die Siegerehrungen platziert, nach und nach füllte sich die Halle auch mit Läufern. Da Baden-Württemberg ja lauftechnisch schon so etwas wie eine zweite Heimat für mich ist, konnte ich zahlreiche Lauffreunde begrüßen. In einem kurzen Gespräch über die Organisation erklärte mir Kalle, dass am heutigen Tage rund 300 Helfer im Einsatz sind und die Mitglieder gut ausgelastet sind, weshalb die Teilnahmezahlen beim Marathon auf 200 Läufer und beim Halbmarathon auf weitere 400 beschränkt sind. Mehr traut man sich im Moment noch nicht zu, obwohl die Stecke wohl deutlich mehr Läufer aufnehmen könnte. Insgesamt werden es heute rund 1250 Teilnehmer sein, die in Bambini-Läufen, Walking-Wettbewerben und den Langstrecken an den Start begeben.

Um 09:15 Uhr startet der Marathon vor dem Bürgerzentrum in Lichtenwald. Jan und ich kommen gerade noch rechtzeitig, hatten wir doch die Zeit etwas vergessen und können so gerade noch den letzten Grußworten lauschen, bevor, wie bereits im letzten Jahr, die Hymne des Berlin Marathons erklang und wir pünktlich auf unsere Reise geschickt wurden. Ich freute mich riesig auf das was nun vor mir lag, auch wenn ich es heute deutlich langsamer angehen lassen musste wie im vergangenen Jahr. Mir steckten noch die Höhenmeter vom Obermain-Marathon in den Knochen und das merkte ich auch auf den ersten Metern schon deutlich. Da jedoch der Zielschluss mit sieben Stunden äußerst großzügig bemessen ist, machte ich mir über das Finish zu keiner Zeit Sorgen. Das Wetter wird heute auch wieder richtig prima. Noch haben wir etwas frische fünf Grad, doch im Laufe des Tages sollte es um die 20 Grad werden. Läuferherz was willst du mehr?

Die ersten zwei-, dreihundert Meter führen uns an zahlreichen Zuschauern raus aus Lichtenwald. Es geht erst mal eben dahin und wir laufen in Richtung Süden. In der Ferne kann man die Berge der Schwäbischen Alb erkennen, über uns trüben nur ein paar weiße Wölkchen den blauen Himmel. Immer wieder geht es nun am Anfang sachte bergab, bevor wir am Ende des Gehweges mit einem kurzen Schwenk nach rechts und gleich wieder nach links in den vor uns liegend Wald eintauchen. Nun haben wir einen breiten, gut zu laufenden Waldweg vor uns. Auf den ersten Kilometern geht es nun wirklich stetig bergab und man kann es so richtig schön laufen lassen. Das tut auch Jan. Er liebt Bergab-Passagen und so ist er schon bald aus meinem Blickfeld entschwunden. Man kann erkennen, dass der Wald nach dem langen kalten Winter auch gerade so richtig in Fahrt kommt. Einzelne Bäume sind zwar noch kahl, andere hingegen stehen bereits in voller Blütenpracht da und man erkennt, dass es nicht mehr lange dauern kann, bis der gesamte Wald wieder sein volles Laubkleid trägt. Ich genieße die Aussicht auf den Frühling und laufe Kilometer und Kilometer bergab. Bis Kilometer 5 sind wir so bald angekommen und erreichen kurz zuvor die erste Verpflegungsstation.

Mit dem Bergablaufen ist es jetzt erst mal passé. Anfangs geht es noch leicht wellig dahin und man kann als gut laufen. Doch dann liegt ein langer zäher Anstieg vor uns. Ich kann mich an ihn noch gut erinnern. Eigentlich ist er zu flach, als dass man ihn wirklich gehend bewältigen muss, anderseits ist er zu kräftezehrend, als dass man ihn laufen will. Ich entscheide mich, dafür ihn mit Gehpausen zu laufen, wobei die Pausen immer länger werden. Ich will ja meine Körner nicht schon am Anfang verschießen, es liegt ja noch ein gutes Stück vor mir. Ab nun müssen wir uns auch immer wieder mal von den Halbmarathonis überholen lassen, die eine viertel Stunde nach uns gestartet sind. Ihre Strecke ist bis Kilometer 20 mit unserer identisch. In der Nähe von Ebersbach verlassen wir kurz den Wald und laufen zwischen sattgrünen Wiesen und blühenden Bäumen eine kurze Schleife auf einem Forstweg, bevor es erneut in den Wald zurück geht.

Die erste Hälfte des Marathons verläuft übrigens nahezu ausschließlich im Wald, was etwas überrascht. Schließlich leitet sich der Name Lichtenwald vom „lichten Wald“ ab, einer Bezeichnung, die schon im Jahr 1555 in alten Forstlagerbüchern des örtlichen Forstamtes zu finden war. Die Gemeinde Lichtenwald gibt es seit 1971 durch einen freiwilligen Zusammenschluss der bis dahin selbständigen Gemeinden Hegenlohe und Thomashardt. Mir macht das im Moment gar nichts aus. Ich genieße hier die frische Luft und das Laufen im Wald macht einfach Spaß. Auch auf den kommenden Kilometern durch den Wald wechseln sich Anstiege und Gefälle immer wieder ab. Ich schließe nun auch auf Kati und Bernie auf, die vor mir gerade wieder einmal bergauf in den Schlenderschritt verfallen sind. Irgendwann zieht Bernie von dannen und ich teile mir die weitere Strecke, wie schon so oft, mit Kati.

Immer wieder erreichen wir eine der Verpflegungsstellen, die im Abstand von fünf Kilometern aufgebaut sind. Die Helferinnen und Helfer sind stets gut drauf und für jeden Spaß zu haben. Bis etwa Kilometer 19 bleiben wir im Wald, müssen nur hier und da eine Straße überqueren, die jedoch stets perfekt durch die Feuerwehr oder Helfer abgesichert ist. Als also etwa bei Kilometer 19 den Wald erst einmal hinter uns lassen, liegt vor uns schon Lichtenwald. Die Halbmarathonis, die uns immer noch umgeben, werden bald ihr Ziel erreicht haben. Ich kann auch schon Baden-Württembergs schönsten Wasserturm vor mir erkennen. Im Oktober 2008 konnten Hörer des Radiosenders SWR1 wählen und der Lichtenwalder Wasserturm schaffte es auf Platz 1 vor Mannheim. Der Turm wurde am oberen Ende mit blauen Wassertropfen verziert und macht das sonst doch etwas unspektakuläre Gebäude doch tatsächlich zu einem Augenmagneten. Übrigens stammte jede zweite Stimme für den Lichtenwalder Wasserturm aus Lichtenwald selbst, was zeigt, dass die Bewohner hinter ihrem verzierten Wasserturm stehen.

 
 
 
Im Ort angelangt, kurz nach dem Wasserturm, erreichen wir die nächste Verpflegungsstation und kurz danach wird die Strecke geteilt. Wir verabschieden die Halbmarathonis, die den letzten Kilometer unter die Füße nehmen und biegen selbst nach rechts ab. Wir schlängeln uns noch kurz durch Lichtenwald und finden uns bald am Ortsausgang auf einem Wanderweg wieder. An dieser Stelle haben mich im letzten Jahr ein paar Tauben begleitet. Heute sehe ich sie in ihrer Foliere wieder und sie schauen mir stumm hinterher. Immerhin habe ich ja noch Kati an meiner Seite. Als der Wanderweg einen Knick nach rechts macht, weisen uns Helfer geradeaus in das nächste Waldgebiet. Wir werden noch vor Stolperstellen gewarnt, denn nun geht es rund hundert Meter steil bergab und der Weg ist tatsächlich etwas uneben. Unten angekommen geht es nach links weg und es liegt eine kurze ebene Strecke vor uns, bevor es wieder stetig begab geht. Rund sechs Kilometer, so wurde uns versprochen, geht es so weiter. So ist es auch und ich bin manchmal froh, wenn es auch nur für ein paar Meter wieder eben ist. Deutlich merke ich, dass meine Oberschenkel den Obermain-Marathon noch nicht vergessen haben.

Unten angekommen laufen wir eine Zeit lang an einem kleinen Bach entlang und nähern uns einem Gutshof. Ein blondes Mädchen steht am Straßenrand und hat ihre Kreidetafel aufgebaut. Eifrig hat sie mitgezählt und die aktuellen Platzierungen notiert. Sogar an die Frauenwertung hat sie gedacht. Aktuell sind wir auf Platz 103, Kati belegt den 15. Platz bei den Damen. Wir lobten das Mädl noch kurz für ihren Eifer und machten uns wieder auf den Weg. „Hoffentlich hat ihre Mama sie nicht zwischendurch mal zum Essen reingerufen“, witzeln Kati und ich noch, wissen wir doch nicht mehr allzu viele Läufer hinter uns.

Kurz danach haben wir Kilometer 25 und die nächste Verpflegungsstation erreicht. Gestärkt geht es weiter in Reichenbach und wir haben mal wieder Asphalt unter den Füßen. Im Ortskern passieren wir die Kirche und danach liegt ein wirklich zäher unendlich lang wirkender Anstieg vor uns. Wieder muss ich ans letzte Jahr denken, als ich in der prallen Sonne mächtig schwitzend den Anstieg erklomm. Heute hatte die Sonne deutlich weniger Kraft und ich war in diesem Moment dankbar. Beim Anstieg bildet sich heute eine Sechsergruppe. Während wir erfahrenen Läufer den Berg natürlich gehend bewältigen, traben an uns zwei Jungs vorbei. Sie bewältigen heute ihren ersten bzw. zweiten Marathon. Sie sollten lieber mit den Kräften haushalten, warnten wir noch, aber der jugendliche Elan war einfach nicht zu bremsen. Kurz nach den beiden kamen wir auch oben an und erholten uns an der dortigen Verpflegungsstation erst mal etwas, bevor es weiterging. Wieder hatten wir ein Waldstück vor uns. Wieder ging es gelegentlich bergab, gelegentlich bergauf und immer schön durch den schattigen Wald.

Erst bei Kilometer 30 ließen wir den Wald wieder hinter uns und näherten uns der nächsten Ortschaft. Baltmannsweiler war schon im letzten Jahr eine Stimmungshochburg und es saßen auch heute wieder einige Bewohner auf der Straße und feierten ihre ganz persönliche Marathonparty. Auch wenn ich gerne in der Natur laufe und die Ruhe genieße, so tut es doch ganz gut, wenn man ab und an aufmunternde Worte bekommt und für das Geleistete Applaus bekommt. Frisch motiviert ging es somit weiter zur nächsten Verpflegungsstation. In einem bäuerlichen Anwesen war diese aufgebaut und dort trafen wir auch wieder auf die beiden Jungs und mussten erkennen, dass diese deutlich zu leiden hatten. Kati und ich gönnten uns eine kleine Pause und ließen die Jungs ziehen, nicht ohne ihnen aufmunternde Worte und noch ein paar Tipps mit auf die Reise zu geben.

Doch es hatte offensichtlich nicht viel geholfen. Rund einen Kilometer nach der VP kniete einer der Jungs am Boden und war am Ende. Wir hielten natürlich an und fragten nach. Er hätte üble Krämpfe in den Beinen, wolle aber nicht aufgeben. Nicht 10 Kilometer vor dem Ziel. Während Kati krampflösende Anwendungen erklärte, kramte ich in meinem Laufgürtel und verabreichte dem Patienten kurzerhand eine doppelte Dosis Salztabletten und ein trinkbares Iso-Gel zum Runterschwappen. Nachdem die beiden uns versicherten, dass sie aufeinander aufpassen würden, trabten Kati und ich weiter. Über ein paar schöne Wanderwege durch eine leicht hügelige schöne Landschaft näherten wir uns dem letzten Waldstück. Dort kam auch der letzte lange Anstieg und an dessen Ende eine weitere Verpflegungsstation. Dort verweilten Kati und ich noch eine ganze Weile, denn hinter uns sahen wir Bernie nahen. So kurz vor Schluss wollten wir natürlich noch auf ihn warten, um gemeinsame mit ihm ins Ziel einzulaufen. Während wir uns ratschend an der VP aufhielten, kamen von hinten die beiden Jungs. Sie liefen relativ locker und hatten ein Grinsen im Gesicht. Es läuft wieder! Prima, Kati und ich freuten uns riesig für die Beiden.

So hatten Kati, Bernie und ich noch gemeinsame letzte acht Kilometer in Richtung Ziel. Leicht wellig ging es nun dahin und wir genossen einfach die gemeinsame Zeit. Etwa einem Kilometer vor dem Ziel wartete ein Kollege von Kati, der unweit von Lichtenwald wohnt und applaudierte uns. Ich drückte ihm meine Kamera in die Hand. Er hatte nun eine Aufgabe und musste unseren Zieleinlauf fototechnisch festhalten. Gemeinsam liefen wir so gut gelaunt, aber doch erschöpft auf der Wiese vor der Mehrzweckhalle in Ziel ein. Mit Janosch, Kalle, Axel und einigen anderen hatten wir einen prima Zielempfang. Bernies und mein zweifach Schnapszahlmarathon-Zieleinlauf hatte also geklappt. Und ehe ich mich versah, hatte ich auch schon eine Flaschen „Williams“ in der Hand und es wurde ausgeschenkt. Da Kati mit ihrem 166. Marathon ja quasi auch eine Schnapszahl hatte, wurde dreifach ausgeschenkt und nun gab es kein Zurück mehr. Wer eine dicke Lippe riskiert, muss auch mit den Folgen leben. Also runter damit! Wir hatten im Ziel jedenfalls noch einen riesen Spaß und verweilten noch eine ganze Zeitlang in der Sonne. Auch die beiden Jungs waren gut angekommen und bedankten sich nochmal für unsere Hilfe, was mich besonders freute. Soll mir noch einmal jemand etwas über unsere Jugend sagen!

Mein Dank gilt jedenfalls dem LIWA-Lauftreff mit allen Verantwortlichen und freiwilligen Helfern. Wahnsinn, was ihr da auf die Füße gestellt habt. Man merkt jede Sekunde, dass ihr mit Herz und Seele dabei seid. Das LIWA-LaufEvent ist eine Veranstaltung von Läufern für Läufer und das Engagement all der Helfer gar nicht hoch genug zu loben. Aber ob ich den Schurwaldmarathon im nächsten Jahr wieder laufe kann ich tatsächlich nicht versprechen! Ich habe da nämlich was entdeckt! Ein Plakat in der Mehrzweckhalle. Darauf steht: „Geplant in Lichtenwald – Ultramarathon 59 Kilometer, 900 Höhenmeter“. Kann sein, dass ich nächstes Jahr auf den Schurwald Marathon verzichte …
   
   

Jan
Greppi

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5:48:02
 
   
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