25.3.2018 6h von Kelheim  
Autor: Andreas Greppmeir    
     
 
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Eigentlich wollten Charly und ich ja schon am letzten Wochenende in Fürth beim dortigen 6-Stunden-Lauf an den Start gehen. Allerdings hatte uns der unverhoffte Wintereinbruch einen Strich durch die Rechnung gemacht. Kurz nach Ingolstadt mussten wir einsehen, dass wir nicht mehr rechtzeitig zum Start in Fürth eintreffen würden und machten kehrt. Die Enttäuschung hielt sich jedoch in Grenzen, hatten wir ja für diesen Sonntag mit den „6h von Kelheim“ einen weiteren 6-Stunden-Lauf auf der Agenda.

Wie erschlagen krabbelte ich daher am Sonntag um fünf Uhr morgens aus dem Bett. Silkes Geburtstag am Vortag und die Umstellung auf die Sommerzeit ließen nicht viel Zeit für einen erholsamen Schlaf. Trotzdem saß ich eine Stunde später zusammen mit Charly im Auto und es ging in Richtung Kelheim. Dass ausgerechnet am Sonntag der Frühling mal wieder eine kurze Kostprobe geben sollte, war wohl eine nur allzu gerechte Entschädigung für das Wochenende zuvor. So verlief unsere Anreise über die verwaisten Autobahnen ohne Probleme und wir trafen überpünktlich am ATSV Stadion in Kelheim ein. Wir schienen tatsächlich die ersten zu sein. Auf der Tartanbahn waren jedoch schon erste Vorbereitungen zu erkennen.

In der Hoffnung auf einen Kaffee machten Charly und ich uns gleich mal auf den Weg in Richtung Startnummernausgabe. Zwei Jungs grinsten uns gleich freudig an und überreichten uns schon mal unsere Startunterlagen. Das war also schon mal erledigt. Kurz darauf hatten wir auch schon zwei Becher Kaffee vor uns stehen, denn die erste Kanne war gerade durchgelaufen. Da wir beide so einsam vor unserem Kaffee saßen, hatten wir natürlich die volle Aufmerksamkeit der Helferinnen und so wurde uns auch gleich gratis nachgeschenkt.

Auch der Kauf von handgefertigten Tonherzen mit der Aufschrift „6h für die Hoffnung“ wurde uns natürlich nahegelegt. Der Erlös des Verkaufs, sowie ein Drittel der gesamten Einnahmen der Veranstaltung gehen zugunsten „Miriams Hoffnung“. Miriam, ein kleines Mädchen leidet an dem nahezu unbekannten RETT-Syndrom. Im Alter von zwei Jahren begann Miriam nahezu alles zu verlernen, was sie in ihrem, erst kurzem Leben beigebracht bekam. Es begann damit, dass ihr das Spielzeug aus den Händen fiel. Nach und nach verlernte sie neben dem Greifen auch das Krabbeln, selbständige Essen oder Sprechen wieder und befindet sich nun auf dem Stand eines drei bis fünf Monate alten Kindes. Dafür verantwortlich ist ein einziges defektes Gen, soviel ist inzwischen bekannt. Es ist für die Produktion eines Proteins verantwortlich, das für die Entwicklung des Gehirns verantwortlich ist. Die Krankheit scheint allerdings heilbar zu sein, dennoch hat die Pharmaindustrie kein großes Interesse daran, da zu wenige Menschen davon betroffen sind und die Entwicklung von Therapiemaßnahmen nicht lukrativ ist. Unglaublich aber wahr.

Da die Entwicklung von Therapien und Medikamenten zur Heilung des RETT-Syndroms äußerst kostspielig sind und diese zu hundert Prozent aus Spenden finanziert werden, ist es Charly und mir natürlich eine Ehrensache, dass wir uns daran beteiligen. Auch wenn unsere kleine Spende wohl nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist, wünschen wir der kleinen Miriam und natürlich auch allen anderen betroffenen Mädchen alles Gute und hoffen, dass bald Therapien möglich sind und ja vielleicht auch die Pharmaindustrie ein Einsehen hat, wobei letzteres wohl eher ein Wunschgedanke ist.

So verstauen Charly und ich schließlich unsere beiden Tonherzen bruchsicher und machen uns für den Lauf fertig. Ein Leihtransponder wird mittels Klettband um den Knöchel befestigt, die Startnummer wie gewohnt am entsprechenden Band befestigt. Charly hat einen Campingstuhl dabei, den wir neben der Tartanbahn abstellen. Er dient zur Ablage für unsere persönliche Verpflegung und für Wechselkleidung, sollte diese notwendig sein. Nachdem wir mit Normann Salomo, Roland Krauss und Alexandra Mitschke auch die einzig uns bekannten Läufer begrüßt hatten, begaben wir uns schon bald in die Startaufstellung und bereiteten uns geistig auf die kommenden sechs Stunden vor. Diesmal hatte ich mich im Vorfeld nicht über die Strecke informiert. Lediglich, dass eine Runde zwei Kilometer lang ist, hatte ich aufgeschnappt. So war ich nun natürlich erst mal gespannt, was uns erwartet.

51 Einzelstarter und 61 Startläufer diverser Staffeln sammelten sich so um kurz vor neun Uhr vor dem Startbogen auf der Tartanbahn. Stimmungsvoll wurden die letzten Minuten und Sekunden heruntergezählt bevor wir unter den Augen zahlreicher Zuschauer auf die Strecke gelassen wurden. Rund 150 Meter galt es zunächst auf der Tartanbahn zu laufen, bevor es nach links durch das Stadiontor rausgeht. Kurz danach passieren wir das Kelheimer Freizeitbad „Keldorado“. Wenige Meter später biegen wir erneut links ab und laufen an einem Minigolfplatz vorbei. Danach kommt ein kurzer Anstieg hoch auf den Damm des Rhein-Main-Donau-Kanals. Rechts von uns liegt die Befreiungshalle auf dem Michelsberg und ist von der Strecke aus immer wieder gut zu erkennen. Auf dem Damm geht es gerade aus weiter bis zur Europabrücke, dann kommt erneut ein kurzer Anstieg. Nachdem wir diesen bewältigt haben, geht’s links weg und auf einem Gehweg über längere Zeit stetig leicht bergab. Am Ende erreichen wir einen Kreisverkehr, wo wir erneut links abbiegen und schließlich durch das Stadiontor wieder ins Stadion zurückkommen. Nach einer halben Stadionrunde überqueren wir auch schon wieder die Start- bzw. Zielmatte und die erste Runde liegt hinter uns.

 
 
 
Die ersten beiden Kilometer hätte ich somit hinter mir. Angesichts der Temperaturen, die zu so früher Morgenstunde noch um den Gefrierpunkt gelegen haben dürften, bin ich auch noch nicht warmgelaufen. Ich habe mich für eine kurze Laufhose, aber ein langes Oberteil entschieden. Handschuhe trage ich auch noch, doch die werde ich zu späterer Zeit sicher ablegen. Es soll über zehn Grad warm werden. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass ich für die erste Runde gut zwölf Minuten gebraucht habe, ich kann also gerne etwas langsamer machen. Die nächsten zwei bis drei Runden laufe ich dennoch in diesem Tempo weiter, da ich mich wohl fühle. Auch die beiden kurzen Anstiege nehme ich noch im Laufschritt, obwohl mir klar ist, dass das bis zum Ende hin nicht so bleiben wird. Spaß macht mir das Rundendrehen auf alle Fälle schon mal und ich bin inzwischen auch wach.

Auch das Überqueren der Start-/Zielgeraden wird nicht langweilig. Helmuth Hoffmann klatscht Runde für Runde mit den Läufern ab und wird das auch sechs Stunden lang durchhalten. Rudi Obermeier übernahm die Moderation und hatte mich schon nach der zweiten oder dritten Runde im Visier, erkannte er mich nicht nur als marathon4you-Reporter, sondern auch als Premierenteilnehmer des Spindellaufs in Regensburg. Im Vorbeilaufen gab es immer wieder kurze Gespräche zwischen uns. Wann ich mich mal wieder beim Spindellauf sehen lasse, wollte Rudi wissen. Wenn es ihn als Marathon gibt, war meine Antwort und er gab mir zu verstehen, dass ich nicht der erste bin, der ihn darauf angesprochen hat. Rudi behält die Idee jedenfalls im Hinterkopf und möglichweise gibt es ja zum Jubiläum tatsächlich einen Marathon durch das Donautal-Center in Regensburg.

Ohne es richtig zu merken, hatte ich so meine ersten fünf Runden und somit 10 Kilometer hinter mir. Ich fühlte mich immer noch richtig frisch und kam auch unterwegs immer wieder mit Läufern ins Gespräch, so dass die Zeit wie im Flug verging. Die Sonne hatte inzwischen auch richtig Kraft und wärmte mich angenehm. Mein nächstes Ziel den Halbmarathon in rund 2:15 Stunden zu laufen schien problemlos aufzugehen. Allerdings merkte ich schon kurz vor dem Ende der elften Runde, dass mein Magen mal wieder etwas rebellierte, obwohl ich ansonsten noch fit war.

So kam es dann auch, dass ich zwei Runden später, kurz bevor Charly das erste Mal auf mich auflief, abbiegen musste und wohl eine Runde auf dem stillen Örtchen verlor. Danach ging es wieder besser, allerdings merkte ich, dass ich Getränke nur noch in kleinen Schlucken zu mir nehmen konnte und an feste Nahrung gar nicht mehr zu denken war. Trotz des kleinen Problems bereitete mir der Lauf immer noch jede Menge Spaß und ich hatte keinen Zweifel diesen auch zu beenden. Weitere Gespräche lenkten mich von meinem Magen ab und ließen mich Runde um Runde drehen. Insbesondere Rudi Obermeier wusste mich immer wieder zu motivieren, hatte er doch immer wieder einen lockeren Spruch drauf, wenn ich mich der Zielmatte näherte. Sogar ein kleines Ständchen bekam ich: „Greppi, Greppi, der ist immer happy!“. Rudi ist halt ein wahrer Poet.

Schließlich hatte ich den Marathon, also 21 Runden geschafft. Ich war mit knapp fünf Stunden noch immer im Soll und die 50 Kilometer schienen noch möglich. Als ich mal wieder die Matte überquerte, wurden die Zwischenergebnisse bei den Damen durchgegeben. Alexandra, die bis dahin bei den Mädels immer geführt hatte, war nun plötzlich „nur“ noch zweite und kommentierte dies mit einem „Scheiße, muss ich mich jetzt etwa doch noch anstrengen?“, als sie mal wieder an mir vorbeizog. Auch Alexandra hatte nun zu kämpfen und leichte Probleme. Auch wenn es jetzt etwas zäh wurde, befand ich mich dennoch mit der letzten verbleibenden Stunde sozusagen auf der Zielgeraden und so war es schon mal erlaubt über das Finish nachzudenken.

Da fiel mir auch auf, dass ich im Vorfeld nicht nur versäumt hatte, mich mit der Strecke zu beschäftigen, sondern auch mit dem Finish. Bei vorangegangenen 6-Stunden-Läufen war es ja so, dass man irgendwann ein Fähnchen in die Hand gedrückt bekam, das man nach Ablauf der sechs Stunden neben die Strecke steckte, damit die „Rest-Kilometer“ vermessen werden konnten. Doch wie das heute laufen sollte, da hatte ich ehrlich gesagt keine Ahnung. Ich fragte also mal bei einem Mitläufer nach. Es gibt keine Restkilometer, nur vollendete Runden zählen. Wer nach Ablauf der sechs Stunden in Ziel einlief, dem wurde also die letzte Runde gestrichen. Für mich waren somit nur 24 Runden realistisch, eine weitere würde ich vor Ablauf der sechs Stunden nicht ins Ziel bringen, womit es auch keinen Sinn machte, nochmal alles zu geben. Daher ließ ich es nach 23 Runden sehr entspannt angehen und lief mich sozusagen noch eine Runde aus. Nach 5:55 Stunden überquerte ich die Ziellinie und hatte damit 48 Kilometer auf der Uhr.

Auch wenn mehr möglich gewesen wäre, war ich dennoch zufrieden. Ein toller Lauf auf einer abwechslungsreichen Runde, mit vielen interessanten Gesprächen und neuen Lauffreunden lag hinter mir. Charly kam kurz nach mir in Ziel und hatte zwei Runden mehr geschafft. Ein Highlight war auch noch die Finisher-Medaille. Ein Bierfilzl mit aufgedrucktem „6h von Kelheim“-Motiv und einem auf die Rückseite geklebten Hanuta gab es für die Finisher. Klasse Idee. Ich hab mir daraus mit meinem Tonherzchen, das für mich auch Miriam unvergessen macht, eine eigene Medaille gebastelt, die nun ihren Platz zwischen all den anderen Finisher-Medaillen gefunden hat.
 
   

Charly
Greppi

26 Runden 52 km
24 Runden 48 km
 
   
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