03.11.2018 Megamarsch Stuttgart 50/12  
Autor: Andreas Greppmeir
 
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Megamarsch Stuttgart



 

Erstmals wurde ich im vergangenen Jahr auf den Mega-Marsch in München aufmerksam. 100 Kilometer in 24 Stunden, das schien eine reizvolle und vor allem auch machbare Aufgabe für mich zu sein. Fasziniert war ich von der großartigen Organisation und einer traumhaften Strecke. Auch wenn ich in Kochel am See bei Kilometer 67 aufgeben musste, hatte mich der Virus Mega-Marsch doch gepackt. Für das kommende Jahr bin ich bereits wieder gemeldet. Ich will es nochmal versuchen. Heuer gab es in Stuttgart auch eine Ausgabe des Mega-Marschs. 50 Kilometer in 12 Stunden, das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Gemeinsam mit Kati, für die es ja quasi ein Heimspiel war, meldete ich mich an. Wir vereinbarten so viel wie möglich zu laufen, aber auch einen Teil der Strecke zu marschieren. Laut Ausschreibung waren neben den 50 Kilometern auch 1.300 Höhenmeter zu absolvieren.

Die billigste Alternative sich beim Mega-Marsch anzumelden ist das sogenannte „Early-Bird“-Ticket. Also schnell zuschlagen und das ohne alle Extras, so ist man mit gut vierzig Euros dabei. Das heißt aber auch, dass es keinen Gepäcktransport, geschweige denn einen Shuttle-Service gibt. An- und Abreise muss man selbst organisieren. Start ist auf der Cannstatter Wasen in Stuttgart. Das Ziel liegt gut 35 Kilometer entfernt in Plüderhausen. Kati und ich wollen uns um sieben Uhr morgens in Plüderhausen treffen, wo ich mein Auto stehen lasse und mit Kati nach Stuttgart zum Start fahre. Das heißt für mich auch, dass mich mein Wecker um 4.15 Uhr, also mitten in der Nacht aus dem Schlaf reißen wird. Tatsächlich nervt mich mein Wecker so lange, dass ich auch nahezu pünktlich aus dem Bett krieche. Gefrühstückt wird im Auto. Ich habe gut zwei Stunden Fahrt vor mir und Zeit um wach zu werden.

Den vereinbarten Treffpunkt finde ich ohne Probleme und wenige Minuten später rollt auch Katis Smart auf das Gelände. Wir packen kurz um, die Wechselklamotten kommen bei mir in den Kofferraum, alles was wir für den Lauf benötigen, packen wir in den Smart. Dann geht‘s in Richtung Stuttgart. Ich erzähle Kati noch, dass ich auf der Rückfahrt vom Alb-Marathon am vergangenen Samstag geblitzt wurde, obwohl ich eher gemäßigt unterwegs war. Nur wenige Minuten später hatten wir auch schon ein gemeinsames Foto. Der Verkehrsüberwachung in Baden-Württemberg entgeht aber schon wirklich gar nichts. Auch nicht am frühen Samstagmorgen. Trotzdem treffen wir gut gelaunt ein paar Minuten später auf dem Parkplatz an der Cannstatter Wasen ein. Wir packen unsere Laufrucksäcke und machen uns auf den Weg in Richtung Check-In. Auf dem kurzen Weg treffen wir ein paar Bekannte. Wir sind also nicht die einzigen Läufer unter den gut 1.500 Teilnehmern. Mit der guten Laune ist es aber auch schnell vorbei, als wir die schier endlose lange Schlange vor dem Check-In-Zelt sehen. Wir stellen uns hinten an und irgendwie scheint nichts vorwärts zu gehen. Von München hatte ich das anders in Erinnerung. Da brauchte ich keine Minute, um mich zu registrieren. Hier schien alles etwas planlos zu sein, aber irgendwann hatten wir dann doch den Stempel im Startpass und einen Stempel auf dem Handgelenk, da die Startbändchen ausgegangen waren.

Schon im Vorfeld hatten wir uns Gedanken gemacht, in welchen Startblock wir uns einreihen wollen. Diese spielten nun keine Rolle mehr. Die ersten beiden Startblöcke mit je rund 300 Teilnehmern waren schon unterwegs. Sie werden im Abstand von gut zehn Minuten gestartet. Kati und ich quetschten uns noch mit in den dritten Startblock, standen dort also ganz hinten. Der Start war im Gegensatz zu München etwas lustlos. Die Teilnehmer zählten die letzten Sekunden herunter und dann ging es ohne großes Brimborium los. Da wir ja ganz hinten standen, mussten wir uns dem Tempo der Marschierer anpassen und hatten keine Möglichkeit zu überholen. Nachdem wir die Cannstatter Wasen verlassen hatten, ging es auf einem Gehweg weiter, also wieder zu eng, um zu überholen. Wir überquerten den Neckar auf einer Brücke und direkt danach ging es über eine Treppe hinab zum Neckar-Ufer. Da gab es erst mal Stau und Kati hatte Zeit mir zu erklären, dass wir uns nur rund zwei Kilometer von der Laufstrecke des Neckarufer-Marathons entfernt befinden.

Irgendwann haben auch wir die Treppe erreicht und können zum Neckar hinabsteigen. Dort geht es dann für ein paar Kilometer weiter am Neckar entlang in Richtung Süd-Osten. Wir können hier endlich ein paar „Plätze“ gut machen, müssen dazu aber immer wieder in den Grünstreifen ausweichen. An ein richtiges Laufen ist aber immer noch nicht zu denken. In Untertürkheim angekommen verlassen wir den Neckar und laufen entlang der Benzstraße in Richtung Rotenberg. Durch ein Wohnviertel nähern wir uns dem Ortsrand von Stuttgart. Vor uns sind schon die Weinberge erkennbar. Wir hoffen endlich loslaufen zu können, machen aber vor uns einen Anstieg aus, der ebenfalls nur gehend zu bewältigen sein wird. Die eigentliche Strecke ist am Beginn des Anstiegs überfüllt und es kommt erneut zu Stauungen, weshalb wir kurzerhand durch den Weinberg nach oben steigen. Wir dürften nun so ungefähr bei sechs Kilometer angekommen sein, sind noch keinen Schritt gelaufen, aber trotzdem ganz schön außer Atem. Dieser Anstieg hatte es schon mal in sich.

Danach ging es im einem wunderschönen Herbstwald in Richtung Kernenturm und somit zur ersten Verpflegungsstelle bei Kilometer 10. Auf den kommenden Kilometern konnten wir nun endlich etwas laufen. Auch wenn das Feld sich nun schon etwas auseinandergezogen hatte, war immer noch genug los und wir mussten teilweise zum Überholen in die Prärie ausweichen. Trotzdem kam bei Kati und mir jetzt endlich etwas Laufstimmung auf und so pflügten wir auch immer wieder durch das knöchelhohe Herbstlaub, um voranzukommen. Bis zum Kernenturm arbeiten wir uns gut nach vorne, werden aber an der VP erst mal wieder ausgebremst. Eine lange Schlange hatte sich an den Verpflegungstischen gebildet. Wir hatten keine Lust uns schon wieder anzustellen und entdeckten Klaus Neumann, der schon am Büffet angekommen war. Wir verwickelten ihn in ein Gespräch und ganz unbemerkt stellten wir uns so vorne an. Wir stärkten uns mit Milchbrötchen, Bifis und Müsliriegeln. Meine Wasserflaschen musste ich noch nicht wieder auffüllen, hatte ich bisher doch kaum etwas getrunken. Zudem hätte es eh nur stilles Wasser gegeben, was nicht gerade zu meinen favorisierten Getränken zählt.

Weiter geht es nun in Richtung Stetten und Strümpfelbach, wo bei Kilometer 20 die nächste VP auf uns wartet. Die Strecke bis dahin ist toll, aber anstrengend. Es gibt kaum ebene Verläufe, es gibt nur An- oder Abstiege. Die Anstiege werden gegangen, bergab lassen wir es rollen und überholen immer mehr Teilnehmer. Da sich die unterschiedlichen Startblöcke inzwischen vermischt haben, bleibt es stets voll auf der Strecke. Dies hat den Vorteil, dass man sich nicht nach Streckenmarkierungen umsehen muss, aber auch den Nachteil, dass man immer wieder mal die Botanik zum Überholen nutzen muss. An der zweiten VP ist es schon etwas entspannter, das Feld hat sich etwas auseinandergezogen. Doch ich bin enttäuscht vom Angebot. Wieder nur stilles Wasser und die identische feste Nahrung. Stand in der Ausschreibung nicht etwas von heißer Brühe oder Kaffee? Ich führte auch extra einen eigenen Trinkbecher mit, wie es in der Ausschreibung vorgeschlagen wurde. Vielleicht ja an der nächsten VP? Kati und ich hielten uns nicht lange auf und machten uns auf den Weg nach Weinstadt zur dritten Verpflegungsstation bei Kilometer 30.

 
 
 
Die Strecke blieb unverändert hügelig. Das Wetter war optimal. Ab und an spitzelte die Sonne durch die Wolken, trotzdem behielt ich meine Laufjacke an. Gelegentliche Versuche hatten mir gezeigt, dass es heute ohne Jacke einfach zu frisch ist. Immer öfters konnten wir nun die tolle Aussicht über die Weinberge genießen, dafür mussten wir aber auch ordentlich Höhenmeter einsammeln. Ich muss zugeben, dass ich mich mit der Strecke selbst kaum beschäftigt habe, so dass ich gar nicht wiedergeben kann, wo wir überall entlanggelaufen sind. Kleine Ortschaften wechselten jedenfalls mit Waldpassagen und Weinbergen ab. Die Strecke war prima und wir erreichten schließlich auch die dritte VP. Und was soll ich sagen? Wieder nur Wasser und die gewohnte feste Nahrung. Kati und ich waren nun schon mehr als enttäuscht. Wir hatten vierzig Euro für unsere Teilnahme bezahlt. Versprochen wurde uns mehr als Wasser. Zudem hatte ich inzwischen Lust auf eine Cola oder eine warme Gemüsebrühe. Doch nichts davon gab es. Meinen mitgeführten Multi-Vitamin-Saft verdünnte ich immer mehr mit stillem Wasser, so dass er kaum noch Geschmack hatte.

Um es kurz zu machen, bis Kilometer 38, dort erreichten wir die letzte Verpflegungsstation, blieb die Strecke weiter anspruchsvoll, wobei ich inzwischen an den in der Ausschreibung angegebenen Höhenmetern Zweifel hatte. 1.300 sollten es sein, mir kam das etwas wenig vor und ich sollte recht behalten. Nicht nur meine Garmin zeigte am Ende deutlich über 1.500 Höhenmeter. Die VP in Winterbach war identisch bestückt, wie diejenigen zuvor. Egal, wir hatten nun nur noch 12 Kilometer vor uns und die würden wir auch noch schaffen, obwohl wir inzwischen schon ganz schön erledigt waren. So auf dem halben Weg der letzten Etappe begann es schließlich schon zu dämmern und wir machten uns Gedanken, ob wir noch bei Tageslicht das Ziel erreichen würden. Das Teilnehmerfeld war inzwischen schon ganz schön ausgedünnt.

Etliche Teilnehmer dürften die Möglichkeit des vorzeitigen Finishs bei Kilometer 20, 30 oder 40 genutzt haben. Zudem gehörten wir natürlich zu den schnelleren Teilnehmern des Mega-Marschs und hatten somit einen Großteil des Feldes hinter uns gelassen. Auf den letzten Kilometern in Richtung Plüderhausen, war es dann im Wald tatsächlich auch stockdunkel. Ich hatte meine Stirnlampe dabei und konnte für Kati und mich genügend Licht spenden. Das war auch dringend notwendig, denn auf einem Mountainbike-Kurs ging es nun steil bergab und so manches Hindernis wäre ohne Licht nicht zu erkennen gewesen. Endlich hatte ich auch die 50 Kilometer auf der Uhr, doch vom Ziel war weit und breit noch nichts zu erkennen. Es waren noch fast zwei weitere Kilometer bis wir den Ortsrand von Plüderhausen und schließlich den Zielbogen erreichten. Dort bekamen wir unsere Finisher-Medaille umgehängt und es wurde herzlich gratuliert.

Doch die nächste Enttäuschung wartete gleich auf uns. Es gab lediglich ein Jever-Alkoholfrei (pfui-deibel) und Bananen. Das ist schon mehr als dürftig. Eine Urkunde hätte man sich aus einem Karton selbst entnehmen und den Namen draufschreiben können. Das finde ich mehr als unpersönlich und verzichte auf die Urkunde. Auch auf den Finisher-Stempel im Wanderpass verzichte ich, da ich mir sicher bin, dass ich das Heft auf keinen Fall füllen werde.

Die Strecke war wirklich schön, aber die Organisation unter aller Kanone. Wäre der Veranstalter ein kleiner Sportverein oder Lauftreff, hätte ich für die nicht eingehaltenen Versprechungen bei der Premiere Verständnis. Aber beim Mega-Marsch handelt es sich um ein Unternehmen, das die Veranstaltungen aus wirtschaftlichen Gründen organisiert, da erwarte ich mir deutlich mehr Professionalität. Klar, in München werde ich wieder teilnehmen. Dort bin ich auch schon gemeldet und freue mich drauf, denn München war klasse. Aber müsste ich Schulnoten verteilen, würde Stuttgart von mir eine wohlwollende 4 minus erhalten. Von weiteren Teilnahmen an Mega-Marsch-Veranstaltungen werde ich Abstand halten, um weiteren Enttäuschungen vorzubeugen. Damit das Ganze nun nicht allzu negativ klingt: Es hat schon Spaß gemacht in Stuttgart, aber das ist einzig und allein der Begleitung und Unterhaltung von Kati zuzuschreiben. Vom „Virus Mega-Marsch“ bin ich wohl geheilt.
 
 





 
   
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