2.6.2018 U.Trail Lamer Winkel      
Autor: Bernie Manhard
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ber18

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U.Trail Lamer Winkel
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Zwoada Juni: dritta U.TLW

Nicht zu übersehen sind die vielen Plakate und großformatigen Banner sobald man sich im Umkreis des Lamer Winkels befindet. „Zwoada Juni: dritta U.TLW“ lautet der Slogan. „Des is des, wou lauta Nasche wie da Deifi durch’n Woid und iwan Arber und an Osser rennand und se am Schluss recht gfreind.“ Übersetzen werde ich euch das nicht, ihr sollt selber euren Spaß haben, aber so viel ist klar: Die Leut im „magischen U“ freuen sich auf die dritte Auflage des U.Trail Lamer Winkel. Ich bin auch zum dritten Mal dabei und freue mich ebenfalls recht sakrisch, weil ich ja schon weiß was mich erwartet.

Um die Veranstaltung werbemäßig noch bekannter zu machen, hätte es diesen Aufwand wahrscheinlich nicht mehr gebraucht. Aber, nach einem Jahr Pause war es durchaus spannend, ob sich der Beschluss, die Veranstaltung nur mehr im Zwei-Jahres-Rhythmus durchzuführen, eventuell auch negativ auswirken könnte. Aber Pustekuchen, selbst die größten Optimisten auf Seiten des Veranstalters wurden bei weitem übertroffen.

Als am 1. Dezember 2017 um 16 Uhr das Anmeldeportal für den U.TLW eröffnete, wurde deren Server an den Rand seiner Leistungsfähigkeit gebracht. Noch nie gab es in Deutschland einen derartigen Run auf die Startplätze eines Trailruns. Die 250 Tickets des „Osser Riese“ waren in 45 Minuten, die 450 Startberechtigungen für den „König vom Bayerwald“ in noch nicht einmal zwei Stunden komplett ausgebucht. Im Trailbereich kennt man ähnliche Verhältnisse gerade mal von ein paar wesentlich prominenteren Vertretern. Aber, wer Geduld hatte, konnte in den letzten Wochen doch noch einen Startplatz ergattern. Einige sind wieder abgesprungen, – man kennt das ja von allen Veranstaltungen – so konnten noch einige Tickets in den letzten Tagen über die Startplatzbörse erworben werden.

Der Kine hat zugelegt


Mit einigen Veränderungen kann die 3. Auflage aufwarten. Nachdem man 2016 den Veranstaltungsmittelpunkt komplett nach Lam verlegte, wurde dies nun wieder rückgängig gemacht. Abholung der Startunterlagen, Nudelparty, Begrüßung und Race Briefung sind jetzt wieder am Seepark Arrach. Der Zieleinlauf ist wie gewohnt auf dem Marktplatz von Lam. „Und damit aa wirklich a jeder woaß, wos wann wou stattfindt, aaf wos ma aafmiaka mou und wou‘s a Bier (sehr wichtig) und wos zom Ess’n gibt“, dafür gibt’s einem 12-seitigen Athleten- & Zuschauer-Guide. Der beinhaltet wirklich alles, vom Ablaufplan bis zum Streckenplan. Ja, und auch die Zeitlimits sind darin vermerkt. 11 Stunden sind für den Kine einzuhalten, mit zwei Cut-Offs auf der Strecke. Vorbildlicher und übersichtlicher kann man es nicht handhaben. Eine kleine Aufklärung, damit es nicht zu Verständigungs-Problemen kommt: als „Kine“ wird hier sowohl der Lauf „König vom Bayerwald bezeichnet“, als auch der Große Arber, der König der Berge im Bayerischen Wald.

Über die erzwungene Terminverlegung von Ende Mai auf Anfang Juni war man beim Veranstalter nicht gerade glücklich, der Termin ist für sie zu nahe am ZUT. Schuld am Dilemma ist der Auerhahn, er brütet im Mai und die Strecke führt durch sein Schutzgebiet. Beide Veranstaltung sind ausgebucht, somit hat sich das, nicht wirklich als Problem erwiesen.

Auch die Strecke wurde an einigen Abschnitten optimiert. So hat der Kine etwas zugelegt. Der Ultra Trail misst jetzt genau 54,5 km und weißt dabei über 2600 Höhenmeter auf. Der Schlussaufstieg auf den Großen Arber erfolgt nicht mehr auf der breiten Schotterstraße, sondern es geht direkt nach oben. Ist damit kürzer, dafür aber deutlich steiler. Ein schon länger gehegter Wunsch vom Orga-Team war es den Kleinen Arbersee mit einzubinden. Diesen dürfen wir heuer fast komplett umrunden, das bringt uns dann auch die Streckenverlängerung.

Ab 14 Uhr geht‘s am Freitag los mit dem Meet & Greed, dem Treffen der Trailrunning-Familie. Die ersten die sich an diesem Wochenende sportlich betätigen dürfen sind allerdings die Kinder bis 10 Jahre. Der Kids-Trail um den Arracher Seepark sorgt für Stimmung. 75 Nachwuchskräfte toben sich rund um das Gelände an künstlichen Hindernissen aus. Zur Belohnung bekommt jeder eine Kugel Eis.

Die Startunterlagen für die „Großen“ sind gut gefüllt. Neben Bons für ein Essen, Getränk und ein exklusives Weißbierglas mit aufgedrucktem Höhenprofil des Kine vom Bayerwoid sind noch ein Stirnband, Ärmlinge und einige Accessoires zu finden. Zuerst werden die Favoriten vorgestellt, um 19 Uhr beginnt dann die offizielle Eröffnung mit abschließendem Race-Briefing. Das Wetter ist herrlich, so sind die Plätze vor der Bühne gut besetzt.

Der Kine vom Bayerwoid

Läufer aus 10 Nationen und aus 16 deutschen Bundesländern befinden sich heuer am Start. 20 Minuten bevor es losgeht, werden wir gebeten, uns in das abgesteckte Startareal zu begeben. Hinein geht es nur über die Kontrolle der Pflichtausrüstung. Regenjacke, Kopfbedeckung, Notfallset, Getränk und Handy mit Notrufnummer sollte jeder an Bord haben, sonst könnte sich ein Start schnell erledigen.
Für mich gibt’s erstmal jede Menge der Trailfamilie zu begrüßen. Steffi jammert über schwere Beine. Ja, kein Wunder nach Albtraum 100 und SM am Rennsteig in den vergangenen Wochenenden auf dem Siegertreppchen. Andi und Axel haben großen Respekt vor der Strecke. Axel verrät mir ganz leise, dass heute sein 100.

Marathon/Ultra ansteht. Ein bisschen Muffe hat er aber was das Zeitlimit angeht und ob er das überhaupt schaffen kann, darum will er es gar nicht so ausposaunen.
Auf der gegenüberliegenden Seite des Seeufers sind die Böllerschützen postiert. Um Punkt 8 Uhr steigt der Rauch auf und los geht´s. Die Thürnsteiner Blasmusik begleitet uns musikalisch auf der 400 Meter langen Ehrenrunde um den See. Imponierend anzusehen, wie schnell sich das Feld einige hundert Meter auseinanderzieht, obwohl hier noch gar nicht Vollgas gegeben darf, wenn ich mich recht entsinne. Wir laufen erstmal eine neutralisierte Runde mit Tempomacher voraus, bevor die Rennpferde richtig laufen dürfen.

Zweieinhalb Kilometer durch Wiesen und über Feldwege dürfen wir uns Einlaufen. Nach unterqueren der Kreisstraße geht es in den Anstieg. Das war es dann auch an Flachpassagen für den Rest der Strecke. Der WoidBauern-Steig führt uns gleich ordentlich nach oben. Einige Gefällpassagen sorgen aber zwischendrin immer für Abwechslung. An der Skistation Eck wird nach 9 km der Bergkönig ermittelt. Einen Kilometer vorher wird schon zum Sprint ermuntert. Korbinian und seine Kumpels machen mit der Fliegersirene Rabatz. Von weitem brandet betörender Lärm durch den Wald. Von einigen hundert Leuten werden wir mit tosendem Applaus beim Durchlauf empfangen. Das ist echt krass für einen Trail, praktisch mitten im Wald.

Nach 43 Minuten ging an der Zeitmessmatte der Bergkönig durch, für uns „unwesentlich“ langsameren gilt es eher das Zeitlimit von 1:30 Stunden einzuhalten. Markus vom Orga-Team meinte beim Briefing, das schafft man selbst im Wanderschritt. Na, da bin ich nicht so überzeugt. Es muss schon etwas gelaufen werden, sonst wird’s eng. Aber, es ist schon noch einigermaßen easy zu bewältigen und es gab auch angeblich noch nie jemand, der hier hängen blieb. Nach dem Durchlauf können wir an VP 1 verpflegen und Getränke aufnehmen. Man sollte spätestens hier seine Getränkeflasche oder Wasserblase auffüllen. Bis zum Gipfel auf dem Großen Arber gibt es keine Möglichkeit mehr.

In dem ganzen Trubel in Eck und an der VP löst sich irgendwie auch das komplette Teilnehmerfeld auf. Fast ganz alleine mache ich mich vorerst auf den weiteren Weg. Unmittelbar hinter der Station befinden sich einige Totenbretter. Sie finden sich heute fast nur noch im Bayerischen Wald und waren im 19. Jahrhundert hier weit verbreitet. Zum Gedenken an einen Verstorbenen wurden die Bretter meist an landschaftlich schönen Orten angebracht. Sie sind Relikte und Zeugnisse des alten Volksglaubens, wonach die armen Seelen erst dann aus dem Fegefeuer hüpfen, wenn das Brett verwittert ist.

Ab Eck treffen wir auf den Goldsteig. Und der steht auch für eine spürbar anspruchsvollere, aber auch reizvollere Strecke mit viel Abwechslung. Bis zum Gipfel des Großen Arber könnten wir praktisch auf den nächsten 15 Kilometern auch den Markierungen des Premium-Wanderweges folgen. Zwölf Tausender stehen auf dem kompletten Kurs für uns heute auf dem Programm, bis zum „Kine“ sind es auf dem Goldsteig erst mal zehn. Als Gipfel ersichtlich sind dabei aber nicht alle. Der erste erkennbare ist der Ödriegel (1156 m), der Mühlriegel ist schon unbemerkt von mir durch. Von der markanten Felsformation des Ödriegel hat man einen ersten herrlichen Überblick.

Über größtenteils wurzelige und felsige Trails geht es weiter, zwischendrin warten auch einige kleine Klettereinheiten auf uns. Vor dem Schwarzeck (1238 m) wird es wieder laut im Wald. Eine größere Gruppe Schlachtenbummler hat sich zwischen Felsen versammelt und macht mit Kuhglocken und lauten Anfeuerungsrufen einen Heidenlärm. Das schönste Gipfelkreuz auf unserer Tour ziert die Spitze des Schwarzecks, das polierte Metallkreuz ist wirklich eine Augenweide und glänzt in der Sonne. Heuer dürfen wir nicht – wie noch in den vorhergehenden Ausgaben – ganz hinauf. Etwas unterhalb ziehen wir vorbei.

Mal auf mal ab geht es weiter. Ein Pfad führt uns aus dem Wald auf die Hochmoorfläche des Heugstatt (1261 m) und weiter zum Enzian (1285). „34,5 to go“ bedeuten, 20 km liegen hinter uns. Sämtliche Kilometertafeln weisen uns den noch vor uns liegenden Weg. Viele abgestorbene Baumreste, aber auch wieder jede Menge nachwachsender Fichten flankieren den Pfad auf dem Kammweg. Das Waldsterben ist auf dieser Hochfläche noch deutlich sichtbar. 1983 wurde vom Bayerischen Landwirtschafts- und Forstminister beschlossen, die damals durch einen Gewittersturm umgefallenen Fichten einfach liegenzulassen. Auch die in den Folgejahren sich ausbreitenden Borkenkäfer wurden in den Naturzonen nie bekämpft. Das konsequente Belassen der toten Fichten führte dazu, dass sich der Wald wieder natürlich verjüngen konnte. Vermoderndes Holz bietet die besten Voraussetzungen für das Keimen der nächsten Waldgeneration, wie man heute gut sehen kann. Die neue Fichtengeneration hat teilweise schon wieder eine beachtliche Höhe.

Ganz unerwartet, weil nicht angekündigt bekommen wir an einer kleinen Wasserstation Erfrischung angeboten. Der Abschnitt mit den jungen Fichten verschafft uns einen weiten Überblick über den Bayerwald. Ein steiler Aufstieg führt uns zum Gipfelkreuz des Kleinen Arber, das sich auf 1.350 m befindet. Gegenüber liegt bereits der Kine mit seinen beiden ehemaligen, kugelförmigen Abhöranlagen in Sichtweite, die zu Zeiten des kalten Krieges von der NATO installiert wurden. Steil und anspruchsvoll geht es über Wurzeln und Steine wieder runter bis zur Chamer Hütte. Auf dem „bequemen Weg“, wie mir ein Hinweisschild sagt, geht es erstmal noch ein Stück unterhalb, um den Gipfel herum.

Nach 500 Meter Schotterpiste verlassen wir die Straße und biegen in die neue Streckenführung ein. In der Direttissima geht es, auf dem mit Holzbohlen abgestützten Hang, auf direktem Weg nach oben. Der Gipfel des Großen Arber liegt auf 1456 m. Nur ein einfaches Holzkreuz ziert seinen höchsten Punkt. Etwas unterhalb bei km 24,4 wartet die zweite Verpflegungsstelle direkt vor der Arberschutzhütte und der Eisensteiner Hüttn auf uns. Das Angebot ist riesig, aber ich muss schnell machen. Eine schwarze Wand nähert sich von Westen und es tröpfelt bereits. Ein gewichtiger Grund die Pause abzukürzen und mich vom Acker zu machen. Mit Andi mache ich mich auf den Weg, aber ich muss nochmal zurück, ich habe vergessen meine Flasche aufzufüllen und so schnell gibt es nichts mehr. Aber danach nix wie weg, bevor ich noch die Regenjacke auspacken muss.

 
 

Runter vom Kine

Ein langer Downhill führt uns runter vom Gipfel. Bis zum Kleinen Arbersee sind es 4 km. Alles gut zu laufen auf Schotterstraßen und breiten Wegen. Ein paar Tropfen bekomme ich zwischendrin ab, dann ist der Großteil der Wolken durch und es wird auch gleich wieder spürbar wärmer. Nach links geht es im Uhrzeigersinn 1,5 km um den Kleinen Arbersee, der ein Moränensee aus der letzten Eiszeit ist. Seine Besonderheit sind drei schwimmende Inseln. Als der See 1880 aufgestaut wurde, lösten sich durch den steigenden Wasserstand Uferfilze vom Untergrund und diese bilden heute die drei einmaligen Inseln, die durch zum Teil drei Meter dickes Wurzelwerk zusammengehalten werden und sich frei im See bewegen. Leicht wellig führt uns dieser wunderschöne neue Abschnitt fast komplett um den See.

Nach der Umrundung geht es weiter für drei Kilometer abwärts. Ein bequemeres Anlaufstück führt uns zu einem Singletrail an den „Weißer Regen“ entlang. Der Quellfluss der Regen entspringt im Kleinen Arbersee und ist hier noch nicht viel mehr wie ein größerer Bach. Der Abschnitt ist nicht einfach zu Laufen. Sehr wellig und mit Steinen und Wurzeln übersät. Ein Fehltritt auf dem ruppigen Untergrund und man könnte unter Umständen ein schönes Bad nehmen. Insgesamt 700 Höhenmeter ohne die Schleife um den See sind es bis zum tiefsten Punkt unseres Downhills. Dort erwartet uns die Versorgungsstation der Sportschule Kinema (km 33).

Der nächste wichtige Anlaufpunkt liegt am Langlaufzentrum Scheiben (km 37), wo VP 3 und vor allem der nächste Cut off wartet. Nicht sonderlich anspruchsvoll, aber stetig, führen uns meist gute Wege dorthin. Vor Überqueren der Scheibenstraße passieren wir die Zeitmessmatte. Um 15 Uhr, nach genau 7 Stunden muss man durch sein, bzw. die Station wieder verlassen haben. Beim Briefing wurde klargestellt, dass man dieses Limit ausnahmslos einhalten wird. Ich habe noch etwas Luft und muss mir darüber keine Sorgen machen, obwohl es gerade nicht so gut läuft. Dafür ist die Verpflegungsstation bestens bestückt um wieder Energie zu tanken.

Besuch in Tschechien

Die nächste Spitze führt uns auf‘s Zwercheck (1.333 m) im Kamm des Künischen Gebirges. Stark verwurzelte und verblockte Trails machen den Aufstieg über den Zwerchecker Steig zu einer schweißtreibenden und schwierigen Angelegenheit. Ein Felsriegel mit Gipfelkreuz beendet unseren Aufwärtsdrang. An den weiß-blauen Grenzstangen entlang, führt ein tiefer, steiniger und daher unangenehm zu laufender Trail durch niedriges Buschwerk, etwa einen Kilometer auf dem Grenzkamm entlang. Die westliche Flanke gehört zu Bayern. Östlich liegt der Böhmerwald. Unser Pfad verläuft rechts der Stangen, somit machen wir wohl gerade einen Besuch in Tschechien. Wir bekommen eine fantastische Aussicht über den Böhmerwald geboten.

Leicht abwärts führt unser Trail zum Naturkino Zwercheck mit 20 nummerierten Logenplätzen. Die überdimensionale „Leinwand“ hat eine Spannweite über den gesamten gegenüberliegenden Gebirgszug. Hauptdarsteller sind Arber, Osser sowie der gesamte Lamer Winkel. Leider kann ich nur eine Kurzvorstellung genießen.
Tiefe Schlamm- und Wasserlöcher zeugen von nicht lange zurückliegendem Regen, vermutlich ist hier einiges von der „schwarzen Wand“ runtergegangen. Steil ging es rauf, ähnlich geht’s jetzt wieder runter. In einer weichen Stelle tauche ich mit meinem Carbonstock ein und komme fast zum Sturz. Der Läufer hat Blessurenfrei überlebt, der Stock zählt jetzt als Kollateralschaden. Ich packe meine Reste ein und habe dafür wieder die Hände frei zum Fotografieren.

Eine leicht abschüssige Schotterstraße bringt uns zum Schlussanstieg auf den Osser. Auf knapp 5 Kilometer Länge, kann ich durchrollen und wieder etwas Zeit gutmachen. Bevor es wieder Querfeldein und an den Aufstieg geht, gibt es nochmal eine Wasserstation. Der Bursche der uns das Wasser einschenkt ist gut drauf, hat coole Sprüche drauf und gibt uns auch noch einen Motivationsspruch in Papierform mit auf den Weg und einen schönen Gruß an seinen Bruder, der sitzt an der VP am Gipfel und spielt die Quetsch‘n.

Gemeinsam mit Uwe mache ich mich auf den zwei Kilometer langen Anstieg zum Großen Osser. Den identischen Abschnitt bis ins Ziel sind vor wenigen Stunden auch die Starter des 24 km langen Osser Riese gelaufen. Die letzten 100 Meter bis zum Gipfel bieten beinahe alpine Verhältnisse mit vielen Felsen und Seilversicherung. Etwas unterhalb des Gipfelkreuzes und fast mitten durch das Osser Schutzhaus verläuft die Landesgrenze zu Tschechien. Zu unserer Verpflegungsstelle müssen wir noch ein paar Meter absteigen.

Uwe und ich freuen uns schon seit einiger Zeit auf das Getränkeangebot. Am Osser gibt‘s nämlich auch Osser zum Trinken. Hopfenkaltschale mit und ohne Umdrehungen. Ich entscheide mich für beides. Nach den vielen Bechern Wasser, Iso und Cola benötigt der Mensch auch mal was Geschmackvolles. Nach einer kurzen Pause geht es „owie“. 7,5 km Downhill liegen jetzt vor uns.

Ein Gedenkstein am Wegesrand erinnert an Orkan Kyrill im Januar 2007, der hat hier richtig gewütet. Bevor es richtig Abwärts geht, sind aber noch diverse Klettereinheiten in alpinem Gelände zu bestehen. Auf einem technisch schwierigen Pfad über armdicke Wurzeln und mannshohen Felsen geht es noch mehrmals rauf und runter.
Auf der Osserwiese dominieren heute Heidelbeeren, bis in die 50er Jahre wurden Jungrinder und Stiere auf diese Hochlage heraufgetrieben. Die Wiese diente als Übernachtungs- und Mittagsplatz. Ein schöner Trail schlängelt sich durch Borstgras, Heidelbeerstauden und Heidekraut. An der Abrisskante liegt oberhalb der Türnsteiner Hänge ein herrlicher Aussichtspunkt, mit Übersicht auf den kompletten Lamer Winkel.

Kletterspaß in Tromsø


Ein Spielplatz von Kilian Jornet und Emelie Forsberg liegt in Tromsø, nördlich des Polarkreises. Dort findet einer der abenteuerlichsten und härtesten Trails der Welt statt. In Anlehnung an dieses Rennen hat man hier einen Abschnitt getauft, der zwar eine Nummer kleiner, uns aber mindestens genauso viel Spaß bereitet. Zum Einstieg dürfen wir uns mit einem Seil auf eine Felsenformation hangeln. Das wird natürlich überwacht von der Bergwacht und ist vollkommen ungefährlich. Macht aber schon sehr viel Laune.

Spektakulär geht es weiter, wir dürfen uns durch Felswände quetschen, sie übersteigen und immer wieder rauf und runterkraxeln. Fußbreite Pfade führen über kurze ausgesetzten Grate, wo man schon etwas balancieren muss. Wirklich Laufen kann ich das hier nicht. Ein Fehltritt und es zerbröselt mich. Macht aber ungeheuer viel Spaß.

Nach „Tromsø“ folgt der „Warm up für Holy Trail“ mit etwas weniger Felsen. Das bedeutet für mich auch wieder ein paar laufbarere Abschnitte. Leider bin ich gerade ganze alleine unterwegs, so bekomme ich niemand vor die Linse. Bei aller Freude, das Ganze ist auch sehr anstrengend und man muss konzentriert seine Schritte setzen. Nur langsam komme ich voran und der Trail auf den Felsengrat nimmt einfach kein Ende.
Nach der Wallfahrtskapelle Maria Hilf beginnt der „Holy Trail“, sinnigerweise liegt dieser genau oberhalb des Lamer Ortsteils Himmelreich. Ellbogenschmal geht es über Wurzeln und durch dichte Sträucher, an bemoosten Felswänden vorbei und endet am mittlerweile schon legendären Weihnachtsbaum. Dieser wird im Übrigen nicht vom Veranstalter extra für den Lauf geschmückt, sondern er steht hier schon länger und wird von einem Unbekannten auch regelmäßig gepflegt.

Eine Wiese führt uns praktisch zum verlängerten Zieleinlauf. Oberhalb von Lam geht es anderthalb Kilometer immer sanft abwärts bis zum Zielbogen auf dem Marktplatz. Als originelle Finishermedaille bekommen wir ein „Trailwasserl fia unsane Finisher“ um den Hals gehängt. Exklusiv gebraut in Arrach.

An der opulenten Zielverpflegung mit großem Kuchenbüffet treffe ich Andi, wir warten gemeinsam mit einem frischen Erdinger alkoholfrei auf Axel. Zeit bleibt nicht mehr viel, wird er seinen 100. heute noch schaffen? Wir sind etwas skeptisch, haben ihn nach dem Start aus den Augen verloren. Plötzlich steht er vor uns. Als letzter Teilnehmer innerhalb des Zeitlimits ist er mit dem Besenläufer ins Ziel gekommen. Der Hund vom Besenläufer hat ihn angetrieben, erzählt er uns schmunzelnd. Herzlichen Glückwunsch Axel und willkommen im Club der Hunderter!

Von und für Trailrunner ist die Aussage der Veranstalter. Dem gibt es nichts entgegen zu setzen. Der dritte U.TLW war wieder perfekt organisiert und führte uns über die spektakulärsten Pfade des Bayerischen Waldes. Fantastisch schöne, aber auch sehr selektive Trailabschnitte, wie z.B. über den Goldsteig, „Tromsø“ oder dem „Holy Trail“ machen in ziemlich einzigartig und keinesfalls zu einem gemütlichen Mittelgebirgsspaziergang. Ich freue mich schon auf 2020.

   
 

Felix
Bernie

07:54:03
10:30:20
 
 
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Laufbericht 2016 2007 Vom Worst Case zum Holy Trail | Bernie Manhard

Laufbericht 2015 2007 Der Kine vom Bayerwald | Bernie Manhard
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