06.5.2018 Trollinger Marathon  
Autor: Andreas Greppmeir
 
 
ber18

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Der Heilbronner Trollinger Marathon startet in diesem Jahr bereits in seiner 18. Auflage. Obwohl ich schon so viel über den Trolli, wie er gerne genannt wird, gehört habe, hat sich eine Teilnahme bisher noch nicht ergeben. Dieses Jahr will ich diesen weißen Fleck in meiner Marathonsammlung aber ausradieren und bin gespannt was mich erwartet. Oft fährt man ja mit großen Erwartungen zu Läufen mit großem Namen und ist hinterher enttäuscht. Ob es mir auch beim Trolli so ergehen wird? Ich werde sehen.

Schon am Samstagnachmittag mache ich mich auf den Weg nach Heilbronn im nördlichen Baden-Württemberg. Sie ist mit nicht ganz 125.000 Einwohnern die siebtgrößte Stadt des Bundeslandes. Die Anfahrt verläuft über die A8, A7 und abschließend über die A6 ganz entspannt. Ob es wohl ein Zufall ist, dass die drei befahrenen Autobahnen ausgerechnet Modellbezeichnungen der Automarke Audi sind. Jedenfalls verlassen wir die A6 in Neckarsulm, wo eben dieser Autohersteller sein zweigrößtes deutsches Werk angesiedelt hat und eben genau diese Modelle herstellt.

Es ist jedoch nicht das Audi-Werk, das mir ins Auge sticht. Es ist das Atomkraftwerk Neckarwestheim, das sich hier hoch über die umgebende Industrie erhebt und bei mir ein leicht beklemmendes Gefühl erweckt. Kurz darauf haben wir unser Hotel in Heilbronn erreicht. Drei Sterne soll es haben und ich kann es zunächst gar nicht glauben. Im Erdgeschoß des Gebäudes ist ein amerikanisches Fast-Food-Restaurant untergebracht und auch die Umgebung wirkt nicht sonderlich einladend. Egal, solange die Zimmer sauber sind, will ich ja nicht meckern.

An der Rezeption empfängt uns ein freundlicher Herr, der zwar noch keinen Dienst hat, aber die Anmeldung ohne zu zögern für uns übernimmt. Ich muss natürlich kurz noch den Witz loswerden, dass ich gerne das Einzelzimmer mit Whirlpool hätte. Die gibt es nur ein Haus weiter erklärte er grinsend, aber er könne es mir nicht empfehlen. Ah, es ist wohl eines dieser Establishments frage ich vorsichtig an. So ist es dann auch. Charly und ich beziehen unsere Zimmer, die tatsächlich meinen Vorstellungen entsprechen und ich prüfe kurz die Aussicht. Das Panorama ist überwältigend. Rechts erhebt sich ein Berg auf dessen Gipfel eine Burg mit Biergarten thront, unmittelbar vor mir habe ich einen perfekten Blick auf das Je t'aime, ein etwas heruntergekommenes Bordell und links säumt das Atomkraftwerk den Ausblick. Herrlich! Aber was solls… Vorhang zu und schon bin ich zurück in meiner heilen Welt.

Unsere Startunterlagen haben wir schon auf dem Weg zum Hotel abgeholt und so sortiere ich schon mal meine Klamotten für den nächsten Tag. Danach machen Charly und ich uns auf die Suche nach einem guten Italiener. Dazu schlagen wir den Weg in Richtung Innenstadt ein, da unser Viertel nicht nach empfehlenswerten Lokalen aussieht. Bierkneippen, asiatische Imbisse und Dönerbuden prägen hier das Bild. Doch nach einem kurzen Fußmarsch werden wir fündig und können kurze Zeit später frisch gestärkt den Rückweg antreten. Das Fernsehprogramm an diesem Abend gibt nicht wirklich etwas her und so zappe ich durch die unzähligen Programme, ohne mich wirklich für eine Sendung interessieren zu können. Hätte ich doch nur mein Buch nicht zuhause vergessen. Später als erhofft schlief ich dann doch irgendwann ein und verbrachte eine relativ unruhige Nacht, so dass mich der Wecker um halb Sieben morgens doch etwas unsanft aus dem Schlaf riss. Ein kurzes Frühstück und schon wenig später machten Charly und ich uns auf den Weg ins Heilbronner Frankenstadion. Ein Frankenstadion in Baden-Württemberg? Das hatte mich schon in der Ausschreibung stutzig gemacht. Aber tatsächlich befinden wir uns in der Region Heilbronn-Franken. Heilbronn gehörte im Mittelalter noch zum Herzogtum Franken und tatsächlich spricht man hier auch fränkischen Dialekt.

Am Frankenstadion angekommen, wollen wir erst mal unseren Kleiderbeutel loswerden und finden die Gepäckabgabe auch gleich auf der ersten Grünfläche vor dem Stadion. Doch hier will man von uns nichts wissen. Die Firma „Lidl“ hat hier ein eigenes Terrain angemietet. Die Fläche ist größer als bei manch anderem Landschaftsmarathon und wird durch gelbgewandete Läufer frequentiert. Das ist wirklich irre, mehr als hundert Läufer scheinen nur für den Discounter an den Start zu gehen und haben hier ihr eigenes Reich. Also folgen wir weiter den Schildern zur allgemeinen Gepäckabgabe und schon bald können wir uns unserer Last entledigen. Wir schlendern noch etwas auf dem Gelände des Stadions herum und laufen schon bald meinen Freunden vom LIWA-Lauftreff in die Arme. Mit Uli Teichmann, Jo Höschele, natürlich auch Kati Schramm, einigen Läufern des 100-Marathon-Teams treffe ich zahlreiche weitere Freunde. Auch mit Klaus und Margot Duwe kann ich mich noch kurz austauschen, bevor wir uns auf den Weg in den Startbereich machen. Dieser findet in der Badstraße außerhalb des Stadions statt. Die alleenartige Straße bietet viel Schatten, was ich schon jetzt gerne annehme, denn heute wird es mal wieder richtig warm. Neben uns verläuft idyllisch ein Seitenarm des Neckars und schon kommt die Lust auf‘s Laufen auf. Die triste Umgebung des Vortags ist sofort vergessen.

Rund 500 Marathonis tummeln sich zusammen mit einigen Marathonstaffel-Teilnehmern vor dem Startbogen. Auch nach beinahe achtzig gelaufenen Marathons stellt sich bei mir die inzwischen schon gewohnte Nervosität ein und ich will endlich los. Kathi und ich wollen heute mal wieder getrennt laufen, da Kathi etwas auf`s Tempo drücken will und ich nur einen langsamen Trainingslauf anvisiert habe. So sortiere ich mich auch gleich etwas weiter hinten im Feld ein. Bernie vom LIWA-Lauftreff ist in meiner Nähe und wäre ein idealer Laufpartner. Aber erst mal loslaufen und schauen, was sich so ergibt. Schließlich ist es auch so weit und wir werden auf die Strecke gelassen.

Ein paarhundert Meter geht es nun auf der Allee entlang des Neckar-Seitenarms entlang, bevor wir diesen überqueren und auf der Gegenseite zurücklaufen. Da es sich beim Trolli um einen Landschaftslauf handelt, wird die Innenstadt gänzlich ausgelassen und wir bringen die Stadt schnell hinter uns. Auf einem Rad- und Wanderweg geht es nun zwischen Wiesen hindurch in Richtung Sontheim, einen Ortsteil von Heilbronn. Dort erreichen wir nach fünf Kilometern auch schon die erste Verpflegungsstelle, die ich natürlich wahrnehme. Bernie ist nun schon länger an meiner Seite und gibt mir zu verstehen, dass er heute nicht gut drauf ist, ihm fehlen Trainingskilometer und er will mich ziehen lassen. Ich bleibe aber gerne noch ein paar Kilometer bei ihm und so erreichen wir schon kurz nach Flein den heftigsten Anstieg des Trollis. Zwischen Kilometer 9 und 10 sind etwa einhundert Höhenmeter zu überwinden. Diesen nehme ich natürlich gleich im Gehschritt.

 
 
 
Schon von weitem höre ich die Klänge eines Alphorns und als ich den dazugehörigen Bläser zu Gesicht bekomme, ist der Anstieg auch schon bewältigt. Einen herrlichen Ausblick auf die Landschaft kann ich beim anschließenden Bergablaufen genießen. Bald durchquere ich Talheim und erreiche bei Kilometer 15 die Stadt Lauffen am Neckar. Zahlreiche Fachwerkhäuser säumen den Weg und ich bin von der Strecke immer mehr angetan, wohl wissend, dass auch irgendwann weniger attraktive und zähere Streckenabschnitte kommen werden. Ich überquere die Brücke über den Neckar und erreiche wieder eine Verpflegungsstelle. Hier wird erstmals auch Trollinger Rotwein zum Verkosten angeboten. Irgendwie gehört das zum Trolli halt einfach dazu und ich gönne mir einen kleinen Becher. Von den zahlreichen Zuschauern bekomme ich dafür reichlich Applaus gespendet. Ich proste ihnen noch kurz zu, leere meinen Becher und mache mich wieder auf den Weg.

Kurz nach der Brücke biegen wir nach rechts ab und mein Blick geht hoch zu einer Kirche, die auf einer Anhöhe in den Himmel ragt. Ein schwarz gewandeter Mann steht am Geländer des Kirchengeländes, gestikuliert und ruft mir etwas zu. Ich kann ihn leider nicht verstehen. Ich gehe jedoch davon aus, es war der örtliche Pfarrer, der mir seinen Segen für den weiteren Weg spendete. Ich winkte daher kurz nach oben und trabte von dannen. Und nun lag er auch schon bald vor mir, der zähe Teil, den ich schon vermutet hatte, dass er noch kommen würde. Gut sechs Kilometer bis Brackenheim, zunächst auf einem Fahrradweg parallel entlang einer Staatsstraße, dann auf einer schmalen Straße, immer wieder mit langen kräfteraubenden Anstiegen. Schatten war natürlich Fehlanzeige, da es inzwischen kurz vor Mittag war und die Sonne den Zenit erreicht hatte. Weiter ging es durch diverse Ortsteile von Brackenheim immer wieder bergauf und bergab. In den kleinen Orten wurde immer wieder Marathonpartys gefeiert und wir wurden kräftig angefeuert. So nahm ich auch manchen Anstieg im Laufschritt, obwohl ich diesen eigentlich lieber gegangen wäre.

Als ich auf den Ortsteil Neipperg zulief, ging mein Blick hoch zur gleichnamigen Burg, die über den Weinfeldern emporragte. Endlich bot die Landschaft wieder etwas zum Genießen, was das Laufen gleich wieder deutlich einfacher machte. Doch noch etwas erregte meine Aufmerksamkeit. Ein paar hundert Meter vor mir erkannte ich Kati. Das pinke Laufshirt und der blonde Haarschopf waren unverkennbar. Mit ihr hätte ich jetzt gar nicht gerechnet. Das gab mir noch zusätzliche Motivation und ich versuchte nicht zu schnell auf Kati aufzulaufen. Bei der Verpflegungsstelle bei Neipperg trafen wir dann doch aufeinander. Wir teilten uns für rund einen Kilometer die Strecke, wobei uns beiden klar war, dass wir uns danach wieder trennen würden. Jeder wollte heute sein eigenes Tempo laufen. Es war Kati, die mir dann wieder davonzog.

Durch die Weinberge ging es nun weiter und es war wirklich herrlich. Trotz der Anstrengung, wir waren immerhin schon bei Kilometer 30 angekommen, konnte ich die Landschaft wirklich genießen. Wildblühende Orchideen am Wegesrand, plätschernde Bäche und die austreibenden Weinstauden. Hier war es zu schön, um nur unachtsam durchzulaufen.

So erreichte ich bei Kilometer 35 schließlich Nordheim, einem ebenfalls beschaulichen kleinen Städtchen. Auch hier waren noch zahlreiche Bewohner am Feiern und es gab erneut einen Trollinger zur Stärkung. Diesmal sogar aus einem Weinglas … Da konnte ich einfach nicht Nein sagen, obwohl ich auch zuvor schon das ein oder andere Mal zu einem Becher Trolli gegriffen hatte.

Nun galt es endgültig an den Endspurt zu denken. Nur noch sieben Kilometer und gleich war auch Heilbronn wieder erreicht. Zunächst durchquerte ich noch den Ortsteil Klingenberg, der noch ein paar zähe Anstiege anzubieten hatte. Doch danach war das gröbste geschafft und es ging weiter durch Böckingen, bevor endgültig Heilbronn wieder erreicht war. Von hinten lief nun Laura Fender auf mich auf. Sie hatte ihre Mama, Birgit abgehängt und von mir erhielt sie das O.k. auch das nächste Marathon4you-Mitglied zu überholen. So zog sie nach ein paar Worten an mir vorbei, wobei sie sich nie mehr als einhundert Meter von mir entfernte.

Schon bald überquerten wir die Brücke über den Neckar unmittelbar vor dem Frankenstadion. Das Ziel war nahe und Laura immer noch knapp vor mir. In mir keimte die Idee, dass ich ja gemeinsam mit ihr die Ziellinie überqueren könnte. So flog ich noch an Axel Ott vorbei und entschuldigte mich noch kurz, dass ich keine Zeit hätte. Ich schloss kurz vor dem Einlauf ins Stadion auch auf Laura auf. Doch irgendwie hatte ich nicht bedacht, dass die jungen Mädls vielleicht eine andere Denkweise haben könnten. Sie war der Meinung, dass ich sie überholen wollte und zog das Tempo deutlich an. Ich konnte mithalten und das Tempo wurde immer höher, so dass wir schließlich im Stil eines 800-Meter-Läufers die Ziellinie überflogen.

Wir nahmen gemeinsam unsere Finisher-Medaille entgegen und lagen uns angesichts des ungeplanten Endspurts erst mal erschöpft in den Armen. Laura war happy, dass sie unter 5:15 Stunden bleiben konnte und ich, dass ich am Ende doch noch mit ihr mithalten konnte. Im Stadion gab es eine eiskalte Dusche, die ich gleich in vollem Laufoutfit in Anspruch nahm. Charly war auch schon eine Zeitlang da und wir saßen kurze Zeit später mit Laura, Kati, Axel und schließlich auch Birgit und Norbert im Gras und ließen uns von der Sonne verwöhnen. Nach ein paar Erinnerungsfotos und einer erfrischenden Dusche machten Charly und ich uns schließlich auf den Heimweg. Im Auto klagte Charly noch, dass er keine Gummibärchen dabeihabe. Dafür hatte ich nur ein Kopfschütteln übrig … Gibt es doch nicht nur Haribo, sondern auch Trolli. Was wäre heute besser gewesen? Mach Dein Leben trolliger … wäre auf der Verpackung gestanden. Welcher Werbeslogan hätte besser zum heutigen Tag gepasst?

Zusammenfassend kann ich den Trolli nur empfehlen. Ein toller Landschaftslauf, auch wenn er ausnahmslos über Teerstrecken verläuft. Gut, die Getränke an den Verpflegungsstellen ließen auch Wünsche offen, lediglich Wasser, Iso und Apfelschorle, das ist nicht gerade mein Geschmack und vom Trollinger alleine kann man auch nicht zehren. Aber für maximal 55 Euro in der Nachmeldephase bekommt man ein Finisher-Shirt, Laufsocken mit Trolli-Schriftzug und eine Flasche Trollinger zum Genießen für zu Hause, sowie einen natürlich perfekt organisierten Lauf mit prima Stimmung an der Strecke.
 
   

Charly
Greppi

4:30:37
5:13:55
 
   
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