07.11.2020 KiniTrail  
Autor: Andreas Greppmeir
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Bernie machte mich schon vor ein paar Monaten auf die Ausschreibung des KiniTrails aufmerksam und was ich dort las, weckte sofort mein Interesse. Von märchenhaften Trails, knackigen Anstiegen, herrlichen Ausblicken auf die Allgäuer Seen- und Bergwelt und natürlich auf die königlichen Schlösser war die Rede. Zudem soll die Strecke über 52 Kilometer und 1.600 Höhenmeter nicht markiert sein. Das war für Bernie und mich neu. Lediglich ein GPX-Track wird zur Verfügung gestellt, mit dem es den Weg zu finden gilt.

Vor ein paar Wochen hatten Bernie und ich uns jeweils ein Garmin-Navi zugelegt und mit diesem auch schon etwas geübt. Die einhundert Startplätze waren in wenigen Tagen vergeben und wir hatten tatsächlich zwei davon ergattern können. In der heutigen Zeit muss man auch erwähnen, dass die Veranstalter ein Hygienekonzept vorgelegt hatten, das auch genehmigt wurde und somit wäre es für mich nach langer Zeit mal wieder ein richtiger Lauf mit Startnummer und allem Drum und Dran gewesen. Eine Woche vor dem Start kam es jedoch zum Lockdown-Light und somit auch zur Absage des KiniTrails. Allerdings wurde der KiniTrail virtuell angeboten. Da auch der GPX-Track zur Verfügung gestellt wurde, mussten Bernie und ich gar nicht lange diskutieren. Wir werden den KiniTrail am Veranstaltungstag auf der Originalstrecke laufen.

So machen wir uns am frühen Samstagmorgen auf den Weg nach Schwangau. Der Start erfolgt vor dem Gelände des TSV Schwangau in unmittelbarer Nähe von St. Coloman. Wir parken ein und sind erwartungsgemäß nicht allein. Nicht nur Bernie und ich hatten die Idee heute zu laufen. Die Anzahl der Läufer war aufgrund der unterschiedlichen Startzeiten stets überschaubar, so dass das Ganze keinen Veranstaltungscharakter hatte und somit auch den aktuellen Corona-Auflagen entsprach. Dennoch tat es gut mal wieder Läufer zu sehen und die Vorfreude bei Bernie und mir ist groß. Bevor wir loslegen können, gilt es jedoch erst mal die Ausrüstung zu checken. Die Uhr hatte ein GPS-Signal gefunden, genauso wie das Navi. Die Stirnlampe – für spätere Stunden – hat Saft und genügend Getränke sind im Rucksack verstaut. Die Handschuhe, die ich nur sicherheitshalber dabeihatte, zog ich erst mal an. Drei Grad unter Null, das war unerwartet frisch. Da es aber heute noch fünfzehn Grad warm werden soll, trage ich drei Schichten, um später ablegen zu können.

Kurz vor Acht geht es für uns beide dann endlich los. Wir laufen erst mal in Richtung Tegelberg-Bahn und haben die ersten Höhenmeter vor uns. Schon nach wenigen hundert Meter müssen wir feststellen, dass wir schon nicht mehr auf dem Kurs sind. Wir sind ratschender Weise einfach bis zur Tegelberg-Bahn gelaufen und haben gar nicht auf unser Navi geachtet. Das müssen wir wohl noch lernen. Eine grobe Orientierung haben wir schon, da wir die Strecke zuvor natürlich studiert haben, weshalb wir über eine Wiese querfeldein erst mal auf den richtigen Pfad zurücklaufen.

Schloss Neuschwanstein gibt uns zunächst einmal die grobe Richtung vor. Immer öfter blicken wir jetzt auf unser Navi, um ja keine Abzweigung zu versäumen, was uns aber nicht immer gelingt. Schon früh laufen wir auf richtig schönen Trails, die unter dem Herbstlaub oft kaum zu erkennen sind. Als wir auf der Zufahrtsstraße zum Schloss Neuschwanstein hochlaufen, dauert es nicht lange und wir müssen feststellen, dass wir schon wieder von der Strecke abgekommen sind. Gemeinsam machen wir uns auf die Suche nach der Abzweigung, die wir wohl übersehen haben und es ist nicht wirklich einfach. Irgendwann entdecken wir einen kaum sichtbaren Trail, der steil nach oben führt. Wir haben Spaß. Das Suchen nach der Strecke ist für uns neu und bedarf sicher noch etwas Übung.

Umso weiter wir noch oben kommen, umso schöner wird der Blick auf den Alpsee, der unter uns liegt. Smaragdgrün schimmert der See in der Sonne und mich wundert es nicht, dass König Ludwig II, also der Kini, ihn zu seinem liebsten Badesee auserkoren hatte. Am tiefsten Punkt weist der Alpsee eine Tiefe von 62 Metern auf. Er ist 1,9 Kilometer lang und hat einen Umfang von gut fünf Kilometern. Zudem hat man immer wieder eine herrliche Sicht auf Schloss Hohenschwangau. Die ehemalige Burg wurde im 12. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt und hatte bis ins 16. Jahrhundert diverse Eigentümer und wurde auch mehrfach schwer beschädigt. 1832 erwarb König Maximilian II, der Vater des Kinis das Schloss und ließ es im neugotischen Stil wiederaufbauen. Der Kini verbrachte seine Kindheit im Schloss Hohenschwangau und nutzte es bis zu seinem Tod als Sommerdomizil.

Bernie und ich umrunden nun auf großartigen Trails den Alpsee und haben so aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln Sicht auf die beiden Königsschlösser. Denn auch Neuschwanstein zeigt sich immer wieder zwischen den Bäumen. Ich denke zum Märchenschloss muss ich nicht viel erklären. Dass es der Kini errichten ließ und es nie vollendet werden konnte, dürfte hinreichend bekannt sein. Obwohl ich schon so oft hier war, kann ich mich dennoch nicht sattsehen. Für mich ist Schloss Neuschwanstein eines der schönsten Gebäude, die bis heute errichtet wurden, wozu mit Sicherheit auch die geniale Lage beiträgt.

Bei unserer Umrundung des Alpsees, die uns bis Kilometer 14 führt, werden wir ab und zu von anderen Teilnehmern des KiniTrails überholt. Man grüßt sich, tauscht ein paar Worte aus und wünscht sich viel Spaß. Den haben Bernie und ich zu jeder Sekunde, auch mit unseren Navis kommen wir schon etwas besser zurecht, obwohl wir bis zum Ende immer wieder mal vom Weg abkommen werden. Das gehört bei so einem Lauf dazu und nicht selten stehen wir an einer Einmündung und diskutieren über den weiteren Verlauf der Strecke. Aber gleich wird es für uns einfacher. Es geht am Schwansee vorbei ins Richtung Füssen. Dieser Streckenabschnitt ist uns vom Königsschlösser Romantik Marathon bestens bekannt.

Es geht nun eine Zeit lang nahezu eben dahin und die Oberschenkel können sich etwas erholen. Kurz vor Füssen überqueren wir den Lech und haben einen faszinierenden Blick auf die Füssener Altstadt. Bis zum Benediktinerkloster St. Mang können wir uns schonen, dann geht das Trail-Abenteuer munter weiter. Über ein paar Stufen geht es hoch zum Stadtpark Baumgarten und wir haben eine tolle Sicht auf das prächtige Hohe Schloss von Füssen. Durch von Linden gesäumte Wege durchqueren wir den Park und teilen uns die Wege mit Familien, die die herbstlichen Sonnenstrahlen bei einem Spaziergang genießen. Am Ende des Parks laufen wir über einen Steg und haben einen Blick auf den „Zielhang“ des Königsschlösser Romantik Marathons.

Nun führt der Weg nach rechts weiter, doch schon nach wenigen Metern müssen wir feststellen, dass wir wohl wieder einmal vom rechten Pfad abgekommen sind. Ungläubig schauen wir uns um, es gibt keinen anderen Weg. Oder etwa doch? Wir werden fündig und der Trail-Spaß hat uns wieder. Es geht zwischen Büschen und Unkraut einen Hügel hoch. Mit viel Fantasie kann man sich vorstellen, dass hier schon mal jemand vor uns gelaufen ist. Schließlich geht es einige Kilometer durch den herrlichen Wald weiter und mit der Navigation klappt es wieder etwas besser.

 
 

Wir nähern uns dem Alatsee. Für mich ist der Alatsee einer der schönsten Seen rund im Füssener Umland. Er liegt nur wenige Kilometer westlich von Füssen auf 868 Metern Höhe und ist eigentlich nicht besonders groß. 490 Meter lang und 290 Meter breit, aber richtig tief ist der Alatsee. 32,1 Meter misst er an der tiefsten Stelle, also ein richtiger Trichter. Nicht nur die Tiefe gibt Anlass zu Spekulationen. Einen Milliarden-Schatz sollen die Nationalsozialisten hier gegen Ende des Zweiten Weltkrieges versenkt haben oder sogar die Rothschild-Juwelen, die sich Hitlers Luftwaffenchef Hermann Göring unter den Nagel gerissen hat. Auch über ungeklärte Todesfälle bei Tauchern auf der Suche nach dem Schatz ist die Rede.

Jürgen Geisenfelder führt seit gut 50 Jahren Buch über die Füssener Wasserwacht. Er weiß nur von einem Tauchunfall im Jahre 1963. Der Taucher sei aber nicht in unbekannten Tiefen verschollen, sondern beim Schnorcheln verunglückt. Ein weiteres Gerücht ist, dass der See von Zeit zu Zeit bluten soll. Auch hierfür gibt es eine natürliche Erklärung. In fünfzehn Metern Tiefe weist der See eine leuchtend violette Schicht aus Schwefelbakterien auf, die beim richtigen Lichteinfall zu erkennen sind. Zudem gibt es in tieferen Schichten noch die feuerroten Blutburgunderlagen, die auch ab und zu nach oben treiben. Diese Gerüchte dienten den beiden Autoren Klüpfel und Kobr in ihrem Kluftinger Roman „Seegrund“ auch Stoff für ihre Geschichte. Auch hier geht es um die Schatzsuche im Alatsee und die ein oder andere alte Sage wir aufgegriffen und noch etwas weitergesponnen.

Wir lassen den herrlichen Alatsee erstmal links liegen und über eine Teerstraße geht es hinunter zum Weißensee. Wir biegen am Ende noch auf einen kurzen Trail ab und finden uns am Ufer des Weißensees wieder. Den 1,35 Quadratkilometer großen See gilt es für uns nun erst einmal zu umrunden und wir können uns wieder erholen. Anstiege sind erst mal passé. Erst einmal trailen wir auf einem schmalen Pfad direkt am See entlang und müssen dabei unter einen Steinbogen durchbücken. Ein herrliches Motiv für jeden Wanderer. Auf den Wanderwegen um den See suchen wir uns eine freie Bank in der Sonne. Gut 15 Grad hat es inzwischen und wir machen erst mal Pause. Wir müssen uns dringend stärken, denn nach der erholsamen Umrundung stehen wieder ein paar Höhenmeter an. Es geht zurück zum Alatsee. Den Weg hoch kenne ich von einer Wanderung von vor ein paar Jahren, doch ich habe die Rechnung ohne den Streckenplaner gemacht. Wir nehmen den direkten Weg und laufen nicht auf dem breiten Wanderweg. Knackige Anstiege und herrliche Trails bringen uns zügig nach oben. Durch die Bäume können wir schon den Parkplatz am Alatsee erkennen, als uns das Navi nochmals nach rechts wegschickt. Irgendwann sind wir von der geplanten Route aber abgekommen, finden aber den Alatsee mit Hilfe von ein paar Wanderern wieder.

Die letzte Pause steht an. Wir sind bei Kilometer 39 angekommen und damit endgültig auf dem Rückweg. Bernie hatte schon etwas länger Probleme mit dem Navi und wollte dies erst einmal regeln. Das GPS-Signal war aus unbekannten Gründen verloren gegangen und Bernie wirkte etwas genervt. Schließlich war aber alles wieder im Lot und weiter ging‘s. Die Sonne verschwand schön langsam, aber sicher hinter den Bergen und es wurde merklich kühler. Erst einmal ging es wieder bergab und wir kamen gut voran. Bald hatten wir auch wieder den Lech vor Augen und er diente gut als Orientierung.
Bernie ist gespannt auf den Lechfall, den er tatsächlich noch nie gesehen hat und wir erreichen ihn entgegen unserer Befürchtungen auch noch bei Tageslicht. So können wir auf dem König-Max-Steg auf dem wir den Lechfall überqueren auch noch ein paar Erinnerungsfotos schießen. Beeindruckend ist für mich der mehrstufige Wasserfall, obwohl ich schon einige Male hier war, auch heute noch.

Nach dem Lechfall überqueren wir kurz eine Straße und finden wieder ein paar Höhenmeter im Wald wieder. Bald sollten wir aber am Schwansee sein und uns somit Gedanken über die verbleibende Strecke machen können. Am Schwansee ist es dann auch soweit. Wir packen unsere Stirnlampen aus. Es ist so gut wie dunkel. Aber der Rest sollte kein Problem für uns werden. Nur noch ein paar Kilometer bis Schwangau. Doch es hat sich für uns beide gelohnt, so langsam laufen. Neuschwanstein ist inzwischen beleuchtet und spiegelt sich im ruhigen Wasser des Schwansees wider. Traumhaft, aber unsere Kameras sind mit diesem herrlichen Motiv leider restlos überfordert.

Die letzten Kilometer genießen wir immer wieder den Blick hoch zu Hohenschwangau und Neuschwanstein. Beleuchtet wirken die beiden gleich noch etwas majestätischer. Einen letzten Trail hätten wir laut Navi unterhalb von Neuschwanstein wohl noch laufen sollen, doch wir verzichten. Zum einen haben wir dank unserer gelegentlichen „Ausflüge“ ein paar Kilometer über und es ist dunkel und somit das Risiko etwas zu hoch. Auch sind wir müde und es wird wieder lausig kalt. Das Ziel ruft und wir nehmen auf den letzten beiden Kilometern den direkten Weg über eine Teerstraße.

Am Ende habe ich etwas über 52 Kilometer auf der Uhr und somit die erforderliche Kilometerzahl für die Wertung. Doch zunächst muss ich noch Bernie zu seinem 150. Finish bei einem (Ultra-)Marathon gratulieren. Dieses Jubiläum verläuft etwas unspektakulär. Wir sind allein. Dennoch hätte sich Bernie keinen besseren Lauf für sein Jubiläum aussuchen können. Eine tolle Strecke, prima Trails und vor allem das Abenteuer sich selbst navigieren zu müssen, macht den KiniTrail für uns zu einem unvergesslichen Erlebnis. In den nächsten Tagen sollen wir noch ein Finisher-Päckchen im Briefkasten finden. Mal schauen was uns alles eingepackt wurde. Ein Ermäßigungsgutschein für das kommende Jahr wurde uns ebenfalls in Aussicht gestellt. Bernie und ich werden ihn nutzen, da waren wir uns am Ende einig.

   
 
Bernie
Greppi
10:35:58
10:35:58
 
   
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