22.5.2020 MARATHON am LECH – free/solo
Autor: Bernie Manhard  
   
 
2020

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Der Lech entspringt in Vorarlberg, nach der deutsch/österreichischen Grenze nimmt er die Vils auf, stürzt am Lechfall bei Füssen hinunter und durchquert auf seinem Weg Oberbayern und Schwaben. Nimmt in Augsburg die Wertach auf und mündet bei Rain nach 264 km in die Donau. Auf dem Abschnitt zwischen Landsberg und Gersthofen, das sind ziemlich genau 50 Kilometer, bin ich nahezu alle Wege, die direkt oder unmittelbar am Lech entlang führen bereits gelaufen.

Die Idee hier mal mit Freunden einen Marathon zu laufen hatte ich schon einige Jahre im Kopf. Früher bin ich fast alle meine langen Läufe ausschließlich am Lech gelaufen, oft mit Margot und Jan, oder auch mal mit Charly und Iris „One-Way“ bis nach Landsberg. Das einzige Problem eines kleinen Wettkampfs entlang meiner Lieblingstrainingsstrecken, liegt dabei, dass fast ausnahmslos entweder ein Naherholungs-, Naturschutz-, Landschaftsschutz- oder auch Trinkwasserschutzgebiet durchquert werden muss. Eine Genehmigung für eine kleine Veranstaltung mit Streckenmarkierung wird es hierfür nie geben.

Aber Corona macht es möglich und macht auch den Laufsport erfinderisch. Weil alle Veranstaltungen, Marathons, Trails usw. gerade ausfallen, sind gerade virtuelle Läufe der Hit. Dabei dürfen die Teilnehmer oftmals auf den Original-Strecken, aber ganz alleine zu ihren Wunschterminen oder manchmal auch Fixterminen auf die Runde gehen. Meist sind es aber die Strecken zu Hause, wo die Leute laufen sollen und nur die vorgegebene Streckenlänge einzuhalten ist. Warum so etwas nicht auch bei uns am Lech? Allein oder zu zweit ist auch in den sensiblen Gebieten am Lech kein Problem. Dafür gibt es kein Verbot.

   
 
Eine grobe Strecke hatte ich im Kopf, meine Vorgaben waren ein Rundkurs auf Ost- und Westseite des Lechs mit variablen Startmöglichkeiten. Nach studieren alter GPX-Tracks konstruierte ich einen Kurs, dabei waren die wenigen Möglichkeiten der Lechüberquerung einzuplanen. Vom Osramsteg bis Lechstaustufe 21 erwies sich kilometermäßig am geeignetsten.

„Free/solo“ steht für freie Terminwahl während der Corona-Beschränkungen, aber auch für eine freie Streckenwahl, entweder auf breiteren Wegen, wie z.B. die Dammstraßen oder direkt am Lech auf den Trails. Wenn man so will, eine Variante für die, die es lieber etwas bequemer wollen und eine für jene, die bevorzugt ruppigere Untergründe vorziehen. Solo natürlich, weil außer mit einer Begleitperson, derzeit nicht mehr, gemeinsam unterwegs sein dürfen.

Charly und ich haben schnell einen Termin gefunden. Wir starten am Weitmannsee. Wir beide sind aber nicht die ersten, die auf ihre Runde gehen. Meine Reporterkollegen Judith und Andreas aus München waren kurzentschlossen noch schneller als wir und waren bereits gestern, an Christi Himmelfahrt am Start und ihnen hat mein Kurs gefallen, wie ich hörte. Sie haben oftmals die bequemere Variante gewählt. Judith war ergeizig und wollte unbedingt unter 5 Stunden bleiben.

Die ursprünglich geplante Umrundung des Weitmannsee kann ausfallen, da meine vermessene Strecke etwa 45 km aufweist und ich davon etwas abknabbern will, um näher an die 42,2 km ranzukommen. Wir laufen am Weitmannseeostufer entlang und wechseln zum nächstmöglichen Wehr an den Lech. Ich werfe einen Blick auf mein GPS …Mist, ich hab vergessen es zu starten. Aber Charly hat ja die gleiche Strecke, 1,7 km muss ich hinzurechnen.

Nach 3,5 km überqueren wir die Verbindungsstraße zur B17. An der Lechstaufstufe 23 geht’s nach oben und in der prallen Sonne am Mandichosee entlang. Von noch weiter oben wird uns ordentlich eingeheizt. Für die SUP-ler auf dem See ist das bestimmt recht angenehm. Aber ich will mich nicht beklagen, mir gefällt es so auch. Nach halber Umrundung geht’s auf Höhe Vogelschutzgebiet nach rechts in das schmale Waldstück direkt am Lechufer entlang. Hier beginnt einer der schönsten Streckenabschnitte, den uns der Marathon am Lech bieten kann. Margot und ich haben ihn vor vielen Jahren Biberweg getauft, weil sie damals sehr aktiv waren und immer irgendein abgenagter Baumstamm uns zu Kletterpartien zwang. Heute kann ich auf unserem Bibertrail nicht einen einzigen bearbeiteten Baum entdecken. Ob‘s hier überhaupt noch welche gibt? Man könnte ihn aber auch umgehen und auf Feldwegen am Waldrand entlang bis zur ST22 laufen. Wer’s macht, der verpasst was.

Staufstufe 22 liegt auf Höhe Unterbergen, die Anlage ist für Anlieger mit dem Auto passierbar, uns kommt gerade ein Traktor entgegen. Wir laufen am großen Stausee entlang weiter Richtung Alpen. In dem Flussbereich zwischen Landsberg und Augsburg sind noch seltene Lech-Urlandschaften erhalten geblieben. Sie nennen sich Lechtalheiden und stehen unter strengstem Naturschutz, es ist eines der artenreichsten Lebensräume Mitteleuropas. In der Kissinger Heide, nur wenige hundert Meter von unserem Startplatz am Weitmannsee entfernt, kann man z.B. jährlich im April eine ganze Wiese Enziane bewundern. Da geht auch eine Trainingsstrecke von mir durch.

Wir durchlaufen ein ausgewiesenes Schutzgebiet für Vögel, Amphibien und Insekten. Unterhalb des Lechdamms verlaufen die Fischtreppen, die die Fische an den Lechstaufstufen 21 und 22 vorbei und wieder in den Lech leiten. In den letzten Jahren hat man hier viel gebaggert und gearbeitet, aber ich finde auch etwas von dem urwüchsigen Gebiet zerstört. Vor 15 Jahren gab es hier noch einen fast urwaldähnlichen Abschnitt, ich kam mir immer vor wie in einem Swamp in Louisiana.

Um wieder einen Kilometer einzusparen laufen Charly und ich nur bis kurz vor die Staustufe 21 und drehen dann wieder um. Zudem ist mir der Abschnitt im Wald durch das ehemalige Bundeswehr-Sperrgebiet an der früheren Einflugschneiße der Starfighter und Tornados nicht interessant genug, wir bleiben lieber auf den Trails und am Wasser.

Erst zurück an der ST22 setzen wir über auf die Westseite des Lechs. Sehr schön ist zwar der Weg am Lochbach entlang, aber wir setzen heute auf die „Trail de luxe“-Variante und wechseln wieder ganz nah an den Lech auf den westlichen Bibertrail. Die Streckenführung ist hier natürlich eher Insidern und Trailliebhabern vorbehalten. Charly kennt die Passage auch noch nicht, ist aber voll begeistert. Wenn man hier an manchen Abschnitten nicht aufpasst, kann man schon mal im Wasser oder in einem der zahlreichen, gebuddelten Löcher landen. Sie stammen vermutlich auch noch von den Bibern, aber auch auf dieser Seite ist von frischen Knabbereien an Bäumen nix zu sehen. Das verwundert mich schon etwas. Diesen ganz schmalen Trampelpfad direkt am Ufer haben wir bestimmt den Fischern zu verdanken, die man hier immer zahlreich antrifft. Nach einer kurzen Wasserdurchquerung sind wir wieder am Ringdamm um den Mandichosee.
 
 
Andreas & Judith beim Start am Weitmannsee
Lechwehr
Beginn Bibertrail Bibertrail An der ST 21
Staustufe 22 Über den Lech auf der ST22 Links und rechts der Bibertrail
Trails de luxe Bibertrail Bibertrail
Bibertrail Ein kühner Sprung
Durch's Wasser Vogelschutzgebiet Mandichosee Mandichosee
Da waren Biber am Werk Rund um den Mandichosee Übergang in den Augsburger Stadtwald
 

Nach 19 km überqueren wir wieder die Meringer Straße und laufen in das Trinkwasser- und Naturschutzgebiet Augsburger Stadtwald. Nach 500 Metern wechseln wir von der Dammstraße nach rechts wieder direkt an den Lech. Judith und Andreas haben leider gestern den Abzweig verpasst und sind komplett die Dammstraße bis Augsburg gelaufen. Blöd gelaufen. Sechs Wehre, immer ziemlich genau in einem Abstand von einem Kilometer, liegen vor uns. Auf Höhe Auensee auf der Ostseite befindet sich das letzte, bis zum Hochablass sind es von hier noch 3,7 km. Hier führte bis vor ein paar Jahren noch ein wunderschöner Single-Trail am Lech entlang. Bis die Planierraupen kamen und einen breiten Schotterweg daraus machten, mit großen Steinen auf denen man gar nicht mehr vernünftig laufen konnte. Ich hab mich fürchterlich darüber geärgert und bin tatsächlich seit damals nie wieder auf der Westseite am Lech im Augsburger Siebentischwald gelaufen. Bei meiner Streckenerkundung zum ersten Mal wieder. Mittlerweile haben sich die Steine gesenkt und man kann den wieder Weg ganz passabel laufen.

Am früheren Floßhafen erreichen wir den Hochablass nach 29 km. Seit der Römerzeit bis zum Bau der ersten Lechstaustufe um 1914 diente der Lech als Transportweg für Holz aus den Alpen oder für sonstige Handelsware. Die wichtigsten Häfen befanden sich in Reutte, Füssen, Landsberg und hier am Hochablass in Augsburg. Den Höhepunkt hatte die Flößerei Mitte des 19. Jahrhunderts mit mehreren Tausend Flößen pro Jahr.
Vor 106 Jahren stattete der bayerische König Ludwig III. dem 1912 fertiggestellten neuen Hochablass und Floßhafen einen Besuch ab. Am 9. Juni 1914 traf er mit seiner Ehefrau Maria Theresia und seinen fünf Töchtern mit einem Sonderzug am Augsburger Hauptbahnhof ein. Nach einer Stadtrundfahrt besichtigte die Königsfamilie den neuen Lechwehrbau. Neben einem inszenierten Volksfest wurde auch das Durchlaufen von Flößen in der Floßgasse als Attraktion vorgeführt.

Obwohl die Flößerei um diese Zeit keinerlei Bedeutung mehr hatte, waren beim Neubau des Hochablasses auch Floßhafen und Floßgasse aufwendig erneuert worden, was sich bald als eine Fehlinvestition herausstellte. Auf dem Lech, der 1865 mit über 4.300 Flößen die größte Anzahl in seiner Geschichte zu verzeichnen hatte, wurden 1910 noch ganze 21 Durchfahrten registriert. Die Stadt täuschte den bayerischen Monarchen über den aktuellen Stand der Dinge hinweg. Für den besonderen Anlass aktivierte man zwei Flößermeister, um dem König das Schauspiel einer intakten Flößerei zu vermitteln. Dem Kini gefiel‘s. Nach diesem Tag passierte aber kein weiteres Floß mehr den Hochablass.

Wir benötigen jetzt dringend eine kühle Erfrischung. Wir überqueren den Hochablass und genehmigen uns eine kurze Pause an der „Schwarzen Kiste“, dem Kiosk am Kuhsee. Ein kühles Radler löscht unseren Durst. Charly gönnt sich noch eine riesige Portion Pommes. Wenn wir schon mal übergewechselt sind bleiben wir gleich da, weiter geht’s auf der Ostseite. Nach der Hochzoller Lechbrücke und dem Wasserkraftwerk bietet sich wieder die Möglichkeit für ein paar zusätzliche Trailkilometer. Wir wechseln vom Stefan-Höpfinger-Weg an den schmalen Trampelpfad an der Uferböschung etwas unterhalb. Am Osramsteg haben wir unseren nördlichsten Punkt erreicht, wechseln wieder die Flussseite und machen kehrt.

Leider wird uns der Durchlauf an der olympischen Kanustrecke entlang im wahrsten Sinne des Wortes vernagelt. Seit Anfang der Woche hat man an den Zugangsstellen zur Anlage einen Bretterzaum aufgestellt. Die Außenanlage muss modernisiert und das Kanuzentrum renoviert werden, um für die Kanuslalom-Weltmeisterschaften 2022 wieder bereit zu sein. Nur in etwas Abstand bekommt man noch Abschnitte des Eiskanals ins Blickfeld.

Vor fünfzig Jahren als der Eiskanal gebaut wurde, versprach sich die Bundesrepublik zu den Olympischen Spielen 1972 auch einen Heimvorteil für ihre Sportler, die die Strecke im Gegensatz zu ihren Gegnern intensiv für Trainingszwecke nutzen konnten. Um diesen zu brechen, errichtete die DDR in Cainsdorf eine Strecke mit ähnlichen Merkmalen für die Vorbereitung ihrer Sportler. Mit Erfolg, die DDR-Kanuten konnten alle Goldmedaillen in den vier Wettbewerben abräumen. Aber mittlerweile gibt es doch auch einige Weltmeister und Olympiasieger die aus Augsburg kommen und sich ihr Können hier am Eiskanal erarbeitet haben.

Wir wechseln über den Hochablass erneut die Seite, an der „Schwarzen Kiste“ wartet nochmals ein Radler auf Charly. Die Dammstraße böte sich jetzt an für die Schlusskilometer, aber nix da, wir laufen wieder am Lechufer entlang. Kurz vor dem ersten Lechwehr hat sich der Lech einen kleinen Canyon in die Landschaft gespült. Über große Steine balancieren wir 3 Meter über den Einschnitt. Ein Trail führt aber auch um diese Wasserlandschaft, man kann ihn leicht umgehen.

Meine Kilometerrechnung für heute ist fast genau aufgegangen, am Wehr auf Höhe Weitmannsee erreichen wir Kilometer 42,2. Ich bin immer etwas argwöhnisch ob der Genauigkeit unserer GPS-Uhren und animiere Charly auch noch die restlichen Meter bis zum Parkplatz durchzulaufen. Damit’s ja passt. Die Trail de luxe-Variante ist mega, kann ich nur empfehlen, sie bietet die ganze Schönheit des Lechs in unseren Breiten.



Baden verboten   Lechwehr auf Höhe Auensee   Blick auf den Flößerhafen
Hochablass Radler und Pommes Prost
Trail an der Uferböschung Osramsteg Trainingsstrecke am Eiskanal
Olympiastrecke vernagelt Flößerhafen Der Flößer
Spinnerin mit Spindel, Füllhorn und Turbinenrad Die Schwarze Kiste Wehr am Weitmannsee
Wehranlage Geschafft Zur Belohnung eine Medaille aus Lechkiesel
 
Finisher

Judith Strack
Andreas Bettingen
Charly Berger
Bernie Manhard

Andreas Greppmeir
Dieter Schaab
Alexandra Grashei
Christoph Magg
Frank Roland
Jan Kiwior
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