1.8.2020 Rund um den Ammersee Ultra
Autor: Bernie Manhard
 
Rund um den Ammersee Ultra
 
2020

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Thermen-Marathon
Neckarufer Marathon A
Neckarufer Marathon B
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Corona A
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Lechleite Marathon
Home Run XL
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Füssen Marathon B
Füssen Marathon A
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Trail to Peak A
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Isar Marathon Süd
Sri-Chinmoy-6-Std-Lauf
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Oktoberfest Marathon B
AP[P]M
NMN Nesselwang
Virtual Run München

 

Wer hat ihn erfunden? Nein, nicht die Schweizer und auch nicht ich, Klaus war es. Mein Reporterkollege von M4Y hat den Lauf bereits im April einfach spaßeshalber ganz alleine durchgeführt und einen tollen Bericht darüber geschrieben mit vielen inspirierenden Foto, mit dem Resümee ihn doch gerne zu wiederholen, in einer kleinen Gruppe.

Greppi, Charly und ich hofften schon länger auf einen Ammersee Marathon. Die Idee hatte nämlich bereits 2017 das Sportstudio HARDY’S Bodyfit aus Schondorf, das u.a. auch den Landsberger Stadtlauf veranstaltet. Über Facebook fand damals bereits eine Vorankündigung statt, aber der Termin wurde leider immer wieder verschoben und verschoben und mittlerweile vermutlich auch aufgegeben. Es gab einfach keine Genehmigung seitens der Behörden für die Durchführung eines Laufes um den Ammersee.

Nachdem es in COVID-19-Zeiten kaum Veranstaltungen gibt und weil der Ammersee ja eh auf unserer Wunschliste stand, kam mir Klaus‘ Vorschlag wie gerufen und ich initiierte – in Absprache mit ihm ؘ– unseren eigenen Lauf. Wir haben es da natürlich einfacher, in einer kleinen Gruppe brauchen wir dafür keine Genehmigung, keine Strecken-Absperrung oder -Markierung. Klaus ist unser Scout. Aber im Prinzip laufen wir, so nah es geht, immer am Ufer des drittgrößten Sees von Bayern entlang. Klaus‘ Track auf STRAVA ist genau 45 km lang, so können wir den Lauf sogar als Ultra verbuchen.

Mit mehr als 4 – 5 Enthusiasten hätte ich nicht gerechnet und mehr wären auch im Corona-Mai 2020 noch nicht erlaubt gewesen. Aber mit der positiven Corona-Entwicklung durften auch bald wieder mehr Läufer gemeinsam trainieren und gleichzeitig wuchs auch das Interesse am „Rund um den Ammersee Ultra“. Werbung oder Einladungen verschicken musste ich dafür nicht, das ergab sich von allein. 10 Läufer*innen waren eigentlich als Maximum geplant und mehr Medaillen auch nicht produziert. Natürlich kann man nicht Nein sagen, wenn die besten Lauffreunde dabei sein wollen, so wuchs das Teilnehmerfeld auf 13 an. Zweimal musste Kumpel Werner nochmal seine Fräs- und Graviermaschine anwerfen, um Medaillen herzustellen. Für die Nachzügler aber leider in der Kürze nur mehr aus Holz, nicht wie die ersten aus, fluoreszierendem, blauen Acrylglas. Das Material war leider aus.

Beim Lauf wollen wir natürlich in erster Linie Spaß haben, die Zeit interessiert uns weniger, daher gibt es auch einen Ersatztermin eine Woche später. Wenn’s ein Sauwetter geben sollte, wird verlegt. Aber der Wettergott meint es gut mit uns, vielleicht sogar zu gut: Der bis dato, heißeste Tag des Jahres ist vorhergesagt. Von 33 – 38 Grad ist so die Rede im Süden von Deutschland.

Erstaunlicherweise gibt es keine Bedenken von Seiten der „Wilden 13“, nur Kati würden 38 Grad nicht so bekommen, aber wir sind ja nicht aus Zucker und allesamt erfahren genug, um den Lauf vernünftig durchzuziehen. Notwendigerweise dann halt mit ein paar Getränkepausen mehr. Dazu kommt noch, der Ammersee liegt ja fast in den Alpen, hier werden wir die Spitzenwerte wohl nicht erreichen.

Die Wilden 13

Treffpunkt ist auf dem Parkplatz vor der Anlegestelle der Ammersee Schifffahrt in Stegen. Um 8.30 Uhr ist der zu unserem Glück noch leer, was sich aber bald ändern wird. Heute werden noch ganze Massen an den See strömen und den Sommer genießen. Alle Teilnehmer sind rechtzeitig vor Ort, so dass wir sogar 10 Minuten früher starten können. Bei bereits etwa 25 Grad, kann jede Minute kostbar sein.

Unmittelbar nach dem Parkplatz geht es über die Autobahn (wann kann man das schon mal zu Fuß). Seit März wird hier am Neubau der Amperbrücke gearbeitet. Und weil der Verkehr der Staatsstraße auf die südliche Bogenbrücke der A96 umgeleitet wird und der normale Fußweg dadurch mit Baumaterialen belegt ist, wurde die Umgehung auf die Autobahn gelegt.

Trotzdem sind wir natürlich froh, dass es nur 250 Autobahn-Meter sind. Kurz danach führt uns ein Feldweg an das Ufergebiet des Ammersees. Für ein paar Kilometer ziehen wir durch das Naturschutzgebiet Oberes Moos. Kurze Stichpfade führen immer wieder direkt ans Ufer. Einen davon nützen wir für eine kurze Fotopause und um uns die komplette Übersicht von Norden bis hinauf in den Süden zu gönnen. Boa eh, ganz schön weit, was wir da vorhaben.

Nach 5 km erreichen wir Schondorf, bis ans Südende in Dießen sind wir meist auf ufernahen Straßen oder Radwegen unterwegs die meist schön im Schatten liegen. An den Strandbädern ist bereits jetzt schon fast alles vollgeparkt, aber sonderlich viel Autoverkehr herrscht hier in Ufernähe trotzdem nicht. Meist sind es die Radler, die uns daran erinnern, rechts zu laufen. Aus dem geplanten Gruppenlauf ist nichts geworden, es haben sich Grüppchen gebildet, aber immer wieder lässt sich jemand zurückfallen und man trifft sich wieder. Das passt sehr gut.

In Utting treffen wir wieder auf Charly, Andy und Klaus, der uns in einer kleinen Schleife, mitten durch den Biergarten der Alten Villa lotst. Wir haben Glück, dass noch nicht geöffnet ist, sonst müssten wir unsere Masken aufziehen. Weitbekannt ist dieser Biergarten vor dem prächtigen Haus im Stil einer italienischen Villa. In den dreißiger Jahren diente es als Landsitz, 1945 war es das Hauptquartier der Amis. Nach Totalrenovierung und Umbau zur Gaststätte 1984 wurde aus einer alten Villa die wunderschöne „Alte Villa“. Im Königlich Bayerische Biergarten bekommt man an Wochenenden oft Jazz- Dixie und Blasmusik zum Frühschoppen geboten.

Der Campingplatz St. Alban liegt direkt neben der Seestraße, zwei Wasseranschlüsse für die Camper kommen für uns wie gerufen, wir können uns mit dem herrlich kühlen Wasser über den Kopf erfrischen, es hat auch keiner was dagegen. Kurz darauf sind wir in Dießen (km 18), am Seekiosk benötigen wir bei mittlerweile gut über 30 Grad dringend einen ersten Break, um auch unser Inneres mit kühler Flüssigkeit zu versorgen. Neben der Rialtobrücke, am Rande einer Parkanlage hat man einen wunderbaren Überblick zum See, zum Dampfersteg und auf der gegenüberliegenden Seeseite auf Kloster Andechs. Ab Herbst/Winter fahren an der Uferpromenade die Bagger auf, einige Teile der Ufereinfassung, dazu der Steg und die Rialtobrücke sollen umgebaut, bzw. erneuert werden, weil sie marode sind und auch der Kiosk steht zur Diskussion.

 
 

Über die Rialtobrücke geht es weiter, prompt verpassen wir die richtige Abzweigung, was uns etwa 300 Zusatzmeter einbringt. Am Ortsende beginnt der heikelste Abschnitt des Kurses, etwa 3 km müssen wir auf einer Verbindungsstraße, ohne Radweg oder Standstreifen bis nach Fischen laufen. Der kaum vorhandene Trampelpfad ist gerade mal ein paar Zentimeter breit. Hier heißt es die Augen offen zu halten und gut den Verkehr zu beobachten.

Kurz vor Fischen liegt etwa 300 Meter rechts von uns, seit letzten Sonntag, die neueste Attraktion des Ammersees: ein riesiger Kornkreis mit etwa 100 Meter im Durchmesser, mitten in einem Weizenfeld. Erst aus der Luft ergibt sich das faszinierende Bild eines perfekten Kreises, darin ein geometrisches Muster. Seitdem kommen Besucher von überall her. Viele Menschen sind sich sicher, dass hier außerirdische Mächte am Werk waren. Manch einer behauptet, er spürt dort eine besondere Energie. Die könnte ich, unter der prallen Sonne auch gebrauchen, aber leider tut sich nix in der Richtung. Eher das Gegenteil ist der Fall, die Sonne zieht mir die ganze Kraft aus den Beinen. Ich war schon am überlegen, hier einen Abstecher zu machen und mir das mal aus der Nähe anzusehen, aber bei der Hitze ohne jeglichen Schatten, ist mir der Spaß vergangen.

Nach Überquerung der Ammerbrücke ist der Straßenabschnitt geschafft, das noch verbleibende Stückchen bis Fischen hat einen Radweg. Axel, Andy und Charly passiert hier ein Malheur das ihnen gut 1,5 km zusätzlich einbringt, sie biegen unmittelbar nach der Brücke ab und laufen auf einer Stichstraße direkt ins Naturschutzgebiet, das sich ganz offiziell "Vogelfreistätte Ammersee Südufer" nennt.Ab Fischen biegen wir auf den Ammersee Radweg neben der Herrschinger Straße ein.

Bis Aidenried gibt es hier wenig bis gar keinen Schatten. Von hinten kommt Axel B. und erzählt von seinem Missgeschick an der Ammerbrücke. Nach den vielen Kilometern in der prallen Sonne, sind wir froh am Campingplatz Aidenried einen Kiosk mit ein paar Tischen anlaufen zu können. Nach und nach sammeln sich die verstreuten Grüppchen an dem kleinen Biergarten. Charly macht sich nach kurzer Pause wieder auf die Socken, der größte Teil der Ansammlung verweilt aber etwas länger. Hier gibt es neben Getränken und Toiletten auch kühles Wasser über den Kopf. Das lädt zu einer längeren Pause ein.

Bis zur Herrschinger Bucht führt uns ein Schotterweg, wo auch wieder diverse Abschnitte im Schatten liegen, zwischendrin sind aber auch einige Wasserläufe zu überwinden, wo ich auch mal die Schuhe ausziehe, um meine Füße abzukühlen. Einfach herrlich. Auf 10 Kilometern Länge kann man in der Herrschinger Bucht direkt am See laufen. Herrsching hält damit den Rekord mit der längsten Seepromenade Deutschlands. Mit über 10.000 Einwohner ist er auch der größte Ort am Ammersee. Bis ins 19. Jahrhundert hinein siedelten in Herrsching und seinen Ortsteilen hauptsächlich Fischer und Bauern. Deshalb wurde der Ammersee im Volksmund lange „Bauernsee“ genannt.

An der Strandpromenade ist einiges los, dementsprechend gibt es auch viele Lokalitäten, Klaus und ich lassen uns zu einem kühlen Hellen hinreißen. Alle nach uns eintreffenden, schließen sich sofort an. Im Park des bezaubernden Kurparkschlösschens spielt sogar Musik für uns am Wegesrand.

Trails for fun


Am nördlichen Ende von Herrsching und der Bucht müssen wir für einen Kilometer den Uferbereich verlassen, ich habe glücklicherweise mein mobiles GPS dabei und kann unsere Gruppe so optimal wieder ans Ufer zurückleiten. Selbst Klaus ist sich nicht immer sicher. Die vor uns liegenden haben hier nicht immer den bestmöglichen Weg zurück ans Ufer gefunden und teilweise so einige Umwege eingebaut, wie ich im nachträglichen Studium der GPX-Tracks ersehen konnte.

Das Beste kommt zum Schluss. Genau 10 km „Trails for fun“ beinhaltet der Schlussabschnitt, dabei geht es immer am Uferbereich entlang, mal etwa im Wald, dann wieder direkt an der Wasserkante, oft mit grandiosen Aussichten durch das Schilf auf den See. Manchmal müssen wir uns auch bücken, um unter den Stegen, die in den See führen, durchzukommen. Für mich als Trailliebhaber, mit Abstand der schönste Abschnitt der kompletten Seenrunde. Klaus fühlt genauso, wir geben noch mal alles und absolvieren das meiste im zügigen Laufschritt.

Zurück auf dem jetzt, randvollen Parkplatz in Stegen erwarten uns bereits Axel, Andreas, Judith, Charly und Jürgen zum Zieleinlauf. Meine Uhr zeigt noch nicht die 45 km Ultradistanz an, so drehe ich noch eine 750 Meter lange Zusatzschleife. Mit einer La Ola werde ich empfangen. So nach und nach tröpfeln alle auf dem Parkplatz ein. Im Biergarten werden anschließend die Medaillen überreicht.

Am Ende sind alle begeistert vom Rund um den Ammersee Ultra. Ich denke eine zweite Auflage sollte der grandiosen Premiere folgen. Etwas Optimierungspotenzial besteht auf dem Südabschnitt, die Verbindungsstraße von Dießen nach Fischen könnte mit zwei bis drei Zusatz-Kilometern umgangen werden, das muss noch erkundet werden.

   
 
Charly
Bernie
Greppi
7:04:21
7:59:26
8:05:38
 
 
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Laufbericht 2020 bericht 2018 Gibt's nicht? – Gibt's doch! – Part 2 | Andreas Greppmeir
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