9.5.2020 Mountainman Home Run XL
Autor: Bernie Manhard  
   
Home Run
 
2020

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Mein Plan für heuer sah vor, mindestens drei Rennen der Mountainman-Serie abzuschließen. Der Start beim Wintertrail in Reit im Winkl verlief schon mal großartig und darauf folgte… nix mehr. Die Corona-Pandemie ließ ein Rennen nach dem anderen verschieben, die meisten gleich um ein ganzes Jahr.

Eigentlich steht für heute der Start des Mountainman Nesselwang XL auf meinem Plan. 42 Kilometer und 2450 Höhenmeter über die Allgäuer Berge wären seine Vorgaben. Leider verschoben auf 17. Oktober …vorerst! Kreative Ideen sind in der Zeit gefragt, dachten sich wohl auch die Mountainman-Veranstalter und präsentierten vor zwei Wochen mit einer „Home Run-Serie“ eine virtuelle Veranstaltung. Die Läufe sollen direkt von der eigenen Haustür starten, eine der vier angebotenen Streckenlängen aufweisen und wie geplant an denselben Terminen wie ursprünglich vorgesehen gelaufen werden.

Das ist natürlich nicht zu vergleichen mit einem “echten“ Wettkampf, aber ich finde die Idee gut und eine tolle Alternative, dazu mit Startnummer, Medaille und Urkunde. Angeboten wird dies für alle 4 Wettkampfstrecken an allen drei Orten (Nesselwang, Großarl und Reit im Winkl). Die gelaufene Strecke muss per Screenshot beim Veranstalter nachgewiesen werden. Die Zeiten werden nicht in einer Ergebnisliste gewertet. Es geht nur um das Erreichen der Kilometer.

Das Interesse war überwältigend. Alle 900 Starttickets (300 je Termin) waren binnen 18 Stunden ausgebucht. Ich war nach Bekanntgabe sofort begeistert von der Idee und habe mich auch ganz schnell angemeldet. Viele weitere wollten teilnehmen, kamen aber nicht zum Zuge, so wurde nochmals um 150 Startplätze aufgestockt, mehr Medaillen hat der Veranstalter nimmer. Unbegrenzt steht als Alternative aber immer noch der „Home Run Digital“ zur Verfügung, hier gibt es die Medaille aber nur mehr zum Ausdrucken.

Zwei Wochen hatte ich Zeit eine Strecke zu planen. Ich habe auch beim Home Run die XL-Strecke mit 42 km gewählt, die 2450 Höhenmeter entfallen aber beim Home Run. In unseren Breiten wäre das auch nicht machbar da ich unbedingt von meiner Haustüre aus starten will. Ich hab mir so meine Gedanken gemacht. A bisserl Mountainman Spirit muss sein und so wählte ich letztendlich als Ziel, den höchsten Berg von Augsburg. Von mir dahoam ist der etwa 18 km entfernt. Nach studieren einiger GPS-Tracks und ablaufen einer Teilstrecke hatte ich meine Route im Kopf, mit einer Zusatzschleife durch den Landkreis sollte ich es schaffen, etwa zur Halbzeit am Gipfelkreuz zu stehen.

Über 1500 Teilnehmer haben sich bereits bei den drei Home Runs angemeldet, sie kommen aus ganz Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien, Griechenland und sogar aus Schweden. Zumindest virtuell gibt es keine Corona-bedingten Grenzzäune.

Um 10 Uhr starte ich meinen persönlichen Home Run. Schwülwarm ist es bereits um diese Uhrzeit. Neben meiner Regenjacke habe ich noch 1 ½ Liter Flüssigkeit im Rucksack, zur Not gibt es auch noch den Kiosk am Kuhsee. Charly kommt mir von zu Hause entgegen, wie verabredet treffen wir uns nach 5 km im Landkreis, kurz vor St. Afra im Felde. Er begleitet mich etwa 10 km auf seiner Trainingsrunde.

Kuhsee und Hochablass erreichen wir nach 10 km. Hier wird Wasser vom Lech abgezweigt und in die Augsburger Altstadt geleitet. 1346 wurde hier das erste Stauwehr gebaut. Um das Recht, Wasser vom Lech zur Nutzung in der Stadt abzuleiten, gab es jahrhundertelang immer wieder Auseinandersetzungen zwischen der Reichsstadt Augsburg und den Wittelsbachern, deren Gebiet, das herzogliche Bayern, an das Ostufer des Lechs angrenzte.

Den kompletten Abschnitt am Lech entlang, durch das gesamte Stadtgebiet, könnte ich jetzt auf dem gut ausgebauten Fuß- und Radweg entlanglaufen. Ich bevorzuge aber den Trail, der etwas unterhalb des Spazierwegs an der hohen Uferböschung liegt. Fast komplett durch die ganze Stadt verläuft dieser urwüchsige Trail, man könnte auch irgendwo in der Wildnis sein. Nur ganz selten, wenn man ihn für eine kurze Lechbrücken-Unterquerung verlassen muss, bekommt man auch Häuser oder Straßen zu sehen. Nach 14 km verabschiedet sich Charly an der Lechhauser Lechbrücke von mir.

Vor der zweiten Lechhauser Lechbrücke hat man mit dem „Flößerpark“ ein kleines Freizeitparadies errichtet. Für Kinder und Sonnenanbeter gibt es eine Sandfläche mit Liegeplätzen, Wasserspiel-Elemente, einen Streetball-Platz und eine ganz neue, durch Graffiti-Künstler gestaltete Kletterwand. Die ist wirklich sehr cool, kann noch nicht so alt sein, ich bin ganz begeistert und mache ein paar Fotos. Eine besondere Attraktion des Parks soll die Ausflugsgaststätte "Floßlände" werden. Mit Bezug auf die historische Anlegestelle für Flöße und die Flößerei, die in Lechhausen eine große Rolle spielte, soll sie aus Holz gebaut werden, und die Terrasse aus massiven Holzbalken wie ein Floß über die Böschung hinausragen. Ich bin mal gespannt und werde irgendwann mal wieder vorbeischauen.

Insgesamt vier städtische Lechbrücken muss ich unterqueren bis ich an der A8 bin und die knallrote Autobahn-Lechbrücke nach 20 km passieren kann. Spektakulär wurde sie nach einem Neubau per Hilfspfeiler über den Fluss und an die richtige Stelle geschoben. Mitte Dezember 2007 wurde sie komplett fertig und für den Verkehr freigegeben. Bei einem Wasserstand des Lechs von 6 Meter erreicht das Wasser die Unterkante der Konstruktion. Eine erste Brücke an dieser Stelle wurde bereits 1935/36 im Zuge des Autobahnbaus errichtet.

 
 

Einen Kilometer weiter erreiche ich den Nordeingang zur ehemaligen Müll-Deponie. Ich habe mein Zwischenziel erreicht, den "Monte Scherbelino", wie der rund 55 Meter hohe Müllberg im Volksmund genannt wird. Der Schuttberg entstand nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Abbau von Kies und der darauffolgenden Verfüllung der entstandenen Baggerseen durch die Deponie Nord der Stadt Augsburg. Die Anlage umfasst heute rund 420.000 Quadratmeter. Der Hügel beinhaltet über sieben Millionen Kubikmeter Müll. Aus dem anfallenden Deponiegas gewinnen die Bayerischen Elektrizitätswerke (BEW) seit Februar 1995 Strom.

Rund 2400 Meter Wanderwege wurden angelegt, die auf zwei unterschiedlichen Routen auf den Gipfel führen. Dort bietet sich ein herrlicher 360-Grad-Rundumblick. Meine Streckenplanung passt gut, nach knapp 22 km lege ich hier erstmal eine erste Pause ein. Ein richtig großes Gipfelkreuz mit passenden Steinen als Sitzgelegenheit lädt geradezu ein. Selbstverständlich genehmige ich mir auch ein …zwei Gipfelschapserl und poste das auf Facebook an Rudi & Stephan, den Stamm-Moderatoren der Mountainman-Serie, die auch heute das Geschehen auf zwei Social-Media-Kanälen begleiten.

Ich verlasse die Deponie über den Südausgang, damit ich auch die gesamten 2,4 km der freigebenden Wanderwege in meinen Lauf einbeziehen kann. Etwas östlicher überquere ich auf einer Fußgängerbrücke die A8, am Rande der Firnhaberau. Um wieder auf meine Route am Lech zurückzukommen, biege ich unmittelbar nach der Brücke nach rechts auf einen schmalen Trail entlang der A8 ein. Nach 400 Metern bin ich wieder am Lech. Anders als beim Herweg, nehme ich jetzt den Stefan-Höpfinger-Weg, den komfortableren Wanderweg. Meine Beine sind doch schon etwas müde, hier läuft`s sich einfach besser.

Fast genau 30 km zeigt meine Uhr am Osramsteg an, ich setzte jetzt über auf die andere Seite. Der Steg ist eine Verbindungsbrücke der Augsburger Localbahn zwischen dem Proviantbachquartier und Lechhausen, in Höhe des früheren Osram-Werks. Unter den Gleisen kann man links und rechts den Lech überqueren.

Nach 32 km erreiche ich den Eiskanal. Mir ist die Teerstraße durch die Anlage zu langweilig, Am Zieleinlauf der Kanuten steige ich runter und laufe aufwärts an der Kanu-Strecke entlang. Heute ist sie noch leer, erst ab Montag dürfen die Kanuten wieder ins Wasser. Einer paddelt tatsächlich im Eiskanal …der traut sich was. Für die Olympischen Sommerspiele 1972 wurde das Kanu-Slalom-Stadion mit Tribünen für etwa 24.000 Zuschauer erbaut. Am 28. und 30. August 1972 fanden hier die ersten olympischen Kanu-Slaloms statt.

Rechts von der Strecke liegt das historische Augsburger Wasserwerk. Im Juli 2019 wurde das weltweit einzigartige Wassermanagement-System von Augsburg zum UNESCO-Welterbe ernannt. Einer der 22 Gründe für die Ernennung ist dieses Wasserwerk. Fast 127 Jahre war es für die Wasserversorgung in Augsburg im Einsatz.

Am Hochablass ist trotz Corona immer eine Menge los. Ich nehme den westlichen Uferweg am Kuhsee und schlage mich am Südufer nach rechts an den Lech durch. Mir gefällt der Weg direkt am Ufer entlang wesentlich besser als der Lechdamm. In den letzten Jahren ist der Weg aber ziemlich aufgekiest worden, früher war das durchgängig bis zum Wehr am Auensee ein wunderbarer Trail. Ein Wehr muss ich noch weiter, dann kann ich an den Nackerten am Auensee vorbei, den Heimweg einschlagen. Nach meinen Erfahrungen und Berechnungen müsste ich genau auf Marathondistanz kommen.

Meine Uhr zeigt 43 km vor meiner Haustüre an, etwas Puffer muss ich immer einrechnen, da sie erfahrungsgemäß immer etwas zu viel anzeigt. Hochgerechnet auf STRAVA bleiben genau 42,180 km übrig. Puh, da fehlen mir jetzt glatt 15 Meter. Aber, ich bin kein Erbsenzähler, das passt schon für meine Bilanz. Meine Medaille hab ich mir verdient.

   
 


 
   
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