3.10.2020 Allgäu Panorama [Privat] Marathon
Autor: Andreas Greppmeir
 
 
2020

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AP[P]M

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Andreas und Bernie haben es vorgemacht und in der veranstaltungslosen Zeit eigene Marathons organisiert, die mir immer viel Spaß gemacht haben. Ich wollte nicht nur immer Nutznießer sein und auch einen eigenen Marathon organisieren. Eigentlich brachte mich der Füssen Marathon auf die Idee, eine bereits bestehende Strecke als Grundlage zu nehmen. So kam mir der Allgäu Panorama Privat Marathon in den Sinn.

Natürlich fragte ich erst einmal bei Axel Reusch, dem langjährigen Organisator des Allgäu Panorama Marathons nach, ob er möglicherweise Einwände dagegen hat. Einwände hatte er nicht, ganz im Gegenteil. Axel schien von der Idee begeistert und bot mir an, dass ich nicht nur auf jegliche Informationen auf seiner Homepage zurückgreifen darf, auch das Logo des APM durfte ich zweckentfremden. Ich frage schließlich noch vorsichtig an, ob in Axel‘s Keller vielleicht noch ein paar verstaubte Medaillen liegen, die er mir zur Verfügung stellen kann. Statt der gewünschten fünfzehn Medaillen bekam ich zwanzig spendiert. Auf den Medaillen selbst stehen nie Jahreszahlen, so dass ich eigentlich nur noch passende Medaillenbänder brauchte. Die ließ ich über eine niederländische Firma anfertigen. Meine Tochter Jessi hat inzwischen Übung an der Nähmaschine und übernahm das Nähen der Bänder. Somit war schon mal einiges an Vorbereitung erledigt.

Bernie übernahm die Ausschreibung auf unserer Homepage und integrierte auch die GPX-Datei des APM, die allen Teilnehmern zur Verfügung stand. Mit zehn Interessierten hatte ich gerechnet, am Ende standen tatsächlich achtzehn Lauffreunde in der Starterliste. Auch wenn es bis zum Start am 3. Oktober nur noch fünfzehn waren, so sah ich das schon mal als großen Erfolg. Bis auf Severin und Angelika waren alles erfahrene Marathonläufer, die den APM größtenteils schon gelaufen waren und somit mit der Strecke, auch dank der GPX-Datei wohl keine größeren Orientierungsprobleme haben sollten. Trotzdem fertigte Bernie für alle Teilnehmer noch eine laminierte, faltbare Streckenkarte an. Es sollte also nichts schief gehen. Als mir Axel auch noch anbot, beim Start dabei zu sein und uns auf den ersten Kilometern zu begleiten, schien alles perfekt.

Gut, ein APM-Wetter mit 30 Grad oder mehr konnte ich natürlich nicht organisieren, dennoch behielt ich meine Wetter-App in den Tagen vor dem AP(P)M immer im Auge. Letztendlich sah es so aus, dass wir im Trockenen bei milden 10 Grad starten könnten. Nach gut einer Stunde war leichter Regen vorausgesagt und die Temperatur würde um zwei Grad sinken. Zum Zieleinlauf sollte es aber wieder trocken werden. Nicht wirklich APM-like, aber doch akzeptabel.

So standen wir dann am Samstagvormittag mit einem 15-köpfigen Starterfeld tatsächlich bei strahlend blauem Himmel vor dem Allgäu-Outlet-Center und freuten uns auf den bevorstehenden Lauf. Axel kam, wie versprochen, auch dazu und ich bot ihm an, das Startprozedere zu übernehmen. Axel erzählte aber stattdessen eine kurze Geschichte aus den Anfängen des APM. Da Axel aus dem Leistungssport kommt, war er es gewohnt, dass die Teilnehmer eines Laufs vor dem Startschuss schon angespannt vor dem Startbogen standen und dann lossprinteten. Beim ersten APM bzw. APUT war er vom Ablauf des Starts sehr amüsiert. Als der erste Startschuss fiel, trabten ein paar Teilnehmer gemütlich los, andere unterhielten sich noch etwas und ein paar gingen sogar noch auf‘s stille Örtchen. Inzwischen hat Axel sich nicht nur daran gewöhnt, sondern findet diese Atmosphäre als eine ganz besondere. Daher gab es heute von Axel also auch nur ein: „Also, dann laufen wir mal los.“ Die Laufuhren wurden gedrückt, noch ein paar Worte gewechselt und dann ging es gemütlich los.

Die ersten beiden Kilometer über die Iller, vorbei an der Illersiedlung und dem Sonthofer Baggersee sind eben und lassen uns genügend Zeit zum Ratschen. Axel erzählt von seinem Training für den bevorstehenden Virtuellen Ironman. Heute stehen lockere sechs Kilometer auf dem Programm, so dass er uns die ersten drei Kilometer bis Hüttenberg begleiten kann. Das Feld zieht sich erstaunlicherweise trotz des moderaten Tempos schon etwas auseinander. In Hüttenberg angekommen verabschiedet sich Axel und ich überreiche ihm als kleine Erinnerung noch eine Medaille des AP(P)M, quasi als Teilnehmer des Bambinilaufs. Die meisten von uns verabschieden sich nicht nur von Axel, sondern auch von den Wind- bzw. Regenjacken. Es ist warm und bevor der sieben Kilometer lange Aufstieg zur Weltcup-Hütte beginnt, verstauen wir die Jacken in unseren Laufrucksäcken. Der AP(P)M beginnt. Es geht nun eine ganze Weile nur noch nach oben. Beim APM schlängeln sich hinter Hüttenberg die Teilnehmer immer wie an einer Perlenschnur gezogen nach oben und bieten immer ein tolles Bild. Mit unseren 15 Teilnehmern können wir da heute nicht ganz mithalten, dennoch bin ich begeistert und ein wahres APM-Feeling stellt sich ein.

Als ich nach etwa sieben Kilometern und gut einer Stunde auf der Teerstraße ankomme, ziehen wie von meiner Wetter-App vorhergesagt erste Wolken auf und es wird merklich kühler. Ich krame meine Jacke aus dem Rucksack hervor und ziehe sie über. Da ich kurz mein Navi vermisse, krame ich noch etwas weiter im Rucksack und verliere dabei den Anschluss an die führende Gruppe mit Bernie und Charly. Janosch hängt mit Andreas, Judith und den Fenders etwas zurück. Ich bin also jetzt erst mal allein. Irgendwann werde ich schon wieder Anschluss finden. Egal ob vorne oder hinten. Da mache ich mir keine Sorgen. Allein will ich den AP(P)M eigentlich nicht laufen, aber momentan ist es für mich in Ordnung.

Beim letzten Anstieg zur Weltcup-Hütte ist die führende Gruppe noch immer in Sichtweite, der Rest ist schon etwas weiter zurückgefallen, ich kann sie aber noch immer sehen. Kurz nach der Weltcup-Hütte ist die Führungsgruppe plötzlich verschwunden. Ich bin mir sicher auf dem richtigen Weg zu sein und laufe weiter. Etwas irritiert suche ich trotzdem die Umgebung ab und sehe, dass die Führungsgruppe auf den „Stuimändleweg“ abgebogen ist. Das sorgt später noch etwas für Diskussionen bei Bernie und mir. Wer ist nur den Originalweg gelaufen? Letztendlich egal. Entweder habe ich nicht ganz 200 Meter abgekürzt oder Bernie ist einen ebenso langen Umweg gelaufen. Wir treffen jedenfalls wieder zusammen und ich hänge immer noch etwas zurück.

 
 
 
 

Normalerweise erwarten uns die jetzt die Kühe mit ihrem Glockengeläut, doch heute ist Ruhe. Die Kühe sind wohl schon in ihren Winterquartieren im Tal. Schön ist es trotzdem. Ich nähere mich Kilometer 10 und damit einem herrlichen steinigen Trail in einem Waldgebiet. Das hat mir immer besonders viel Spaß gemacht und ich schließe auf Bernie auf, der mir aber kurz darauf wieder entfleucht. Schon bald wartet der Anstieg zum 1650 Meter hohen Weiherkopf auf mich. Es regnet inzwischen leicht und der Aufstieg ist bereits matschig. Ich hoffe irgendwie die Führungsgruppe oben am Gipfelkreuz zu treffen, doch als ich oben ankomme bin ich alleine. Es regnet nun nicht nur stärker, von leichtem Regen ist eigentlich schon nicht mehr zu reden und der Wind frischt auf. Es ist ungemütlich, so dass ich mich gleich wieder an den Abstieg mache. Heute muss ich besonders vorsichtig laufen. Der Weg ist teilweise schmierig. Von den anderen ist nun leider gar nichts mehr zu sehen. Weder vor noch hinter mir. Unten angekommen geht es nun etwas wellig in Richtung Berghaus Schwaben weiter. Der Regen nimmt weiter zu und ein paar vereinzelte Wanderer kommen mir tief vermummt entgegen.

Der Anstieg zum Berghaus Schwaben hat es noch mal in sich und es wird deutlich kühler. Der Wind nimmt weiter zu und pfeift nun schon etwas unangenehm. Ich spiele kurz mit dem Gedanken mich im Berghaus etwas aufzuwärmen und vielleicht etwas Warmes zu trinken. Doch es sind nur noch vier Kilometer bis Grasgehren. Dort wollten wir alle eine Rast machen und wie beim echten APM etwas essen. Vielleicht warten die Führenden ja auf mich. Ich will keine Zeit vergeuden, denn die Aussicht bei diesem Wetter allein bis nach Sonthofen zurückzulaufen, ist nicht gerade prickelnd. Also weiter. Ich lasse das Berghaus rechts liegen und stelle fest, dass dort reger Betrieb ist. Scheinbar suchen die Wanderer dort Schutz vor dem Regen.

Ein paar hundert Meter nach dem Berghaus beginnt es nun leicht zu schneien. Noch bin ich amüsiert. Schnee beim APM, wann hat`s das schon mal gegeben? Ich mache mir keine großen Gedanken, ob es nun leicht schneit oder regnet ist doch egal. Es geht wieder wellig dahin, eigentlich wartet vor Grasgehren nur noch ein richtig harter Anstieg auf mich. Doch innerhalb weniger Minuten passiert etwas, das keiner von uns vorausgesehen konnte. Der Wind verwandelt sich in einen regelrechten Sturm und Schnee und Graupel peitschen mir schmerzhaft ins Gesicht. Was zur Hölle ist denn nun los? Die Temperatur sinkt deutlich auf Temperaturen im Minusbereich. Das Sturmtief „Brigitte“ ist angekommen. Davor hatte auch der Deutsche Wetterdienst wie folgt gewarnt: Am südlichen Alpenrand warnt der DWD vor Sturm- und schweren Sturmböen, auf exponierten Gipfeln sogar vor extremen Orkanböen. In Tälern können Windgeschwindigkeiten von 80 Kilometern und auf Alpengipfeln Orkanböen bis 130 km auftreten. Diese Meldung kam allerdings erst um 8:14 Uhr, zu einer Zeit, als keiner mehr einen Gedanken daran verschwendete auf eine Wetter-App zu achten.

Ich war jetzt also mittendrin im Sturmtief „Brigitte“ und das mit kurzen Hosen, einem Laufshirt und einer dünnen Jacke. Mütze oder Handschuhe sind sowieso Fehlanzeige. Schon nach wenigen Metern drehte ich den Schirm meines „APM“-Käppis nach vorne, um etwas Schutz vor den schmerzhaften Graupelkörnern zu haben. Die Sicht verschlechterte sich immer mehr. Ich starrte nur noch vor mich auf den Boden, um etwas geschützt zu sein. Manchmal musste ich aber doch den Kopf heben, um den rechten Weg nicht aus den Augen zu verlieren. Dabei traf mich ein Graupelkorn schmerzhaft im rechten Auge, so dass dieses stark tränte und meine Sicht sich zusätzlich verschlechterte. Mir war inzwischen eisig kalt. Wo vorher noch Wege waren, war nun zentimeterhoher Schneematsch und der lief mir durch und in die Schuhe. Meine Füße waren klatschnass und die Zehen eiskalt.

Irgendwann kam mir die Idee mal wieder ein Foto von diesem Wahnsinn zu machen. Doch ich konnte die Kamera kaum noch halten, Geschweige denn bedienen. Auch die Finger waren steifgefroren und hatten eine ungesunde weiße Farbe. Daher steckte ich meine Hände in die Jackentaschen und ballte immer wieder eine Faust, um etwas Wärme in die Finger zu bekommen. Ich spielte mit dem Gedanken zum Berghaus Schwaben umzukehren, da dies etwas näher lag als Grasgehren. Allerdings würde es von dort kein Weiterkommen geben, nach Grasgehren führt immerhin eine Straße. Dass ich den Lauf so schnell wie möglich beenden werde, war für mich klar. Also noch irgendwie bis Grasgehren durchkommen.

Ich schlug mich weiter und kam mehr schlecht als recht voran. Den Schneematschfeldern auszuweichen versuchte ich nun gar nicht mehr. Es hatte eh keinen Sinn mehr, die Socken waren durch, die Füße klamm. Schlimmer konnte es nicht mehr kommen. Irgendwann wurde mir auch am Kopf eiskalt. So ein Käppi ist halt kein wirklicher Schutz, dennoch hielt ich sie immer wieder fest, wenn eine Sturmbö mich erfasste. Ich wollte mein Käppi keinesfalls verlieren. Ich stellte bald fest, dass sie komplett von einer ca. 2 cm dicken Eisschicht überzogen war. Das Eis klopfte ich an meiner Jacke ab und stampfte weiter. Ich musste pinkeln, doch bei diesen Umständen war dies unmöglich, obwohl ich kurz daran dachte, mir einfach über die Finger zu pinkeln, damit diese etwas wärmer werden. Ehrlich, ich habe nur daran gedacht und hab es mir doch verkniffen. Schließlich stand der letzte Anstieg vor mir.

Dieser kostete mich nochmal sämtliche Reserven. Ich hatte keine Lust mehr und wollte nur noch ins Warme. Gut, dass mich niemand hören konnte, als ich oben angekommen auch noch durch Tiefschnee waten musste. Dass ich einmal menschenselenalleine in den Bergen meinen Frust herausschreien würde, hätte selbst nicht einmal ich von mir gedacht. Doch dann war ich oben und es ging bis Grasgehren nur noch begab. Endlich wieder laufen und das auch noch halbwegs windgeschützt. Die Beine waren eiskalt und die Haut kribbelte schmerzhaft. Ich lief trotzdem. Zum einen wollte ich schnell nach Grasgehren, zum anderen hoffte ich wieder etwas warm zu werden.

Und so kam ich auch in Grasgehren an. Auf dem direkten Weg ging ich zur Berghütte Grasgehren und konnte hinter der Glasfront Bernie, Charly, Alex, Severin, sowie Angelika sehen. Auch für sie war der Lauf hier zu Ende. Ich war froh, endlich wieder jemanden zu sehen und dass schon ein Taxi bestellt war, war eine super Nachricht. Eine viertel Stunde später saß ich auch schon auf dem Beifahrersitz des Taxis und unser Fahrer drehte die Temperatur ungefragt auf 23 Grad und schaltete mir die Sitzheizung ein. Auf der Fahrt zurück bestätigte er mir, dass selbst die Einheimischen nicht mit einem derartigen Sturm gerechnet hatten, was mich etwas beruhigte. Ich machte mir aber Sorgen, da ich ja noch nichts vom Verbleib von Jan, Axel O., Andras und Judith, sowie Birgit und Norbert wusste. Auch das Axel B., Andy und Ralf weitergelaufen waren beunruhigte mich etwas.

Schließlich ging aber alles gut. Die drei kamen tatsächlich ins Ziel, auch wenn sie mit den Bedingungen schwer zu kämpfen hatten. Die hintere Truppe war schon beim Berghaus Schwaben bzw. früher ausgestiegen. Alle sind also unbeschadet und gesund wieder in Sonthofen angekommen. Das hat mich sehr erleichtert. Am Abend hatte ich nochmals Kontakt mit Axel Reusch. Er schrieb, dass er vom Tal aus gesehen hat, was sich dort oben zusammenbraut und auch er war froh, dass wir alle unverletzt und gesund wieder zurückgekommen sind. Er konnte sich beim Start ebenfalls nicht vorstellen, was da auf uns zukommen würde.

Am Ende kann ich nun den drei „Wahnsinnigen“ zum Finish zu gratulieren. Für alle Teilnehmer, die Grasgehren erreicht haben, gibt es die Wertung des Hörnerlaufs und natürlich ebenfalls Finisher-Medaillen und von Bernie gestaltete Urkunden.
Für mich wird meine Premiere als Marathon-Organisator jedenfalls stets in Erinnerung bleiben. Das hatte ich mir alles etwas anders vorgestellt. Jedoch habe ich zu keiner Sekunde mit der Entscheidung in Grasgehren aufzuhören gehadert. Dieser Lauf war einzigartig, wenn auch zeitweise grenzwertig. Zum Schluss will ich mich vor allem nochmal bei Axel Reusch für die Unterstützung und die Medaillen bedanken. Dass Du beim Start und auf den ersten Kilometern dabei warst, hat mich riesig gefreut. Mein weiterer Dank gilt natürlich Bernie, der mich bei der Planung unterstützt hat, sowie die Ausschreibung, die Erstellung der Streckenpläne und der Urkunden übernommen hat. Aber auch Jessi gilt mein Dank, die die Bänder genäht hat, was wohl aufgrund des Materials gar nicht so einfach war.

Vielleicht versuche ich mich ja mal wieder als Organisator. Spaß hat es jedenfalls gemacht, auch wenn ich – wie ich hören musste – am Wetter noch etwas feilen muss. Ich werde es versuchen. Versprochen!

 
   
 
Charly
Bernie
Greppi
Jan
3:09:39 Hörnerlauf
3:09:39
Hörnerlauf
3:25:19
Hörnerlauf
DNF
 
   
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