8.10.2017 München Marathon  
Autor: Andreas Greppmeir Bericht mit allen Bildern auf
       
 
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Im Laufe eines Läuferlebens ändern sich, wie auch im normalen Leben, die Interessen von Zeit zu Zeit. Bei mir ist und war das genauso. Anfangs waren es die großen Marathons in diversen Hauptstädten Europas, die ich laufen wollte. Inzwischen habe ich meine Erfüllung in Landschaftsmarathons gefunden. Dennoch stand für mich schon Anfang des Jahres fest, dass ich in diesem Jahr erneut am München Marathon teilnehmen werde. Vor zehn Jahren, also im Oktober 2008 stand ich hier zum ersten Mal an der Startlinie eines Marathons und konnte diesen auch ins Ziel bringen. So wollte ich dieses Jubiläum auch mit dem München Marathon begehen bzw. belaufen.

Es wird meine vierte Teilnahme in München und im Laufe der Jahre haben sich diverse Details des München Marathons auch geändert. So erwarten mich auch in diesem Jahr Neuerungen, die es wohl auch schon im vergangenen Jahr gab. Die Startunterlagen kann ich nun in der Olympiahalle abholen, schon das ist neu für mich, obwohl ich die Olympiahalle aufgrund zahlreicher Konzerte, die ich dort schon besucht habe, gut kenne. Da ich dank der kurzen Anreise erst am Sonntagvormittag nach München fahre, versäume ich nicht nur den Trachtenlauf, der seit Jahren schon immer am Samstag stattfindet, sondern auch die Marathonmesse. Am Sonntag sind die Stände in der Olympiahalle bereits abgebaut und es gibt nur noch die Möglichkeit der Abholung der Startunterlagen bzw. der Nachmeldung.

Ab acht Uhr ist die Olympiahalle geöffnet und bereits eine viertel Stunde zuvor bilden sich Schlangen vor dem Eingang. Pünktlich öffnet sich eine Tür und doch zieht es sich etwas, bis auch mir der Zutritt gewährt wird. Das ist nicht gerade angenehm, da es mit rund acht Grad lausig kalt ist und ein unangenehmer Wind um die Halle streicht. Wie ich schließlich erkennen kann, verdanken wir den zähen Einlass der aktuellen politischen Lage. Ohne Taschenkontrolle und einer gültigen Anmeldebestätigung gibt es keinen Zutritt in die Olympiahalle. Begleitpersonen müssen heute leider draußen bleiben. Ob diese Maßnahmen sinnvoll sind oder nicht, darüber will ich erst gar nicht lamentieren, aber in der heutigen Zeit muss man sich bei Großveranstaltungen wohl an derartige Maßnahmen und damit verbundene Wartezeiten gewöhnen. Die Abholung der Startunterlagen ist, sobald man erst man in der Halle ist, aber rasch erledigt.

Um neun Uhr habe ich mit einigen Lauffreunden im Olympiastadion verabredet. Auch hier wird der Zutritt wieder nur mit der gültigen Startnummer gewährt. Wartezeiten bleiben jedoch diesmal aus und ich bin pünktlich am Treffpunkt. Die Zeit ist mit meinen Freunden äußerst kurzweilig, obwohl wir alle ziemlich frieren und so ist auch die Wahl der richtigen Laufkleidung das Diskussionsthema Nummer Eins. Als wir einige Erinnerungsfotos im Kasten hatten, begaben wir uns gemeinsam zum Coubertinplatz, wo um zehn Uhr der Start erfolgen sollte. Auch das war für mich neu, ich kannte noch den Start auf der breiten Ackermannstraße außerhalb des Olympiageländes. Der Coubertinplatz befindet sich zwischen Olympiahalle und -stadion, womit nicht nur die Wege sehr kurz waren. Unter der berühmten Dachkonstruktion des Olympiastadions hat man nicht nur etwas Schutz vor dem kalten Wind, es hat auch ein besonderes Flair und ich finde diese Neuerung jetzt schon gelungen.

Pünktlich um zehn Uhr erfolgt der lautstarke Startschuss durch eine Münchner Böllergruppe und die erste Startwelle mit den schnellen Läufern, die eine anvisierte Zeit von unter 3:15 Stunden geplant haben, geht auf die Reise. Insgesamt wird in fünf Wellen gestartet, ich selbst habe mich am Ende des dritten Startblocks einsortiert und fühle mich dort gut aufgehoben. Pacemaker sind ebenfalls reichlich vertreten. Für die Zeiten zwischen drei und fünf Stunden wird im Viertelstundentakt jeweils ein Pacemaker für eine pünktliche Zielankunft sorgen.

Mit zehn Minuten Verspätung auf das Spitzenfeld nehme ich meinen persönlichen Jubiläumslauf dann auch unter die Füße. Insgesamt sind rund 5.500 Marathonis gemeldet, die noch von etwa 750 Staffeln verstärkt werden. Somit ist es gerade beim Start im dritten und vierten Startblock voll auf der Strecke, dennoch lässt es sich schon von Beginn an erstaunlich gut laufen. Wir verlassen nach gut einem Kilometer den Olympiapark und finden uns auf der Ackermannstraße wieder, wo bis vor kurzem ja noch der Marathon gestartet wurde und ich befinde mich wieder auf gewohntem Terrain. Von der Ackermannstraße biegen wir nach zwei Kilometern in die Elisabethstraße ein und schließlich in Ludwigstraße. Diese wartet eigentlich mit mehreren Sehenswürdigkeiten auf, doch wir müssen uns gedulden. Noch vor dem Siegestor wird nämlich gewendet und es geht wieder zurück in Richtung Schwabing. Durch ein Viertel mit noblen Villen nähern wir uns dem Englischen Garten.

Für mich als begeisterten Landschaftsläufer sind die kommenden sieben Kilometer natürlich sehr willkommen. Von Kilometer Acht bis Fünfzehn kann ich hier die Ruhe und die gute Luft von Münchens „Grüner Lunge“ genießen. Der Englische Garten ist mit 375 Hektar eine der größten innerstädtischen Parkanlagen der Welt und auch bei Touristen äußerst beliebt. Der Chinesische Turm und der Monopteros zählen hier zu den beliebtesten Attraktionen. Diese bekommen wir heute nicht zu Gesicht, wir befinden uns nämlich im nördlichen Teil des Englischen Gartens, der sogenannten Hirschau. Diese Bezeichnung führt auf den früheren Wildreichtum in den Isarauen zurück. Bei Kilometer 10 erreichen wir eine der zahlreichen Verpflegungsstellen auf der Strecke. Sie wird, wie jedes Jahr durch einen Passauer Sportverein betrieben. Mit einem humorigen Ortsschild verabschieden sich die Passauer von den Läufern und verweisen auf die verbleibenden 31,7 Kilometer.

Am Ende des Englischen Gartens geht es über die Isar in den Münchner Stadtteil Bogenhausen. Etwas trist ist hier die Strecke, wirkliche Highlights werden dem Auge nicht geboten. Das ändert sich auch nicht als wir Haidhausen durchlaufen. Bis Kilometer 28 muss sich der Teilnehmer des München Marathons dann schon gedulden bis es ordentlich was zu schauen gibt. Mir sticht unmittelbar gegenüber dem Deutschen Museum das Müllersche Volksbad ins Auge. Das Hallenbad im neubarocken Jugendstilbau wird von den Stadtwerken München betrieben und war bei seiner Fertigstellung im Jahre 1901 das größte und teuerste Schwimmbad der Welt und Münchens erstes öffentliches Hallenbad. Ich gehe mal davon aus, dass das Deutsche Museum jedem bekannt ist bzw. dass es in diversen Laufberichten schon ausführlich genug beschrieben wurde. In Bayern kommt wohl kein Schüler mit seiner Schulklasse um einen Besuch des Technikmuseums herum. Für mich ist dieser Streckenabschnitt auf alle Fälle der Opener für die Sightseeingtour durch München. Obwohl ich schon fast dreißig Kilometer in den Beinen habe, fühle ich mich heute richtig gut und habe keinerlei Bedenken die Münchner Altstadt im Laufschritt bewundern zu können.

 
 
Im Angerviertel nähern wir uns dem Sendlinger Tor, dem südlichen Stadttor der Münchner Altstadt. Leider dürfen wir es nicht durchlaufen, denn wir biegen kurz davor in die Sendlinger Straße ab und durchqueren nun das Hackenviertel in Richtung Marienplatz. Doch zuvor genieße ich erst Mal die Sendlinger Straße. Optisches Highlight sind hier das Asamhaus, sowie die Asamkirche. Sie wurden in der Zeit von 1733 bis 1746 durch die Brüder Egid und Cosmas Asam, den beiden bekanntesten Vertretern des süddeutschen Barocks erbaut. Neben den beiden Gebäuden der Gebrüder Asam findet man in der Sendlinger Straße noch weitere 22 weitere Baudenkmäler. In der Nachkriegszeit hatte sich hier das Münchner Rotlichtviertel angesiedelt. Doch diese Zeiten gehören längst der Vergangenheit an. Heute findet man im Bereich zwischen Sendlinger Tor und Rathausplatz zahlreiche Restaurants und Cafès, sowie unzählige Geschäfte.

Vor mir kann ich nun auch schon deutlich die Fassade des Neuen Münchner Rathauses erkennen. Der Marienplatz liegt vor uns. Alljährlich feuern hier tausende Zuschauer die Marathonis an. Dank des kühlen Wetters dürften es heuer jedoch nur ein paar hundert gewesen sein, die sich das Spektakel nicht entgehen lassen wollten. Meiner Begeisterung für München kann das im Moment jedoch nichts anhaben. Das Neue Rathaus, das zwischen 1867 und 1909 durch Georg von Hauberrisser im neugotischen Stil erbaut wurde, erfreut meine Augen. Es ist heute Sitz des Oberbürgermeisters, sowie des Stadtrates und zudem Hauptsitz der Stadtverwaltung.

Etwa auf Höhe des Rathausdaches befindet sich zudem eines der größten Glockenspiele Deutschlands und ist seit Jahrzehnten ein Touristenmagnet in München. Bei dem Glockenspiel werden zwei Ereignisse aus der Münchner Stadtgeschichte dargestellt. Einerseits die Hochzeit von Herzog Wilhelm V. mit Renate von Lothringen aus dem Jahre 1568, anlässlich der ein Ritterturnier auf dem Marienplatz stattfand. Bei dem Wettkampf triumphierte der bayerische Ritter über seinen lothringischen Gegner. 16 Figuren beleben diese Szene. In der darunterliegenden Etage tanzen die Schäffler. Die Fassmacher wagten sich nach einer schweren Pestepidemie als Erste wieder auf die Straßen und erheiterten die Münchner Bevölkerung mit ihrem Tanz. Der Tanz der Münchner Schäffler findet seitdem alle sieben Jahre statt. Das Glockenspiel, das von 43 Glocken akustisch unterstützt wird, kann man täglich um 11 und 12 Uhr bewundern, in den Sommermonaten zusätzlich nochmal um 17 Uhr.

Das Alte Rathaus, das den Marienplatz nach Osten hin abschließt, können wir heute ebenfalls bewundern. Es war bis 1874 Sitz des Münchner Magistrats und dient heute als Repräsentationsgebäude für die Münchner Stadtverwaltung. Der Rathausplatz ist leider viel zu schnell durchlaufen und wir biegen am Ende des Neuen Rathause nach links ab und nähern uns nun dem Odeonsplatz. Wer auf der Rückseite des Rathauses noch einen Blick nach links riskiert, wird die beiden Türme der Frauenkirche, einem weiteren Wahrzeichen der Stadt München erkennen.

Nur ein paar hundert Meter weiter, wir haben inzwischen Kilometer 32 erreicht, sind wir am Odeonsplatz. Wir lassen die Feldherrnhalle links liegen und haben nun einen wunderbaren Blick auf die Theatinerkirche, die erste im italienischen Spätbarrock erbaute Kirche nördlich der Alpen. Vorbei am Odeon und Palais Leuchtenberg nähern wir uns dem Königsplatz. Erst mal geht es nach links weg in die Maxvorstadt, wo wir eine weitere Schleife laufen. Teilweise haben wir hier Gegenverkehr und ich suche das vor mir liegende Feld nach bekannten Gesichtern ab. Doch leider kann ich nur Andrea Löw ausmachen, die mir freudig zuwinkt. Sie läuft heute mit schwerem Gepäck, um sich auf einen Etappenlauf in naher Zukunft vorzubereiten. Die Schleife haben wir bei Kilometer 36 schließlich hinter uns gebracht und wir nähern uns erneut dem Königsplatz.

Vor mir liegt nun das Propyläen an der Westseite des Königsplatzes. Es wurde von Leo von Klenze im Auftrag König Ludwig I. in Form eines Tempeleingangs errichtet. Rechterhand erkenne ich die Glyptothek, das Ludwig I. als Museum für die Sammlung antiker Skulpturen in den Jahren 1816 bis 1830 errichten ließ. Linkerhand säumt die staatliche Antikensammlung den Odeonsplatz, der in den Sommermonaten auch Schauplatz großartiger Konzerte ist und eine herrliche Kulisse abgibt. Vor ein paar Monaten durfte ich mich hier selbst bei einem Konzert von Aerosmith von der besonderen Atmosphäre überzeugen. Wir umrunden nun das Propyläen und lassen damit einen weiteren Höhepunkt des München Marathons hinter uns.

Vorbei am Lenbachhaus finden wir uns bald bei Kilometer 37 wieder und zurück auf der Ludwigstraße, einer der bedeutendsten Prachtstraßen Münchens. Die Bayerische Staatsbibliothek und die Pfarrkirche St. Ludwig prägen hier das Straßenbild. Vor rund 32 Kilometern hatte ich das Siegestor am Ende der Ludwigstraße ja schon mal sehen dürfen, doch nun dürfen wir es auch endlich umlaufen. Wieder einmal gab Ludwig I. den Auftrag für den Triumphbogen. Nach dem Vorbild des Konstantinbogens in Rom wollte er es fertigstellen lassen, musste die endgültige Fertigstellung jedoch seinem Sohn König Maximilian II. überlassen, da er zuvor abgedankt hatte. Im zweiten Weltkrieg wurde das Siegestor schwer beschädigt und 1958 wiederaufgebaut. Seitdem trägt es auf der Rückseite den Schriftzug: Dem Sieg geweiht, vom Krieg zerstört, zum Frieden mahnend.

Nun liegen nahezu alle Höhepunkte des München Marathons hinter mir. Jetzt wartet eigentlich nur noch ein Highlight auf mich und das ist natürlich auch nicht ohne. Der Einlauf durch das Marathontor in das altehrwürdige Olympiastadion. Doch noch muss ich mich rund vier Kilometer gedulden und es ist Zeit mal wieder in den Körper zu hören. Doch es gab keinerlei Warnsignale und ich nehme erleichtert zur Kenntnis, dass ich den München Marathon wohl erstmals ohne Probleme zu Ende bringen würde. Vor mir konnte ich auch schon den Olympiaturm ausmachen, der mich nahezu magisch anzog. Ich erhöhte mein Tempo und näherte mich zügig dem Finale. So konnte ich noch einige Plätze gutmachen, bevor ich wieder in den Olympiapark einbog.

Dann hatte ich das Marathontor vor mir. Bei den Olympischen Spielen 1972 hatte es der Amerikaner Frank Shorter als erster durchquert und wurde mit 2:12:19 Stunden Olympiasieger. 74 Athleten aus 39 Nationen hatten am Marathonlauf der Männer teilgenommen. Unter den drei deutschen Teilnehmern befand sich auch ein gewissen Manfred Steffny, der wohl allen Marathonis bekannt sein dürfte. Er beendete das Rennen nach 2:24:25 Stunden auf Platz 31. Ich bin heute nicht einmal doppelt so lange wie Manfred Steffny unterwegs und mit meinem Ergebnis zufrieden. So kann ich nicht nur den tollen Einlauf ins Olympiastadion genießen, sondern auch noch die letzten dreihundert Meter auf der Tartanbahn. Im Ziel kann ich schließlich meine Medaille, von der Weltstadt mit Herz, entgegennehmen. Ich warte noch kurz auf Jürgen und Swati, die auf dem letzten Kilometer noch überholen konnte und freue mich mit ihnen gemeinsam über einen tollen Jubiläumslauf.

Ein allerletzter Höhepunkt blieb diesmal leider den kühlen Temperaturen geschuldet: In der Sonne auf dem Rasen des Olympiastadions liegen, die Atmosphäre genießen und mit Lauffreunden noch ein paar Erlebnisse austauschen. Es war wirklich kalt und so suchten leider alle relativ schnell das Weite. Dennoch blicke ich heute auf einen wirklich tollen München Marathon zurück. Auch wenn die erste Hälfte nicht sonderlich attraktiv ist, so macht die zweite Hälfte doch alles wieder wett. Die Verpflegung unterwegs war vorbildlich, angesichts der kühlen Temperaturen, war sogar ein gewisses Überangebot vorhanden. Eigentlich frage ich mich momentan nur eines: Warum bin ich den München Marathon in 10 Jahren eigentlich nur viermal gelaufen, obwohl er eigentlich vor meiner Haustüre liegt? Ich gelobe Besserung.
 
   
 
Greppi
Magic


4:38:15
1:56:33
(HM)


 
 
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