28.5.2017 Donautal-Marathon Tuttlingen  
Autor: Andreas Greppmeir    
     
 
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Wer kennt ihn nicht? Rudi Carrells Hit aus dem Jahre 1975? Und wohl nahezu jeder kann den Refrain mitsingen: Wann wird's mal wieder richtig Sommer? Ein Sommer wie er früher einmal war. Mit Sonne von Juni bis September… Nach den vergangenen Wochen könnte sich vielleicht so manch einer an dieses Lied erinnert haben. Nun ist er da, der Sommer und das nicht erst im Juni, sondern mit einem leichten Frühstart Ende Mai. Und ausgerechnet an diesem Wochenende mit Rekordtemperaturen von über dreißig Grad steht bei mir der Donautal-Marathon in Tuttlingen im diesjährigen Laufkalender. Hätte der Sommer nicht noch bis Juni warten können? Egal, was soll's. Zusammen mit Charly mache ich mich am Samstag auf den Weg ins baden-württembergische Tuttlingen.

Unser Hotel für diese Nacht heißt „Charly's House“. Besser hätten wir es wohl nicht treffen können. Zudem ist es nicht mal zehn Gehminuten vom Veranstaltungsgelände entfernt. Unsere Startunterlagen erhalten wir am Samstag leider nicht mehr. Wir sind etwas zu spät dran. Kürzere Staus, Umleitungen und ein Navi, das nicht gerade Up-to-Date ist, versalzen uns die geplante Ankunftszeit. Immerhin werden wir unsere mitgebrachten Flyer los und man verspricht, diese am nächsten Tag auszulegen.

Auf der Suche nach einem Lokal, in dem wir uns für den Marathon stärken können, empfiehlt uns eine, beim gerade stattfinden 10-Kilometerlauf eingesetzte Rot-Kreuzlerin einen Iren, der direkt neben „Charly's House“ zu finden ist. Auf der Terrasse mit Blick auf die Donau ist zwar kein Platz mehr zu ergattern, aber dennoch lassen wir uns einen typisch irischen Burger mit Kartoffeln schmecken, bevor wir uns zur Nachtruhe begeben.
Nachtruhe? Nicht wirklich! Das Zimmer hat sich gut aufgeheizt und wir versuchen bei offenem Fenster zu schlafen. Doch auch draußen hat es nicht wirklich abgekühlt und so wälzen Charly und ich uns gefühlt die ganze Nacht von einer Seite zu anderen.

Völlig gerädert sitzen wir dann um sechs Uhr morgens beim Frühstück, viel will nicht wirklich rein. Wenigstens zwei Tassen Kaffee sollen mir helfen etwas wach zu werden. Der Start ist um acht Uhr, es ist noch etwas Zeit. Schließlich machen wir uns auf den Weg zur Mühlau-Sporthalle, wo eine große Bühne, sowie ein Biergarten und eine kleine Messe aufgebaut sind. Es ist noch sehr übersichtlich, da nur etwa 100 Starter für den Marathon gemeldet sind. Der ebenfalls stattfindende Halbmarathon startet erst zweieinhalb Stunden später. Somit müssen wir uns auch nicht anstehen, um unsere Startnummer rechtzeitig zu bekommen. Noch während wir unsere letzten Vorbereitungen treffen, taucht auch schon das erste bekannte Gesicht auf. Axel Ott begrüßt uns wie immer äußerst herzlich und bei mir kommt endlich so etwas wie gute Laune auf. Als dann auch noch Kati Schramm, Daniel Steiner und Judith Baumann dazukommen ist sie endlich da: Die Vorfreude auf den Marathon.

So stehe ich also um kurz vor acht am Start, wo von Helfern Luftballons verteilt werden, die wir gemeinsam mit dem Startschuss in den strahlend blauen Himmel entlassen werden. Ich schaue meinem Luftballon noch kurz hinterher und gebe ihm einen Gruß an Julia Viellehner mit auf den Weg, die vor rund einer Woche den schweren Verletzungen nach ihrem tragischen Trainingsunfall mit einem Lkw erlegen ist. Danach versuche ich mich wieder auf den vor mir liegenden Marathon zu konzentrieren. Mit etwa zehn Minuten Verspätung geht es dann endlich los. Die Strecke ist nahezu flach und beschreibt eine „Acht“, wobei jeder Kreis mit etwas über zehn Kilometern nahezu gleich lang ist. Diese Strecke ist somit natürlich zweimal zu absolvieren.

Wir laufen zunächst vom Festplatz in westlicher Richtung und durchqueren eine Parkanlage, wo sich doch schon einige Zuschauer eingefunden haben. Mein Wohlfühltempo habe ich schnell gefunden, da sich das Feld schnell auseinanderzieht und man somit nicht Gefahr läuft mitgezogen zu werden. Schon nach knapp über zwei Kilometern ist die erste Verpflegungsstation erreicht. Das ist angesichts der zu erwartenden Temperaturen wirklich Klasse gemacht. Mehr als drei bis vier Kilometer sind es zwischen den Stationen eigentlich nie und jeder sollte somit die Möglichkeit haben sich ausreichend zu versorgen.

Immer wieder haben wir herrliche Blicke auf das „Obere Donautal“ und den noch jungen Fluss. Kaum zu glauben, dass das neben uns die Donau sein soll. Stellenweise ist sie kaum breiter als die Paar. Doch bekanntermaßen nehmen ihre Ausmaße auf ihrer 2857 Kilometer langen Reise durch zehn Länder noch deutlich zu. Der Ursprung der Donau liegt nicht allzu weit von uns entfernt. Schon nach der zweiten Verpflegungsstation laufe ich auf Axel Ott auf und wir entscheiden uns gemeinsam weiterzulaufen. Die Sonne hat jetzt nämlich schon ordentlich Power und Schatten ist auf dem größten Teil der Strecke Fehlanzeige. Der Gedanke, sich später einsam durch die Hitze schleppen zu müssen, schien uns beiden nicht allzu erstrebenswert. Gemeinsam leidet es sich leichter.

Die Landschaft hier ist schön, tatsächliche Highlights gibt es jedoch nicht wirklich, so dass wir uns die Zeit mit unseren Marathongeschichten und vor allem mit gemeinsamen Erinnerungen vertreiben. Kurz vor Kilometer 7 musste ich dann doch schmunzeln. Laut Veranstalter begaben wir uns nun auf einen in Deutschland einzigartigen Streckenabschnitt. Es galt einen extra für den Marathon aufgebauten „Schwimm-Steg“ über die Donau zu überqueren. Etwas wackelig, aber doch sicher kamen Axel und ich auf der anderen Seite an und fragten uns, wie das wohl auf der zweiten Runde werden würde, wenn nicht nur der Steg, sondern auch die Beine etwas wackelig sind. Nach zwei weiteren Kilometern erreichten wir schließlich wieder Tuttlingen. An den Straßen standen kleinere Grüppchen von Zuschauern, die uns alles Gute für den Lauf wünschten. Etwa bei Kilometer 10 sah ich am Straßenrand, wie schon am Tag zuvor ein Rot-Kreuz-Fahrzeug parken. Ich bremste kurz ein und bedankte mich bei den beiden Helfern für den Tipp mit dem Iren, was sie sichtlich freute.

Kurz darauf durchquerte ich auch noch die Terrasse des Iren, der jedoch noch geschlossen hatte. Dafür unterhielt uns eine kleine Kapelle mit Blasmusik. Nun lag die zweite Hälfte der Acht vor uns und ich war schon gespannt, was uns dort erwarten würde. Die erste Hälfte hat mir jedenfalls schon mal gut gefallen und das machte Laune auf mehr. Nach einer Fußgängerunterführung am Bahnhof ging es nun erstmal durch ein weniger beschauliches Industriegebiet, das wir aber schnell hinter uns gelassen hatten. Der Rest der Runde ist schnell beschrieben. Auf Feld- und Geh- bzw. Fahrradwegen liefen wir durch die Landschaft des Oberen Donautals. Ab und zu wünschte ich mir, wir würden in die angrenzenden Wälder abbiegen und etwas Schatten genießen können.

Doch auch diese Runde verlief problemlos und ich fühlte mich gut, auch wenn die Beine schon etwas schwer wurden. Kurz bevor wir den Festplatz wieder erreicht hatten, hatte ich mein Tempo wohl angezogen, denn Axel musste abreißen lassen. Ich nahm mir vor, nach dem Überqueren der Matte im Zielbereich wieder etwas Tempo herauszunehmen, damit Axel wieder auflaufen kann. Doch als ich auf den Zielbogen zulief, musste ich feststellen, dass gerade die Halbmarathonis auf ihren Start warteten und der gesamte Durchlaufbereich mit Läufern gefüllt war. Ich machte mir schon Sorgen, dass ich mich nun durchzwängen muss, stellte aber gleich erleichtert fest, dass linkerhand eine Gasse für uns Marathonis freigehalten wurde. So lief ich am gesamten Starterfeld des Halbmarathons vorbei und es war schon fasst Balsam auf der Läuferseele, als mir ein Großteil der rund 400 Teilnehmer applaudierte.

 
Als ich das Feld passiert hatte, hörte ich die Ankündigung des Sprechers, dass es noch zwei Minuten bis zum Start des Halbmarathons sind und schon plagten mich die nächsten Sorgen. Wo soll ich auf dem schmalen Fußweg nur hin, damit mich das Feld nicht überrollt. Der Großteil dürfte sicherlich wesentlich schneller unterwegs sein als ich. So zog ich mein Tempo noch ein bisschen an und hoffte, dass sich das später nicht rächen wird. Doch nach nicht mal einem Kilometer kamen von hinten schon die „Führungsradler“ und ich wich in den Grünstreifen aus. Doch auch das würde eng werden, war doch der ganze Tross noch eng zusammen und sie nützten natürlich jeden Meter. So blieb ich einfach kurz stehen, zückte meine Kamera und schoss ein paar Fotos des Halbmarathonfeldes.

Als die größte Menge an mir vorbei war, reihte ich mich wieder mit ein und lief im hinteren Feld mit. Nun fiel mir auf, dass ich Axel verloren hatte, wollte jedoch unbedingt auf ihn warten und joggte gemütlich vor mich hin, damit er mit einholen kann. Da ich Axel hinter mir jedoch nicht ausmachen konnte, entschloss ich einfach ein paar Meter zu gehen, dann würde er sicherlich bald kommen. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt etwa drei Kilometer auf der zweiten Runde absolviert. Dann musste ich tatsächlich lachen: Ein Halbmarathoni aus dem hinteren Feld klopfte mir aufmunternd auf die Schulter und forderte mich auf: „Komm lauf mit uns, gemeinsam schaffen wir das!“ – Er hielt mich wohl für einen dieser untrainierten Läufer, die schon nach drei Kilometern die erste Gehpause einlegen müssen. Ich lehnte dankend ab und konnte endlich Axel entdecken. Gemeinsam machten wir uns nun wieder auf den Weg.

Die weiteren Kilometer bis zum Ende der kleinen Runde verliefen reibungslos und Axel und ich kamen gut voran. Doch die Hitze setzte uns immer mehr zu. Wo es in den frühen Morgenstunden noch etwas Schatten gab, war davon nun Fehlanzeige. Die Sonne hatte schon fast den Zenit erreicht und heizte uns mächtig ein. Als wir das Industriegebiet hinter uns gelassen hatten, war Axel schon merklich am Ende und forderte mich auf alleine weiterzulaufen. Er käme zurecht, erkundigte sich jedoch nochmal nach der verbleibenden Zeit. Ich konnte ihn beruhigen. Es war noch genügend Zeit bis zum Zielschluss über, aber so recht wollte mir der Gedanke Axel alleine zu lassen doch nicht gefallen. Auch wollte ich den Rest bei dieser Hitze nicht alleine hinter mich bringen. So lief ich ihm dennoch erst einmal ein paar Meter davon, mit dem Hintergedanken, bei der nächsten Verpflegungsstation wieder auf Axel zu warten.

Die kommenden drei Kilometer bleiben für mich sicher unvergessen. Ich war nun tatsächlich alleine unterwegs. Axel immer ein paar hundert Meter hinter mir. Und die Hitze setzte nun auch mir merklich zu. Als ich so vor mich hin trabte, entdeckte ich auf dem Fußweg eine ausgetrocknete Ringelnatter. Sie war kaum 15 Zentimeter lang und hatte wohl ihren ersten alleinigen Ausflug nicht überlebt. Irgendwie war es ein groteskes Bild und passte gerade zu meinem Befinden. Wenig später umkreisten mich immer wieder Fliegen und ich war nicht einmal mehr schnell genug, als dass sie sich nicht auf mich hätten niederlassen können. Ich versuchte sie zu verscheuchen, doch diese Biester konnten mein Tempo locker mitfliegen und gingen mir mit ihrem Gesurre gehörig auf die Nerven.

Ich war mental nun gehörig am Boden und musste mich zwingend etwas aufmuntern. Da kam mir ein Sanitäter, der im Schatten eines Baumes am Rand des Fußwegs saß gerade recht. „Bist Du vielleicht einer dieser Geier, hier im Tal des Todes?“, fragte ich ihn und versuchte meine Frage komisch klingen zu lassen. Er verstand mich wohl und bot mir Wasser aus seinem privaten Proviant an. Ich gönnte mir einen Schluck und lief weiter. Verdammt, war dieser Weg auf der ersten Runde auch schon so lang? Ich konnte es nicht glauben und ich kämpfte mich weiter. Über mir vernahm ich nun das Rufen eines Greifvogels. Na prima, da ist er, der Aasgeier, doch so weit bin ich noch lange nicht! Ich schaute kurz nach oben und war beruhigt. Kein Geier, es war ein Rotmilan der eigentlich nicht über, sondern neben mir kreiste und der ernährt sich ja nur von kleinen Säugetieren und Vögeln. Ich passe also nicht in sein Beuteschema.

Gefühlt Stunden später hatte ich doch das Ende des Fußweges erreicht und vor mir lag die nächste Verpflegungsstation. Ich griff mir mehrere Becher, die meisten davon nutzte ich um mich abzukühlen. Ich nahm nur wenige kleine Schlucke zu mir, da meine Magen bereits merklich rebellierte. Axel kam nun auch wieder etwas näher und ich drosselte mein Tempo, wenn man es denn noch als solches bezeichnen konnte, bis er wieder aufgeschlossen hatte. Nur noch fünf Kilometer und wir hatten es geschafft. Wir schenkten uns noch ein paar aufmunternde Worte und trennten uns dann doch wieder, da wir kein gemeinsames Tempo mehr finden konnten.

Die Aussicht auf nur noch fünf verbleibende Kilometer gab mir wieder etwas Auftrieb, zudem begleitete mich noch kurz eine junge Dame, die ihren ersten Halbmarathon bestritt und somit erreichte ich tatsächlich Tuttlingen. Nun waren es nur noch zwei Kilometer durch die Stadt. Der Gedanke an den baldigen Zieleinlauf verlieh mir plötzlich Flügel. Ich zog das Tempo nun gehörig an und hatte endlich wieder den Eindruck richtig zu laufen. Das fühlte sich auch richtig gut an und ich flog förmlich auf die Zielgerade. Im Gras neben der Stecke konnte ich Charly liegen sehen, der das Ziel rund eine halbe Stunde vor mir erreicht hatte und beim Überqueren der Ziellinie vernahm ich lautstarkes Jubeln und „Greppi“-Rufe. Kati, Judith und Daniel hatten extra auf mich gewartet. Wow, ich hatte diese Hitzeschlacht tatsächlich überstanden. Ich war im Ziel nach einem Marathon noch nie so fertig, wie an diesem Tag. Doch schon nach wenigen Minuten waren die Strapazen vergessen und ich freute mich über dieses Finish. Es war mit Sicherheit kein alltäglicher Lauf. Axel kam rund fünf Minuten nach mir ins Ziel und war ebenfalls überglücklich, diesen Hitzemarathon überstanden zu haben.

Wenig später fand auch schon die Siegerehrung statt. Kati wusste bereits, dass sie in ihrer Altersklasse auf's Treppchen darf und so begaben wir uns gemeinsam dorthin. Doch noch bevor Kati auf die Bühne gerufen wurde, war erst mal Axel dran. Er war zweiter in seiner Altersklasse und er freute sich riesig. O.k. Es waren nur zwei, aber vor ihm lag ja kein geringerer als unser Charly. Der hätte die Siegerehrung fast in der Wiese verpennt und kam gerade noch rechtzeitig. Auch Judith durfte auf's Treppchen und somit blieben eigentlich nur Daniel und ich ohne Preise, was wir jedoch problemlos verschmerzen konnten.

Danach gönnte ich mir mit Charly noch ein erfrischendes Bad im „TuWass“, Tuttlingens Freizeit- und Thermalbad. Dort hatten wir dank unserer Startnummer freien Einlass und konnten uns im Sprudelbad die geschundenen Gliedmaßen „massieren“ lassen. Danach waren die Anstrengungen nahezu völlig vergessen und wir machten uns auf die rund dreistündige Heimreise. Rückblickend muss ich sagen, dass der Lauf eigentlich gar nicht so übel ist. Die Hitze und der fehlende Schatten machten diesen Lauf für mich zu einer wahren Strapaze. Bei angenehmen Lauftemperaturen hätte ich mich für den Donautal-Marathon vermutlich begeistern können. So bleibt er mir ab wohl als einer der härtesten unter den bisher absolvierten flachen Marathons in Erinnerung.
   
 
Charly
Greppi

4:43:38
5:17:52


 
     
 
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