8.4.2017 Ultraschnecken's Plain Vanilla 5.0  
Autor: Bernie Manhard    
     
     
 
ber17
 

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50-50-50 könnte die Kurzform für den UPV 5.0 lauten. Etwas präziser formuliert: Zum 5. Ultraschnecken’s Plain Vanilla über 50 Kilometer um und über die Limburg dürfen 50 Freaks der Ultralauffamilie teilnehmen um den 50. Geburtstag unser lieben Ultraschnecke Conny, seinesgleichen auch Veranstalterin des UPV, zu feiern. Ja und auch wenn wir hier fast bei einer privaten Geburtstagsfeier sind, so hat alles seine liebe Ordnung. Es gibt eine Zeitmessung und der Lauf ist ordnungsgemäß bei der DUV als Ultralauf gemeldet und findet in jeder Statistik ohne Vorbehalte seinen Platz.

Die sinnbildliche Übersetzung für „Plain Vanilla“ lautet ja eigentlich „Nichts besonders“. Bei dem was Conny und Jörg heute wieder aufbieten, ist das eine glatte Untertreibung. Alleine das Büfett, vor, während und nach dem Lauf ist fast unschlagbar und das wäre es auch wenn wir nicht noch als Draufgabe heute Ehrengäste von Connys Festtag wären. Soviel weiß eigentlich jeder, der schon bei einem der vier bereits stattgefundenen UPVs am Start war. Zur Premiere 2014 haben wir schon einmal ein Jubiläum mit der Silberhochzeit der beiden gefeiert, heute also den „Runden“ von Conny.

Unser Veranstaltungsmittelpunkt liegt im Vorland der mittleren Schwäbischen Alb am südlichen Stadtrand von Weilheim an der Teck in einer Kelter, wo in den Herbstmonaten Weintrauben gepresst werden. Wir sind nur wenige Kilometer von der A8 entfernt, zum Stuttgarter Flughafen sind es noch etwa 30 km. Also optimal und einfach zu erreichen. Zu Beginn der Osterferien ist auf der Autobahn viel los, mein Glück ist aber dass alle in den Süden streben, von wo ich herkomme, so komme ich ohne Stau und Stress in Weilheim an. Bei dem heutigen Wetter könnte man sich die Fahrt in den Süden aber eh sparen, wir haben wolkenlosen blauen Himmel und die Temperaturen werden im Laufe des Tages auf 20 Grad steigen.

In etwa zwei Kilometer Entfernung der Kelter erhebt sich vor uns auf eine Höhe von 598 Metern die Limburg, der Hausberg von Weilheim, den es heute vier Mal zu besteigen und umrunden gilt. So kommen auf jeder der vier Runden knapp 12,5 km mit je 380 hm auf uns zu. Summa summarum addiert sich das auf etwa 50 Kilometer und 1500 Höhenmeter. Sein Name weist auf das hin, was man bei kritischer Betrachtung auf seinem Gipfel als Krönung vermisst: Eine Burg oder wenigstens eine Burgruine, aber auch die ist nicht mehr vorhanden.

Über dem Erdboden sind keinerlei Mauerreste mehr zu sehen, der Verlauf einiger Grundmauern ist nur noch als Erhebungen im Geländerelief sichtbar. Um 1060 erbaut, wurde die Limburg mehrmals zerstört und wieder aufgebaut. Erst 1150, als die Zähringer die stärkere Burg Teck bauten, verlor sie ihre Bedeutung. Sie wurde aufgegeben und nach ihrem Verfall wurde im 15. Jahrhundert auf dem Gipfelplateau die Michaelskapelle errichtet. Von ihr finden sich ebenfalls nur mehr Mauerreste im Erdboden vor. Nur der Namen blieb.

Viele bekannte Gesichter der Ultralaufszene haben sich eingefunden und natürlich kennt man sich. Der eine mehr, der andere weniger, so gibt’s auch wieder viel Gesprächsstoff. Mit der Startnummer bekommt jeder vorab ein Schlauchtuch mit Veranstaltungslogo ausgehändigt. Wer Lust auf mehr UPV-Accessoires hat, der wird im eingerichteten Onlineshop fündig, unterschiedlichste Textilien können geordert werden. Eine Medaille bekommt jeder später im Ziel. Im Übrigen geht ein Großteil des Startgeldes als Spende an den AKB Kirchheim, einem Aktionskreis für Menschen mit und ohne Behinderung.

Nach einem Geburtstagsständchen und einer kurzen Ansprach von Conny und dem 3. Bürgermeister der Stadt geht es nahezu pünktlich um 9 Uhr los. Mit 5 Grad ist es noch etwas frisch, aber wir können ja nach jeder Runde ablegen. Die ersten 200 Meter führen auf der Weinsteige leicht bergab, nach einer Linksbiege verlassen wir den Ort und sind schon im Grünen. Ich befinde mich schnell am Ende des Feldes …noch hinter Gerhard. Nach über 6 Wochen Verletzungspause mit einigen Rückschlägen weiß ich gar nicht was heute machbar ist und gehe die Sache lieber etwas vorsichtiger an.

500 Meter weiter biegen wir in die Alte Bissinger Straße ein. Nicht dramatisch aber doch etwas spürbar geht es auf Asphalt immer leicht aufwärts. Nach drei Kilometern tauchen wir in einen etwa einen Kilometer langen Waldabschnitt ein, wo es 100 Höhenmeter aufzusteigen gilt. Vom Hangfuß führt uns ein rustikaler Trailabschnitt auf den Höhenrücken Braunfirst. Ein paar matschige Stellen sind dabei, wo ich froh bin Trailschuhe gewählt zu haben. Steinzeitliche Funde auf dem Braunfirst belegen dass vor mehreren tausend Jahren bereits einige vor uns hier durchzogen.

Mittlerweile haben wir uns zu einer kleinen Gruppe gefunden und Conny erzählt uns was über ihre Heimat. Tausende von Obstbäumen verwandeln die Landschaft in ein weißes Blütenmeer. Mit ihren 18.000 Kirschbäumen zählt die Gegend zu den größten Kirschanbaugebieten in Deutschland. In langgezogenen Serpentinen geht es durch Streuobstwiesen abwärts bis an den Fuß der Limburg. Der Kurs ist hervorragend mit blauen Pfeilen auf den Wegen markiert, da gibt’s kein Verlaufen.

 
 
An einer alten, verwitterten Treppe beginnt für uns der eigentliche Aufstieg auf den Gipfel. Wegen seiner Kegelform wird der Berg immer wieder für einen Lava-Vulkan gehalten, was aber ein Irrtum ist. Der ehemalige Vulkan-Krater lag rund 350 Meter höher in einer längst abgetragenen Schicht aus Jurakalk. Große Kalkblöcke sind von oben in den Vulkanschlot gestürzt und von dort als Sinkschollen nach unten auf ihren heutigen Platz gewandert. Erst lange Zeit nach dem Ausbruch des Vulkans ist die heutige kegelförmige Gestalt des Bergs entstanden.

Wir laufen sachte aufwärts zur Südseite der Limburg, die als Weinbaugebiet genutzt wird, seit dem 19. Jahrhundert aber immer mehr durch Obstanbau abgelöst wird. Heute sind nur noch kleinere Rebflächen übrig geblieben, diese zählen aber zum höchstgelegenen Weinanbaugebiet von Baden-Württemberg. Die vulkanische Asche, die sich hier mit schweren Tonen vermischt und die sonnige Lage begünstigen den Anbau der Weinreben. Auf rund drei Hektar Anbaufläche können Trauben für 20.000 Liter Wein geerntet werden. Ich kann Schilder für Spätburgunder und Zweigelt ausmachen.

200 Höhenmeter Aufstieg haben wir zu bewältigen bis wir oben sind. Der Gipfel ist nur mit Magerrasen und einigen einzeln stehenden Linden bewachsen. Die kahle Kuppe ist die Folge der jahrhundertelangen Bewirtschaftung durch Schafe. Dies und das traumhafte Wetter garantieren uns eine großartige Rundsicht. Wir überqueren das Gipfelplateau, nach ein paar Fotos geht’s in Serpentinen wieder runter. Herrlich zu laufen ist der Abschnitt über die Trails des Magerrasens. Weiter unten wechseln wir wieder auf kurze Asphaltabschnitte aber meist Schotterwege.

Dann ist die erste Runde durch, hat lange gedauert, aber dafür auch umso länger Spaß gemacht. Jörg hat sich wieder mächtig an seiner Brotzeitoase ins Zeug gelegt und seine berühmten, frisch gebrutzelten Rühreierbrote aufgetischt. Auch für die hinteren im Läuferfeld ist noch genügend da. Ein paar müssen wir noch für Gerhard übrig lassen. Dazu gibt’s noch Schmalzbrote, Käse, Würstchen, Obst, Süßes jeglicher Art, Getränke in allen Variationen und vieles andere. Natürlich auch Brunnenbier …mit Umdrehungen.

Mittlerweile ist es spürbar wärmer geworden, ich wechsle auf kurz und auch eine Trinkflasche nehme ich mit auf die nächste Runde. Das hat etwas gedauert, so mache ich mich alleine auf den Weg. Schatten gibt es wenig, nur die Abschnitte im Braunfirst und ein Stückchen am Fuße der Limburg. Mich stört‘s nicht, dafür gibt es ja Mützen. Von den Schnellsten werde ich bereits überrundet. Conny kann ich erst wieder an der Limburg einholen, wird aber von Teddy aufgehalten, schon bin ich wieder alleine unterwegs. Mein Wadl hält noch, man bin ich happy.

Runde 3. Der Planet hat noch eine Schippe draufgelegt. Es gibt nur die Getränkestelle in der Kelter, daher muss die Flasche wieder gefüllt sein. Jetzt läuft es nicht mehr ganz so rund, aber es passt noch so weit alles. Die Schienbeinkante meldet sich, kein Wunder, ein halbes Jahr ohne Bergtraining wegen meiner Achillessehne macht sich bemerkbar.

Viele Wanderer sind jetzt unterwegs, die meisten wollen auch wissen was wir hier so treiben und wie weit wir laufen. Am Gipfelplateau ist es soweit, meine Oberschenkel sind fest, ich kann die zwei Kilometer bis zur Kelter nur mehr langsam wandern …ist auch keine Wunder, so untrainiert auf einen Ultra zu gehen, kann halt nur Joe. Ich lasse Vernunft walten und beende nach der 3. Runde meine heutige Aktivität. Alles gut, bin trotzdem rundum zufrieden, die Wade hält wieder. Ich bekomme auch für 3 Runden eine Medaille.

Dafür kann ich mich jetzt über das Büfett hermachen. Jörg hat auch Würstchen mit Kartoffelsalat parat und Connys Geburtstagstorte ist auch angeschnitten. Nach und nach treffen Finisher ein und ein paar drehen auch noch ihre 4. Runde. Ein Zeitlimit gibt’s heute nicht, so kommen auch die langsamsten Ultraschnecken zu einem entspannten Finish.

Der VPN 5.0 war heuer ein ganz besonders „runde Sache“, ich freue mich schon auf die nächste Auflage. Entspannter kann man keinen Ultra laufen. Natürlich muss man sich darüber bewusst sein, dass man am Abend nicht mit einer negativen Kalorienbilanz rechnen kann.
   





 
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