9.7.2017 Ermstal Marathon  
Autor: Andreas Greppmeir  
       
 
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Vor vier Jahren war ich das erste Mal mit Charly zusammen beim Ermstal-Marathon im baden-württembergischen Metzingen. Damals war es heiß und wir mussten ordentlich leiden. Da der Lauf danach erst mal nicht mehr ausgetragen wurde, mussten wir uns keine Gedanken über eine weitere Teilnahme machen. Im vergangenen Jahr war es dann wieder so weit, der Ermstal-Marathon stand wieder im Terminkalender. Wir waren natürlich wieder mit dabei und hatten mit Janosch und Magic sogar Verstärkung an Bord. Es war dann sogar noch heißer als beim ersten Mal und wir plagten uns erneut über die 42,195 Kilometer. Logischerweise waren wir uns einig, dass wir uns diese Strapazen nie wieder antun würden, der Ermstal-Marathon war für uns erledigt.

Doch das menschliche Gehirn ist darauf ausgelegt negative Erlebnisse zu verdrängen und das Gehirn eines Marathonläufers ganz besonders. So ist es nicht verwunderlich, dass Charly und ich das Ermstal heuer wieder unter die Füße nehmen wollten. Die Wettervorhersagen hätte ich eigentlich gar nicht studieren müssen. Temperaturen von 30 Grad sind in Metzingen selbstverständlich und fehlender Schatten sowieso. Also war uns schon vor dem Start klar, dass es wieder mal eine heiße Nummer werden würde. Doch auf der Anfahrt keimte Hoffnung auf. Es war bewölkt und regnete sogar zeitweise. Auch wenn es schwül war, so würden wird doch der sengenden Sonne entgehen.

Wir waren natürlich überpünktlich in Metzingen eingetroffen, holten unsere Startnummern und gönnten uns in einer der historischen Kelter noch einen Kaffee. Da Baden-Württemberg ja lauftechnisch zu meiner zweiten Heimat geworden ist, war es auch nicht verwunderlich, dass ich zahlreiche Lauffreunde traf, die es erstmal zu begrüßen galt. Völlig unbemerkt verzogen sich die dunklen Wolken und pünktlich zum Start trübte kein Wölkchen mehr den Himmel über der Marathonstrecke. Na prima, es wird wieder mal heiß. Dazu kam noch die Schwüle, so dass ich schon vor dem Start erste Schweißtropfen vergoss.

Der Startschuss erfolgte pünktlich um neun Uhr auf dem Metzinger Kelternplatz. Etwas über einhundert Marathonis und über vierhundert Halbmarathonis sorgten erstmal für ein ziemliches Gewusel. Manfred, den ich vergangenes Jahr beim Seenland-Marathon kennen lernen durfte, war schon nach wenigen Metern an meiner Seite und wir beschlossen ohne Diskussion den Marathon gemeinsam zu laufen, da wir beide über unsere Schwächen bei Hitze wussten. Gemeinsam leidet es sich erfahrungsgemäß leichter. Die ersten drei Kilometer liefen wir so Seite an Seite durch Metzingen in Richtung Dettingen. Auch eine kurze Pendelstrecke hatten wir dabei zu absolvieren, um auch tatsächlich auf die volle Marathondistanz zu kommen. In der ersten Runde sind diese zusätzlichen Meter toll zu laufen, da man einen Blick auf das Spitzenfeld hat und zudem mit dem ein oder anderen Läufer abklatschen kann, den man im Trubel vor dem Start möglicherweise übersehen hat.

Kurz vor dem Ortsende stehen sie dann wieder, die treuen Fans, wie jedes Jahr. Bier trinken die Jungs hier schon zum Frühstück und beschallen uns mit der wohl übelsten Musik, die man an Deutschlands Marathonstrecken zu hören bekommt. Ballermann-Hits auf sächsisch. Irgendwie sind sie schon immer lustig und schon bald Kult. Aber schließlich überwiegt dann doch das Grausen. Nichts wie weg hier. Jetzt geht es raus in die Vorläufer der schwäbischen Alb. Bis Dettingen geht`s leicht bergauf, stetig, kaum merkbar, aber doch kräftezehrend. Auf beiden Seiten säumen Obstwiesen und Weinhänge den Weg. Es ist wirklich schön hier, wäre es nur nicht jetzt schon so unangenehm warm.

Während ich mich mit Manfred über den Sinn und Unsinn des Marathonlaufens unterhalte, fliegt uns das Spitzenfeld des 10-Kilometer-Laufs entgegen. Dieser wurde zeitgleich mit uns in Bad Urach gestartet, unserem Wechselpunkt. Bis dahin haben wir aber noch etwas Zeit. Unser Ziel ist jetzt erst mal Dettingen. Aber auch das erreichen wir ziemlich zügig und schon am Orteingang kommen uns zwei Feuerwehrler in kompletter Montur entgegen. Keine Sorge es brennt nichts, die zwei laufen so die zehn Kilometer und das bei diesen Temperaturen. Ich möchte nicht tauschen. Ich bin jetzt schon klatschnass. Die spinnen doch, diese Feuerwehrler.

Noch während ich über deren Motivation nachdenke, laufen wir über den Marktplatz von Dettingen. Die Straßencafés sind schon gut besucht und wir bekommen Applaus. Schon bald haben wir die Halbzeit des Hinwegs nach Bad Urach erreicht. Auf der Tartanbahn des TSV Dettingen drehen wir eine halbe Runde. Dort ist auch eine der zahlreichen Verpflegungsstationen aufgebaut, die heute wichtiger sind, denn je. Nach der halben Runde geht`s wieder raus und wir laufen am Freibad vorbei. Das ist ebenfalls gut besucht und ich mache mir wie jedes Jahr Gedanken, ob ich da nach dem Marathon noch etwas baden gehe. Aber am Ende wird mir wie immer die Motivation dazu fehlen. Das kann ich jetzt natürlich noch nicht wissen. Ich bin ja noch gut drauf.

Kurz danach queren wir eine Staatsstraße, lassen ein kleines Gewerbegebiet hinter uns, bevor es wieder raus in die Natur geht. Nicht mehr weit und wir sind in Bad Urach. Manfred fragt mich nach einer Burgruine in Bad Urach, von der er in einem meiner vorangegangenen Berichte gelesen hat. Die hat er nämlich noch nie gesehen, obwohl er auch nicht das erste Mal hier läuft. Ich werde sie ihm zeigen, sobald wir der Kehre an der Sportanlage von Bad Urach erreicht haben. Davor halten wir aber erst mal Ausschau nach Lauffreunden, die uns schon wieder entgegenkommen. Nach und nach klatschen wir mit Charly, Andy Schick, Gerhard Wally, Kati und Joe Kelbel ab. Die sind schon auf dem Rückweg nach Metzingen, aber nicht wirklich weit vor uns. Schon bald kehren nämlich auch Manfred und ich um. Eine kurze Runde auf der Tartanbahn, bei der ich Manfred noch auf die Burgruine über uns verweise. Wir sind noch von vielen Halbmarathonis umgeben. Über unsere aktuelle Platzierung beim Marathon habe ich keine Vorstellung.

 
 
 
Auf dem Rückweg halte ich daher immer wieder Ausschau nach Marathonis, die anhand des Werbeaufdrucks auf der Startnummer leicht zu erkennen sind. Viele sind es nicht, die da noch hinter uns liegen. Aber bei Kilometer 13 erkenne ich etwas anderes. Ein junges Mädel vor uns geht ziemlich oft und wir kommen ihr rasch näher. Als Manfred und ich aufschließen, frägt sie uns, ob sie mit uns laufen dürfe. Sie hat Sorgen den Halbmarathon alleine zu bestehen. Wir sind natürlich ganz Gentleman und sichern ihr unsere Unterstützung zu. Bei dem Mädel handelt es sich um Steffi, sie ist 21 Jahre alt und spielt eigentlich Fußball. Ihre Familie und ihre Freund stehen immer wieder an der Strecke. Steffi hyperventiliert immer mal wieder und hat sichtlich zu kämpfen. Wir passen uns ihrem Tempo an und motivieren sie stetig. Braucht Steffi eine Gehpause, nehmen wir uns diese selbstverständlich auch.

Wir verlieren dadurch zwar ordentlich Zeit, aber es macht einfach nur Spaß, die junge Laufanfängerin zu begleiten. So kommen wir auch irgendwann mir ihr zurück in Metzingen an. Hand in Hand führen wir Steffi durchs Ziel des Halbmarathons und sie scheint überglücklich zu sein. Sie drückt Manfred und mich zum Abschied und bedankt sich für unsere Hilfe. Auch wenn ich mit einem Blick auf die Uhr nun schon wusste, dass es mit dem Zielschluss nach 5:30 Stunden knapp werden würde, war mit das zu diesem Zeitpunkt völlig egal. Das Leuchten in Steffis Augen beim Zieleinlauf bleibt mir in Erinnerung und entschädigt für alles.

Als wir uns verabschiedet hatten, ging es für Manfred und mich auf die zweite Runde. Diese würde nicht leicht werden, das war uns beiden klar. Es war kurz vor Mittag und die Sonne hatte ihren Zenit erreicht. Es war nicht mehr nur schwül, es war inzwischen auch heiß geworden. Die Sonne brannte unerbittlich auf Manfred und mich nieder. Auch dem erneuten Rückweg nach Bad Urach konnten wir nun in dem überschaubaren Feld unsere aktuelle Platzierung ausloten, da uns die schnelleren ja nach und nach entgegenkamen. Die Bilanz war ernüchternd. Beim Erreichen von Bad Urach war uns klar, dass hinter uns niemand mehr war.

Vor uns erkannten wir noch einen Läufer. Zumindest den wollten wir uns noch holen, denn letzter wollten wir einfach nicht werden. Ich war jedoch nicht sehr zuversichtlich. Meine Waden versuchten permanent zu krampfen und auch mein Magen wehrte sich schon seit einigen Kilometern gegen die Flüssigkeitsaufnahme. Die Hitze setzte mir mehr und mehr zu. Manfred war auch etwas angeschlagen, schien aber deutlich besser drauf zu sein als ich. Meine Aufforderung zuzulaufen, schlug Manfred jedoch aus. Wir sind gemeinsam losgelaufen, also kommen wir auch gemeinsam ins Ziel. Ich hörte diese Worte wohlwollend. Ich hätte es genauso getan, aber man weiß ja nie. Danke Manfred, schon mal an diese Stelle.

Kurz vor der Wendestelle auf dem Sportgelände in Bad Urach konnten wir dann die rote Laterne abgeben. Den Läufer vor uns hatten wir überholt, aber immer wieder ging unser sorgenvoller Blick zurück, er war uns immer noch auf den Fersen. Dank einer Salztablette und ein paar Dehnungen konnte ich die aufkeimenden Wadenkrämpfe zwar verhindern, aber mein Magen rebellierte permanent. Ich versuchte an den Verpflegungsstationen immer wieder Flüssigkeit zu mir zu nehmen, doch ich brachte einfach nichts mehr runter. Kurz kam mir der Gedanke einfach aufzugeben, doch es waren zu diesem Zeitpunkt nicht mal mehr zehn Kilometer. Die ganzen Mühen, um am Ende mit nichts dazustehen? Nein, nicht mit mir. Etwa fünf Kilometer vor dem Ziel gab uns ein Streckenposten zu verstehen, dass vor uns noch einer läuft, der auch schon ordentlich zu kämpfen hat. Noch einen Platz gutmachen? Ja, von mir aus. Ich hatte eine neue Motivation, auch den wollten wir noch einholen. Das gelang uns schließlich auch, obwohl ich nur mehr schlecht als recht vorankam. Kurz vor dem Ortseingang von Metzingen war ich mir dann sicher, dass ich diesen Lauf irgendwie ins Ziel bringen würde.

Von hinten näherte sich allerdings das Besenfahrzeug. Der Fahrer klärte uns auf, dass der Zielschluss bereits erreicht sei und dass wir, falls Manfred und ich weiterlaufen wollen, die Strecke aufgrund der anstehenden Jugendläufe, möglicherweise gesperrt sei und wir uns selbst einen Weg in Ziel suchen müssten. Wie die beiden Läufer hinter uns, wollten wir natürlich ins Ziel kommen und liefen weiter. Auch wenn mein Magen weiterhin rebellierte, konnte ich plötzlich einen ziemlich flotten Schnitt laufen. Einen Kilometer vor dem Ziel flogen wir förmlich durch die Bahnhofsunterführung und näherten uns einem Absperrband, das quer über die Strecke gespannt war. Noch bevor ich mir Sorgen machen konnte, hob es ein Streckenposten an und wies uns auf die Zielgerade.

Den Zieleinlauf, den wir nun vor uns hatten, werde ich so schnell wohl nicht vergessen. Die letzten dreihundert Meter waren gesäumt von hunderten von Zuschauern. Diese waren eigentlich nicht wegen Manfred und mir hier. Es waren die erwartungsvollen Eltern, die auf den Start des Schülerlaufs warteten. Doch der musste etwas verschoben werden, denn Manfred und ich eilten der scharrenden Meute entgegen. Ich glaube, wir beide hatten in diesem Moment mehr Applaus als der eigentliche Sieger des Marathons, denn die Zuschauer feuerten uns auf unseren letzten Metern nochmal so richtig an. Die Schüler hinter der Start- bzw. Zielmatte machten eine breite Gasse auf und so konnten Manfred und ich problemlos ins Ziel einlaufen. Auch wenn ich völlig platt war, konnte ich diesen Zieleinlauf einfach nur genießen.

Nach einer kurzen Verschnaufpause und einer erfrischenden Dusche, traf ich mich mit Charly und Manfred, sowie dessen Gattin noch auf einen kurzen Umtrunk im Bistro vor dem Hallenbad. Kaum hatten wir es uns dort bequem gemacht, verdunkelte sich auch schon der Himmel und erste Regentropfen kündigten ein nahendes Gewitter an. Die gesamte Heimfahrt behinderten uns nahezu sintflutartige Regenfälle. Da stellt sich mir doch Frage: Liebe Organisatoren des Ermstal-Marathons, wie schafft ihr es eigentlich immer, dass ihr pünktlich zum Lauf immer diese Hitze herbeischafft? Für mich ist der Ermstal-Marathon trotz dreier übler Hitzeläufe noch nicht at acta gelegt, irgendwann muss es doch auch mal akzeptable Bedingungen geben … und dann bin ich wieder mit dabei! Oder vielleicht schon davor?
 
   
Charly
Greppi

4:41:22
5:46:05


 
 
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