15.10.2017 Bestzeiten Marathon  
Autor: Andreas Greppmeir
       
 
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“Let`s do the Timewarp” – Wohl einer der bekanntesten Songs aus der Rocky Horror Picture Show. Wer kennt ihn nicht? So sollte der Titel meines Berichts zum Bestzeiten-Marathon in München lauten. Aber so weit kam ich dank Herwart nicht. Wie? Ihr versteht nur Bahnhof? Dann sollte ich wohl erst mal den Sinn bzw. Unsinn des Bestzeiten-Marathons erklären.

Der Bestzeiten-Marathon fand bereits zum sechsten Mal in München auf dem Gelände der Bundesgartenschau von 2005 statt. Dabei gilt es zwanzig Runden um den Riemer See – auch BuGa-See genannt – zu laufen. Der Lauf findet alljährlich am letzten Oktoberwochenende statt, eben dann, wenn von der Sommer- auf die Winterzeit gewechselt wird. Gestartet wird um Mitternacht, also gelangt man nach drei Stunden Laufzeit in den Zeittunnel …Die Uhr wird um eine Stunde zurückgestellt und als Ergebnis erscheint die Ziel-Uhrzeit auf der Urkunde. Man kann sich also eine Stunde sparen. Klingt verrückt? Ist es auch …also will ich dabei sein.

Doch zu dieser verrückten Idee gesellte sich in diesem Jahr auch das Sturmtief „Herwart“. Herwart verkündete schon vor dem Start keinesfalls prickelnde Aussichten. Die Temperaturen würden im Laufe der Nacht auf etwa drei Grad sinken. Windböen werden Geschwindigkeiten von über 70 km/h erreichen und dazu soll es noch die meiste Zeit über regnen. Prima.

Charly und ich haben uns dennoch kurzfristig für den Bestzeiten-Marathon angemeldet. So schlimm wird es schon nicht werden, sagten wir uns und wir sollten uns irren ….
Rechtzeitig machten wir uns auf den Weg nach München. Zuvor hatte ich auf facebook schon Diskussionen verfolgt, ob Herwart wohl für eine Absage des Bestzeiten-Marathons führen könnte. Doch der Veranstalter sicherte zu, dass auf alle Fälle gestartet wird. Möglicherweise wird auf den Aufbau des ein oder anderen Pavillons verzichtet. Charly und ich diskutierten auf der Anfahrt auch viel über das Wetter. Doch wir waren ausgerüstet. Lange Klamotten, nebst Mütze und Handschuhen, war auch die Stirnlampe im Gepäck. Dennoch war bei uns beiden eine gewisse Unsicherheit hinsichtlich des Wetters erkennbar.

Zeitig parkten wir auf dem großzügigen Parkplatz am Riemer See und machten uns auf den Weg zur Startnummernausgabe. Es war noch trocken, trotzdem fröstelten wir auch dem Weg dahin schon ordentlich. Der Wind pfiff enorm und es sollte laut meiner Wettervorhersage noch heftiger werden. Im Dunkeln kam mir dann schon die erste bekannte Gestalt entgegen. Es war Frank Reichl, der sich ja auch kaum einen Marathon entgehen lässt. Er begleitete uns noch kurz zur Startnummernausgabe und mit ein paar Worten über das üble Wetter verzogen wir uns jedoch alle schnell wieder in unsere Autos. Über eine Stunde war noch Zeit, die ich zusammen mit Charly in meinem Auto verbrachte. Rechte Stimmung wollte nicht aufkommen, denn nun begann es auch noch zu regnen und der Wind peitschte den Regen geräuschvoll auf`s Autodach. Der Parkplatz war voll von Autos mit wartenden Läufern. Mir taten in diesem Moment die Veranstalter etwas leid. Monatelange Planung und Organisation und dann sitzen alle Teilnehmer bis kurz vor dem Start im Auto. Aber was soll man machen? Bei dem Wetter würde mal nicht mal den Hund vor die Türe jagen …

So verweilten Charly und ich bis eine halbe Stunde vor dem Start im Auto und machten uns dann auf den Weg zum Startgelände. Dort war erstaunlich viel los. Gut, der Großteil der Teilnehmer hatte sich für den 10-Kilometerlauf oder Halbmarathon entschieden. Dennoch war ich beeindruckt. Wie viele verrückte Läufer gibt es denn? Es ist kurz vor Mitternacht, lausig kalt und kurz gesagt, weder die Zeit, noch das Wetter um laufen zu gehen. Egal. Jetzt sind wir schon mal hier, jetzt will ich auch laufen. Florian Kratz treffe ich auch noch. Er ist sauschnell und hat das Ding hier letztes Jahr gewonnen. Normalerweise ist er in Barfußschuhen oder Sandalen gepaart mit einem Schottenrock unterwegs. Doch heute ist sogar er normal gekleidet … nur auf die Barfußschuhe wollte er nicht verzichten.

Punkt Mitternacht geht`s dann endlich los. Im Uhrzeigersinn gilt es nun denn Riemer See zu umrunden. Auf der ersten Geraden haben wir schon mal ordentlich Gegenwind und biegen nach rund 800 Metern auf einen langen Holzsteg über den See nach links ab. Danach geht es praktisch auf die Gegengerade und wir haben Rückenwind. Da lässt es sich prima laufen. Dann geht es erneut nach links und der Wind bläst von der Seite. Alles nicht schlimm. Doch dann biegen wir wieder auf die Zielgerade ein und der Wind kommt wieder von vorne. Ich empfinde das jetzt noch nicht allzu schlimm und rede mir ein, dass es doch Spaß machen kann bei diesen Bedingungen zu laufen. Ein ganz besonderes Abenteuer halt.

 
 
Das Gefühl hält aber kaum drei oder vier Runden an. Nach vier, der zu absolvierenden zwanzig Runden bin ich nur knapp unter einer Stunde. Hochgerechnet werde ich also fünf Stunden brauchen. Vorausgesetzt es geht alles gut. Ich überlege mir, wir die Situation in zwei oder drei Stunden aussehen wird. Die 10-Kilometer-Läufer sind weg, auch die Halbmarathonis werden ihr Soll erfüllt haben. Angesichts der Witterung werden auch ziemlich viele Marathonis auf den Halben umsiedeln. Ich sehe es realistisch: Sollte ich durchlaufen und um die fünf Stunden brauchen, werde ich wohl mit einigen wenigen Verwegenen um den letzten Platz kämpfen. Egal, dachte ich mir, du bist hier bei einem ganz besonderen Lauf und da muss man auch mal beißen können.
Es kam aber dann, wie auf meiner Wetterseite versprochen. Herwart entfaltete immer mehr seine Kraft. Auf der Geraden vom Ziel zur Brücke hatte wir übelsten Gegenwind.

Es begann zu regnen und die Regentropfen schmerzen im Gesicht. Ich kam auch kaum noch vorwärts. Ein Schnitt von über sieben Minuten auf den Kilometer, obwohl ich wirklich alles gab. Zudem wurde ich von Böen, die mich seitlich trafen, teilweise im Schritt versetzt, so dass ich ab und zu das Problem hatte nicht zu stolpern. Es war nun wirklich ein Kampf gegen den Sturm. Vernünftiges Laufen war auf der Geraden nicht mehr möglich. Gut, auf der Gegengeraden sollte mich der Rückenwind anschieben. Aber auch das war nicht angenehm. Der Sturm presste mir dermaßen in den Rücken, dass ich schon manchmal bremsen musste. Ich begann zu zweifeln. Macht es wirklich Sinn bei diesen Bedingungen zu laufen. Und irgendwann kam ich zu der Antwort: Nein, es macht keinen Sinn.

Am Beginn der achten Runde kämpfte ich mal wieder gegen den Sturm. Schmerzhaft trafen mich Regentropfen auf der Lippe und ich kam kaum noch richtig vorwärts. Noch zwölf Runden? Und die Bedingungen sollte ja noch übler werden … noch weitere drei Stunden … Nein, danke … nicht mit mir. Ich wollte nicht mehr, obwohl ich mich körperlich noch topfit fühlte. Mir war einfach nur kalt. Mir war klar, nach dieser Runde und etwa 17 gelaufenen Kilometern bin ich raus. Meine Gedanken galten nun Charly. Was mache ich, wenn er durchlaufen will. Dann sitze ich ewig bei dieser Kälte im Auto. Auch nicht prickelnd. Ich stieg jedenfalls nach Runde Acht aus und wartete auch Charly.

Ich suchte mir ein halbwegs windstilles Eck und versuchte unter den Stirnlampen die Gesichter zu erkennen. Ich schlotterte schon am ganzen Leib als ich endlich Charly entdeckte. Er war dermaßen im Tunnel, dass er auf Zusprache nicht reagierte und ich blockierte ihm schließlich einfach den Weg. „Du Charly, ich bin raus“, verkündete ich. „Gut, dann können wir ja nach Hause fahren.“, war für mich die überraschende Antwort. Charly hatte auch mit den Bedingungen gehadert und einfach nur auf meine erlösenden Worte gehofft.

So saßen wir bald in meinem Auto und machten uns auf die Heimreise. Ich musste in meiner langjährigen Marathonzeit noch nicht viele Marathons aufgeben. Doch immer, wenn ich ein DNF in der Ergebnisliste hatte, war ich im Anschluss und auch Tage danach noch deprimiert. Es stellte sich immer ein Gefühl des „Versagt-Habens“ ein und ich brauchte oft Tage, um mich davon zu erholen. Diesmal war es anders. Ich war zufrieden. Ich hatte zur rechten Zeit abgebrochen. Ich wusste, dass es irgendwie möglich gewesen wäre … aber es hätte mir keine Freude bereitet … und die will ich doch beim Laufen haben.

Am Ende will ich allen, die – egal auf welcher Distanz – ihr Ziel erreicht haben und allen die überhaupt bei diesen Bedingungen an den Start gingen, gratulieren. Ihr seid Läufer und nicht nur Jogger … Kein normaler Mensch geht um Mitternacht bei dermaßen unwirtlichen Wettersituationen an den Start. Ihr alle habt es probiert und möglicherweise auch geschafft. Ich ziehe meinen Hut! Und vor allem bin ich froh, dass die Veranstaltung ohne Zwischenfällte über die Bühne ging. Danke, den Veranstaltern und allen freiwilligen Helfern, die in dieser Nacht wirklich keinen leichten Job hatten. Mein absoluter Respekt gilt auch all den Finishern unter denen ich auch meine beiden Freunde Florian und Frank weiß.
Charly
Greppi

2:04:07 (HM)
DNF

 
   
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