14.10.2012 München Marathon  
Autor: Andreas Greppmeir    
 
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Nachdem der letzte Laufbericht auf TT über den München Marathon bereits fünf Jahre auf dem Buckel hat, hatte ich schon vor dem Start entschlossen, darüber ein paar Zeilen zu verlieren. Nach einem eher ent-täuschenden Verlauf des Marathons, hatte ich dann doch die Lust verloren, darüber auch noch zu schreiben. Nach den zahl-reichen aufmunternden Reaktionen meiner facebook-Freunde sah die Sache dann schon wieder anders aus. Vorraus-schicken muss ich dem Ganzen noch, dass ich die letzten anderthalb Wochen immer wieder unverhofft Krämpfe hatte. Nicht nur die Wade, auch Unterarm und Fußsohle rissen mich manchmal schmerzhaft aus dem Schlaf. Noch drei Tage vor dem München Marathon konnte ich mir eigentlich nicht vorstellen zu laufen. Aber dann ging‘s ja doch.

Mit meinem Freund Wolfgang machte ich mich um 8 Uhr auf den Weg nach München. Der blaue Himmel zeigte nur ein paar Wolken, die jedoch heute kein Wasser verlieren sollten. 6°C versprachen angenehme und nicht zu hohe Temperaturen während des Laufs. Wann hatte ich zuletzt solch ideale Bedingungen bei einem Marathon? Ich kann mich nicht darin erinnern. Das Auto stellten wir am Sapporobogen im Olympiapark ab und brachten gleich mal die fertig gepackten Kleiderbeutel zu den entsprechenden Abgabestellen. Ich hatte als Teilnehmer der Deutschen Marathonmeisterschaften nur eine zweistellige Startnummer und durfte meinen Beutel ganz vorne abgeben. Schon bald trafen wir auch auf Siggi und Hans, die heute als Zuschauer nach München gereist waren. Als kurz darauf auch noch Charly und Otto vor uns standen, wurde Siggi gleich für ein Mannschaftsfoto missbraucht. Iris, die heute auch an den Start ging, war im Getümmel nicht aufzufinden.

Obwohl ich eigentlich im Startblock A starten durfte, ging ich zurück auf B. Auch wenn ich Teilnehmer der Deutschen war, war ich mir meiner Qualitäten doch bewusst und zog es vor im Mittelfeld loszulaufen. Um 10 Uhr krachten erstmals die Böller und der 27. München Marathon war gestartet. Weitere 10 Minuten später wurden wir dann losgelassen. Von der Ackermannstraße ging`s die ersten beiden Kilometer weiter über die Elisabethstraße in Richtung Münchner Freiheit.

Angesichts der guten Laufbedingungen hatte ich natürlich eine neue Bestzeit im Kopf und mit einem 5:45‘er Schnitt entsprechend an. Weiter über den Geschwister-Scholl-Platz näherten wir uns dem Siegestor, einem der optischen Highlights dieses Laufs. Kurz davor kam mir aber schon Iris auf der anderen Straßenseite entgegen. Sie hatte sich schon in die Wadeln des 3:30-Pacers verbissen und reagierte nicht auf mein Zurufen. Ein paar Sekunden später standen Siggi und Hans mit den Kameras am Straßenrand und versuchten alle gelbgewandeten Läufer abzulichten. Kurz nach dem Siegestor wurde gewendet und es ging wieder zurück in Richtung Münchner Freiheit. Durch ein schönes Wohnviertel liefen wir entlang dem Englischen Garten, bis wir bei Kilometer 9 darin verschwanden. Weitere sechs Kilometer schlängelte sich der Weg durch die grüne Lunge Münchens. Warum dabei der Chinesische Turm und der Monopterus einfach ausgelassen werden, kann ich nicht verstehen, aber was soll‘s, irgendeinen Grund hierfür wird es schon geben.

Durch den relativ unspektakulären Stadtteil Bogenhausen nähern wir uns langsam aber sicher der Halbmarathon-Marke. Knapp unter 2:04 passierte ich die Matte und war zuversichtlich. Alles lief ganz locker und konnte eigentlich nur so weitergehen. Am Rosenheimer Platz in Haidhausen ließen wir bei Kilometer 29 den Gasteig und das Deutsche Museum hinter uns liegen und näherten uns auch dem Isartor. Jetzt ging‘s durch die Innenstadt Münchens und auch die Zuschauerzahl nahm endlich zu. Am Marienplatz liefen wir eine kurze Schleife, so dass man das Rathaus zweimal zu Gesicht bekam. Gleich nach dem Rathaus liefen wir weiter am Nationaltheater vorbei in Richtung Odeonsplatz. Dort konnten die Feldherren-halle und die Theatinerkirche optisch begeistern. Unbemerkt hatten wir so auch schon 32 Kilometer zurückgelegt und ich lag immer noch voll im Plan.

Kurz bevor wir das Siegestor ein drittes Mal erreichten bogen wir nach links in die Maxvorstadt. Dort bekommt das Auge wieder einiges geboten: Der Königsplatz mit dem Propyläen und der Glyptothek ist oftmals Platz für Konzerte vor einer herrlichen abendlichen Kulissen. Vor ein paar Jahren hatte ich hier mit Wolfgang R.E.M. erleben dürfen. Rund um den Obelisken am Karolinenplatz ging`s teilweise auf einer Begegnungsstrecke zurück in Richtung Siegestor. Doch irgendwo zwischen Kilometer 35 und 36 erwischte es mich dann. Völlig unvorbereitet bekam ich einen heftigen Krampf in der linken Ober-schenkelvorderseite. „Sch…!“, dachte ich mir nur und verzog mich hinter einen geparkten VW Bus. Dort war ich bestimmt fünf Minuten damit beschäftigt, den Oberschenkel wieder halbwegs locker zu bekommen. Während-dessen ging mir natürlich auch so einiges durch den Kopf: „Wo ist die nächste U-Bahn-Haltestelle?“ war nur eines davon.

Aber irgendwie wollte ich dann doch nicht aufgeben. Fast 36 Kilometer laufen für nichts? Keine Medaille? Ein DNF kam nicht in Frage. Also kroch ich wieder hinter meinem VW Bus hervor und ging erst mal los. Jeder Schritt tat weh, der Oberschenkel ließ nicht richtig locker. Immer wieder versuchte ich betont locker loszulaufen, aber meist war nach ein- oder zweihundert Metern wieder Schluss. Ich entschloss einfach Richtung Ziel zu gehen. War ja nicht mehr weit. Doch auch sechs Kilometern mit Schmerzen zu gehen ist kein Vergnügen. Irgendwie ließ mir das alles aber keine Ruhe. Irgendwann überholte mich dann der 4:30 Pacer und ich dachte noch, dass ja alles nicht so schlimm ist, bis mir bewusst wurde, dass er ja in der Stargruppe C, also 10 Minuten hinter mir stand. Walkenderweise erreichte ich schließlich doch das Olympiagelände. Auf dem Spiridon-Louis-Ring hörte ich aus einem Lautsprecher tönen: „Noch 1200 Meter und ihr seid im Ziel!“

Ich gab nun nochmal alles und biss die Zähne zusammen. Ins Olympiastadion wird eingelaufen und auch die letzte Runde im Stadion wird nicht gegangen, dafür war ich dann doch zu stolz. Das ging schließlich auch gut und ich konnte das Ziel doch noch deutlich unter fünf Stunden erreichen. Auch wenn ich mich zunächst über dieses Finish kaum freuen konnte und auch zu Hause noch etwas verbittert war, kann ich mich jetzt über meine Medaille doch freuen und hab sie mir auch gleich als Bildschirm-hintergrund auf den Desktop geladen. Also Motivation bis zum nächsten Marathon, denn der kommt bestimmt.

Dass es nicht nur mir an diesem Tag schwer fiel, konnte ich später noch von Charly erfahren. Auch er hatte zu kämpfen, erreichte aber doch in rund vier Stunden das Ziel. Auch Iris hatte zum Schluss zu kämpfen und verlor den Anschluss an den Pacer. Aber mit 3:37 h erzielte sie trotz allem mal wieder eine super Zeit. Otto strich schon nach 13 Kilometern die Segel, da er wohl zu schnell angegangen war und sich die Plagerei nicht weiter antun wollte. Mein Freund Wolfgang kam mit 4:16 h ins Ziel. Auch er erzählte, dass er zum Schluss ziemlich fertig war und einige Minuten liegen ließ. Tja, ein Marathon ist halt kein Kindergeburtstag und kann auch mal schiefgehen. Doch wie steht's auf unserer Medaille: g'schafft! Und das war dann auch wohl mein Motto für den Münchner Marathon: G'schafft is g'schafft!

 
Wolfgang, Greppi, Otto & Charly vor dem Start.
Iris hat sich schon an den 3:30er geheftet.
Charly siegesicher!
Noch läuft's bei Greppi!
Otto auch noch gut drauf!
Wicki mit Ballon.
Stilvoll, die weißen Handschuhe.
Wer wird denn faxen machen.
Iris "das Tier", heute wieder pfeilschnell.
Iris
Magic
Charly
Greppi
Otto

3:37:28
3:59:30 (Pacer Sub 4)
3:59:57
4:53:46

DNF

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