19.06.2021 Allgäu Panorama [Privat] Marathon – Second Trail 2020
Autor: Andreas Greppmeir
 
 
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APPM B

 

Nachdem bei der Premiere des Allgäu Panorama [Privat] Marathons im Oktober letzten Jahres aufgrund eines Schneesturms nur drei Teilnehmer das Ziel erreichten, musste ich meinen Medaillenkorb immer noch gut gefüllt mit nach Hause nehmen. Eine Zeit lang stand der Korb ganz hinten im Schrank, verdeckt von meinen Laufklamotten und was sich sonst in einem Läuferschrank so ansammelt. Zwölf Medaillen können nicht einfach im Müll entsorgt werden, sie brauchen einen würdigen Eigentümer. Ein paar Mails später waren Bernie und ich uns einig. Alle Opfer des Schneesturms bekommen einen zweiten Versuch: Den Allgäu Panorama [Privat] Marathon - Second Trial, kurz APPM-ST.

Etwas Geduld mussten wir jedoch haben. Der Winter war lang und schneereich. Anfang Juni fragte ich bei Axel Reusch nach, wie es auf der Strecke aussieht. Bis auf ein paar letzte Schneefelder ist alles in Ordnung. Also haut Bernie schnell die Einladung an alle raus, wir wollen unbedingt laufen, denn auch Axel hat den Allgäu Panorama Marathon ausgeschrieben. Er findet endlich wieder statt und zwar am 8. August. Laut unserer Ausschreibung muss der APPM bis dahin gelaufen sein. Doch statt Zusagen, hagelt es erstmal Absagen und so sind am Ende lediglich Axel O., Judith und Andreas, sowie Bernie und ich vom ursprünglichen Starterfeld über. Etwas enttäuscht bin ich darüber schon, aber Bernie und ich geben alles, um das Feld noch etwas aufzupeppen. Am Ende verstärken uns noch drei wahnsinnig schnelle "Jungspunde". Mit acht Teilnehmern bin ich halbwegs zufrieden, so wandern nur vier Medaillen in den Müll.

Am Samstagmorgen trudeln nach und nach alle Läufer vor dem Wonnemar in Sonthofen ein. Es ist mit 22 Grad schon recht warm und wir können heute echtes APM-Wetter mit Temperaturen von über 30 Grad erwarten. Genügend Flüssigkeit ist heute das wichtigste. Auch ein Wechselshirt und eine kurze Regenjacke habe ich im Laufrucksack. In den Bergen weiß man ja nie. Dennoch bin ich mutig und verzichte auf Handschuhe und Mütze. Eine Sonnencreme mit LSF 30 soll mich vor einem Sonnenbrand schützen. Schon mal vorab: Es gelingt ihr nicht ganz.

Als sich schließlich jeder richtig ausgestattet fühlt, machen wir uns auf den Weg zum Outlet, wo Axel Reusch auf uns warten will. Wie schon beim ersten Versuch, will er am Start mit dabei sein. Wir sind allerdings ein paar Minuten zu spät dran und Axel ist schon wieder weg. Sein Laufladen öffnet um halb Zehn. Wir tauschen uns dann später online aus und da ich Axel an dieser Stelle schon mal erwähnt habe, möchte ich mich an dieser Stelle nochmals herzlich bei ihm für die Unterstützung bedanken. Ich sehe es nicht als selbstverständlich an, dass ein Veranstalter kostenlos Medaillen zur Verfügung stellt und zudem auch die Erlaubnis erteilt, Namen, Logo, sowie GPX-Daten von der offiziellen Homepage zu kopieren. Vielen lieben Dank nochmal.

So stehen wir also um kurz nach Neun vor dem Outlet, schießen noch schnell ein Gruppenbild und dann legen wir los. Ich bin gespannt, wie weit ich heute komme, ohne das Navi bemühen zu müssen. Eigentlich war ich oft genug hier, um die Strecke kennen zu müssen. Aber es war ja nicht immer der Marathon und nicht immer bin ich im Ziel angekommen. Heute sollte das aber kein Problem sein. Wir haben den ganzen Tag Zeit und den Cut-Off in Grasgehren habe ich mal großzügig aus der Ausschreibung gestrichen. Erst mal rollen wir uns auf den ersten Kilometern in der Ebene ein und laufen in der Gruppe. Lediglich die "Jungspunde" sind schnell verschwunden, aber das war klar.

Vor Hüttenberg beginnt der erste sanfte Anstieg und wir laufen schließlich über den Wiesenweg weiter nach oben. Beim letzten APM liefen wir noch durch den Ort, da der Bauer keine Lust mehr auf Läufer in seiner Wiese hatte. Offensichtlich hatte er eine Ahnung, dass wir heute kommen und trotzdem durch seine Wiese laufen. Das Feld ist frisch geodelt. Durch den Wald, über Wurzeln und über Teerstraßen geht es langsam aber sicher immer weiter nach oben. Die Stimmung in unserer kleinen Truppe ist sehr gut. Die ersten Kühe sind auch schon wieder auf der Weide. Das freut mich ganz besonders. Bernie muntert mich irgendwann auf, dass er ein Foto mit mir und einer Kuh machen möchte. Ich bin vorsichtig. Die Kühe sind frisch draußen und müssen sich auch erst wieder an uns Menschen gewöhnen. Ich halte einer Kuh die Hand hin. Sie nähert sich vorsichtig, zieht aber dann wieder zurück. Etwas Zeit muss man ihnen noch lassen. Dabei wäre meine Hand sicherlich schön salzig. Es ist heiß und der Schweiß dringt aus allen Poren.

Ein paar giftige Anstiege bringen meinen Puls an den Anschlag. Wann bin ich eigentlich die letzten Höhenmeter gelaufen? Der giftigste ist der hoch zum Weiherkopf und dann sind wir oben am Gipfelkreuz. Immer wenn ich hier oben bin, muss ich an meine erste Teilnahme am APM denken. Das war schon ein ganz besonderes Erlebnis. Wie immer gibt es oben eine kleine Pause. Aus der Gegenrichtung kommt ein weiterer Läufer und wie es sich gehört, wird gegrüßt. Es sieht mich überrascht an. „Du bist doch der Bernie“ … Ähm, nein, der sitzt neben mir. Er kennt uns alle, kommt aber mit den Namen etwas durcheinander. Egal, er ist ein treuer m4y-Leser und es freut uns, dass er uns erkennt und er freut sich, dass er uns hier oben trifft. In Zukunft brauchen wir Autogrammkarten, witzeln wir und es geht weiter.

Es geht wieder runter. Den höchsten Punkt haben wir hinter uns. Und das erste Mal keimt heute bei mir der Gedanke auf, dass es heute schmerzhaft werden könnte. Meine Trailer, die ich entgegen meiner Gewohnheit und Überzeugung, der Situation geschuldet in einem Onlineshop bestellt habe, sind gut eingelaufen und ich war überzeugt von den Schuhen. Nun muss ich aber feststellen, dass ich leicht nach vorne rutsche und die Schuhe gut eine halbe Nummer zu klein sind. Das ist mir bei den vorherigen Läufen nie aufgefallen.

Bevor es wieder für längere Zeit nach unten in Richtung Grasgehren geht, schlängeln wir uns erst noch durch eine Senke, in der Axel‘s versprochener Restschnee liegt. Ich erinnere mich an Oktober. Das ist die Senke in der mich der Schneesturm erwischt hat. Heute ist es mir eher zu warm, aber ein leichtes Lüftchen weht. Es könnte gerade schlimmer sein. Noch einmal den Puls zum Anschlag gebracht und die Holztreppe hoch, dann geht es bis Grasgehren nur noch runter. Die Zehen schmerzen, die Cut-Off-Zeit aus dem APM ist schon längst verstrichen und meine mitgeführten Getränke werden ziemlich warm. Wir kommen trotzdem gutgelaunt in Grasgehren an und freuen uns gemeinsam über die aufgespannten Sonnenschirme vor der Berghütte. Der Biergarten ist geöffnet und so kommen wir doch zu unserer Vollverpflegung kurz vor dem berüchtigten Kilometer 19.

Wir haben ordentlich Zeit liegen lassen, sind aber erholt und machen uns weiter auf den Weg. Axel O. und ich werden langsam aber sicher von Judith und Andreas abgehängt. Bernie zieht den beiden ebenfalls davon. Ich werde mit Axel nun mehr wandern als laufen. Wir haben Zeit und vor allem möchte ich mir bergab meine Zehen nicht ruinieren. Im linken Schuh merke ich schon, dass es blutet, der rechte wird bald folgen. Nach der Gabelung der Marathon- und Ultrastrecke verlieren wir Bernie, Axel und Judith aus dem Blickfeld.

Danach geht bei uns beiden eigentlich nicht mehr viel, aber wir machen uns einen gemütlichen Tag, nur die Serpentinen runter muss ich noch einmal ordentlich leiden. Ich verfluche meine Schuhe bei jedem Schritt. Im Sagenwald kommt langsam wieder Freude auf. Obermaiselstein naht und damit der nächste Biergarten. Wir fragen nach einem Platz und stellen fest, dass wir noch gar nicht so fertig aussehen können. Wir bekommen einen Platz mitten unter den essenden Gästen angeboten. Ich lehne dankend ab und frage nach einem Platz mit etwas Abstand. Um die Ecke steht ein kleiner Tisch und darauf kurze Zeit später zwei kühle Halbe.

Auch wenn es sich hier so gut sitzt, wir müssen noch ein paar Kilometer zurück nach Sonthofen. Aus Obermaiselstein raus, stehen wir an einer Baustelle am Breitbach, folgen brav der Umleitung und verlieren etwas die Orientierung. Gut zwei Kilometer extra bringt uns dieser Spaß ein, aber wir schaffen es wieder auf den rechten Weg und haben bald nur noch die letzten Kilometer entlang der Iller vor uns. Diese sind mindestens genauso zäh, wie bei meinen vergangenen Teilnahmen am APM, aber wie immer liegen sie auch irgendwann hinter uns. Nach etwas über neuneinhalb Stunden sind wir zurück am Wonnemar und damit im Ziel. Erwartungsgemäß ist der Parkplatz verwaist. Lediglich Axel‘s Familientaxi wartet noch auf ihn. Wir verabschieden uns auf die Schnelle, schließlich haben wir ja genügend Zeit miteinander verbracht und es geht nach Hause.

Da der APM am 08. August endlich wieder stattfinden kann, war dies definitiv der letzte APPM, wobei man sich darüber streiten kann, ob es nun der erste oder zweite APPM war. Mir ist es egal. Ich bin froh, dass am Ende doch noch alles so gut geklappt hat. Jetzt drücke ich Axel Reusch die Daumen, dass es mit dem APM tatsächlich etwas wird. Es sieht jedenfalls sehr gut aus.

 
   
 
Bernie
Greppi
7:50:32
9:38:40
 
 
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