10.9.2022 50 Jahre Olympia Marathon München
Autor: Andreas Greppmeir
 
 
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Bernie hat ja schon einen ausführlichen Bericht zum 50 Jahre Olympia Marathon München geschrieben, so dass ich mir eine detaillierte Streckenbeschreibung sparen kann. Aber die Vorgeschichte zu diesem einzigartigen Marathon ist und bleibt mir im Gedächtnis. Immer wieder hat Andreas während unserer gemeinsamen Läufe von seinem Traum erzählt, dass er einmal den Marathon von 1972 auf der originalen Strecke laufen möchte. Der kleine Andreas saß damals vor der Schwarz-Weiß-Flimmerkiste und verfolgte gebannt den Marathon. Der noch kleinere Greppi saß vermutlich ebenfalls vor dem Fernseher, hat aber wohl mit seinen 11 Monaten noch nicht verstanden, was da vor sich geht. Aufgrund von vielen Erzählungen und Berichten fühlt es sich aber doch so an, als hätte ich es damals wirklich miterlebt. Jedenfalls haben Andreas und Judith viele Stunden damit verbracht, die Strecke nachzuvollziehen. Ein genauer Streckenplan war jedenfalls nicht zu finden. Die beiden blieben hartnäckig und so stand die Strecke irgendwann. Dass der Verlauf der Strecke mit viel Fantasie auch den Umrissen des Olympiamaskottchens Waldi entspricht, bestätigt das Andreas und Judith gute Arbeit geleistet haben.

Als die Strecke und der Termin für den Marathon, am Tag genau fünfzig Jahre nach dem Lauf bei den Olympischen Spielen, feststanden, kniete sich auch Bernie richtig rein. Er designte nicht nur eine Goldmedaille, die nahe an das Original von damals angelehnt ist, sondern auch noch ein Laufshirt, eigens für den Jubiläumslauf. Beides sind Meisterwerke und natürlich mit fünfzehn Exemplaren streng limitiert.

Bei mir war die Teilnahme am 50 Jahre Olympia Marathon München lange Zeit ungewiss. Fast vier Monate durfte ich aufgrund einer Rückverletzung keinen Meter laufen. Nur drei Wochen Vorbereitung sollten eigentlich über und auch ausreichend sein, doch dann kam Corona und legte mich erst mal lahm. Keine Woche vor dem Marathon war ich endlich beschwerdefrei und entschied mich für die Teilnahme, gänzlich ohne Training. Jürgen wollte nach seiner Hüft-OP auch wieder einen Marathon laufen. Langsam und mit Pausen, wir entschieden uns das Ganze gemeinsam zu laufen und jeder würde auf den anderen warten, falls es nötig sein sollte. So war ich dann doch zuversichtlich, dass es mit einem Finish klappen sollte.

Um kurz vor 9 Uhr stellte ich mein Auto in der Parkharfe des Olympia-Parks ab und gönnte mir noch ein Frühstück. Sorgenvoll blickte ich nach draußen. Es schüttete wie aus Eimern und es war weit und breit kein Stückchen blauer Himmel zu erkennen. Meine Vorfreude sank und ich spielte auch kurz mit dem Gedanken es einfach bleiben zu lassen. Ich hatte geplant, um viertel nach neun in Richtung der Olympischen Ringe zwischen Kleiner und Großer Olympiahalle loszumarschieren. Dort wollten wir uns zu einem gemeinsamen Foto zu treffen.

Etwas unmotiviert stieg ich aus dem Auto und stellte zu meiner Überraschung fest, dass es nur noch ganz leicht nieselte. Sollte es mit dem Wetter vielleicht doch noch was werden? Mit neuer Motivation machte ich mich auf den Weg und traf erst mal Alois. Er war mit seiner Familie aus Berlin angereist und wollte nach dem Lauf noch das Ed Sheeran-Konzert im Olympia-Stadion besuchen. Nach und nach trudelten die weiteren Teilnehmer ein. Ich freute mich riesig, hatte ich doch die meisten schon lange nicht mehr gesehen. Leider blieb wenig Zeit, um sich ausgiebig zu unterhalten. Bernie teilte die Medaillen und Urkunden aus. Zudem gab es noch die geilen Shirts und natürlich musste noch ein Fotograf gefunden werden, denn ein Gruppenfoto mit allen Teilnehmern in den hellblauen Lauf-Shirts durfte nicht fehlen.

   
 
 

So ging es dann auch schnell los und mir blieb wenigstens keine Zeit mir groß Gedanken zu machen, ob das heute wirklich gut gehen kann. Andreas zählte kurz von Zehn rückwärts und dann setzte sich das Feld auch schon in Bewegung. Jürgen und ich blieben natürlich gleich mal ganz hinten und verloren schnell den Anschluss. Doch das war o.k. und ja auch so geplant. Unter den Glasdächern des Olympiastadions liefen wir noch kurz durch den Park in Richtung Olympisches Dorf. Am Ende des Parks suchten wir uns jeweils noch schnell einen Baum und mussten dann am Olympia-Einkaufzentrum feststellen, dass wir nicht einmal mehr Sichtkontakt zum Ende des Feldes hatten.

So mussten wir uns früher als gedacht, selbst um die Navigation kümmern. Auch das mutete bei uns etwas historisch an. Jürgen hatte einen Ortsplan von München dabei, in den er die Strecke eingezeichnet hatte. An der ein oder andren Kreuzung standen wir wie zwei Touristen da, drehten und wendeten den Plan, um ja auf dem richtigen Weg zu bleiben. Die ersten Kilometer waren jetzt nicht gerade von Highlights gespickt. Besser gesagt, es gab gar keine. Aber so konnten wir uns wenigstens auf die Strecke konzentrieren. Jürgen und ich legten uns währenddessen auch eine Laufstrategie zurecht. Wir wollten versuchen, die ersten 21 Kilometer halbwegs vernünftig und ohne größere Pausen zu bewältigen. Danach wollten wir uns ein Bierchen gönnen. Bis 30 Kilometer also etwa beim Eingang zum Englischen Garten, sollte ein Biergarten unsere Belohnung sein und dann würden wir uns irgendwie ins Ziel durchschlagen.

Es lief wirklich ganz gut, auch wenn wir laut Uhr furchtbar langsam unterwegs waren. Das war aber tatsächlich den regelmäßigen Stopps zu verdanken, in denen wir die Streckenkarte analysierten. Unterwegs gabelten wir dann auch noch Axel auf, der keinen Plan von der Strecke hatte und somit auf uns angewiesen war. Der Eingang zum Nymphenburger Park war zwar etwas tricky, zum Glück kam jedoch gerade ein Spaziergänger durch die weiße Tür und somit waren wir auch weiterhin auf dem richtigen Pfad unterwegs. Das Laufen im Park machte mir dann richtig Spaß und irgendwie hatte ich nun auch das Gefühl, dass es tatsächlich mit dem Finish etwas werden könnte. Am Schloss füllte Jürgen seine Wasserreserven auf und Axel musste jede Menge Erinnerungsfotos machen.

Nach einer Schleife, die uns wieder zum Nymphenburger Schloss brachte, stand als nächstes der Hirschgarten an. Bei Jürgen und mir wurden nun auch die Beine etwas schwer und wir sehnten unser erstes Ziel, die ersten 21 Kilometer bei. Schweren Herzens mussten wir den Biergarten im Hirschgarten links liegen lassen, noch hatten wir ein paar Kilometer vor uns. Doch dann war es endlich soweit und wir kehrten bei einem Asiaten auf ein „Chiemseer Hell“ ein. Danach waren die Beine wieder locker und weiter gings.

Noch ein paar Kilometer durch München und die wahren Highlights, die man auch noch vom heutigen München Marathon kennt, lagen vor uns. Glyptothek, Königsplatz, Karolinenplatz, Odeonsplatz und dann weiter durch die Ludwigstraße. Axel, der zum ersten Mal in München lief, blieb immer wieder zurück. Es gab zu viel zum Fotografieren. Die Ludwigstraße war ein totales Highlight, sie war nämlich für die bevorstehende Blade-Night schon komplett gesperrt und wir konnten mitten auf der Straße laufen.

 
 
 
   
 

Nicht mehr weit und der Eingang zum Englischen Garten lag vor uns. Im Biergarten gab es noch ein schnelles „Hofbräu“, das uns für die große Runde durch den Park stärken sollte. Bald waren auch die 30 Kilometer voll und Jürgen und ich waren uns sicher. Wie auch immer, wir kommen heute ins Ziel.

Einen ungeplanten Stopp, der uns nochmal mindestens zwanzig Minuten kostete, mussten wir aber doch noch einlegen. Ein paar Jungs und Mädels in Tracht kamen uns entgegen und sie trugen zwei Kästen „Maxlrainer“ mit sicher. Ich konnte es mir nicht verkneifen zu fragen, ob sie denn eine mobile VP sind. Nachdem wir erklären mussten, was wir gerade treiben, hatte wir auch unversehens eine weitere Halbe in der Hand und die musste natürlich auch verzehrt werden. Wir hatten jede Menge Spaß und konnten auch ein paar Erinnerungsfotos mit der Gruppe schießen. Sie feierten gerade einen Junggesellenabschied und waren einfach nur gut drauf.

Schließlich mussten wir uns doch verabschieden, denn wir hatten ja noch acht Kilometer vor uns. Die verliefen ebenfalls reibungslos, auch wenn natürlich die ein oder andere Gehpause eingelegt werden musste. Etwas bitter waren noch die letzten drei Kilometer. Es begann wieder wie aus Eimern zu schütten und so kamen wir klatschnass im Olympiastadion an. Ein Regenbogen über dem Olympiaturm schien uns willkommen zu heißen und Jürgen und ich klatschten schon einen Kilometer vor dem Ziel freudig ab. Wir haben es tatsächlich geschafft, auch wenn es der langsamste Marathon war, den wir jemals auf ebener Strecke gelaufen sind. Im Ziel wartete noch Alois auf uns. Er war bereits umgezogen und voller Vorfreude auf das Konzert. Eine Begeisterung die Jürgen und ich nicht teilen konnten. Musikgeschmäcker sind halt unterschiedlich.

Wir schnauften noch etwas durch und machten uns dann doch ziemlich schnell auf den Rückweg zu unseren Autos. Wir waren nass und uns fröstelte, so dass wir auf ein gemeinsames Finisher-Foto verzichteten. Im Ziel waren wir uns jedoch alle einig. Das war ein wirklich einzigartiges Erlebnis. Was Andreas, Judith und Bernie da auf die Beine gestellt haben, sucht seines Gleichen. Vielen Dank hierfür. Es war mein 134ster Marathon, aber sicherlich auch einer, der mir für immer in Erinnerung bleiben wird. Dafür gibt es natürlich mehrere Gründe. Für mich zählte heute eh nur der Olympische Gedanke: Dabei sein ist alles! – Denn hätte ich diesen Marathon versäumt, würde mir das Ewig stinken. Ohne zu übertreiben kann ich sagen, dass ich Teil von etwas ganz Besonderem war.

   
 
Charly
Bernie
Greppi
5:32:43
5:49:07
7:51:23
   
Veranstalter: isarmarathon.de  
 
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