In Pullach haben wir 30 km hinter uns. Während einer Unterhaltung erinnert Andreas an den kürzlichen, unerwartet verstorbenen Schauspieler Alexander Held, der den mit seinen unorthodoxen Ermittlungsmethoden beliebten Kriminalhauptkommissar Ludwig Schaller in der Krimiserie München Mord spielt. In den bisherigen Folgen von München Mord gab es natürlich immer viele Tatorte in und rund um München und viele lagen an der Isar, an Stationen, die wir beim Isar-Marathon auch schon passiert haben. Andreas kann einige davon aus dem Stehgreif aufzählen und da ich auch ein großer Fan vom Trio Schaller, Neuhauser und Flirl bin, kenne ich mich da auch bestens aus.
Mit der 11. Austragung des Isar-Süd Marathons, erreichen wir heute genau die Hälfte der 22 Folgen von München Mord. Der Wettergott meint es schon fast zu gut mit uns, bis zum Nachmittag sind Temperaturen um 30 Grad angesagt, kurzum, so manch einer würde bestimmt jetzt unken, Marathonlaufen ist bei den Temperaturen schon fast so was wie Selbstmord. Wobei wir wieder beim Thema wären. Aber wir wollen natürlich nicht jammern, haben uns unser Hobby freiwillig ausgesucht und freuen uns erst mal auf einen sonnigen Tag.
Unser Tatort liegt wie immer vor dem Klohäuschen hinter dem Müller’schen Volksbad, fast in der Stadtmitte von München. Der Start- und Zielplatz liegt für das heutige Wetter strategisch äußerst günstig, direkt neben dem Biergarten der Muffathalle, in welchem wir nach erfolgreicher Absolvierung, sicher wieder ein paar verlorengegangene Elektrolyte ausgleichen werden. Zum Lauf sind heute sieben Teilnehmer*innen eingeschrieben. Daniel und Tom sind unabhängig voneinander bereits seit den früheren Morgenstunden unterwegs. Dazu kommen mit mir noch die Veranstalter Andreas & Judith und Roland. Mit Russel ist ein Engländer am Start, der zum ersten Mal an einem der unterschiedlichen Marathons von Andreas‘ isarmarathon.de-Serie teilnimmt.
Judith zählt von 10 runter und pünktlich um 8.30 Uhr machen wir uns auf den Weg. Die ersten drei Kilometer führen uns erstmal an der Isar nordwärts. Um die Marathon-Distanz voll zu bekommen, müssen wir eine 6 km lange Zusatzschleife absolvieren. In früheren Ausgaben wurde sie noch hinten angehängt. Nach einem Kilometer überqueren wir an der Luitpoldbrücke, unterhalb des Friedensengels die Prinzregentenstraße. Kaum Verkehr. München schläft noch. Eine Baustelle an der Isar zwingt uns auf einen etwas höhergelegenen Weg über der Isar. Kurz vor der John F. Kennedy Brücke ist unsere Wende, auf einem anderen Weg, etwas weiter unten in den Isarauen geht es zurück. Selbst zu so früher Stunde ist es zwischen den Bäumen bereits schwülwarm.
Nach etwa 5 km kommt uns Daniel entgegen, er hat den Großteil seiner Runde schon hinter sich. Mit Erlaubnis von Rennleiter Andreas beginnt er seinen Lauf immer in der Nähe seines Wohnorts München Solln. Russel verabschiedet sich jetzt von uns, er will etwas schneller laufen. Wir unterqueren mit der Ludwigsbrücke, Münchens älteste Isarbrücke. Direkt danach steht auf der Museumsinsel das Deutsche Museum. Seit geraumer Zeit wird es modernisiert. Die erste Hälfte kann bereits wieder besucht werden. Die zweite Hälfte des Museums ist wegen der Modernisierung noch bis ca. 2028 geschlossen.
Andreas, Roland und ich laufen direkt in den Frühlingsanlagen weiter, während Judith einen etwas komfortableren Weg, etwas weiter entfernt vom Isarufer zwischen den Bäumen wählt. Mir gefällt der Weg mit teilweise Trail-Charakter ganz nahe am Wasser und unter den Brücken hindurch deutlich besser, zudem sind derzeit auch noch nicht viele Ausflügler in den Isarauen unterwegs oder bereits beim Baden. Ein weiterer Grund ist die Brudermühlbrücke. Nach unterqueren der Brücke ist ein Blick zurück, dringend ratsam. Ein fantastischer Adler mit eindringlichem Blick, leuchtendem Federkleid und einen grauen Bolzenschneider in den Klauen wacht an der Brücke über die Isarauen. Ein Münchner Streetart-Künstler hat das Kunstwerk mit dem Namen „Wesen der Lüfte, Himmel der Freiheit“ geschaffen. Sieben Wochen lang arbeitete er an seinem 900 Quadratmeter großen Graffiti.
In Höhe des Tierparks Hellabrunn wechseln wir auch auf den Weg abseits des Ufers, wo wir wieder auf Judith treffen. Wir ziehen am Tierpark Hellabrunn vorbei. Im Elchgehege können wir durch dichten Bewuchs einen Elchbullen liegen sehen. Judith kennt sich hier besonders gut aus, kennt die verschiedenen Sektionen im Tierpark und kann uns die unterschiedlichen Gehege erklären. Sie hat eine Saisonkarte und besucht ihn etwa zwanzig Mal im Jahr. Leider gibt es am Zaun entlang nur wenige Tiere zu sehen.
Über dem Marienklausensteg überqueren wir nach 12 km die Isar und direkt im Anschluss über die Marienklausenbrücke auch noch den Isarwerkkanal. Diesen aber nur zu einem kurzen Abstecher zu einem Trinkbrunnen. Judith, Andreas und Roland benötigen dringend Nachschub, ich nur etwas Wasser über den Kopf. Zwischen Isar und Isarwerkkanal laufen wir weiter, ohne die Isar jetzt zu Gesicht zu bekommen. Der 8 km lange Abschnitt in Thalkirchen ist bereits vollkommen im Grünen, aber leider auch in der prallen Sonne. Zwischendrin unterqueren wir die Großhesselloher Eisenbahnbrücke, beim Rückweg werden wir sie von oben genauer unter die Lupe nehmen können. |