Die Marschveranstaltungen sind ein eigener Bestandteil der großen Sportveranstaltungen, um etwas Gesundes für sein Körper zu tun. Es gibt zwei große Veranstalter in Deutschland, die Marken Mammutmarsch und Megamarsch. Beide wurde fast zeitgleich in den Jahren 2015/2016 erstmalig offiziell gestartet. Mittlerweile werden Distanzen zwischen 25km und 100km je nach Ort angeboten und beide Serien sind auch international unterwegs, der Großteil der Veranstaltungen liegt aber bei beiden Serien in Deutschland.
Spanien hat sich beim Mammutmarsch als 2. Standbein favorisiert (Malaga, Barcelona, Valencia, Madrid und Bilbao). Der ursprüngliche Gedanke beider Serien liegt darin, 100km in 24 Stunden zu absolvieren. Wie bei den Laufveranstaltungen auch, schränkt das aber das Teilnehmerfeld bei dem Umfang entsprechend ein und wirtschaftliche Gründe geben den Takt vor ein breites Feld mit vielen Distanzen abzudecken.
In München machen beide Serien Station, der Megamarsch geht one way von München nach Garmisch-Partenkirchen, der Mammutmarsch mit einem Rundkurs im Süden München's mit Start und Ziel am Sportplatz in Planegg/Krailling. Die Teilnehmerzahlen werden nicht veröffentlicht und es gibt auch keine Ergebnislisten, es sind aber viele Tausend Teilnehmer.
Beim Mammutmarsch München gab es dieses Jahr zusätzlich auch eine Strecke über 75 km, die auf direkterem Weg nach Percha an den Starnberger See ging (20km) und dort bei km 45 auf die 100km Strecke traf. Den Startblock kann man selbst wählen (sofern nicht voll), es ging bereits morgens kurz nach 9 Uhr los, ich hatte mich für den 2. Startblock um 9:30 Uhr eingetragen. Das geht bis in den Nachmittag, da die 75km Teilnehmer erst nach den 100km Startern losmarschieren.
Nachdem ich bereits letztes Jahr teilgenommen hatte und es eine besondere Herausforderung war, das einmal geschafft zu haben, wollte ich mit dem Thema abhaken, da doch viel Zeit für die Vorbereitung draufgeht und man Länge und Zeit ordentlich unterschätzen kann. Man muss das Wetter, die Nacht, das Gewicht des Rucksacks und die nicht zu vermeidenden Blasen einkalkulieren und handeln können. Ausschlaggebend für meine 2. Teilnahme war eine Arbeitskollegin, die vorhatte das mit Freunden auch einmal zu absolvieren, letztendlich blieb sie aber allein übrig und da ich mich gut mit ihr verstehe, habe ich mich relativ kurzfristig damit beschäftigt und spontan zugesagt. Möglichkeiten zum Ausstieg gibt es immer und da die Vorbereitungszeit viel zu kurz war, habe ich mich zumindest in Gedanken auch damit beschäftigt.
Die Mammutmarsch Community ist in ein großes Social Media Umfeld eingebunden, die „Mammuts“ haben ihre Maskottchen am Rucksack befestigt und die vielen Patches mit den km Angaben weisen darauf hin, wie viele Kilometer schon erwandert worden sind, die meisten haben bereits tausende davon erreicht. Den ersten Patch gibt es ab 150km.
Zum Start mit meiner Arbeitskollegin Kathrin hatten wir vereinbart, dass wir das Ganze gemütlich angehen werden, da die hohen Temperaturen im Laufe des Tages nicht ideal sind und ich selbst in der kurzen Vorbereitung die Zeiten des Vorjahres bei Testmärschen weit verfehlt hatte. Ihr Ziel war sicher in 24 Stunden ankommen, daher hat das gut zusammengepasst.
Von Krailling ging es durch den Kreuzlinger Forst an Gauting vorbei Richtung Pilsen- und Ammersee zur ersten VP in Frieding bei km 22,6. Das zieht sich durch kleine Ortschaften über Asphalt und Schotterwege dahin, in der Zeit haben wir uns auch noch viel unterhalten, damit die Zeit vergeht. Für eine kleine Überraschung sorgten Freundinnen von Kathrin, die sich als Support angekündigt hatten und urplötzlich an der Strecke auftauchten.
Die 1. VP bei der Feuerwehr in Frieding wurde von allen bei Getränken und Verpflegung stark beansprucht, das lag jetzt schon an den hohen Temperaturen und das ohne die 75km Teilnehmer, die erst bei VP 2 dazustießen. Ich habe ausreichend Cola und Holunderschorle getrunken und belegte Brote gegessen, da mir sehr danach war, irgendwie spürte ich schon, dass dies heute noch eine besondere Herausforderung werden wird. Mein Geheimtipp sind immer die Essiggurken und Radieschen, die es dort gibt, sozusagen das Extra-Goodie zur Motivation.
Bis zur nächsten 2. VP in Percha (km 45,6) am Starnberger See ist es wieder die gleiche Entfernung. Bevor man aber dahinkommt, wandert man auf Höhe der Seenplatte vom Pilsen- bis zur Mitte des Ammersee’s weiter, bis man an den Abzweigpunkt zu Kloster Andechs kommt. Man könnte dort einkehren, aber es ist schon noch ein wenig entfernt und den möglichen Umweg tut sich eigentlich keiner an, da es bei km 30 einfach noch zu früh ist und der Berg „abschreckt“.
Von Kloster Andechs ging es weiter zum Starnberger See über die Maisinger Schlucht, ein herrliches Landschaftsschutzgebiet. Davor kommt der Maisinger See mit einem Biergarten direkt an der Strecke bei ca. km 40. Das kannte ich vom letzten Jahr und ich gab Gas, damit ich dort zu einem Radler einkehren konnte, bis Kathrin auch dort eintraf (wollte keinen Stopp dort machen). Während ich mir mein Radler reinzog, sah ich mir den Himmel an, es waren Gewitter gemeldet und es war auch immer wieder kurz davor, aber das verzog sich regelmäßig.
Als wir den Biergarten gerade verlassen hatten, gab es aber einen Wolkenbruch, den ich in meinem Leben so noch nie erlebt hatte. Wir hätten die Chance gehabt umzukehren, dann wären wir halbwegs trocken geblieben, so liefen gefühlt mehrere Eimer Wasser direkt über meinen Kopf und die Regenjacke direkt in die Socken und damit auch in die Schuhe. Zu dem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, dass das Fehlen der Regenhose sich furchtbar an meinen Füßen in Form von unzähligen Blasen rächen würde (kein Pflastertape hat mehr ansatzweise geklebt). So ging das ca. 20min, im Prinzip blieben nur die Teilnehmer am Biergarten trocken, der Rest musste durch ein „Höllengewitter gehen“.
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