1.8.2026 Mammutmarsch München
Autor: Mario Peschke  
 

Haspelmoor Marathon
Hahnenkammsee MA
Munich Urban Trail A
Munich Urban Trail B
Isar-Süd Marathon
Tegernsee Marathon
Mammutmarsch MUC
Marathon am Lech A
Marathon am Lech B




 

Die Marschveranstaltungen sind ein eigener Bestandteil der großen Sportveranstaltungen, um etwas Gesundes für sein Körper zu tun. Es gibt zwei große Veranstalter in Deutschland, die Marken Mammutmarsch und Megamarsch. Beide wurde fast zeitgleich in den Jahren 2015/2016 erstmalig offiziell gestartet. Mittlerweile werden Distanzen zwischen 25km und 100km je nach Ort angeboten und beide Serien sind auch international unterwegs, der Großteil der Veranstaltungen liegt aber bei beiden Serien in Deutschland.

Spanien hat sich beim Mammutmarsch als 2. Standbein favorisiert (Malaga, Barcelona, Valencia, Madrid und Bilbao). Der ursprüngliche Gedanke beider Serien liegt darin, 100km in 24 Stunden zu absolvieren. Wie bei den Laufveranstaltungen auch, schränkt das aber das Teilnehmerfeld bei dem Umfang entsprechend ein und wirtschaftliche Gründe geben den Takt vor ein breites Feld mit vielen Distanzen abzudecken.

In München machen beide Serien Station, der Megamarsch geht one way von München nach Garmisch-Partenkirchen, der Mammutmarsch mit einem Rundkurs im Süden München's mit Start und Ziel am Sportplatz in Planegg/Krailling. Die Teilnehmerzahlen werden nicht veröffentlicht und es gibt auch keine Ergebnislisten, es sind aber viele Tausend Teilnehmer.

Beim Mammutmarsch München gab es dieses Jahr zusätzlich auch eine Strecke über 75 km, die auf direkterem Weg nach Percha an den Starnberger See ging (20km) und dort bei km 45 auf die 100km Strecke traf. Den Startblock kann man selbst wählen (sofern nicht voll), es ging bereits morgens kurz nach 9 Uhr los, ich hatte mich für den 2. Startblock um 9:30 Uhr eingetragen. Das geht bis in den Nachmittag, da die 75km Teilnehmer erst nach den 100km Startern losmarschieren.

Nachdem ich bereits letztes Jahr teilgenommen hatte und es eine besondere Herausforderung war, das einmal geschafft zu haben, wollte ich mit dem Thema abhaken, da doch viel Zeit für die Vorbereitung draufgeht und man Länge und Zeit ordentlich unterschätzen kann. Man muss das Wetter, die Nacht, das Gewicht des Rucksacks und die nicht zu vermeidenden Blasen einkalkulieren und handeln können. Ausschlaggebend für meine 2. Teilnahme war eine Arbeitskollegin, die vorhatte das mit Freunden auch einmal zu absolvieren, letztendlich blieb sie aber allein übrig und da ich mich gut mit ihr verstehe, habe ich mich relativ kurzfristig damit beschäftigt und spontan zugesagt. Möglichkeiten zum Ausstieg gibt es immer und da die Vorbereitungszeit viel zu kurz war, habe ich mich zumindest in Gedanken auch damit beschäftigt.

Die Mammutmarsch Community ist in ein großes Social Media Umfeld eingebunden, die „Mammuts“ haben ihre Maskottchen am Rucksack befestigt und die vielen Patches mit den km Angaben weisen darauf hin, wie viele Kilometer schon erwandert worden sind, die meisten haben bereits tausende davon erreicht. Den ersten Patch gibt es ab 150km.

Zum Start mit meiner Arbeitskollegin Kathrin hatten wir vereinbart, dass wir das Ganze gemütlich angehen werden, da die hohen Temperaturen im Laufe des Tages nicht ideal sind und ich selbst in der kurzen Vorbereitung die Zeiten des Vorjahres bei Testmärschen weit verfehlt hatte. Ihr Ziel war sicher in 24 Stunden ankommen, daher hat das gut zusammengepasst.

Von Krailling ging es durch den Kreuzlinger Forst an Gauting vorbei Richtung Pilsen- und Ammersee zur ersten VP in Frieding bei km 22,6. Das zieht sich durch kleine Ortschaften über Asphalt und Schotterwege dahin, in der Zeit haben wir uns auch noch viel unterhalten, damit die Zeit vergeht. Für eine kleine Überraschung sorgten Freundinnen von Kathrin, die sich als Support angekündigt hatten und urplötzlich an der Strecke auftauchten.

Die 1. VP bei der Feuerwehr in Frieding wurde von allen bei Getränken und Verpflegung stark beansprucht, das lag jetzt schon an den hohen Temperaturen und das ohne die 75km Teilnehmer, die erst bei VP 2 dazustießen. Ich habe ausreichend Cola und Holunderschorle getrunken und belegte Brote gegessen, da mir sehr danach war, irgendwie spürte ich schon, dass dies heute noch eine besondere Herausforderung werden wird. Mein Geheimtipp sind immer die Essiggurken und Radieschen, die es dort gibt, sozusagen das Extra-Goodie zur Motivation.

Bis zur nächsten 2. VP in Percha (km 45,6) am Starnberger See ist es wieder die gleiche Entfernung. Bevor man aber dahinkommt, wandert man auf Höhe der Seenplatte vom Pilsen- bis zur Mitte des Ammersee’s weiter, bis man an den Abzweigpunkt zu Kloster Andechs kommt. Man könnte dort einkehren, aber es ist schon noch ein wenig entfernt und den möglichen Umweg tut sich eigentlich keiner an, da es bei km 30 einfach noch zu früh ist und der Berg „abschreckt“.  

Von Kloster Andechs ging es weiter zum Starnberger See über die Maisinger Schlucht, ein herrliches Landschaftsschutzgebiet. Davor kommt der Maisinger See mit einem Biergarten direkt an der Strecke bei ca. km 40. Das kannte ich vom letzten Jahr und ich gab Gas, damit ich dort zu einem Radler einkehren konnte, bis Kathrin auch dort eintraf (wollte keinen Stopp dort machen). Während ich mir mein Radler reinzog, sah ich mir den Himmel an, es waren Gewitter gemeldet und es war auch immer wieder kurz davor, aber das verzog sich regelmäßig.

Als wir den Biergarten gerade verlassen hatten, gab es aber einen Wolkenbruch, den ich in meinem Leben so noch nie erlebt hatte. Wir hätten die Chance gehabt umzukehren, dann wären wir halbwegs trocken geblieben, so liefen gefühlt mehrere Eimer Wasser direkt über meinen Kopf und die Regenjacke direkt in die Socken und damit auch in die Schuhe. Zu dem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, dass das Fehlen der Regenhose sich furchtbar an meinen Füßen in Form von unzähligen Blasen rächen würde (kein Pflastertape hat mehr ansatzweise geklebt). So ging das ca. 20min, im Prinzip blieben nur die Teilnehmer am Biergarten trocken, der Rest musste durch ein „Höllengewitter gehen“.

   
 

Nach Verlassen der Schlucht geht es direkt durch Starnberg bis nach Percha zu VP 2 vom Skiclub. Dort haben wir erstmal eine längere Pause eingelegt, Kathrin hatte wieder ihren Support und konnte sich trocken umziehen. Ich stand in meinen nassen „Goretex“ Schuhen, jeder weiß, die werden nie wieder trocken (das waren aber mein einziges Paar Schuhe nach vielen Tests, die über diese lange Distanz schon im Vorjahr in Frage kamen; Laufschuhe alle nicht dafür geeignet gewesen), aber „jammern“ bringt mich nicht ans Ziel, also eine heiße Suppe getrunken und weiter geht’s.

An der VP 2 steigen erfahrungsgemäß die ersten Teilnehmer aus, ich denke nach dem Wolkenbruch waren das nicht wenige. Auf der Strecke war jetzt mehr los, da auch die 75km Teilnehmer jetzt dabei waren. Von Percha geht es über Hohenschäftlarn zum VP 3 in die Schule Baierbrunn. Auf dem Weg dorthin wird es Nacht, das ist auch der Streckenabschnitt, wo man teilweise durch Felder (-wege) gehen muss, da benötigt es Stirnlampen, um nicht ein „Loch“ zu übersehen. Ich habe darauf verzichtet und mich an den anderen Lampen orientiert, später ist es technisch auch nicht mehr notwendig.

Die VP 3 hatte als Special einen Hot Dog im kulinarischen Angebot (analog Vorjahr) und in der Schule ist es ideal, die Sanitäranlagen in Anspruch zu nehmen. Meine Motivation nahm mit Zunahme meiner Schmerzen an den Fußsohlen spürbar ab, ich hatte ernsthaft Bedenken, wie das noch über 40km halten soll. Aber da ein weiterer Arbeitskollege (der hat mich letztes Jahr zur Teilnahme mit ihm aufgefordert und eine Woche davor wegen Verletzung abgesagt) von seinem Wohnort in München (wir wollten uns eigentlich erst dort treffen) zur Großhesseloher Brücke rauskam, war das wieder ein Ansporn durchzuhalten, außerdem hatte sich auch Kathrin’s Mann entschlossen uns schon kurz danach (statt Innenstadt) bis ins Ziel zu begleiten. Mein Wunsch an meinen Arbeitskollegen war, dass er mir bitte einen Schnaps gegen die Schmerzen mitbringen soll, alles kleben half nur noch sekundär.

Vom Veranstalter wurde noch eine zusätzliche VP 4 (ca. km 70) beim Vereinsheim der Kanuabteilung des ESV München an der Zentrallände auch auf Grund der Temperaturen ca, eine Woche vor Start angekündigt. Wieder eine gute Gelegenheit für die Sanitäranlagen, Highlight der VP war Käsekuchen, ich habe 2 davon „verdrückt“, der war köstlich.

Der weitere Weg an der Isar zurück bis nach Haidhausen ist unspektakulär, man hört an jeder Ecke Menschen an der Isar feiern und das die ganze warme Nacht hindurch. Die nächstem 10 km verliefen kurzweilig, da mich die Gespräche mit meinem Kollegen von meinen Schmerzen ablenkten. Der verabschiedete sich dann Richtung „Heimat“ und zu dritt liefen wir dann weiter durch die Münchner Innenstadt, Maxvorstadt durch den Olympiapark. Dort lagen gefühlt auf jeder Bank Wanderer, die dort ein Nickerchen machten und die Zeit bis zum Zielschluss ausreizten. Im Gedächtnis blieb mir ein Typ, der tatsächlich seine Zähne putzte (witzig, den traf ich auf dem Heimweg in der S-Bahn wieder und wir lachten zusammen darüber).

Bei km 84 kam dann die letzte VP 5 im Münchenstift in Neuhausen. Ich lief unrund, aber aufhören stand jetzt auch nicht mehr zur Debatte, dafür hatte ich jetzt schon zu viel eingesteckt und gelitten. Die Pause war daher nur kurz, um nicht aus dem Rhythmus zu kommen, aber der an dieser Stelle bekannte köstliche Milchreis im Verpflegungsangebot darf definitiv nicht ausgelassen werden. Dann schnell weiter an Schloss Nymphenburg vorbei und den sich noch lange ziehenden über 10km langen Weg zurück nach Planegg. Dabei kommt man in Pasing direkt am Pasing-Nymphenburg Kanal entlang, der dort ein Abzweig der Würm ist. Die letzten km über Lochham und Gräfelfing verliefen eher schweigend, es fehlte für alles die Kraft und der Kopf war ausgeblendet. Erst zum Zieleinlauf habe ich mich noch kurz gesammelt, die Medaille entgegengenommen, meine Stempel eingetragen, meine ersten Patches für absolvierte 150 und 200km eingesammelt und mein Freigetränk schnell eingenommen.

Was bleibt: 100km habe ich dreimal absolviert (zu meiner besten Zeit als Läufer, letztes Jahr in sehr guter Wanderform, dieses Jahr „Hauptsache in der Zeit geblieben). Gemäß dem Sprichwort: Aller guten Dinge sind drei, werde ich dieses Kapitel 100km mit Freude und Stolz beenden.

 
   
   
 
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