10.9.2016 Sri Chinmoy Transcendence 6-Stunden-Lauf München
Autor: Andreas Greppmeir
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Ich bin mal wieder auf der Suche nach einem Sechs-Stunden-Lauf und werde im nahegelegenen München fündig. Dort findet der Sri Chinmoy Transcedence Sechs-Stunden-Lauf statt. Ein komischer Name für eine Laufveranstaltung wie ich finde, aber die Ausschreibung klingt interessant. Irgendwie habe ich den Namen Sri Chinmoy schon mal gehört, aber so richtig etwas damit anfangen kann ich nicht. Daher habe ich mich schlau gemacht.

Chinmoy Kumar Ghose wurde im August 1931 in Bangladesch geboren. Der Lebenslauf von Sri Chinmoy, wie er kurz genannt wurde, ist lang. Kurz zusammengefasst wirkte er als Dichter, Schriftsteller, Komponist, Künstler und nicht zuletzt als Sportler. Die Meditation, um das Erfahrene zu vermitteln, lag ihm sehr am Herzen und er baute von New York aus ein weltweites Netzwerk von Meditationszentren auf.

1987 organisierte Chinmoy einen Lauf für internationale Freundschaft: Den Peace Run. Der Lauf fand zunächst alle zwei Jahre, später dann jährlich statt. In Europa gab es im Jahre 2008 einen Lauf über beinahe 24.000 Kilometer durch 49 Länder. Das Ziel dieses Fackellaufs war es, die Harmonie zwischen den Menschen diverser Länder und Glaubensrichtungen und Kulturen zu fördern. Dieser Lauf wurde von Persönlichkeiten wie Mutter Teresa, Nelson Mandela, Carl Lewis und Michail Gorbatschow unterstützt, die ebenfalls die Fackel trugen.

Chinmoy war jedoch selbst Sportler. Er nahm in seiner Jugend an Sprintrennen teil, absolvierte diverse Zehnkämpfe, nahm an Radrennen und Tennisturnieren teil, bis er schließlich zum Langstreckenlauf wechselte. Er absolvierte 22 Marathons und mehrere Ultramarathons.

Er, der übrigens im Oktober 2007 in New York verstarb, gründete 1977 das Sri Chinmoy Marathon Team, das rund 500 öffentliche Sportveranstaltungen weltweit organisierte, darunter auch viele Langstreckenläufe. Harry Arndt, langjähriger Präsident der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung, kurz DUV, bezeichnete das Sri Chinmoy Marathon Team als Pionier im Ultralauf.

Auch über seinen Tod hinaus blieben ihm die Anhänger treu und das Sri Chinmoy Marathon Team existiert noch immer. Im Münchner Ortsteil Moosach wurde eine Friedensmeile durch Chinmoy eingerichtet. Sie fand ihren Platz im Post-Sport-Park. Der Rundkurs weist eine Länge von 1580 Metern auf und verläuft flach um den Park, der diverse Sportanlagen beherbergt. Diesen Rundkurs gilt es beim Sechs-Stunden-Lauf möglichst oft zu umrunden. Mein Laufkumpel Charly und Kathi Schramm sind sofort dabei, als ich ihnen davon erzähle. Nur Bernie kann ich nicht dazu überreden, er kann sich nicht vorstellen, dass es Spaß machen soll, sechs Stunden im Kreis zu laufen. Für mich ist es mein dritter Sechs-Stunden-Lauf und mir machen sie wirklich Spaß.

So stehen wir dann am Samstag um kurz nach neun Uhr im Post-Sport-Park und holen unsere Startunterlagen ab. Wichtig ist hierbei auch, dass man mit seinem persönlichen Rundzähler noch vor dem Start Kontakt aufnimmt. Die Runden werden nämlich nicht durch Laufchips und Zeitmatten gezählt, sondern persönlich. Mir wird die Rundenzählerin auf dem Platz „E“ zugewiesen. Durch Augenkontakt nach jeder gelaufenen Runde geht man sicher, dass sie einen nicht übersieht und so eine Runde vergisst. Auch eine gut bestückte Verpflegungsstation ist auf derselben Höhe aufgebaut. An der Strecke gibt es Toiletten und Sanitätsdienste. Es ist also bestens für alles gesorgt, die Organisation stimmt.

Charly, Kathi und ich gehen noch eine Runde um den Park, um uns schon mal zu orientieren. Zu meiner Freude liegt in Großteil der Strecke im Schatten, da es auch heute wieder um die 30 Grad heiß werden soll. Wir treffen auch schon auf den ein oder anderen Bekannten und wechseln ein paar Worte. Die Vorfreude auf den Start wächst. Eine viertel Stunde vor dem Start begeben wir uns an den Start, der ist nämlich rund 500 Meter vom Ziel entfernt, da die exakten 50 Kilometer somit im Zielbereich zeitlich gemessen werden können. Der Organisator hält noch eine kurze Ansprache und dann geht es auch schon ziemlich unspektakulär los.

Über die Strecke kann man wirklich nicht viel erzählen, da es im Prinzip ja immer nur im Kreis geht. Abwechselnd durch schattige Waldwege und manchmal halt leider auch in der Sonne. Die Strecke führt nahezu ausnahmslos über gut gefestigte Wege, auf Teer wird nur kurz im Zielbereich gelaufen. Ich gehe die erste Runde gemäßigt an, ich will ja schließlich sechs Stunden durchhalten und sortiere mich im Feld ein. Rund 100 Läufer, darunter auch Staffeln, die in Vierer-Teams laufen und sich die Strecke teilen können, wie sie wollen, verteilen sich relativ schnell und ich kann von Anfang an mein eigenes Tempo laufen. Da das Feld am Ende der ersten Runde noch dicht gedrängt ist, muss man mit den Rundenzählern noch keinen Augenkontakt aufnehmen. Da geht der Veranstalter einfach mal davon aus, dass auch wirklich jeder vorbeikommt.

Antje, Conny, Kati und Charly   Vor dem Start   Die Rundenzähler
Kati in Fahrt Strecke im Post-Park Die Siegerin Antje
 

Schon nach dem Ende der zweiten Runde bemerke ich, dass ich eine besonders motivierte Rundenzählerin habe, wir haben nicht nur den geforderten Augenkontakt, sondern sie jubelt mir auch lautstark zu und ruft mir meinen Namen zu. Etwas verwundert bin ich, dass sich Kathi immer noch in Griffweite vor mir aufhält. Eigentlich ist sie ja viel schneller als ich und sollte schon lange entschwunden sein. Doch auch wenn ich etwas schneller als geplant unterwegs bin, fühle ich mich wohl und bleibe bei dem Tempo. Die ersten paar Runden passiere ich die Verpflegungsstation ohne diese in Anspruch zu nehmen. Doch irgendwann wird es Zeit zu trinken und ich bediene mich am reichhaltigen Buffet. Es gibt Wasser, Tee, Cola, alkoholfreies Bier und Malzbier. Auch an fester Nahrung ist für jeden Geschmack etwas dabei. Dort treffe ich dann auch auf Kathi und wir laufen ab diesem Zeitpunkt erst mal zusammen. Kathi weiß einen stets zu unterhalten, so dass es nicht langweilig wird. Zudem treffen wir auch immer wieder auf Bekannte, die teilweise uns überrunden oder in selteneren Fällen werden diese auch von uns überrundet.

Nach etwa zwei Stunden kommt bei mir das übliche Motivationsloch. Man spürt die gelaufenen Kilometer nun doch schon etwas in den Beinen und die Aussicht noch weitere vier Stunden zu laufen, ist nicht gerade motivierend. Deshalb schalte ich jetzt um und denke nicht mehr an die Zeit, die vor mir liegt, sondern nehme mir einfach vor, einen Marathon zu laufen. Das ist jetzt schon übersichtlicher. Bis etwa 30 Kilometer laufe ich auch mit Kathi zusammen weiter, bis mir diese dann doch zu schnell wird.

Nur noch 12 Kilometer, dann ist der Marathon voll. Das ist doch übersichtlich. Die noch zu laufenden Runden zähle ich lieber nicht. Und so laufe ich immer weiter, Runde um Runde, die Verpflegungsstation nutze ich inzwischen bei jeder Runde. Es ist inzwischen heiß geworden. Die Sonne steht nun senkrecht über uns und der kühle Schatten wird immer weniger. Ich schwitze inzwischen und bin tropfnass. Da komme ich an einem Schild mit der Aufschrift „transcendence“, dem Motto dieses Laufs vorbei. Ich muss kurz schmunzeln. Ich fühle mich nicht überlegen oder gar erhaben. Nix Transcendence … ich transpiriere! Der Schweiß läuft überall. Ich nehme jetzt jede Runde statt einem jetzt zwei Becher … alkoholfreies Bier und Cola scheinen eine gute Mischung zu sein.

Die Führenden überholen mich das ein um das andere Mal. Wahnsinn, was die für ein Tempo vorlegen. Ich bin noch nicht mal beim Marathon, da überholt mich einer mit einer roten Fahne in der Hand. Auf ihr steht groß die 50 geschrieben. Da heißt, am Ende der Runde hat er seine 50 Kilometer voll. Ich lasse mich nicht beeindrucken, applaudiere aber höfflich und die Zahl derer, die diese Fahne tragen, nimmt zu. Auch Antje aus Kempten überholt mich mit ihrer 50 km Fahne und ich lasse ihr eine einsame LaOla-Welle zukommen. Antje freut sich. Mein Laufshirt ist inzwischen patschnass, die Laufhose zeigt deutliche Salzränder. Es ist schweißtreibend heute. Doch dann habe ich es geschafft. Bei Runde 27 passiere ich ein Schild mit der Aufschrift „Marathon“. Den habe ich also voll. Ein Blick auf die Uhr zeigt mir, dass ich noch knapp über eine Stunde vor mir habe. Das ist jetzt wirklich übersichtlich. Und so drehe ich weiter meine Runden. Deutlich entspannter, denn eigentlich ist das Soll ja erfüllt.

Ein paar Runden später steht dann meine Rundenzählerin vor mir und will mir eine blaue Fahne mit meiner Startnummer reichen. „Willst Du sie schon, oder geht noch eine?“, frägt sie mich. Ja, ich will die Fahne. Das heißt, meine letzte Runde steht an und ich werde keine weitere mehr laufen, obwohl es mit etwas Anstrengung noch möglich gewesen wäre. So laufe ich meine letzte Runde und kurz bevor ich wieder zum Zielbereich komme, ertönen die Fanfaren. Schluss, Ende, Aus. Die sechs Stunden sind rum. Ich stecke meine Fahne in den Rasen neben dem Weg und freue mich, dass es geschafft ist und vor allem, dass ich so nur noch hundert Meter bis zum Ziel zurückgehen muss.

Dort erhalte ich meine Finisher-Medaille für diesen Sechs-Stunden-Lauf und lasse ich neben Kathi, die auch schon da ist, im Gras nieder. Bernie ist übrigens inzwischen auch da. Er ist extra angereist, um uns auf den letzten Runden zu motivieren. Er hat auch noch ein paar Fotos beigesteuert. Danke dafür. Auch Charly trudelt irgendwann ein, er hat seine Fahne wohl etwas weiter entfernt vom Ziel abgelegt. Nach einer Verschnaufpause geht`s zum Duschen und ich bin schon wieder erstaunlich fit.

Mir hat der Sri Chinmoy Sechs-Stunden-Lauf wirklich sehr gut gefallen. Auch wenn es sich komisch anhören mag, ich fand auch die Strecke schön. Mir wurde wirklich nie langweilig und auch das Familiäre dieses Laufs war wirklich toll. Man kommt während der sechs Stunden mit vielen Teilnehmern ins Gespräch. Die Betreuer der schnellen Läufer versorgen und unterstützen teilweise auch die Hobbyläufer. Somit gilt mein Dank heute nicht nur dem Veranstalter und den vielen freiwilligen Helfern, sondern auch den Mitläufern und deren Begleitern. Es war wirklich schön und hat Spaß gemacht mit Euch.

 
Charly Greppi   Conny  
50 km für Kati Schlussrunde für Charly    
Geschafft  
 
Charly
Greppi

52,813 km
48,353 km
 
     
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Laufbericht 2017 2007 Die 32-Runden-Mission | Andreas Greppmeir
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