17.4.2015 Regensburg Marathon  
Autor: Andreas Greppmeir  
 
 
2015
 
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Bereits 2009 und 2010 war ich in Regensburg beim Halbmarathon am Start und wollte schon damals gerne mal den gesamten Marathon laufen. Doch irgendwie hat es sich bis heute nicht ergeben. Ein Jahr wurde der Regensburg Marathon mangels Sponsoren ausgesetzt und dann war zeitgleich der Salzburg Marathon zu dem ich mich schon angemeldet hatte. In diesem Jahr hatte ich die Möglichkeit, auch wenn ich erst eine Woche zuvor schon in Helgoland gelaufen war, wollte ich mir die Teilnahme am Regensburg Marathon nicht entgehen lassen. Charly war wieder ein potenzielles Opfer und ließ sich nicht lange betteln.

Am Sonntagmorgen um fünf Uhr machten wir uns also auf den Weg nach Regensburg, da wir frühzeitig nachmelden mussten, was ja laut Ausschreibung auch noch am frühen Sonntagmorgen möglich war. Einen Parkplatz in unmittelbarer Nähe zum Start- und Zielbereich hatten wir schnell gefunden, da ich ja aufgrund meiner vergangenen Teilnahmen ortskundig war. Doch nicht nur deshalb kenne und liebe ich Regensburg. Vor etwa 25 Jahren verbrachte ich eine Zeitlang in der Oberpfalz und mangels Möglichkeiten im Nahbereich, war die Stadt erste Adresse für abendliche Aktivitäten. Das „Irish Harp“, eine geniale irische Kneipe direkt an der Steinernen Brücke gibt es noch heute und verwöhnt Besucher regelmäßig mit Livemusik. Das „Pam-Pam“ einen tollen Italiener mit riesigen, leckeren Pizzen in unmittelbarer Nähe des Doms, scheint es aber seit Jahren schon nicht mehr zu geben, war aber damals legendär.

So komme ich heute also wieder zurück nach Regensburg und an der Herzlichkeit dieser Stadt hat sich nichts geändert. Die Nachmeldung verläuft absolut reibungslos, so dass wir dies nach wenigen Minuten erledigt haben und wir noch genügend Zeit haben, um uns auf den Lauf vorzubereiten. Ein wenig Sorgen bereiten mir heute meine Wadln, hatte ich doch am Tag zuvor noch eine medizinische Ganzkörpermassage in Anspruch genommen und merke deren Nachwirkungen noch heute. Nichts destotrotz finden wir uns pünktlich um halb Neun im Startbereich ein. Über viertausend Läufer tummeln sich hinter der Startlinie, wobei nur etwa 650 Läufer den ganzen Marathon unter die Füße nehmen wollen. Bekannte Gesichter finde ich hier heute nicht, was mich doch leicht verwundert. Selbst diejenigen, die meines Wissens nach hier sein sollten, kann ich nicht entdecken.

Wir befinden uns hier übrigens am Donaubad im Donaupark von Regensburg und der Lauf wird über zwei Runden gehen. Die Strecke wurde gegenüber den Anfangszeiten vom Ein-Runden-Kurs zum Zwei-Runden-Kurs verbessert. Früher ging es beim Marathon von der Stadt raus bis zur Walhalla. Das hieß zehn Kilometer an der Donau entlang hin und zehn Kilometer wieder zurück. Ob der Zwei-Runden-Kurs eine Verbesserung wird, da bin ich wirklich gespannt, da ja auch einige andere Streckenänderungen gegenüber meiner ersten beiden Teilnahmen geplant sind. Also, schau ma mal und los geht's.

Die ersten beiden Kilometer entfernen wir uns vom Donaubad in Richtung Stadtpark, wo es für Wildbiesler nahezu die letzte Möglichkeit gibt, sich zu erleichtern. Dort erwartet uns auch die erste Band, die uns mit bayerischen Texten unterhält. Meine behandelten Wadl maulen bis dahin schon ganz ordentlich, machen aber schließlich auf, da sie wohl erkannt hatten, dass sie mich von meinem Vorhaben nicht abbringen können. Kurz vor dem Bismarkplatz erreichen wir die erste Sehenswürdigkeit von Regensburg. Das Jakobstor am westlichen Rand der Altstadt. Die beiden Rundtürme sind der Rest der Eingangstüre der mittelalterlichen Stadtbefestigung aus dem 13. Jahrhundert. Heute sind nur noch die beiden Rundtürme des ehemaligen Portals erhalten, die links und rechts das Straßenbett flankieren.

Für mich beginnt nun das Highlight des Regensburger Marathons. Die Altstadt. Für mich eine der schönsten in Bayern und ich komme gerne hier her. Nun darf ich das ganze endlich wieder laufend erleben. Wir schlängeln uns durch die geniale Altstadt von Regensburg und immer wieder entdecke ich Kneipen und Geschäfte, die ich schon von meinen früheren Besuchen hier kenne. Wie ich erfreut feststelle, nehmen nicht nur die Regensburger teil am Marathon, auch die Touristen jubeln uns zu. Auf der zweiten Runde soll das noch besser werden, sind wir da nur noch vereinzelt laufend unterwegs, so haben jedoch die Besucher der Altstadt deutlich zugenommen.

Wir passieren auch den Regensburger Dom. Ein wirklich imposanter Bau, über den ich wohl nicht allzu viele Worte verlieren muss. Er ist die bedeutendste Kirche der Stadt Regensburg und zugleich Kathedrale des Bistums Regensburg. Der Dom ist übrigens die einzige Kathedrale in Bayern, deren Eigentümer nicht das Bistum, sonder der Freistaat Bayern selbst ist. Alles andere über dieses faszinierende Bauwerk, sollte im Internet zu finden sein, jedenfalls sind wir ruck zuck dran vorbei. Über den Domplatz laufen wir die Ostengasse runter und nähern uns dem Ostentor. Wie schon dem Namen zu entnehmen befinden wir uns nämlich im Osten der Altstadt. Es wurde um 1300 zum Schutz der „Ostenvorstadt“ errichtet. Das gotische fünfgeschossige Bauwerk besteht aus einem viereckigen Turm mit zwei achteckigen Türmen an beiden Flanken. In den oberen Geschossen kann man noch die Schießscharten erkennen. Bis 1955 durchquerte das Ostentor noch die Linie 3 der Regensburger Straßenbahn. 2007 wurde es dann umfassend saniert und steht heute, wie ich finde so gut wie neu da.

Greppi und Charly kurzfristig am Start Altstadtrunde
 

Nun hat es sich eigentlich auf der Hinrunde auch schon mit den Sehenswürdigkeiten, die Kilometer auf der Straubinger Straße runter, wo wir bei etwa Km 9 in die Siemensstraße abbiegen sind nicht besonders erwähnenswert und dienen eher zum Abschalten. Was uns dann kurz vor Km 11 erwartet, ist neu – zumindest mir noch nicht bekannt – und naja, wie soll ich sagen, eigentlich schon eine lustige Idee, aber mir hat`s halt einfach nicht gefallen. Wir laufen nun auf ein Betriebsgelände und werden mit einem festinstallierten Banner mit dem Aufdruck „Jetzt geht`s rund!“ begrüßt. Es ist der Continental Systemprüfkurs des gleichnamigen Reifenherstellers, der hier seine Reifentests auf einem rund anderthalb Kilometer langen, dreispurigen Kurs durchführt und wir durchlaufen die Teststrecke. Links säumen dicke Leitplanken die Strecke, doch was mich bzw. meine Knochen ziemlich negativ beansprucht, sind die höher gelegten Kurven. Es sind nicht wirklich Steilkurven, trotzdem ist der permanente Neigungswinkel in den drei Kurven deutlich spürbar. Am Ende der Teststrecke ist ein „Boxenstopp“ eingerichtet, an dem man sich verpflegen kann. Danach geht es über die Siemensstraße zurück zur Straubinger Straße und wir laufen bis Km 15 zurück zur Altstadt, die wir nochmals auf anderem Wege durchlaufen dürfen.

Am Ende des Ostenstraße geht`s rechts rüber zur Thundorfer Straße und wir laufen ein gutes Stück an der Donau entlang. Schiffe liegen hier vor Anker und Regensburg zeigt sich wieder von der schöneren Seite. Bei Km 17 haben wir die Steinerne Brücke erreicht, die wir nicht überlaufen, sonder wir lassen sie einfach rechts liegen. Seit meinem letzten Besuch von vor etwa einem Jahr hat sich hier auch etwas getan, denn die Steinerne Brücke ist komplett eingehüllt und wird offensichtlich renoviert. Da wir eh nicht drüber dürfen, ist mir das aber dann doch egal und wir nähern uns schön langsam aber sicher dem Ende der ersten Runde. An der Holzländerstraße erhalten die Halbmarathonis ihre letzte Verpflegung und ich merke auch, wie das Tempo um mich herum deutlich angezogen wird. Ganz kann ich es nicht vermeiden mitzuziehen, aber ich halte mich im Zaum, liegt doch die ganze Runde nochmal vor mir. So biege ich kurz nach dem Westbad nach links ab, während die Halbmarathonis nach rechts geleitet werde und nach rund zweihundert Metern im Ziel sind.

Erst mal genieße ich die Ruhe, die mich plötzlich umgibt, denn plötzlich bin ich nahezu alleine. Die vereinzelten Zuschauer in diesem Bereich zollen einem Applaus und Respekt, der mir gut tut. Die Ruhe hält aber nur bis zur Altstadt an, denn Dank des immer besser werdenden Wetters finden sich auch immer mehr Menschen in der Altstadt ein und die feiern wirklich jeden einzelnen Marathonläufer. Ich versuche mich bei allen Zuschauern für ihren Applaus zu bedanken, was mir nicht immer gelingt, denn es sind einfach zu viele. Als ich die Altstadt hinter mir habe, was ein wirklicher Genuss war, wartet die endlos scheinende Straubinger Straße auf mich. Ich laufe auf eine Mitläuferin auf, grüße höflich und sie sieht mich nur an und meint: „Were to hell are all the others?“. Eine englische Mitläuferin hat sich wohl auch ins Feld verirrt und ich entgegne ihr nur: „I think, they`re all behind us“. Sie lächelt und wir laufen weiter. Wir rollen aber beide den einen oder andren Marathoni auf und nähern uns wieder meiner geliebten Continental-Teststrecke. Kurz davon treffe ich noch auf Charly, der mir entgegenkommt, ein fast verunglücktes Selfie und unsere Wege trennen sich wieder. Der Gripp meiner Schuhe auf der Teststrecke war ideal, dennoch verfluchte ich weiter die „Steilkurven“, taten sie doch nun schon ordentlich weh.

Aber irgendwann hatte ich auch diesen Teil hinter mir, die Straubinger Straße zurück hab ich im geistigen Tunnel verbracht und freute mich nun tierisch auf die Altstadt. Hier war inzwischen fast die Hölle los. Regensburger genossen die aufkommende Sonne in Straßenkaffees, Touristen versperrten schon mal die Ideallinie und auch die anwesenden Bands hatten noch nicht aufgehört zu spielen. Ich versuche die Balance auf dem Kopfsteinpflaster zu behalten, winke und grüße nur noch hier und da. Es lief nun richtig gut. Die Altstadt in Regensburg, ich weiß nicht, ob ich`s schon erwähnt habe, ist ein Traum und hier läuft`s, denn die Zuschauer und sonstig zufälligen Anwesenden tun einem mit ihrem Applaus richtig gut. Dann kommen die letzten drei bis vier Kilometer bis ins Ziel. Ein paar hundert Meter vor dem Ziel steht schon Charly, der mal wieder in einer tollen Zeit unter vier Stunden gefinisht hat und winkt mir zu. Ich laufe ins Ziel ein, bin happy da zu sein und bin auch erst mal platt.

Nach einer warmen Dusche im Westbad gingen wir zurück zum Party- und Marathonmessebereich neben dem Zielbereich, um uns zu stärken. Mit einem, im Startgeld enthaltenen Gutschein konnte man sich noch am Nudelbüffet stärken, aber auch Stände mit Crêpes, Mandeln und anderem ließen keine Wünsche offen. Eigentlich wollten wir gerade aufbrechen, als Charly sich entschied noch die Ergebnisliste anzuschauen. Ich vernahm in diesem Moment den Stadionsprecher, der ankündigte, dass die 5:30 Stunden bis zum Zielschluss nun erreicht seien. Es befinde sich aber nur noch ein Läufer auf der Strecke und den wollen sie unbedingt noch abwarten. Der Besenläufer, der den Letzten Läufer begleitete, gab wohl immer wieder den Standort und das Befinden des Läufers an den Sprecher weiter, so dass eine tolle Moderation daraus wurde. Das interessierte mich nun wirklich mehr als die Ergebnisliste und so begab ich mich in den Zielbereich.

Was ich dort sah beeindrucke mich wirklich. Ohne Übertreibung: Mehrere hundert Zuschauer warteten auf den „Letzten Sieger“ – wie der Sprecher betonte - und sie alle feierten ihn, wohl mehr als den „Ersten Sieger“. Aus dem Verpflegungsbereich liefen Finisher rüber zum Ziel und jubelten dem Läufer zu. Ohne es verhindern zu können, bekam ich eine Gänsehaut und ich musste tatsächlich auch die eine oder andere Träne der Rührung wegblinzeln. Auch das ist Marathon. Der Junge war vielleicht dreißig Jahre alt, lief mit der Bayernfahne ein und stellte sich einem Finisher-Foto mit dem Besenmann. Und der Junge war sowas von stolz. Ich fand`s einfach nur toll. Daher auf diesem Wege – auch wenn er`s wohl nicht lesen wird – Glückwunsch und Respekt zu Deinem Marathonfinish!

Charly... ...schnell ein Selfie
Charly
Greppi
3:56:36
4:33:58
 
   
 
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Laufbericht 2009 2007 Marathon normalo und Kulturmarathon zugleich | Mario Peschke
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