19.8.2012 Allgäu Panorama Marathon  
Autor: Andreas Greppmeir
Run To The Hills
 
ERGEBNISSE
Wintermarathon Leipzig
Thermen-Marathon
Rheinfall Marathon
Malta Marathon
Trail du Petit Ballon
Freiburg Marathon
Marathon des Sables
Défi des Seigneurs
Rennsteiglauf
Kopenhagen Marathon
Liechtenstein Marathon
Marathon du Vignoble
Stockholm Marathon
Zugspitz Ultratrail
Friedensmarathon
Allgäu Panorama M.
Karwendelmarsch

Jungfrau Marathon

Voralpen Marathon
Wörthersee Trail
München Marathon
Schwarzwald Marathon
Frauenfelder Marathon

Bereits letztes Jahr hatte ich mir vorgenommen, den Allgäu Panorama Marathon zu laufen. Leider musste ich aufgrund meiner Verletzung darauf verzichten und lief so zum dritten Mal den Halbmarathon. Doch die Motivation einmal den schönsten Marathon Bayerns – wie es immer so schön heißt – zu bewältigen, ging nicht verloren.

In diesem Jahr blieb ich verletzungsfrei und meldete mich frühzeitig an, damit ich ja keinen Rückzieher mehr machen konnte. Charly war der erste, der sich bei mir meldete und mir zusicherte, dass wir uns diesen Wahnsinn gemeinsam angehen werden. Bernie sicherte uns zu, uns mit all seiner Erfahrung zu unterstützen und mit uns die 42 Kilometer zu laufen. Auch Jan ließ sich nicht lange bitten.

So ging es für uns vier am Samstag vor dem Marathon gemeinsam nach Sonthofen. Bernie hatte uns im nur zwei Kilometer entfernten Altstädten Zimmer gebucht. Nachdem wir diese bezogen hatten, machten wir uns gleich auf zur Marathonmesse. Direkt neben dem Freizeitbad Wonnemar findet man die Blank-Arena. Dort konnten wir unsere Startunterlagen in Empfang nehmen. Erstmals gab es dieses Mal kein Laufshirt als Beigabe, sondern einen Rucksack. Die Halb-Marathonis blickten manchmal etwas neidvoll auf unsere edlen schwarzen Rücksäcke, die es nur für Marathon- und Ultraläufer gab. Der Rest bekam eine abgespeckte Version in weiß oder beige.

Nachdem alles in Bernies Auto verstaut war, suchten wir die Pasta-Party auf, um uns unsere Portion Nudeln auf den Teller laden zu lassen. Mit Joe Kelbel, Conny und Jörg Kaltwasser bevölkerten noch ein paar bekannte Gesichter der Marathon- und Ultraszene unseren Tisch. Anschließend ging‘s zum gemeinsamen Eis-Schnabulieren in die Sonthofer Innenstadt.

Charly und ich wurden immer ruhiger, als die Gespräche am Tisch immer mehr in Richtung Ultraläufe gingen. Eigentlich hatten wir gedacht, wir seien inzwischen doch erfahrende Läufer, aber es gibt halt immer noch eine Steigerung. Abschließend stärkten wir uns noch bei einem nicht weiter erwähnenswerten Inder und ab ging‘s in die Federn – dachte ich.

Aber da hatten wir die Rechnung nicht mit Janosch gemacht. Der zog noch eine Flasche polnischen Honig-Wodka aus der Tasche. 40-prozentig, aber doch lecker, so sicherte er uns zu. Nachdem jeder ein Glas gekostet hatte, stimmten wir ihm zu, war wirklich ein guter Tropfen. Aber mehr gab‘s nicht, morgen hatten wir ja einiges vor.

Nach einem kurzen Frühstück standen wir auch pünktlich vor dem Allgäu Outlet. Von dort aus sollten wir auf unsere 42 km lange Bergtour geschickt werden. Der Bayerische Rundfunk war mit Kameras vor Ort. Bernie im Lederhosen-Outfit und Filzhut am Start, war natürlich für die Kameras ein gefundenes Fressen. So konnte man am Abend in „Sport in Bayern“ Bernie auch gleich als Opener bewundern. "Ein echtes Stück Bayern" hieß es an dieser Stelle. Im Hintergrund waren drei unscheinbare Läufer in gelben Shirts zu erkennen. Ja, wir waren also alle im Fernsehen.

Pünktlich um acht Uhr wurden wir auf die Strecke gelassen. Bernie und Jan gingen die Sache eher gelassen an. Bei Charly und mir dürfte die Nervosität doch erkennbar gewesen sein. Zwei Kilometer führten uns flach an den Ortsrand von Sonthofen. Kurz nach dem wir den Sonthofer Baggersee passiert hatten, ging‘s endlich los. Der erste Anstieg lag vor uns. Wir hatten uns ja geschworen von Anfang an jeden Anstieg zu gehen und daran hielten wir uns auch strikt. Hatte es beim Start noch 14° C, war die Temperatur bis jetzt jedoch schon deutlich gestiegen und das sollte sie auch weiterhin ohne Rücksicht auf uns Läufer tun.

Kurz bevor wir neun Kilometer passiert hatten erreichten wir die zweite Verpflegungsstelle an der Weltcup-Hütte Ofterschwang. Eine wunderbare Aussicht über Sonthofen konnten wir genießen. Charly und ich waren auch noch gut gelaunt und konnten es kaum erwarten weitere Höhenmeter zu erklimmen. Weiter ging‘s in Richtung Weiherkopf.

Meter für Meter kämpften wir uns weiter vor- bzw. bergaufwärts. Die Temperatur stieg unerbittlich an und die Sonne schien gnadenlos auf uns nieder. Nach rund 14 Kilometern sprach Charly endlich aus, was ich mir schon lange dachte: "Sind wir eigentlich bescheuert? Warum machen wir so einen Scheiß. Ich hab keinen Bock mehr!" Genau so sah ich's auch und stimmte ihm zu.

Allerdings hatten wir den höchsten Punkt bei 1651 hm hinter uns. Unser nächstes Ziel musste Grasgehren sein. Bei km 19 wartete dort die nächste Verpflegungsstation und die Cut-Off-Zone auf uns. Wer nicht nach 3 Stunden und 15 Minuten dort ankam, wurde unwiderruflich aus dem Rennen genommen. Auf dem Weg dorthin machten wir uns alle über Jan Gedanken. Der lag hinter uns und war auch bei übersichtlichen Streckenteilen nicht mehr zu sehen. Hoffentlich war bei ihm alles in Ordnung. Charly und ich, erreichten in Begleitung unseres Bergführers Bernie bereits zwanzig Minuten vor dem Cut-Off die Grasgehren-Lifte. Nun hieß es auch die restlichen 23 Kilometer zu laufen.

Ich verabschiedete mich am Riedbergpass von meinen beiden Begleitern. Mir war das Tempo etwas zu hoch und die Gehpausen zu kurz. Die Sonne brannte inzwischen ohne Erbarmen auf uns nieder und ich bin nur wahrlich kein Hitzeläufer. Jede Viehtränke, jeder Bachlauf musste ab jetzt herhalten. Eine Handvoll Wasser ins Gesicht, die Mütze eingeweicht und weiter.

Bis km 30 zum Hirschsprung ging's nur überwiegend bergab. Abwärts hatte ich dann doch wieder etwas Energie und Lauflust gefunden. In einem relativ konstanten Tempo konnte ich weitere Kilometer hinter mich bringen. Unten angekommen wartete die nächste Verpflegungsstelle auf uns. Als ich gerade meinen zweiten Becher Cola hinunterspülte, tauchte plötzlich ein gelbes Shirt zwischen den Bäumen auf und Jan stand vor mir. Gott sei Dank hatte er nicht aufgegeben. Er war wohl auch froh ein bekanntes Gesicht zu sehen und erzählte mir, dass es ihm schon nach 15 km so dreckig ging, dass er am liebsten den Bus nehmen wollte. Aber es ging halt keiner.

Jetzt konnten wir ein paar Kilometer zusammen laufen. Wir waren uns einig. Bei dieser Wahnsinnshitze kann es nur noch ein Ziel für uns geben: Das Ziel. Bei Obermaiselstein und rund 32 km wartete der letzte große Anstieg auf uns. Neben einem Bauernhof ging es über einen Trampelpfad steil bergan. Ein kleiner Bachlauf verhieß uns Erfrischung. Jan fiel auf die Knie und erfrischte sich.

Ich tat es ihm nach und als ich wieder aufstand, hatte ich kurz Sorge aus meinen schönen roten Laufschuhen zu kippen. Der Kreislauf ging verdächtig in den Keller und der vor mir liegende Anstieg wurde zur Qual. Mehrfach musste ich stehen bleiben, da mein Kreislauf nicht mehr so wollte wie ich. Doch am Ende wartete ein kleines Waldstück auf mich und eine Bank mit super Aussicht. Ich gesellte mich zu zwei weiteren Läufern, die ebenfalls ziemlich am Ende waren. Jan schickte ich weiter auf die Reise. Nachdem ich ihm zugesichert hatte, dass ich klar komme, lief er weiter. Rund 4 Minuten später hatte ich mich soweit erholt, dass es weiter gehen konnte.

Auf einem weiteren Abstieg der teilweise Trails, teilweise Stufen aufwies, überholte mich Klaus Duwe, Chef von Bernie's marathon4you-Truppe. Auch er sah mir mein Elend deutlich an und fand doch ein paar aufmunternde Worte. Nach etwa 35 Kilometer war ich wieder ganz unten. Nein, nicht mental, da war inzwischen wieder alles im Lot und war sogar erstaunlich frisch. Bis ins Ziel ging'‘s nur noch eben dahin.

Am Illerdamm entlang immer weiter in Richtung Sonthofen. Zahlreiche Badegäste tummelten sich bei rund 36°C inzwischen in und an der Iller. Da konnte man schon neidisch werden. Doch anerkennende Worte von Wanderern und Radlern trieben mich immer weiter in Richtung Ziel. Dass ich inzwischen nur noch sechs Teilnehmer hinter mir hatte, war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst, wäre mir aber auch egal gewesen.

Nach 6 Stunden und 40 Minuten war es dann endlich so weit, ich überquerte die Ziellinie und wurde wie bereits in den vergangenen drei Jahren von Axel Reusch, dem Veranstalter des Allgäu Panorama Marathon per Handschlag begrüßt. Diese Ehre lässt er allen Teilnehmern des Halbmarathon, Marathon und Ultra-Trail entgegenkommen. Nachdem ich meine Medaille um den Hals hatte, winkten mir Bernie, Charly und Jan schon freudig entgegen. Wir hatten alle gesund das Ziel erreicht und darauf waren wir auch mächtig stolz.

Nachdem wir uns im Zielbereich etwas gestärkt hatten, packten wir unsere Badehosen aus und genossen das kühle Nass des Wonnemar, wo wir freien Eintritt hatten. Eine Stunde später aber plagte und der Hunger. In einem gemütlichen Biergarten gab`s für jeden eine ordentliche Portion und ein verdientes Siegerbier, bevor‘s für uns wieder nach Hause ging.

Alles in Allem war der Allgäu Panorama ein fantastischer Lauf, der mich wirklich an meine Grenzen gebracht hat. Ob ich mir das bei den gleichen Bedingungen nochmals antun würde, kann ich heute noch nicht beantworten. Bei deutlich kühleren Temperaturen wäre ich sicher nochmal bereit mich dieser Herausforderung zu stellen.

Mein Dank und mein Respekt gilt sowohl Bernie, der uns super begleitet und motiviert hat, sowie auch Charly und Jan, die mich immer wieder aufgemuntert haben. Ich glaub wir haben an diesem Wochenende alle vier etwas Besonderes geleistet. Immerhin kamen von rund 350 Startern beim Marathon nur knapp unter 300 ins Ziel.

 
Auf den APM.
Besuch in Sonthofen.
Am Start.
Gemütlich geht's los.
VP an der Weltcuphütte Ofterschwang.
Jan hängt etwas zurück.
Der Grünten ist immer ein Foto wert.
"Ein echtes Stück Bayern"...
...die Kühe gehören einfach zum Allgäu.
Jede Viehtränke wurde genützt.
Gegenverkehr.
Zwei haben sich gefunden: Greppi und die Bank.
Die letzten Meter.
Charly läuft ein.
Jan hat den Bus verpasst, musste durchlaufen.
Greppi im Ziel.
Bernie
Charly
Jan
Greppi

5:48:43
5:53:00
6:25:50
6:40:31
 
 
...
Laufbericht 2014 APUT – Short Cut | Andreas Greppmeir

Laufbericht 2013 "Kuhler" Trail über die Hörner | Bernie Manhard

Laufbericht 2011
Alles beim Alten | Bernie Manhard

Laufbericht 2010 Allgäu Panorama Ultra "Tortour" | Bernie Manhard

Laufbericht 2009 Über den Wolken | Bernie Manhard
...
 
HOME  | TERMINE | TRAINING | NEWS | GÄSTEBUCH | MEDAILLEN |  LINKS |  RUNNER | KONTAKT