26.11.2011 Genusslauf-Marathon  
Autor: Bernie Manhard   Bericht mit 150 Fotos auf  
 
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Als romantisches Land der Burgen, Höhlen und Mühlen ist die Fränkische Schweiz in den letzten 200 Jahren berühmt geworden. 170 Burgen entstanden im Mittelalter, davon sind 35 heute noch bewohnt. Die Landschaft ist geprägt von einzigartigen Kalk- und Dolomitfelsen mit fast 1000 Höhlen und anderen geologischen Besonderheiten.

Thomas Schmidtkonz wildert in den Sommermonaten alljährlich in seiner Heimat und ist dabei auf der Jagd nach markanten Felsformationen, Höhlen und Burgruinen und sucht dazu die schönsten Routen durch die charakteristische Berg- und Hügellandschaft. Die Ausbeute seiner Aktivitäten wird – mittlerweile zum 5. Mal – jeweils Ende November einer Gruppe von ca. 30 – 35 Personen präsentiert. Das Ganze nennt sich dann Genusslauf-Marathon.

Auf die Teilnehmer wartet ein disziplinierter Gruppenlauf im kontrollierten Tempo ohne Zeitvorgabe. Zu Hause bleiben dürfen all jene, die am Saisonende noch unter Ehrgeiz leiden und unbedingt einen festen Kilometerschnitt laufen wollen oder eine programmierte Zielankunft im Kopf haben. Alle Attraktionen an der Strecke werden nicht nur passiert, sondern auch besichtigt und nicht einfach daran vorbei gelaufen. Kein Wunder also, dass ein Großteil der Teilnehmer auch eine Kamera mitführt.

Die genaue Strecke ist nicht hundertprozentig exakt ausgemessen, sondern existiert nur auf Thomas‘ GPS, so dass alle auch ihm folgen müssen. Jedes Jahr wird die Strecke verändert, von unterschiedlichen Startorten und auf größtenteils neuen Abschnitten durch geführt. Die Distanz soll in etwa Marathonlänge aufweisen, wer aber die 42,195 km eidesstattlich garantiert haben will, sollte lieber die Finger davon lassen. Zur Distanz sind in der hügeligen „kleinen Schweiz“ auch noch ca. 1.500 Höhenmeter zu bewältigen. Bei der maximalen Teilnehmerzahl von 30 Personen gibt es noch eine Besonderheit: Es werden zusätzlich noch 4 Hunde zugelassen. Natürlich sollten deren Besitzer auch zu den 30 Läufern gehören. Anmelden dazu kann man sich nur persönlich bei Thomas.

Auf der eigenen Website und auf Facebook können detaillierte Infos und Streckenbilder schon vorab abgerufen werden. Das Teilnehmerkontingent ist meist schon Monate vorher komplett ausgebucht, daher ist es ratsam früh dran zu sein. Wer dennoch zu spät kommt, wird aber auf die Warteliste gesetzt und rückt auf, wenn sich einer abmeldet. Die Teilnahmekosten sind eigentlich eher Schwäbisch als Fränkisch, den Lauf gibt es zum Nulltarif. Lediglich eine Spende für Speis und Trank ist gerne gesehen.

Heuer war das Interesse im Vorfeld wieder riesengroß, sodass sich Thomas entschloss, noch eine zweite Auflage, zwei Wochen später, anzuhängen. Der Genusslauf-Marathon Reloaded wird am 10. Dezember stattfinden.

Jan, Mario und ich haben sich rechtzeitig angemeldet und sind pünktlich um 8:30 Uhr am Treffpunkt. Auf einem Parkplatz der 2000-Seelen-Gemeinde Obertrubach im Landkreis Forchheim in Oberfranken. Einige Verspätungen gibt es noch, aber kein Problem, so wird halt der Start etwas nach hinten auf 9 Uhr verschoben. 29 Läufer/innen haben sich letztendlich eingefunden, u.a. sogar einer aus Berlin. Das Mitführen von Stirnlampen wurde vorher ausdrücklich empfohlen, so wird die Verschiebung kein Problem sein. Nach einer kleinen Ansprache von Thomas werden von ihm noch schnell ein Schlussläufer und ein Guide für Didi eingeteilt, welche im Verlaufe des Tages gewechselt werden sollen. Und schon geht’s los.

Am Ortsende führt der Weg bereits in den Wald auf einen Abschnitt des Frankenwegs. Bereits nach ein paar hundert Metern gibt es den ersten Verlaufer, nach genauem GPS-Studium wird kehrt gemacht und wir sind wieder richtig. Die Wege sind heute aber auch sehr schwer auszumachen, da alles mit Laub übersät ist. Für ein paar Nachzügler wie mich fällt der Umweg etwas kürzer aus, das ist halt der Vorteil, wenn man es nicht im Mindesten eilig hat. Nach zwei Monaten Zwangs-Laufpause kann es mir heute gar nicht langsam genug sein.

Ein abwechslungsreicher Trail führt uns auf dem Rücken des „Langen Bergs“ schon nach kurzer Zeit vorbei an Felsen mit irren Gesteinslöchern. Erste bekannte Attraktion ist das Felsgebilde „Jura-Elefant“. Der Nebel hängt noch zäh zwischen den Bäumen, unter den Felsformationen komme ich mir vor wie in einem Gemälde von Caspar David Friedrich. Anschließend erklimmen wir einen Gipfel mit toller Weitsicht über die Fränkische Schweiz …oder zumindest hätten wir sie ohne die Nebelsuppe.

Ja, wie entstand den eigentlich der Name Fränkische Schweiz? Früher hieß die Gegend unter Höhlenkundlern „Muggendorfer Gebürg". Dem Erlanger Zoologieprofessor Georg August Goldfuß fielen 1810 in seinem Reiseführer Ähnlichkeiten mit der Schweiz auf. „Freylich darfst du den Maßstab nicht aus Helvetien holen, wenn ich dir mächtige Felsmassen und hohe Berggipfel beschreibe. In jenem großen Style hat die Natur hier nicht gebauet und unsere Berge sind nur unmündige Kinder gegen jene wolkentragende Alpen“, schrieb er im Vorwort.

Die Vergleiche mit der Schweiz häuften sich in der Reiseliteratur und eine „Marktlücke“ für die einheimische Tourismusindustrie tat sich plötzlich auf. 1820 nannte einer seinen Wanderführer stolz "Die Kleine Schweiz" und rief dem Leser zu: „Verlasst die Stadt, besucht die Flur, kommt in die kleine Schweiz“. In einem Reiseführer von 1829 hieß es dann entsprechend: "Muggendorf und seine Umgebung, oder die Fränkische Schweiz".

Die Literaten jener Zeit waren sich nicht so recht einig, welche Bezeichnung sich durchzusetzen vermag. Erst ab 1856 als Adalbert Küttlinger sein Werk „Die Fränkische Schweiz und die Molkekuranstalt zu Streitberg“ nannte, bürgerte sich der Name endgültig ein, alle späteren Reiseführer sprachen nur noch von der „Fränkischen Schweiz“. Der Name ist also ein Kunstwort, eine Regionsbezeichnung, die durch den Tourismus entstanden ist.

Nach den ersten fünf Kilometern und einer Stunde Laufzeit erreichen wir unsere mobile Verpflegungsstelle. Sieben Mal werden wir sie heute anlaufen können, bestens bestückt und betreut von Thomas‘ Ehefrau Gaby. Das Angebot lässt wirklich keine Wünsche offen. Heißer Tee, Cola, Kuchen, Lebkuchen, Würstchen, Käse, Salzgebäck und noch viele, viele weitere leckere Sachen sind „Onboard“. Und nicht zu vergessen, die sehr beliebten Negerküsse …pardon, darf man jetzt ja nicht mehr sagen. „Schaumküsse mit Migrationshintergrund“ heißen sie jetzt, klärt mich Erwin auf. In einem weiteren Begleitfahrzeug bestand auch die Möglichkeit zu einer Gepäckdeponierung. Der will, kann heute zwischendrin auch mal die Kleider wechseln.

Nächste Station ist die Burgruine Stierberg oberhalb der gleichnamigen Ortschaft. Von dieser hochmittelalterliche Adelsburg sind aber lediglich noch ein Turm der Vorburg, sowie einige Mauerreste erhalten. Mindestens 700 Jahre ist sie alt. Eine kleine Schleife führt uns nochmals zu den Versorgungsfahrzeugen zurück.

Weiter geht’s zur Burgruine Wildenfels, nach heutigen Erkenntnissen wurde sie zwischen 1290 und 1300 von den Herren von Wildenstein erbaut. Mehrmals wurde sie zerstört und wieder aufgebaut, den endgültigen Rest gab ihr 1553 der zweite Markgrafenkrieg. 1827 stürzte nach einem Blitzschlag die Westhälfte des bis dahin noch weitgehend erhaltenen Bergfrieds ein. Trotzdem ist sie immer noch ein lohnenswertes Ausflugsziel. Im Verlauf des Tages muss Thomas immer wieder mal weitere kleine Streckenkorrekturen vornehmen, auswendig hat er die Route nicht im Kopf, da muss das GPS zur Korrektur herhalten. Meistens erwischt es aber nur die Vorauseilenden, die wieder zurück laufen müssen.

In der Nähe von Betzenstein vermag ich kaum meinen Augen zu trauen. Wir passieren eine Liftanlage. Beim kleinen, idyllischen Skilift Spiess mit seiner 300 Meter langen Flutlicht-Piste kostet die Einzelfahrt 50 Cent, die Zehnerkarte 4 Euro. Aber sie ist heute natürlich noch verwaist. Wie wir alle, wartet auch sie auf den Schnee. Wenig später wird wieder unsere mobile Verpflegung angelaufen. Diverse Freunde, einschließlich mir, findet nach über 3 Stunden Laufzeit die Flasche mit Rum. „Um den heißen Tee aufzupeppen“, oder auch um sich „Mut anzutrinken, für den bevorstehenden Streckenabschnitt“, wird gespaßt.

Wir folgen einem Waldweg bis zum Beginn des Eibengrates, für mich definitiv der heutige Höhepunkt. Über den bemoosten Felsgrat geht ein Klettersteig, der uns durch eine wunderschöne, knapp einen Kilometer lange Felsenlandschaft führt. Der Weg ist zwar nicht übermäßig gefährlich, aber man benötigt zum Klettern schon seine Hände. Durch die Nässe sind die Felsen etwas rutschig und glitschig, aber es macht einen Heidenspaß über den Grat zu kraxeln. Es geht rauf und runter, durch Felsspalten und unter natürliche Hindernisse durch.

Teilweise hätte man auch die Wahl, die Felsen auf einem schmalen Pfad zu umgehen, aber keiner lässt sich den Spaß entgehen und alle wollen oben drüber. Das Ende des Felsensteigs verlassen wir durch einen engen Felsspalt. Fast genau eine Stunde hat die, einen Kilometer lange Klettereinlage gedauert.

Nach 6 Stunden erreichen wir Betzenstein. Frankens kleinste Stadt weist eine bewegte Geschichte auf. Bereits 1187 das erste Mal urkundlich erwähnt, wurde der Ort 1359 unter böhmischer Herrschaft, von Kaiser Karl IV zum Markt erhoben und mit Stadtrechten ausgestattet, die 1611 bestätigt wurden. So feiert heuer die Stadt mit seinen 850 Einwohnern ihr 400. Stadtjubiläum. Auf dem Aussichtsturm Schmiedberg wird uns ein herrlicher Überblick über das alte Städtchen geboten. Fast hat es den Anschein als könnte sich die Sonne doch noch durch die Wolken kämpfen, aber es bleibt leider beim „fast“.

Die nächsten Höhepunkte sind der „Stiefel“ und die Durchgangshöhle Klauskirche, die uns zum Abenteuerpark Betzenstein führt. Hier bekommt Thomas einen Anruf. Drei Nachzügler haben zur Gruppe keinen Kontakt mehr. Per Telefon werden sie hierher gelotst. Gar nicht so einfach, das Zusammenhalten einer so großen Meute. Die Aktion dauert natürlich etwas, so vertreiben sich einige im derzeit verwaisten Klettergarten die Zeit mit kleinen Turnübungen.

Weiter geht’s zu den Naturdenkmälern „Hexentor“ und „Wassersteintor“, alle werden natürlich wieder ausgiebig begutachtet. Erst im Dunkeln erreichen wir die Burgruine Leienfels, trotzdem unternehmen wir eine Besichtigung. Die abschließenden 45 Minuten führen uns fast ausschließlich Abwärts und mit Beleuchtung zum Ausgangspunkt nach Obertrubach zurück.

8:35 Stunden waren wir genussvoll im Naturpark Fränkische Schweiz unterwegs, so viele wunderschöne Aussichtspunkte und herrliche Trails bekommt man wahrlich nicht alle Tage geboten. Unser Dank gebührt Thomas und Gaby die viel Zeit in die Erkundung dieser Route investiert haben und für einen wunderschönen, erlebnisreichen Tag.

Die Messungen bezüglich Distanz und Höhenmeter sind unterschiedlich, von 38 – 42 km und 1.300 –1.500 Meter Höhenmeter. „Nix g’naues woas ma ned“, die Wahrheit liegt wohl in der Mitte, juckt aber auch nicht wirklich einen. Zum Abschluss bekommt noch jeder eine persönliche Teilnahme-Urkunde von Thomas überreicht.

 
 
Thomas hält noch eine Ansprache.
29 Personen waren am Start.
Herrliche Felsengebilde schon nach wenigen km.
Der Jura-Elefant
Der Jura-Elefant.
Äpfel waren noch reichlich auf dem Baum. . .
...wir wurden aber besser versorgt.
Burgruine Stierberg
Burgruine Stierberg.
Tollen Abenteuerspielplatz boten uns die
Reste von Burg Wildenfels.
Einstieg in den Eibengrat.
Einige Hindernisse waren im Weg.
Es geht auf und ab.
Manchmal wurde es auch eng.
Durch Löcher hindurch.
Über Bäume hinweg.
Das Ende des Eibengrat.
Durchgangshöhle Klauskirche.
Hexentor.
Wassersteintor.
Burg Leienfels bei Dunkelheit.
 
Bernie
Jan
Mario
8:35:00
8:35:00
8:35:00

 
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