21.8.2011 Allgäu Panorama Marathon/Ultra Trail
Autor: Bernie Manhard   Bericht mit 180 Fotos auf  
 
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Was haben ich nicht alles gesehen und gelesen in den letzten Laufberichten. Meist nur Regen, Regen, Regen, sogar von „Land unter“ war die Rede. Der Karwendelberglauf wurde gar Ende Juli wegen Schneefall gestrichen. Ich bin zum dritten Mal in Serie beim APM in Sonthofen, hier ist wieder „alles beim Alten“, wie jedes Jahr herrscht eine Prügelhitze und der Sommer zeigt sich von seiner heißesten Seite. Heuer ist die 5. Auflage der Veranstaltung und immer war der bayerisch weiß/blaue Himmel obligatorisch. Organisator Axel Reusch scheint da einen guten Draht nach oben zu haben.

Kurz vor dem Start um 6 Uhr ist es schon richtig wohlig warm, wie es sich halt normaler weise für eine laue Sommernacht so gehört. Das sind für die bevorstehenden fast 70 km natürlich nicht die allerbesten Voraussetzungen, aber ist mir ehrlich gesagt immer noch lieber als das Pisswetter, wie wir es in den vergangenen Wochen zur Genüge hatten und so werden wohl die meisten denken. Einen richtigen „run“ hat es heuer bei den Anmeldezahlen gegeben. 297 Teilnehmer stehen heute beim Ultra Trail am Start, das ist ein gutes Drittel mehr wie im Vorjahr, was vielleicht auch zum Teil an der Integration der Deutschen Meisterschaften der DUV im Cross- und Landschaftslauf liegen mag.

Die ersten Kilometer im Morgengrauen bieten uns eine wunderschöne Szenerie über die Allgäuer Alpen. An vorderster Front der Bergketten steht der Grünten, weshalb er auch als Wächter des Allgäus bezeichnet wird. Meisterhaft kann er sich rechts an unserer Laufstrecke in Szene setzen. Nach zwei Kilometern Einlaufen, geht es für uns rauf auf die Hörnergruppe und wir wenden ihm den Rücken zu. Aber Blicke zurück sind gestattet und von mir ausdrücklich empfohlen, obwohl sich ja Läufer nicht umdrehen sollen, weil es ein Zeichen von Schwäche sein soll.

Heute kann man wieder einen herrlichen Sonnenaufgang erleben. Das sind eben die Vorzüge die eine frühere Startzeit so mit sich bringt. Aber etwas ist heute anders, als in den Vorjahren. Trotz der schon gewohnten, alljährlich hohen Temperaturen tagsüber, ist es auch heute Morgen spürbar wärmer als sonst. Schon auf den ersten Kilometern komme ich mächtig ins Schwitzen, es liegt bereits eine leichte Schwüle in der Luft.

Abkühlung bekommen wir am ersten Getränkestand vor der Weltcuphütte der Ofterschwanger Liftanlagen. Nachfolgend kommt nach 10 km mein Lieblingsabschnitt auf diesem ersten Aufstieg. Am Hang des Ochsenkopfs geht es auf teils rustikalen Trails hinauf bis zum Gipfelkreuz des Weiherkopfs. Auf den engen Pfaden ist heuer richtig Verkehr, man merkt deutlich die gestiegen Teilnehmerzahlen. Mir macht es aber weniger aus, beim Aufstieg heißt es für mich Kräfte einteilen und nicht unnötige Energie verschleudern.

Nach dem Gipfel kommt eine ca. 500 Meter lange Bremskontrollstrecke, hier bekommen wir schon mal einen ersten kurzen Vorgeschmack auf das, was uns heute noch abwärts erwartet. Nach justieren meiner Oberschenkelbremse kommt ein längerer, teils auch flacher Abschnitt, hinauf zum Riedbergpass. Die ersten Wassertröge am Wegesrand werden schon begeistert frequentiert, mit einem kühlen Kopf läuft es sich gleich wieder viel leichter. Oben angekommen bietet sich uns ein erster prachtvoller Blick auf das Gottesackerplateau. Auf den nächsten 20 km werden wir es aus den unterschiedlichsten Positionen zu Gesicht bekommen, daher nehme ich es mit der Kamera auch verstärkt ins Visier.

Der Sage nach war das wild zerklüftete Plateau zwischen Hohen Ifen und Gottesackerwänden vor Zeiten eine schöne, grasreiche Alpe, auf welcher das Vieh weidete und futterreichen Ertrag gab. Eines Tages hielt ein Bettler um eine Gabe an, wurde aber mit Hohn abgewiesen. Da verfluchte er die Alpe, und siehe da, ein Erdbeben verschlang diese. Sturm und Regengüsse fegten und schwemmten Wald und Boden hinweg, sodass nur mehr das kahle Gestein übrig blieb. Die Wissenschaft sieht das natürlich anders. Die ursprünglich darüber gelegene Gesteinsschicht, der Flysch wurde hier durch den Einfluss des fließenden Wassers und der Eiszeiten abgeräumt. Übrig blieb nur der Schrattenkalk.

Nach 19 km mit 1100 Höhenmetern geht es über die Zeitmessmatte hinein zum ersten Verpflegungspunkt an der Bergstation der Grasgehren-Lifte. Vom Vorjahr habe ich noch den leckeren Zwetschgendatschi in Erinnerung, der geht mir heute etwas ab. So gönne ich mir stattdessen vorsichtshalber ein Energygel. Sportlernahrung und Obst sind genügend vorhanden. Meine Trinkflasche wird neu aufgefüllt und dazu gebe ich eine kräftige Prise Salz um vor Krämpfen verschont zu bleiben, was mir letztes Jahr nicht besonders gut gelang.

Gefährlich wird es für uns auf dem Oberallgäuer Rundwanderweg, bevor es in den schattigen Wald geht, pflastern frische Tellerminen unseren Weg. Die Allgäuer Rindviecher sind auf der gesamten Strecke Mega präsent, ebenso wie ihre Hinterlassenschaften und da wir uns auf ihrem Terrain befinden, müssen wir die Augen auch verstärkt auf den Boden richten. Vielleicht ist ja auch ein Fladen von Yvonne dabei, die sich gerade auf der Flucht befindet. Nach durchqueren des Wäldchens trennen sich die gemeinsamen Wege von Trailern und Marathonis.

Für uns geht es nach rechts weiter. Über einige steile Bergabstücke erreichen wir den Weiler Rohrmoos, wo es wieder Wasser zum nachtanken gibt. Ab hier gibt es heuer eine Streckenänderung gegenüber der Vorjahre. Die bereits nach zwei Ultra Trails legendär gewordene Durchquerung des Moorgebietes ist heuer nicht möglich und muss ganz kurzfristig umgangen werden. Wo man sonst bei Abweichen der Holzplanken bis über den Knöchel im Wasser gestanden ist, wäre man heute bis zur Hüfte versunken, klärte uns Axel Reusch beim Briefing am Vorabend auf. Dank der vielen Regenfälle in den letzten Wochen. Nicht wenige sind auf dieser Passage schon zu einem gratis Moorbad gekommen. Uns bringt der Umweg einige hundert Meter Laufstrecke mehr ein, aber Vermessung und Streckenausschilderung wurden in der Kürze der Zeit nicht mehr vorgenommen.

Kurz vor Halbzeit unseres Laufes überschreiten wir die Grenze ins österreichische Bundesland Vorarlberg. Am Gasthof Hörnlepass ist eine große Versorgungsoase für uns aufgebaut. Hier werden wirklich alle Wünsche, von süß bis salzig erfüllt. Am Start konnte man einen „Special-Need-Beutel“ mit frischen Klamotten und Sonstigen abgeben und hierher transportieren lassen. Viele haben das im Vorjahr genutzt und nach kreuzen des Moors die eingesauten Schuhe gewechselt, das haben wir heute nicht nötig.

Weiter führt unser Kurs auf einer Teerstraße runter nach Riezlern im Kleinwalsertal. Aufgrund seiner geographischen Lage mit seiner alpinen Geländestruktur gibt es keine direkte Straßenverbindung zum übrigen Österreich. Das Tal ist per PKW nur auf einer Straße aus Deutschland zu erreichen. Es handelt sich damit um eine sogenannte funktionale Enklave, in der es auch einige Besonderheiten gibt. So dürfen bis heute Verhaftete von der Polizei nicht auf der Straße über Deutschland nach Vorarlberg zu Gericht gebracht, sondern müssen mit einem Hubschrauber ausgeflogen werden.

Nach der mächtigen Brücke über die Breitach überqueren wir bei Km 35 die Hauptstraße des Tals und begeben uns wieder nach oben. Brütend heiß ohne Schatten führt der Wanderweg Richtung Söllereckbahn Bergstation. Aber dafür bekommen wir noch einmal eine spektakuläre Aussicht auf die seltsamen Mauern der Gottesackerwände. Mit dem Stock des Hohen Ifen (2.230 m) stellen sie eines der interessantesten Alpengebiete dar. Diverse Brunnen am Wegesrand bieten uns immer wieder die Möglichkeit eine Mütze voll kaltem Wasser über den Kopf zu schnütten. Zudem tauchen auch einige Wolken am Himmel auf und schützen abschnittsweise vor der sengenden Sonne.

Plötzlich herrscht Aufruhr auf den Almen, urplötzlich setzt sich eine Herde Kühe im Schweinsgalopp in Bewegung und jagt über die Wiesen den Abhang hinunter. Ob die wohl beim Anblick von ein paar Verrückten geflohen sind oder hat da vielleicht am Ende doch Yvonne ihre Hufe im Spiel und trainiert bereits weitere Artgenossen für eine Flucht? An der Söllereckbahn wartet wieder Trinkwasser auf uns und nach einem kurzen Kletterstück geht es runter ins Tal. Fast durchgehend gut zu Laufen führt unsere Route über Kiesstraßen, steile Wurzelpfade und Waldwege, meist im schattigen Wald auf einer Länge von über 5 km nach unten.

Bis Oberstdorf sind ab Waldende noch drei Kilometer in der Ebene, meist in der prallen Sonne zurückzulegen. Ja, heute ist Sommer …und was für einer, da schmilzt dir fast das Hirn in der Birne so hat sich die Hitze im Tal gestaut. Nach gut 7 Stunden laufe ich in die Erdinger Arena (Km 49) ein und sehe am Ausgang gerade noch Mario entschwinden. Eigentlich wollten wir heute gemeinsam laufen, aber nach meinen ersten Fotostopps hat er sich schnell abgesetzt. Meine Pause fällt daher etwas kürzer aus als eigentlich vorgesehen, um ihn noch einzuholen.

Die Cut-Off-Zeit ist im Skisprungstadion auf 8:15 Std. angesetzt, wer später eintrifft oder nicht mehr weiterlaufen mag, kommt in eine eigene Wertung und bekommt auch eine APM-Medaille. 37 Läufer/innen machen heute von der Ausstiegsmöglichkeit Gebrauch. Ich nehme mir Zeit für eine ausgiebige Stärkung und ein wunderbares Erdinger Alkoholfrei. Einen zweiten Becher nehme ich mir noch beim Verlassen zur Wegzehrung mit. Auf Mario habe ich jetzt 12 Minuten Rückstand, schau mer mal was da noch geht.

Das härteste Stück Arbeit des UT ist der ca. 10 km lange Anstieg über die Gaisalpe zum Sonnenkopf. 1000 Höhenmeter gilt es von Oberstdorf bis zum Gipfel zu meistern. Obwohl der Sonnenkopf eigentlich im Allgäu keine große Nummer ist, hat er bei den APM-Teilnehmern schon einen legendären Ruf erlangt und wurde schon mit den schlimmsten Verwünschungen belegt. Mario kann ich bald abfangen, ein Stückchen legen wir noch gemeinsam zurück, dann zahlt sich meine anfängliche Zurückhaltung aus und ich kann mich absetzen. Die letzten beiden Kilometer unterhalb des Gipfelkreuzes sind die anspruchsvollsten und setzen jedem zu, sie sind mit Sicherheit das Kriterium des Ultra Trails. Am sehnsüchtig erwarteten Gipfel (Km 60) wird dafür jeder mit einem Becher Wasser begrüßt. Mühsam haben einige Helfer diverse Liter mühevoll noch oben gebracht, um uns die nötige Erfrischung anbieten zu können.

Dann geht’s für den finalen Abstieg 9 km nur noch abwärts, die ersten sind aber noch sehr rustikal, man ist gut beraten es langsamer angehen zu lassen. Einen Sportkamerad hat es gleich wenige Meter unterhalb des Kreuzes richtig zerlegt, sodass er nur noch mit Begleitung bis zum nächsten Fahrzeug gebracht werden konnte. Ich nehme mir diese Warnung mit meinen müden Oberschenkeln zu Herzen und gehe es vorerst mal gemütlich an. Auf den Schlusskilometern kann man es aber dann so richtig krachen lassen, das mäßige Gefälle schiebt einem förmlich hinunter …aber natürlich nur, wenn man noch ein paar Körner übrig hat und nicht schon alles verpulvert hat.

Meine Zeit vom Vorjahr kann ich bei identischen Wetterbedingungen um 50 Minuten verbessern, liegt vielleicht auch daran dass ich heuer extra noch Salztabletten mitgeführt und regelmäßig geschluckt habe um Krämpfe zu vermeiden, die mir 2010 noch stark zugesetzt haben. Kurz nach mir trifft auch Mario im Ziel ein. Im Ziel bekommen wir, wie jeder andere Ultra Trail Finisher auch, das Steinmännle zur Belohnung. Ein tolles und auch begehrtes Souvernir und des hamma uns auch wirklich verdient.

Mein Fazit fällt nach der 3. Ultra-Trail-Auflage auch ganz kurz und knapp aus: ich wüsste eigentlich nicht was man noch verbessern könnte. Große Anerkennung möchte ich noch den vielen Helfern zollen, die uns bei dieser Hitze versorgt und betreut haben.

Greppi suchte sich wie jedes Jahr die Halbmarathon-Flachstrecke aus. Anders als bei den Langstrecken ist beim HM die erste Hälfte eben, beim Rückweg muss ein kurzer Anstieg hinter Rubi bezwungen werden. Aber über zwei Stunden in der Gluthitze im Tal waren auch Schwerstarbeit. Vielleicht kann ich ihn ja mal überzeugen, auch auf den Berg zu laufen, schöner und auch etwas angenehmer ist es doch oben.

 
Die Schreiberlinge von marathon4you.
Axel Reusch beim Briefing.
Am Start war es heuer auch schon warm.
Die ersten 10 km sind geschafft.
Mario hat sich bereits abgesetzt.
Unser erster Gipfel, der Weiherkopf.
Alle Viehtränken werden zur Erfrischung genützt.
Mario hat auch dringend eine nötig.
Fast Halbzeit am Hörnlepass.
Im Kleinwalsertal sind es 35 km.
Der Hohe Ifen.
Cut-Off in der Erdinger Arena Oberstdorf.
Mario ist eingeholt.
Turnübung über den Stacheldrahtzaun.
Der Sonnenkopf ist bezwungen.
Im Ziel 50 Min. besser als im Vorjahr.
Mario hat es auch geschafft.
Bernie, Mario und Anton mit Steinmännle.
Greppi beim HM in der sengenden Sonne.
 
Bernie
Mario
Greppi
10:55:10 (UT)
11:06:48
(UT)
02:22:09
(HM)

 
 
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