22.8.2010 Allgäu Panorama Marathon/Ultra Trail
Bericht mit 180 Bildern auf
Autor: Bernie Manhard  
Ultra, Marathon und ein Halber, alles dabei! Bild: Gipfel Sonnenkopf.
 
 
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Letztes Jahr feierte der Ultra Trail Premiere im Rahmen des Ällgau Panorama Marathon, den ich noch unter die Füße nahm. Die Begeisterung bei der Zielankunft war so groß, dass bereits da für mich feststand, heuer muss es der UT sein. Die Vorbereitung von gestern auf heute war nur suboptimal, da ich noch auf eine Hochzeit musste und so gezwungen war die Anreise in der Nacht vorzunehmen.

Kurz nach 2 Uhr war dann auch die Schlafphase für mich bereits beendet. Mit dabei ist wieder Jan, der sich so ein Unternehmen auch ungern entgehen lässt. Glücklicherweise sind in den letzten Monaten einige neue Straßen zur Verbindung ins Allgäu dazugekommen, sodass wir von Augsburg locker in 1 Stunde 15 Minuten Sonthofen erreichen. Den Weg kenne ich auch schon zur genüge, da ich nach dem Oberstaufer und Immenstädter Marathon zum dritten Mal innerhalb 7 Wochen die Ällgäuer Bergwelt erkunden will und somit für heuer alle Allgäuer Marathons mit ordentlich Höhenmeter auf meiner Liste hätte. Leider abgesagt für 2010 ist ja der Voralpenmarathon in Kempten, den hatte ich mir auch noch vorgemerkt, sodass es bei den dreien bleiben wird.

Kurz vor 5 Uhr treffen wir noch in stockdunkler Nacht vor dem Startplatz am Allgäu Outlet ein, wo seit 4:30 Uhr noch die Möglichkeit zur Nachmeldung und der Empfang der Startunterlagen eingerichtet ist. Natürlich geht’s zu so früher Stunde noch ruhig zu, aber es sind doch einige die von dieser Möglichkeit noch Gebrauch machen und erst kurzfristig anreisen. In unserem Startpaketen befinden sich aus Sicherheitsgründen für jeden Trailer eine Rettungsdecke und eine Trillerpfeife, die mitzuführen sind.

Das sehr schöne Finishershirt gibt’s hier auch schon vorab. Eine besonderen Tipp darf ich für diese Uhrzeit noch weitergeben, den ich mir auch erst nach dem Lesen des Vorjahresberichtes von m4y-Kollege Daniel verinnerlicht habe. Die Dixis auf dem Parkplatz nebenan stehen natürlich noch vollkommen im Dunklen und jeder Sportler weiß wie wichtig uns die Toilettenbesuche vor so einem Rennen sind, daher ist eine kleine Taschenlampe ein wertvolles Accessoire. Daniel hat seine letztes Jahr im Auto liegen lassen, ich hab meine jetzt dabei und bin überaus dankbar für den Ratschlag.

Einen Kilometer entfernt am Erlebnisbad Wonnemar liegt unsere Zielankunft und zugleich Parkmöglichkeit für unsere PKWs. Jan und ich haben jetzt noch eine stressfreie Stunde Zeit um umzuparken und uns zu präparieren und dann wieder hierher zum Startplatz zurückzukommen. Heute gilt es einiges mitzuführen, außer der erwähnten Rettungsdecke und Pfeifchen ist jeder noch verpflichtet ein funktionierendes Handy dabei zu haben und des weiteren wird dringend eine Getränkeflasche oder Trinkrucksack empfohlen. Bei vorher gesagten 30 Grad und VP-Abständen von bis zu 10 km in alpinem Gelände kann es sonst leicht zu Versorgungsproblemen kommen.

Die Probleme haben die zwei Stunden nach uns startenden Marathonläufer nicht, bei ihnen gibt es sogar noch ein paar Wasserstellen mehr. Kurzfristig haben sich noch Mario und Magic dazu entschlossen. Magic will seinen abgebrochenen London-Marathon ersetzen und Mario braucht noch etwas Höhentraining für die Jungfrau. Greppi ist im Urlaub, da schiebt er kurz den HM dazwischen.

Um Punkt 6 Uhr ist der Start, frösteln braucht um diese Zeit keiner mehr im Shirt, es hat bereits angenehme 15 Grad und im Morgengrauen ist am Himmel kein einziges Wölkchen auszumachen. Es wird also noch richtig heiß werden. Gemächlich setzten sich die meisten Trailer in Bewegung. Die Zeitmessung wird mit einem Leihchip mit Klettband um’s Fußgelenk durchgeführt und es gibt auch nur eine Bruttozeit, was hier, wie man sieht den meisten ziemlich wurst ist. Nach ein paar Metern sind wir raus aus Sonthofen und laufen erstmal zwei Kilometer an der Iller und am Sonthofener Baggersee entlang Richtung Bihlerdorf, kurz vorher geht’s links ab und das Einlaufen im Flachen ist beendet.

Auf einer Teerstraße führt uns der nächste Kilometer moderat nach oben, aber nach einer Wiesenüberquerung vor Hüttenberg legt die Steilheit gleich spürbar zu, dafür gibt es aber beim Rückwärtsschauen einen wunderschönen Scherenschnitt auf den Wächter des Allgäus, den Grünten und ein paar Minuten später geht die Sonne genau hinter seinem Profil auf. Ein herrliches Bild. Ja, die frühe Startzeit hat schon so seine Vorzüge. Erst am Hang entlang und dann durch teilweise wurzelige Waldabschnitte arbeiten wir uns nach oben. Überholen ist auf diesen Singletrails und in den Wiesen nicht ganz einfach, außer man will sich gleich nasse Füße im feuchten hohen Gras einhandeln. Prompt gibt es hinter mir schon einen ersten Motzer, dem das Tempo der Schlange zu langsam ist.

Nach etwas mehr als 7 km erreichen wir einen Naturhochseilgarten, genau darunter sitzt der Schorsch und notiert von jedem die Startnummer. Es gäbe ja auch die Möglichkeit mit dem Auto hier rauf zu kommen und Mogler soll es ja überall geben.Etwas unterhalb der Weltcuphütte und der Bergstation der Ofterschwanger Skilifte (km 9) ist die erste Versorgungsstelle aufgebaut. Wasser und Iso stehen zur Auswahl. Jan zieht von hier ab davon und ich kann ihn hin und wieder nur noch in der Ferne ausmachen.

Der weitere Weg führt uns um das Sigiswanger Horn herum, ein Abschnitt den ich schon vom Vorjahr kenne und der mir besonders gut gefällt. Am steil abfallenden Hang geht es auf einem schmalen Trail im Wald über Wurzeln und Steine in herrlicher Vegetation immer leicht bergauf, im weiteren Verlauf auf schmalen Naturwegen Richtung Gipfel. Zwischendrin ist es schon mal etwas schmierig. Vor mir läuft der Steffen Rothe, mit richtigen Kampfspuren auf dem Allerwertesten und Schürfungen an Armen und Beinen. Er hat sich vorher mit dem Berg angelegt und dabei den kürzeren gezogen. Vorsicht ist also geboten auf der rutschigen Passage.

Auf dem letzten Kilometer vor dem Weiherkopf darf noch mal richtig geschnauft werden, steil geht’s rauf auf’s Gipfelkreuz. Ein Drittel unserer heutigen Höhenmeter sind geschafft und ca. 13 km, dafür hab ich fast genau 2 Stunden benötigt. Das sind 15 Minuten mehr als im Vorjahr auf der Marathonstrecke, meine Tempoeinteilung müsste also ganz gut passen auf der längeren Strecke. Fast alle um mich herum, nehmen sich am Gipfelkreuz Zeit, um erstmal ein kleines Päuschen einzulegen und die traumhafte Aussicht zu genießen und natürlich sind auch einige Gipfelfotos fällig. Ja, herrlich ist’s hier oben. Genau gegenüber auf der anderen Seite des Illertals, noch etwas im Dunst liegt der Sonnenkopf, er wird unsere größte Herausforderung bei km 60 heute noch sein.

Nach dem Gipfelsturm kommt folgerichtig immer der Abstieg und der hat es in sich. Auf einem Schotterweg kommen auf 500 Metern und 150 hm die Oberschenkelmuskeln voll zum Einsatz. Etwas unterhalb vom Berghaus Schwaben haben wir plötzlich jede Menge Gegenverkehr. Eine ganze Horde Rindviecher bevölkert unsere Laufstrecke. Nein, Nein, ich meine jetzt nicht uns damit, schon die Vierbeinigen! Fast hätte ich den Überblick verloren und wäre geradeaus weiter abwärts gelaufen, aber unser Kurs führt wieder aufwärts.

Vom Riedberger Horn, genauer gesagt etwas unterhalb, verlieren wir auf einem 1 km langen Schussstück bis zur ersten Vollverpflegungsstelle bei den Grasgehren-Liften fast 200 Höhenmeter. Hier ist auch zur Kontrolle und Zwischenzeitmessung eine Zeitmessmatte ausgelegt. Im Internet gibt es eine Seite der Zeitmessfirma, wo sich Fans und Angehörige die Live-Durchgangs-zeiten ansehen können. Wirklich ein tolle Sache. Für mich und die meisten anderen ist jetzt nach 19 km Zeit für ein ausgiebiges Frühstück. Das Angebot ist wirklich umfangreich, ein Stück Zwetschgendatschi lacht mich als erstes an, danach Butterbrote mit Salz. Die Auswahl ist allererste Sahne, es gibt noch Melonen, Äpfel, Bananen, Nüsse, Feigen, Früchteriegel, Energie-Gels. Und auch Salzschüsselchen stehen da, um unseren Getränken oder auch Speisen das wichtige Mineral zukommen zu lassen.

Magic stürzt sich bei seiner Ankunft auch auf den Datschi. Von da an ging's für ihn nur mehr bergab, mit der Strecke und der Leistung, er ist ihm nämlich nicht bekommen.

Nach 5 Minuten ausgiebiger Stärkung kann ich mich lösen und meinen Weg fortsetzen. Tendenziell führen die nächsten Kilometer nach Rohrmoos immer abwärts. Bis zu km 21 werden die später startenden Marathonis die gleiche Streckenführung haben wie wir, dann geht es für uns rechts ab. Kurz vor der nächsten Wasserstelle bei km 25 im Weiler Rohrmoos geht es auf einem schmierigen Pfad, steil über eine Wiese den Hang hinab. Gutes Profil auf den Sohlen ist hier Gold wert. Ein Läufer vor mir ist fast am verzweifeln weil es so rutschig ist und kommt kaum vom Fleck. Dann wird wieder aufgetankt, zuerst die Gurgel danach die Wasserflasche.

Die nächsten zweieinhalb Kilometer auf einer Teerstraße vermitteln ein Gefühl das wir heute auch noch nicht oft hatten: Laufen auf fast ebener Strecke. Nachfolgend ein 3 km Anstieg durch den Wald zur Passhöhe. Die Kraft der Sonne bekommen wir hier und heute erstmals so richtig vermittelt. Die Schattenseiten am Wegesrand werden von allen bevorzugt genützt.

Ab km 30 wird es nass und matschig. Wir durchqueren auf einem schmalen Trail das Moos. Auf einem ein Kilometer langen Abschnitt ist vor allem die Balance auf den ausgelegten Holzbohlen gefragt. Nachdem ich ein paar mal kurz davor bin, nicht nur mit den Füßen Kontakt mit dem Schlamm aufzunehmen, bewege ich mich nur mehr sehr vorsichtig über die glitschigen Bretter. Aber überall liegen die auch nicht, so gibt es keinen Ausweg als sich die Schuhe so richtig schön einzusauen. Als ich mich mal ieder mit der Kamera nach hinten orientiere, kann ich plötzlich Jan ausmachen, ich wähnte ihn ja einiges weiter vorne. Vor dem Anstieg zum Riedberger Horn ist er hinter einer Gruppe hergelaufen und die haben den falschen Weg eingeschlagen. Erst als bei km 19 immer noch nicht die VP kam, ist es ihnen spanisch vorgekommen und sind umgekehrt. Der kleine Umweg hat ihm ca. 3 km zusätzlich eingebracht hat, erzählt er mir.

Nach 34 km verlassen wir bayerischen Boden und erreichen die Staatsgrenze zum österreichischen Bundesland Vorarlberg. Weniger später ist für mich Halbzeit und treffe an der Vollverpflegungsstelle Hörnlepass ein. Vor dem Start gab es auch die Möglichkeit hierher einen Kleiderbeutel transportieren zu lassen. Meiner liegt bereit und darin warten frische trockene Socken und ein ärmelloses Singlet auf mich. Die dreckverschmierten Schuhe werden aber stolz bis ins Ziel getragen. Aber vorher wird wieder anständig gefuttert. Es ist wieder alles dabei was das Herz begehrt. Von Süß bis salzig und fruchtig bis sportlertypisch, alles ist da. Das Gros der Trailer wird zwischen 9 und 12 Stunden unterwegs sein, daher sollte man sich die Zeit für ausreichende Verpflegung schon gönnen.

Ich fühle mich nach der kleinen Pause wieder sehr gut und folge Jan, der jetzt bergab auf der Teerstraße wieder mächtig Fahrt aufnimmt. Aber kurz vor Ritzlern im Kleinwalsertal habe ich das Gefühl wir laufen gegen eine heiße Wand. Nicht nur wir, sondern auch die Temperaturen haben unten im Tal gewaltig zugelegt. Mich trifft es fast wie ein Hammer.

Nach überqueren der Kleinwalsertal-Bundesstraße sind über 5 km und 400 hm größtenteils in der Sonne, unterhalb Kanzelwand und Fellhorn rauf zur Söllereckbahn zurückzulegen. Wasserstellen gibt es zwischendrin vom Veranstalter keine, aber einige Brunnen am Wegesrand mit klaren Quellwasser sorgen für Abkühlung. Kaum einer kommt mehr an einem der zahlreichen Wassertröge vorbei, ohne sich den Kopf zu kühlen. An der Bergbahn (km 42) gibt es dann auch das ersehnte Trinkwasser für uns. Auf 1400 m Höhe hat man eine prächtige Aussicht über Oberstdorf, aber vom Planet jetzt ganz schön gezeichnet fällt es mir und den meisten anderen nicht mehr so leicht sich daran zu erfreuen, Schatten kann jetzt eindeutig mehr Pluspunkte sammeln. Ein Stück aufwärts ist es dann noch bis unsere Laufstrecke wieder seinen Gipfel erreicht und vom Gesamten (Distanz & Höhenmeter) etwa 2/3 absolviert sind.

Der Abstieg ins Tal führt uns wieder in den schattigen Wald. Die ersten Kilometer gehen noch auf einem geschotterten etwas breiteren Weg, nachfolgend aber fast treppenförmig steil über Wurzeln und Steinen bis zum Freibergsee. Wunderbar Idyllisch liegt er vor uns. Ich denke nicht nur Jan und ich hegen in diesem Moment den verlockenden Gedanken, ganz runter ans Ufer zu laufen und rein zu springen. Im Hintergrund ragt die Heini-Klopfer-Skiflugschanze in den Himmel. Die frei ausragende Spannbeton-Konstruktion wird im Volksmund "Schiefer Turm von Oberstdorf" genannt. Sie wird als eines der schönsten und zweckmäßigsten Bauwerke auf dem Gebiet des nordischen Skisports bezeichnet. Oberstdorf wollte etwas Einmaliges bieten, das ist zweifellos gelungen, sie fügt sich wirklich wunderbar in die Landschaft ein. Der Schanzenrekord steht im Übrigen derzeit auf 225,5 m.

Unser nächstes Ziel sind die Schanzen in der Erdinger Arena Oberstdorf, die vor allem bekannt sind durch das jährlich stattfindende Auftaktspringen der Vierschanzen-Tournee, die sind aber von der Heini-Klopfer-Schanze noch ein paar Kilometer entfernt. Über 5 km und fast 600 hm ging es runter bis ins Tal. Jetzt müssen wir noch in der sengenden Hitze 2,5 km im Flachen bis zum Cut-Off in Oberstdorf realisieren. Wer dieses Teilziel nicht in 8,25 Std. erreicht, darf nicht mehr weiter laufen. Es gibt aber auch die Möglichkeit freiwillig auszusteigen und in eine separate Wertung aufgenommen zu werden und dafür auch eine Medaille zu empfangen. Aber, jetzt kommt’s …das Steinmännle bekommen nur die Finisher der kompletten Strecke und das will ich ja unbedingt haben.

Jan und ich erreichen die Anlage in 7:30 Std., so haben wir ausgiebig Zeit zur Stärkung, die wir auch bitter nötig haben. Im Eingangsbereich des Stadions wird jeder vom Sprecher begrüßt. Mein erstes Bedürfnis sind zwei Becher Cola, ich bin gerade so down dass ich nicht mal Lust auf ein Erdinger habe. Oh, wenn das der Anton liest. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen von der Möglichkeit Gebrauch zu machen, die Beine massieren zu lassen, aber da herrscht so viel Andrang, dass ich es sein lasse.

Nach 10 Minuten verlässt Jan das Areal, ich kann ihn gerade noch außerhalb weiter oben ausmachen. Das ist für mich auch das Startsignal nachzurücken und den harten Aufstieg zum Sonnenkopf in Angriff zu nehmen. Ja, ein kleines Schepperle muss man schon haben um diese weiteren Strapazen auf sich zu ziehen …aber, das haben wir ja auch! 27 Trailer bleiben heute hier hängen. Beim Anstieg neben den Schanzen relativiert sich bei aber schon wieder alles, ich denke mir, die hier runter springen sind noch verrückter! Gerade höre ich noch wie Olaf bei der Ankunft im Stadion begrüßt wird und schon geht’s auffi.

11 km sind es bis ganz rauf auf den Gipfel des Sonnenkopfs, steil geht’s schon nach der Arena los. Das positivste ist dass der größte Teil der Strecke im Wald und damit im Schatten liegt. Was den Muskeln von vielen Mitläufern hier aber wenig schert, die sind hier bei vielen am Limit. Die meisten, inklusive mir schleppen sich nur mühsam hoch. Jan hat noch mehr Power und zieht davon. Nach gut der Hälfte ist es dann soweit, meine Muskulatur rebelliert, Wadl, Oberschenkel, ja sogar teilweise in den Fußsohlen zieht und sticht es. Ich muss mir eine kleine Massage- und Dehnungspause gönnen. Im langsamen Gehtempo geht’s erstmal wieder einigermaßen.

Ein Stück weiter liegt vor mir, mitten auf einem schmalen Pfad am Hang der Egert Röhr. Auf dem unebenen Boden ist er gestürzt und seine Muskeln haben sich dabei auch vollkommen verkrampft. Er benötigt meine Hilfe um überhaupt noch hoch zu kommen. Aber auch bei ihm geht’s bald wieder weiter.

Am Alpengasthof Gaisalpe ist wieder ein Wasserstelle aufgebaut, es gibt auch wieder Cola und Gels dazu. Dann beginnen die letzten 3 km unterhalb des Gipfel und die stellen alles in den Schatten, was heute so geboten wurde. Fast senkrecht führt der Pfad im dichten Wald nach oben und der Trail nimmt kein Ende. Dieser Abschnitt ist mit Sicherheit das Kriterium des gesamten UT. Wer sich diesen Abschnitt ausgedacht hat, der hat’s wirklich „gut“ mit uns gemeint. Einer legt sich einfach für ein paar Minuten auf die Seite und lässt den Herrgott einen guten Mann sein. Er hat das schon mehrmals auf dem Aufstieg so gehalten, erzählt er mir. Leider habe ich vergessen meine alten Daten von der Uhr zu löschen, jetzt ist der Speicher voll und ich bekomme keine Kilometerschnitt mehr mitgeteilt, was mich brennend interessieren würde. Ich benötige sicher eine Stunde für die 3 km.

Die Allgäu Panorama Ultra Tortur zieht und zieht sich zähflüssig nach oben. Ein paar kann ich trotzdem noch überholen. Dann höre ich in einiger Entfernung Jubel. Als ich aus den Bäumen ins Freie gelange sehe ich das Gipfelkreuz des Sonnenkopf über mir, die Betreuer an der dortigen Wasserstelle feuern jeden auf seinen letzten 50 Metern zum Gipfel begeistert an. Wahnsinn, das Schlimmste ist geschafft, es ist eine Erlösung, unter uns kann man praktisch schon das Ziel in Sonthofen ausmachen. Hier müsste man einen Fotograf positionieren, der könnte bestimmt tolle Schnappschüsse unserer gequälten Gesichter einfangen.

Etwas unterhalb des Gipfels sind 60 km durch und einen Kilometer weiter ist noch mal eine Vollverpflegungsstelle aufgebaut mit allem was benötigt wird. Die letzten 9 km führen immer abwärts, anfangs noch etwas ruppig aber bald geht es teilweise in Teerstraßen und Feldwege über. Am Sonthofer Hof (km 63) ist die letzte VP aufgebaut. Hier kann man sich auch ein schönes gepflegte Weißbier einschenken lassen …und ich will jetzt. Da ich auch noch Cola haben möchte, macht mir die Helferin das tolle Angebot und mixt mir ein Cola-Weizen. Ahh, herrlich, dafür bedanke ich mich recht herzlich. Das setzt wieder Kräfte frei für die letzten 6 Kilometer.

Bis ins Ziel ist alles mit mäßiger Neigung gut zu laufen. 300 Meter vor dem Ziel klopft mir tatsächlich noch m4y-Kollege Olaf auf die Schulter, wir laufen zeitgleich am Wonnemar ein, wo wir von Axel Reusch und von Anton schon empfangen werden. 11:45 h waren es für Olaf und mich, so lange war ich bisher noch nie unterwegs. Jan wartet auch schon 20 Minuten auf mich.

Ich habe es unbedingt gewollt und jetzt bekomme ich es auch, begeistert empfange ich mein Allgäuer Steinmännle, es wird bei mir einen Ehrenplatz bekommen. Jeder der das Ziel erreicht darf sich natürlich sowieso als Sieger fühlen, mit diesem tollen Präsent wird der Lauf aber noch einmal aufgewertet, ich kenne gar keinen andere Veranstaltung wo jedem Läufer ein derartige Trophäe überreicht wird. Und alle sind handgefertigte Unikate. Insgesamt haben sich das heute 150 Finisher verdient.

Hart ist er, aber das soll ja auch so sein, die Organisatoren Axel und Christian haben mit ihrem Team alles getan um ein spektakuläres Event auf die Beine zu stellen, dazu möchte ich mich als Teilnehmer auch recht herzlich bedanken. Für mich gibt’s nichts zu meckern …oder obwohl, diese letzten drei Kilometer zum Sonnenkopf, mussten die sein? ;-)

Auch für die Marathonis waren heute die Bedingungen sehr schwer, sie starteten erst um 8 Uhr als die Temperaturen schon ziemlich hoch waren, gleiches gilt natürlich auch für die Läufer des Halben, die schon voll in die Hitze rein laufen mussten. Magic und Mario liefen beide schnell an, mussten aber auf der zweiten Hälfte dem Wetter Tribut zollen.

Start im Morgengrauen.
Den Grünten gab es noch als Scherenschnitt.
Immer schön fotografieren.
Jetzt zieht Jan davon.
Die ersten Sonnenstrahlen hinterm Grünten.
Nach 2 Stunden war der erste Gipfel erobert.
Genau gegenüber des Weiherkopf liegt der
Sonnenkopf, da haben wir dann 60 km
hinter uns.
Währendessen machen sich die Marathonis
fertig zum Start.
Sehr warm ging's schon los.
An der ersten Fressstelle bei km 19 gab es den
wunderbaren Datschi. Mir ist er vorzüglich
bekommen, Magic angeblich nicht.
Die Trailer sind halt härter im Nehmen ;-)
Mario ist schon richtig heiß gelaufen.
Magic fleißig am trinken.
Nach Rohrmoos geht's ins Moos. 1 km lang war
der Abschnitt in der Brühe.
Die Bretter waren total glitschig.
Plötzlich war Jan hinter mir, sein Umweg hat
ihm ca. 3 km mehr eingebracht.
Nach demr Moor gab es für mich bei km 35
erst mal frische trockene Socken und ein Shirt.
Über meinen "Wo ist Joe?" Gag kann man auf
m4y lesen.
Im Kleinen Walsertal sind wir gegen eine
heiße Wand gelaufen.
Jeder Brunnen wurde zur Abkühlung ausgenützt.
Am steilen Abstieg haben wir richtig Dampf
gemacht.
Am liebsten wären wir runter an den Freibergsee
und wären reingesprungen.
Cutt-Off und Ausstiegsstelle in der Erdinger
Arena. 8:15 mussten hier erreicht werden.
Ich war so fertig, dass mir nicht mal ein Erdinger
geschmeckt hat. Fast 50 km und 2000 hm hinter
uns und jetzt nochmal 20 km bei 30 Grad.
Und dann ging's hoch auf den Sonnenkopf.
Einfach hammerhart!!!
Magic macht aber auch einen fertigen Eindruck.
Die letzten km hat Mario mit Klaus Passow
gemeinsam gemeistert.
Nach 11:45 endlich im Ziel.
Es ist der Wahnsinn, nicht nur wegen der
30 Grad Hitze.
Jan und ich sind trotzdem begeistert vom
APM UT.
Mein Männle bekommt einen Ehrenplatz,
geschenkt bekommt man das wahrlich nicht.
Jan
Bernie
Magic
Mario
Greppi
UT
UT
M
M
HM
11:25:03
11:45:49
04:45:49
05:28:39
02:02:13
...
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